Bestimmung von (Kirchen)Tonarten

Dieses Thema im Forum "Theorie, Arrangement & Komposition" wurde erstellt von Blümchen, 29. Sep. 2016.

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  1. Pedall
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    Pedall

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    Wie meinem Beitrag zu entnehmen ist, spielt die rechte Hand einen Akkord, nämlich einen c-moll-Akkord.

    Die Aufteilung "unten Akkord, oben Melodiestimme" stammt nicht von mir, sondern ist, ebenfalls meinem Beitrag gut zu entnehmen, ein Zitat von Pianosurfer.

    ... dann bezieht sich das genau auf das Beispiel. Solange die "Melodie" aus den Tönen c, es und g besteht, ändert sich am c-moll-Akkord nun mal nichts.
     
  2. Pedall
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    Pedall

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    Bei dieser dreistimmigen Aussetzung habe ich gewisse Mühe, "funktional zu hören":

     
  3. rolf
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    ...hm...
     
  4. Pedall
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  5. rolf
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    eine hätt´ ich tatsächlich noch:
    wieso in BWV 999 - und sei es nur als Annahme - zwischen Oberstimmenmelodie und "Akkord" trennen?
    ...das kommt mir so vor wie angenommen der Mond ist eine Gurke, dann kann man ihn schälen und Salat aus ihm machen...
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Okt. 2016
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  6. Pedall
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    Weil das Stück für Klavier ist. Und beim Klavier gilt bekanntlich:

    Aber vielleicht habe ich die Feinheiten von Pianosurfers Erläuterung da immer noch nicht ganz vollständig verstanden.
     
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  7. rolf
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    rolf

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    geht mir ähnlich... aber egtal, für die unten-Akkord-oben-Melodie Feinheiten wäre Chopins op.28 Nr.4 deutlich geeigneter gewesen als BWV 999 ;-)
     
  8. pianosurfer
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    pianosurfer

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    Ihr reitet aber ganz schön lange auf meinen Ausführungen rum. Es ist doch jetzt schon längst geklärt, dass sie auf einem Missverständnis beruhten. Ich hatte auch nur nach Erklärungen bzgl meines eigenen Verständnisses gesucht .

    Als ich von Akkord sprach meinte ich das übrigens generisch für alle Spielweisen von Akkorden ( gebrochen , im Walzerstil etc) - in der linken Hand. Da fallen mir sehr viele Stücke von Chopin ein. Jetzt aber noch mal für alle - ich habe verstanden, dass das absolut keine Beispiele für modal - in welcher Form auch immer - sind.

    Danke noch mal an @hasenbein, das war sehr hilfreich.
     
  9. Barratt
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    Barratt

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    Zum Beispiel "Punctus contra punctum" bzw. "Diminutio contrapuncti" und Imitation ("Quod unus cantat, omnes per ordinem recitent").

    Es hat jahrhundertelang absurde Diskussionen gegeben, wie Musik anlassbezogen komponiert werden muss/darf und wie nicht. Pfitzners Oper "Palestrina" gewährt einen kleinen Einblick in die teils mehr von kirchenpolitischen als musikalischen Konfliktlinien geprägte Entwicklung.;-)
     
  10. pianosurfer
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    pianosurfer

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    Habe mir schwer überlegt, ob ich mich nochmal trauen soll..

    Am WE bin ich über ein Leadsheet von Beatles "get back" gestoßen. Es sieht so aus wie G-Dur , also fängt an mit g (Edit: fängt an mit d), hört auf mit g, und ist mit einem Kreuz notiert. Jetzt gibt es aber in dem ganzen Stück nicht ein fis, es ist immer zum f vermindert (in der Melodie, aber auch Akkkorde sind ausser G zB F, G7). Ist das jetzt g-mixolydisch? Falls ja wär´s ein schönes anschauliches Beispiel (aber wahrscheinlich wieder alles falsch..)
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Okt. 2016
  11. Häretiker
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    Häretiker

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    Gefühlt so mixolydisch wie ein Blues in G.

    Dann eher "Express Yourself" von Madonna.

    Grüße
    Häretiker
     
  12. pianosurfer
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    pianosurfer

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    War ja wieder klar ;)

    Vielleicht der Mittelteil (glaube das Gitarrensolo) - da scheint wirklich nur die Septime erniedrigt, aber nicht die Terz... interessant, auch mit Madonna. Wer hätte das gedacht, in der Popmusik (ich bin ja nur ahnungsloser Amateur, all ihr Cracks wusstest das sicher längst schon..)
     
  13. Häretiker
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    Häretiker

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    Moin!

    Ich bin selbst Amateur und meine(!), von einigen Dingen etwas Ahnung zu haben. :-)

    Aber geh mal zu einem DJ und frage ihn: "Kannse mal das Stück spielen? Du waeisst schon, das von Madonna, in mixolydisch?"
    Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird er nicht wissen, was Du meinst.

    Beim Blues isses so 'ne Sache. Man hört eine kleine Septime, aber der Akkord will isch nicht Auflösen. Funktionsharmoinik passt also nicht.

    Dann kann man auf 'mixolydisch' kommen, aber da passt die V nicht, weil die ja normalerwise eine Durterz enthält. Also eine mixolydische Kadenz isses auch nicht.

    Was isses dann? Blues. Der hat so seine eigenen Gesetzmäßigkeiten. Wo kan ich sonst das Riff 'C Eb C Bb C' auf C7, F7 und G7 spielen?


    Danke an meinen Musiklehrer, der hat uns den Blues in der Mittelstufe beigebracht, muss so '78 oder '79 gewesen sein ...


    Grüße
    Häretiker
     
  14. pianosurfer
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    pianosurfer

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    Ich kenne schon die Bluesform, aber hatte das wohl bei den Beatles zu sehr verkopft. Wobei, Blues beinhaltet ja auch die erniedrigte Terz, und die kam eben nicht durchgehend vor ( die Septime aber schon).

    Re Madonna - ich finde einfach (wenn es denn zutrifft) den Gedanken, Kirchentonarten bei ihr anzutreffen, so schön unpassend , aber bei dem Namen natürlich auch konsequent..
     
  15. Häretiker
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    Häretiker

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    Ja, aber hör', was und wie sie spielen. Das kommt nicht aus der Tradition der englischen Volksmusik. :-)


    Noch zum Blues:

    - Man kann die Terz erniedrigen. Muss man nicht. Auf dem Klavier hat man nur kleine und große Terz, aber in Wirklichkeit gibt es da ein ganzes Kontinuum dazwischen. Als Bläser kann man das machen, als Synth-Spieler oder Katzendarmspieler auch, auf dem Klavier halt nicht.

    - Mit der Quinte kann man auch schön spielen.

    - Im Moll-Blues spielt man i.A. keine große Terz, klingt nicht.

    - Man kann auch einen Blues spielen und nur Pentatonik benutzen und trotzdem nach Blues klingen lassen. Frage von Phrasierung und Artikulation, mein Saxlehrer macht sowas als Übung. Als Gegenbeispiel nimmt er eine Bluesskala und lässt es eindeutig *nicht* nach Blues klingen. Ist also wie bei Schweinefleisch und alten Autoreifen: Kommt darauf an, was man daraus macht.

    Grüße
    Häretiker
     
  16. tilo
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    tilo

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    Ich versuche mal zu erklären woher dieses Misverständnis rührt.
    Wenn man in der Jazztheorie eine IIm7 V7/I IMA7 Kadenz mit Dorisch, Mixo und Ionisch in Zusammenhang bringt sind damit keineswegs Skalen zum Improvisieren gemeint (wie Hasenbein schon bemerkte), sondern sogenannte Chordscales.
    Eine Chordscale ist die vertikale Darstellung eines horizontalen Klanges.
    Der Klang d f a c' e' g' b' (Dm13) wird horizontal durch die Tonfolge d e f g a b c' dargestellt.
    Da diese Tonfolge identisch mit der Dorischen Tonleiter ist, nennt man sie einfachheitshalber Dorisch.
    Sinn und Zweck einer Chordscale ist es avoid notes besser zu lokalisieren.
     
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