Beiwohnen des Unterrichts durch Eltern?

  • Ersteller des Themas johannes2012
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johannes2012

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Hallo, lasst Ihr die Eltern bei Eurem Unterricht beiwohnen?
Ich halte es pädagogisch nicht sinnvoll, wenn Eltern dem Unterricht beiwohnen. Die Schüler entfalten sich dann nicht richtig und sind im Spielen etwas "gehemmt". Auch habe ich erlebt, dass die Eltern sich einmischen.
Wie schaut es rechtlich aus?
Im Vertrag steht nichts darüber, dass die Eltern beiwohnen dürfen oder nicht. Dies wird nur mündlich mitgeteilt.
 
Demian

Demian

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Mit Argumenten braucht man nicht unbedingt einen rechtlichen Rückhalt. Ich erlaube die Anwesenheit bei jüngeren Kindern (bis ca. 8 Jahre), aber nur in den ersten ein bis drei Stunden, in begründeten Ausnahmefällen auch für einen längeren Zeitraum.

Bei größeren Kindern und Jugendlichen ist es eigentlich immer so, dass die Eltern von sich aus sagen, dass sie nicht im Unterricht dabei sein wollen / müssen. Konflikte habe ich in der hinsicht noch nie erlebt.
 
hasenbein

hasenbein

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"Beiwohnen" - ey, drück das doch einfach weniger beknackt aus. Gibt Wörter wie "dabei sein" oder "als Zuhörer teilnehmen".

Ich würde das NUR in den seltenen Fällen gestatten, wo das kleine Kind anfänglich noch etwas verängstigt ist und von sich aus möchte, dass ein Elternteil mit drinnen bleibt. Das dann aber in jeder weiteren Stunde neu erfragen. Normalerweise ist dann nach 2-4 Stunden Schluss damit (jedenfalls bei mir, weil die merken, dass das ein netter, lustiger Onkel ist :005:)

Helikoptereltern hingegen müssen strengstens in ihre Schranken verwiesen werden.
 
Barratt

Barratt

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Die Schüler entfalten sich dann nicht richtig und sind im Spielen etwas "gehemmt". Auch habe ich erlebt, dass die Eltern sich einmischen.
Juristisch wirst Du da nicht weiterkommen. Willst Du etwa einen Anwalt bemühen, der den Eltern einen Schriftsatz zukommen lässt? :005:

Ich vermute, die Eltern liefern ihren Abkömmling an und nehmen ihn auch wieder mit. In der Zwischenzeit haben sie nichts zu tun und gucken zu. Dabei die Klappe zu halten fällt manchen grundsätzlich schwer. Wenn ich mir meine Mutter vorstelle... :021:

Als "Pädagoge" kannst Du doch sauber pädagogisch argumentieren. Teil ihnen mit, dass ihre Anwesenheit sich nachteilig auf die Konzentration auswirkt oder so was. Sie sollen vor der Tür warten.

Bei eventuellen Heulkrämpfen/Hilferufen/Kampfgeräuschen könnten sie ja immer noch rettend eingreifen. :015:

Leute gibt´s....
 
chiarina

chiarina

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Ich sehe das sehr locker - so viele Familien, so unterschiedlich kann alles sein. Viele, auch schon 6jährige Kinder wollen nicht, dass ihre Eltern dabei sind. Sie signalisieren sehr schnell, wenn die Anwesenheit der Eltern für sie unangenehm ist. Manche Kinder möchten es gern, zumindest am Anfang. Eltern haben auch unterschiedliche Wünsche. Für den Lehrer ist wichtig, dass eine evtl. Anwesenheit der Eltern den Unterricht nicht negativ beeinflusst. Dies kann sein, wenn
  • das Kind sich unwohl fühlt, weil nun gleich mehrere Erziehungspersonen gleichzeitig im Raum sind und nicht nur einer (Gefühl, in die Zange genommen zu werden)
  • es nicht weiß, wer nun das Sagen hat und mit wem der Unterricht stattfindet (mit dem Lehrer natürlich) , Folge: Ablenkung, Unkonzentriertheit, Unklarheit ...
  • die Eltern ihre erzieherische Funktion weiter ausüben und sich in den Unterricht einmischen, so dass der Lehrer in seinem Dialog mit dem Schüler gestört wird
  • die Eltern während des Unterrichts nichts sagen, aber nach dem Unterricht auf das Kind Druck ausüben und es kritisieren/loben......

All das lässt sich am besten über Gespräche regeln. Die Gründe für Entscheidungen des Lehrers - nur er hat die Kompetenz, solche Entscheidungen zu treffen -, lassen sich für Eltern und Kinder nachvollziehbar und verständlich darlegen.

Wenn es gelingt, kann die Anwesenheit der Eltern auch ein Vorteil sein. Im Geigenunterricht von kleinen Kindern ist die Anwesenheit der Eltern Pflicht, damit sie mit den Kindern zu Hause üben können. Ich hatte schon Eltern (sehr selten), die lange im Unterricht dabei gesessen und überhaupt nicht gestört haben. Ich hatte auch Eltern, bei denen schon eine Stunde Anwesenheit in einem Tränenausbruch ihres Sohnes endete und denen damit sehr klar wurde, dass diese Konstellation ungünstig ist. :003: Eltern sind oft unsicher, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie ein paar Stunden im Unterricht dabei sind (müssen sie dafür sorgen, dass das Kind sich benimmt, dass es konzentriert ist oder übernimmt der Lehrer die Verantwortung? .....) und da hilft es, wenn man ihnen als Lehrer sagt, dass sie sich vollkommen zurückhalten und entspannen können und ausschließlich Zuhörer sind. Man kann ihnen sagen, wie sie ihr Kind zu Hause unterstützen können - bisher waren alle Eltern froh über solche Tipps und Hilfen.

Mit Recht und Gesetz wird man kein Verständnis erzeugen. Da allen Beteiligten ein gelungener Klavierunterricht am Herzen liegt, sollte das auch nicht notwendig sein.

Es gibt natürlich auch den Fall, dass der Klavierunterricht sich in einer Krise befindet und Eltern mal zuhören möchten, wie der Unterricht abläuft. Ich wäre dann immer bereit, solchen Wünschen zu entsprechen. Ich bin ohnehin für einen offenen Unterricht, in dem auch andere Schüler und Fachkollegen zuhören können, wenn der Schüler zustimmt. Davon würden aus meiner Sicht alle profitieren.

Liebe Grüße

chiarina
 
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Musikanna

Musikanna

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Schade, dass man nicht mehr als nur einen Like vergeben kann @chiarina :super::super::super:
 
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Perdita

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In Vor-Corona-Zeiten habe ich - wenn es sich anbot oder auch wenn meine Tochter das ausdrücklich wollte und der KL einverstanden war - manchmal ganz gerne bei ihrem Klavierunterricht zugehört. Man lernt doch nie aus; und so wusste ich auch besser, worauf ich beim Üben mit ihr gerade besonders achten kann/sollte, so dass sie es auch akzeptiert. Zudem ist ihr KL etwa in meinem Alter, recht attraktiv und nett :007:. Peinlich war nur, wenn die Kleine darauf drängte, dass ich mich auch mal an die Tasten setzen und etwas vorspielen soll. Einmal habe ich mich breitschlagen lassen. Trug mir dann prompt auch einen kleinen Extra-Unterricht ein :005:.
Inzwischen ist das ohnehin passé. Social Distancing heißt die neue Devise auch hier. Schade eigentlich ;-) .
 
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Hekse

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Ich fand es ausgesprochen seltsam, dass ich bei dem Instrumentalunterricht von meinem Sohn dabei sein sollte.
Als nicht- musikalisch vorgebildete Person, hatte ich mir eingebildet, dass das Kind selber zum Unterricht läuft und anschließend wieder nach Hause kommt. Der geht doch auch alleine zur Schule und ER wollte/ will ein Instrument lernen und nicht ich.
Bei der Früherziehung warten die Mütter auf dem Gang, OK. Mit 4 Jahren läuft der Zwerg noch nicht eigenständig durch die Stadt, aber mit 7?! Die Musikschule liegt genau neben der Grundschule, ca. 400m durch eine Fußgängerzone.
Ich musste dann tatsächlich immer die letzten 5 Minuten vom Unterricht rein, um mir "meine" Hausaufgaben abzuholen.
Corona sei Dank, der Gitarrenlehrer hat das Hausaufgabenbuch entdeckt....

Auf jeden Fall ist das Hobby Kinder-Instrumentalunterricht deutlich mehr Familienhobby, als gedacht. Was sich im Nachhinein auch als bereichernd und schön herausgestellt hat.

(Trotzdem bin ich sehr froh, dass der Fußballtrainer mich nicht ins Training zitiert, um mir die Dribbelübungen der nächsten Woche zu erklären)
 
Hekse

Hekse

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Und hast Du den Lehrer nicht darauf angesprochen? Ich hätte das auch sehr seltsam gefunden.
Klar, habe ich. Wurde mäßig freundlich darüber aufgeklärt, dass es die Verpflichtung der Eltern wäre bei kleinen Kindern für Qualität und Quantität des Übens zu sorgen. Und er weder möchte, dass ich ihn überfordere und neue Noten, Tonarten oder ähnliches einführe, noch, dass ich mir keine Zeit nehme das Üben zu betreuen... Ich, alleinerziehend, arbeitend, mit zusätzlichem Kleinkind war natürlich begeistert. Das habe ich ihm dann auch in etwa so gesagt (mäßig freundlich wäre geschönt)...Ich denke er ist davon ausgegangen, dass sich das Thema schnell von allein erledigt. Das war vor gut 2 Jahren.
Letzte Woche haben wir eine Einladung zu seiner Geburtstagsparty bekommen. :005:
 

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klaros

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Also rein gefühlsmäßig würde ich weder die Anwesenheit der Eltern im Unterricht, noch den Unterricht in der Wohnung der Eltern gutheißen.
 
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Ninolev

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Ja, ganz am Anfang ist es sinnvoll, die Kleinen fühlen sich erstmal wohler und die Eltern dürfen auch ein gutes Gefühl bekommen. Irgendwann ist das nicht mehr nötig, die Eltern sind beruhigt, das Kind gewöhnt sich und gut ist es.
Die Ausnahmen gibt es immer. Z. B. habe ich gerade vor Corona einige Schüler vor den Kollegin übernommen - da wollten fast alle Eltern bei der ersten Stunde dabei sein, und ich habe es nazürlich erlaubt.
Andersrum wollte ich meiner Zeit bei dem Unterricht meines Sohnes anwesend sein, denn gerade bei Geige finde ich es wichtig, dass die Haltung auch zu Hause geachtet wird. Nach einiger Zeit wurde ich aber von der Lehrerin weggewiesen mit der Erklärung "Die Schulleitung sieht es so ein, dass bei Einzelnunterricht nur eine Person unterrichtet wird, und wenn da sich schon mal 2 Personen befinden - müsste man auch doppelt zahlen" :021:
 
instrumentenfreak

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Ich hatte mal einen ADHS-Schüler, der war nicht zu bändigen sobald die Mutter den Raum verließ. Also gab es nur 2 Möglichkeiten: einen Lehrer finden, der damit umgehen kann, oder Mutter im Raum.
 
godowsky

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Und wie weit ist der ADHS-Schüler dann gekommen ?
 
Dämpferlöffel

Dämpferlöffel

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Als ich den Thread las, war meine Erwartung, daß "sexuelle Belästigung" ein Aspekt sein könnte. War es noch nicht. Als mittelmäßig paranoider Hochschullehrer lasse ich bei meinen Sprechstunden immer die Bürotür offen. Ist das so fernliegend oder noch nie aufgetreten, weil die Schüler zu jung sind/keine Vorteile aus falschen Behauptungen ziehen können oder ist das ein Thema das man sofort wieder verdrängt und hofft, dass man nie betroffen sein wird....
 
Stilblüte

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Falls du in München unterrichtest, kann ich das mit der offenen Tür gut verstehen. Ansonsten wohl auch... in den USA ist man noch krasser drauf, da haben die Türen Glasfenster, damit man ja nicht unbeobachtet ist. Allerdings werden die dann mit Zetteln / Vorhängen verhängt oder mit Notenständern zugestellt, weil sich niemand gern beim Üben beobachten lässt. Es sei denn, die gesamte Tür ist aus Glas, dann fühlt man sich wie im (halbwegs) schallisolierten Großraumbüro. Bei 4 qm Platz ist man über eine Glastür allerdings auch nicht so böse :005:

Zum Thema: In Russland ist es, soweit ich weiß, viel eher üblich, dass die Eltern beim Unterricht dabei sind, Hausaufgaben und Übungen etc. notieren und zu Hause "überwachen" (@Musikanna ?).

Ich würde das nicht so streng sehen, ob die Eltern dabei sind oder nicht. Wichtig ist, dass das Kind sich wohlfühlt und sich frei bewegen kann. Ob das besser mit oder ohne Eltern geht, kann man ausprobieren. Manchmal hemmt auch die Anwesenheit der Eltern! Anfängliches Fremdeln / Verlustängste lassen sich überwinden, z.B. indem das Elternteil mal "kurz" aufs Klo geht und man als Lehrer sieht, wie das Kind reagiert (und ggf. das Elternteil wieder abholt,...).

Es muss allerdings klar geregelt sein, welche Rolle die Eltern im Unterricht spielen. Entweder, sie mischen sich kein bisschen ein, auch und vor allem nicht in Form von Ermahnungen / Ermutigungen / Kommentaren etc., oder aber, sie werden wirklich aktiv eingebunden. Das muss nicht so weit gehen, dass man Gruppenunterricht macht. Aber z.B. sicherstellen, dass die Eltern das Spiel auch verstanden haben, um es zu Hause mit dem Kind zu spielen, dass sie Arbeitsaufträge etc. verstehen... vielleicht auch mal eine Begleit-Quinte auf dem Klavier spielen, zu der das Kind improvisiert etc.
 
Musikanna

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In Russland ist es, soweit ich weiß, viel eher üblich, dass die Eltern beim Unterricht dabei sind, Hausaufgaben und Übungen etc. notieren und zu Hause "überwachen" (@Musikanna ?)
Ja, es wird (oder wurde zu meiner Zeit) sehr begrüßt, wenn bei den jungen Anfängern ein Elternteil dabei ist. Ich selbst neige auch eher dazu, gerade vor dem Hintergrund nur wöchentlicher Termine (in Russland sind sie 2x wöchentlich), die Eltern mit einzubeziehen. Aber wie hier bereits bemerkt, jeder Einzelfall ist anders, und man muss schauen, wie es für das Kind im und außerhalb des Unterrichts besser ist.
 
 

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