Beethovens am meisten unterschätzte Klaviersonate

Demian
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Zum Abschluss des Beethoven-Jahres werfe ich die Frage in den Raum:

Welche der Beethoven-Sonaten für Klavier ist am meisten unterschätzt bzw. unverdient missachtet?

Meiner Meinung nach ist das Opus 7 in Es-Dur, eine Komposition, die erstaunlich viel aufzubieten hat und noch dazu einen durch und durch „typischen“ Beethoven darstellt: einen stürmisch-leidenschaftlichen Kopfsatz, ein tief empfundenes Largo, ein verspieltes Allegro und einen lyrischen, zeitweise dramatischen Finalsatz.

Opus 7 ist ein rundes, stimmiges, gleichermaßen effektvoll wie auch tiefsinniges und immer wieder überraschendes Werk - meiner Meinung nach auf einer Stufe mit z.B. op. 10, 3, op. 22 und op. 31,3.
Dennoch wird sie selten gespielt und ebenso selten diskutiert.

Was meint ihr, welche Sonate das Ranking anführt?
 
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mick
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Von den 32 Sonaten hört man eine ganze Menge praktisch nie im Konzert - von zyklischen Aufführungen mal abgesehen. Das Schicksal teilt op. 7 also mit mindestens der Hälfte von Beethovens Sonatenschaffen. Erschwerend hinzu kommt noch, dass op. 7 ein verdammt langes Lied ist. In einem Konzertprogramm ist die Sonate nicht so leicht unterzubringen.
 
GeneralBass
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Ich finde Opus 49 in sofern unterschätzt, weil es ab und zu oder selten mal vorkommt (HJ Lim hat es zumindest nicht gemacht wenn ich mich richtig erinnere), dass Pianisten sie nicht im Zusammenhang mit einer Kompletteinspielung einspielen. Ich finde schon dass sie ihren Platz unter den 32 verdient haben. Ich kann mir vorstellen dass Beethoven sich viel Mühe gegeben hat wohlklingende Sonaten für Amateure zu komponieren, und das für ihn vielleicht sogar schwieriger gewesen sein könnte, als so manch eine andere Sonate (ich kenne mich mit der Entstehung seiner Sonaten aber auch nicht so aus haha).

Ansonsten kenne ich leider nur seine bekannteren Sonaten wirklich gut, ich habe mir vorgenommen sie demnächst nochmal komplett zu hören.
 
mick
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Ich finde Opus 49 in sofern unterschätzt, weil es ab und zu oder selten mal vorkommt (HJ Lim hat es zumindest nicht gemacht wenn ich mich richtig erinnere), dass Pianisten sie nicht im Zusammenhang mit einer Kompletteinspielung einspielen. Ich finde schon dass sie ihren Platz unter den 32 verdient haben. Ich kann mir vorstellen dass Beethoven sich viel Mühe gegeben hat wohlklingende Sonaten für Amateure zu komponieren, und das für ihn vielleicht sogar schwieriger gewesen sein könnte, als so manch eine andere Sonate (ich kenne mich mit der Entstehung seiner Sonaten aber auch nicht so aus haha).

Ansonsten kenne ich leider nur seine bekannteren Sonaten wirklich gut, ich habe mir vorgenommen sie demnächst nochmal komplett zu hören.

Op. 49 sind Sonat(in)en für Schüler und schon deshalb nicht besonders konzerttauglich. Außerdem werden alle frühen Sonaten (bis 1800) mit Ausnahme von op. 13 kaum im Konzert gespielt - wieso sollte man da ausgerechnet auf op. 49 zurückgreifen? Da gibt es wirklich Lohnenderes. Nicht nur von Beethoven, sondern auch vom sehr unterschätzten Haydn Sepp...
 
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Rheinkultur
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Op. 49 sind Sonat(ine)n für Schüler und schon deshalb nicht besonders konzerttauglich. Außerdem werden alle frühen Sonaten (bis 1800) mit Ausnahme von op. 13 kaum im Konzert gespielt - wieso sollte man da ausgerechnet auf op. 49 zurückgreifen?
Kommt natürlich auch auf das Konzert an: bei Schülervorspielen und Jugendkonzerten werden die beiden Sonaten op. 49 und die Sonatine op. 79 öfters gespielt. Die Sonaten op. 2 Nr. 1 und op. 10 Nr. 1 sind recht beliebt als Einstiegswerk, wenn eine komplette Beethoven-Sonate studiert werden soll und die allermeisten der Sonaten ansonsten noch zu schwierig sind. Ich erinnere mich daran, als allererste die op. 10 Nr. 1 gespielt zu haben. Die übrigen aus op. 2 und 10 sind deutlich schwieriger, erstere sogar ziemlich tückisch und unangenehm. Da ist man besser beraten, zwischendurch zu op. 14 zu greifen - beide werden seltener als die "Pathétique" gespielt.

LG von Rheinkultur
 
GeneralBass
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Op. 49 sind Sonat(in)en für Schüler und schon deshalb nicht besonders konzerttauglich. Außerdem werden alle frühen Sonaten (bis 1800) mit Ausnahme von op. 13 kaum im Konzert gespielt - wieso sollte man da ausgerechnet auf op. 49 zurückgreifen? Da gibt es wirklich Lohnenderes. Nicht nur von Beethoven, sondern auch vom sehr unterschätzten Haydn Sepp...
Auf Konzerte bezogen ergibt das natürlich schon sehr viel Sinn, vielleicht habe ich da einfach nur zu sehr an Kompletteinspielungen gedacht, wo ich es schade fand, dass sie fehlen. Und danke dass du mich an den guten alten Haydn erinnerst, ich habe mir letztens eine Kompletteinspielung der Sonaten besorgt, die ich mir unbedingt noch anhören muss.

Opus 2 wird dann also auch überwiegend nur sehr selten im Konzert gespielt? Besonders bei der ersten dachte ich immer, dass sie eine der beliebteren Sonaten ist... Aber vielleicht ist die Vermutung auch eher meines Schülerverständnisses geschuldet.
 
mick
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Opus 2 Nr. 2 habe ich in meiner Abschlussprüfung gespielt. Als so unangenehm zu spielen habe ich die gar nicht empfunden. Aber vielleicht lag das auch daran, dass ich die Sonate mit ganzem Herzen liebe.
 
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Wird die wirklich soo selten gespielt? Ich habe sie mehrfach im Konzert gehört und auch selbst zwei Mal aufgeführt. Ich mag sie sehr. Hat irgendwie was von Schubert!
Ich finde ja (nicht hauen!) dass die gewisse impressioinistische Züge trägt... :lol: in Anflügen...
Ich habe die noch fast nie im Konzert gehört und kenne auch nur wenige Menschen, die sie je gespielt haben. Aber ich habe fest vor, sie in mittlerer Zukunft in mein Repertoire aufzunehmen.
 

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Das war aber eine lange erste Hälfte!
 
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Ein wenig unterbewertet finde ich allgemein die "späten mittleren" Sonaten, also die hohen zweistelligen Opuszahlen. Dabei finde ich, kann man gerade bei diesen, eher kurzen Sonaten in gewisser Weise den Startschuss zur Romantik sehen. Ins Beethovenklischee passen aber vor allem die ganz bekannten eher frühen Sonaten (Pathétique, Mondscheinsonate), die hochvirtuosen, heroischen mittleren Sonaten (Waldstein, Appassionata) oder eben die späten Meisterwerke (v.a. Op. 106 und 111).
Op. 78, 90 und 81a sind aber sicherlich auch höchste Sonatenkunst. Op. 90 wollte ich eigentlich seit Jahren mal spielen. Aber irgendwie bin ich nie zufrieden mit meinem Beethovenspiel. Irgendwann werde ich mich trotzdem dran begeben.
 
Rheinkultur
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Pogorelich hat vor Jahren in Berlin auch op. 78 gespielt exzentrisch aber interessant!
Die wohl erste Interpretation dieser Sonate, die als Audiodokument erhalten geblieben ist:


Konserviert auf einer Welte-Mignon-Rolle aus dem Jahre 1906 von einem Solisten, der von dem Liszt-Protegé István Thomán ausgebildet wurde. Und Liszt erhielt seine Ausbildung bei Beethovens Schüler Carl Czerny. Auch wenn die oft erwähnte Begegnung zwischen Liszt und Beethoven nicht zustande kam, führt doch eine rezeptionsgeschichtliche Verbindungslinie von der hier zu hörenden Aufnahme zu Spielpraktiken des 19. Jahrhunderts, an dessen Beginn unter anderem diese Sonate stand. Mit der Rolle wird eine Piano-Vorsatzapparatur gesteuert, die vor einen Flügel gestellt wird und das festgehaltene Spiel des Pianisten mechanisch reproduziert.

LG von Rheinkultur
 

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