Bach Präludium WTK, Bd. 1, BWV 846, Nr. 1, C-Dur, welche Akkorde sind das?

  • Ersteller des Themas Debbie digitalis
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Ich habe hier tatsächlich zurückgescheut vor der Verwendung des Begriffs "Dv". Und zwar aus folgendem Grund: Es kam mir so vor, als ob sich ein Dv wie jede Dominante in eine (Zwischen-)Tonika auflösen müsste. Aber in T. 24 kommt eben noch kein C-Dur, sondern erst noch einmal der aufgelöste G7-Akkord. Erst in T. 25 kommt dann die C-Dur-Tonika. Ich war mir nicht sicher, ob man einen Dv korrekterweise zu einem normalen Dominantsepakkord werden lassen kann, bevor die Tonika-Auflösung kommt. Deshalb habe ich einfach nur von einem Sekund- bzw. Non-Vorhalt gesprochen.

Grüße von
Fips
Ah, danke für die Erläuterung. (Ich gebe zu mir die Stelle nicht nochmal angesehen zu haben, das wäre in der kurzen Zeit dann doch nicht gegangen :D )
Ich finde diese Erkenntnis würde ja wieder Rolfs Auffassung des Akkords nahelegen. Denn dann liegt eine einfache Kadenz vor s-D7-T. Was nicht heißen soll, dass du falsch liegst.

lg marcus
 
In T. 28 steht über dem Orgelpunkt ein verminderter Akkord, dessen fehlender Grundton D wäre, funktionsharmonisch also ein auf der Doppeldominante basierender Dv (ähnlich wie in T. 22, nur mit anderer Verteilung der Töne). Die Doppeldominante löst sich in die Dominante auf. Deshalb würde ich die drei nachfolgenden Takte alle auf die Dominante beziehen und als Vorhaltakkorde deuten (T. 29-31). In T. 29 sieht es aus wie C-Dur, aber ich höre es als G-Dur mit Quartsext-Vorhalt (C und E als Vorhalte zu H und D). In T. 30 löst sich der Sext-Vorhalt auf (E zu D) und es ist jetzt nur noch ein Quart-Vorhalt. Zugleich kommt die kleine Septime hinzu, die aus dem G-Dur-Akkord einen echt dominantischen Akkord macht und dadurch das C-Dur in T. 32 vorbereitet (das dort auch zunächst wieder dominantisch ist). In T. 31 schließlich löst sich auch der Quartvorhalt auf (C zu H).

hallo Fips,

die kadenzierende Folge DD - T - D7 - T ist gar nicht so selten.

zuvor, also während des ganzen langen Orgelpunkt G, taucht G-Dur nie (!) ohne Septime auf - also wirkt G7 hier immer dominantisch. Aus diesem Grund würde ich den C-Dur Akkord nach der verm. Doppeldominante nicht als Vorhalt zu G-Dur wahrnehmen, einfach weil die vielen Septimen da quasi hineinpfuschen :)

mit Takt 23 hast Du recht: da wird wohl eher as-h-d-f als f-Moll gemeint sein - ich höre da f-Moll heraus, weil ich zu oft die Gounod´sche Meditation gespielt habe (und die verklärt die Harmonien aus spätromantischer Sicht)

Gruß, Rolf
 
Hallo Don bos, marcus, Fips7 und rolf,

ich danke euch für eure äußerst zahl- und noch mehr aufschlussreichen Antworten.

Ich werde mich jetzt nicht aufs Zitieren verlegen, um im einzelnen zu zeigen, welche Antwort mich warum in dieser Sache entscheidend weitergebracht hat.

Ich kann nur sagen, dass ich wirklich beeindruckt bin, wie ihr den Aufbau eines so (relativ) kleinen Musikstücks auseinandernehmen, interpretieren und in übergeordnete musikalische Zusammenhänge einordnen könnt!

Um eure beeindruckenden Antworten entsprechend zu würdigen und auf dieser Grundlage eine entsprechende Antwort verfassen zu können, benötige ich m.E. grundlegende Kenntnisse in Harmonielehre, Stimmführung etc.

Vielleicht weiss einer von Euch, wie man sich so was (z.B in den noch verbleibenden Sommerferien) "anlesen" kann??

Liebe Grüße

Debbie digitalis

ch freue mich schon auf eure nächsten Beiträge!

LG Debbie digitalis
 
Hey Debbie

Also ich hab mir mal Lehmann und Schröders Harmonielehre bestellt. Da ich in Musik in der Schule meist eh schnell mit allem fertig bin, und sich mein Lehrer darüber Gedanken gemacht hat, dass ich einfach schon weit bin, hat er es mir empfohlen. Aber ich denke man sollte nach dieser Harmonielehre lernen, wenn man jemand zum Fragen hat. Sonst wirds sehr schnell kompliziert. Ich müh mich grad mit Kirchentonarten ab und das ist so ziemlich am anfang^^. Ich denke jemand wird dir sicher ein passendes Werk vorschlagen können.

Liebe Grüsse JBS
 
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Hey Debbie

Also ich hab mir mal Lehmann und Schröders Harmonielehre bestellt. Da ich in Musik meist eh schnell mit allem fertig bin, und sich mein Lehrer darüber Gedanken gemacht hat, dass ich einfach schon weit bin, hat er es mir empfohlen
Liebe Grüsse JBS

Hallo Johann Bastian Seebach,

danke für deine schnelle Antwort!

Wie das Zitat zeigt, bist du wahrscheinlich ein junger Mensch, der musiktheoretische Probleme flugs und im Fluge löst und beseitigt.
Ich bin vermutlich schon etwas älter als du, habe Kinder, die ebenso wie du antworten würden und brauche etwas mehr Anleitung und damit konkrete Literaturempfehlungen!

In diesem Sinne

und alles Gute für deine (musikalische) Zukunft

Debbie digitalis
 

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