Akkorde empfinden

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Normalo
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Ich versuche gerade herauszufinden, wie ich Akkorde mit den Gehoer bestimmen kann. Mir geht's dabei nicht um das Erhoeren der einzelnen Toene, sondern eher um das abstrakte Gefuehl, das jeder Akkord vermittelt. Wenn man sich ein Lied anhoert, dann loest das ja bestimmte Empfindungen aus, kann man auf diesem Weg zu den Akkorden kommen?

Mit I-IV-V hab ich mich bisher am meisten beschaeftigt und finde die drei Akkorde gut zu bestimmen. Bei anderen tu ich mir sehr schwer.

Zum Spass hab ich den Song "Oh Tannenbaum" versucht, nach Klangvorstellung zu rekonstruieren. Melodie ist kein Problem, aber die Akkorde im zweiten Teil des Lieds lassen mich verzweifeln. Selbst beim stupiden Rumprobieren krieg ich keine Akkordfolge hin, die sich gut anhoert. Ich weigere mich bisher, mir Noten dazu anzuschauen, weil ich es gerne selber rausfinden wuerde.

Als Theoriewissen hab ich zur Hand, dass der Melodieton im Akkord vorkommen sollte, ich kann alle 7er Akkorde, Moll und Dur Akkorde bilden. Was braucht's denn noch?
 
hasenbein
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Tja, eigentlich sollte Dir bereits gedämmert haben, dass, wenn man nur so wenig "Theoriewissen" (das auch noch zum Teil falsch ist, weil eben nicht jeder Melodieton unbedingt zum Akkord passen muss - Vorhalte, Durchgänge usw.) bräuchte, sehr viele Leute locker zum Liedbegleiten in der Lage wären. Ist aber irgendwie nicht so - woran mag das wohl liegen? :coolguy: :party::026:
 
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Wolf
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Als Theoriewissen hab ich zur Hand, dass der Melodieton im Akkord vorkommen sollte, ich kann alle 7er Akkorde, Moll und Dur Akkorde bilden.
Dann solltest du noch beurteilen, welches Melodietöne sind, also wichtige und lange Töne, damit du Vorhalte nicht extra harmonisierst.

Eine Zwischendominante und einen Plan.

- Die Z. ist nicht zwingend, aber cool. Außerdem lässt sie dich sofort spüren, wie es weitergehen muss.
- Dann solltest du die Form erkennen: eine zweigliedrige Sequenz. Wenn du die Akkorde für das zweite (Schluss-)glied gefunden hast, kannst du sie mit entsprechender Verschiebung auf das erste Glied übertragen. Und dann erkennst du auch, was es mit der Zwischendominante auf sich hat...
 
Sven
Sven
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Ich kann immer wieder nur den Ziegenrücker oder ein Buch zur allgemeinen Musiklehre von jemand anderem empfehlen.

Wenn man die Sprache der Musik nicht in der Schule gelernt hat, ist sowas eine gute gute Quelle zum Nachholen.
 
Dorforganistin
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Melodie ist kein Problem, aber die Akkorde im zweiten Teil des Lieds lassen mich verzweifeln. Selbst beim stupiden Rumprobieren krieg ich keine Akkordfolge hin, die sich gut anhoert. Ich weigere mich bisher, mir Noten dazu anzuschauen, weil ich es gerne selber rausfinden wuerde.
Habe ich das richtig verstanden, dass Du die Melodie von "O Tannenbaum" problemlos auch ohne Noten in mindestens einer Tonart spielen kannst, dass es Dir aber schwer fällt, diese Melodie "einfach so" zu harmonisieren (mit Begleittönen/Akkorden zu unterlegen)?
Wieso hast Du Dich denn für den Tannenbaum entschieden?
 
Tastatula
Tastatula
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Lieder wie "O Tannenbaum" kommen in der Regel ohne komplizierte Harmonisierungen aus. Mit I, IV, V kommst Du in der Regel zurecht. Es kommt gelegentlich vor, dass eine Melodie im Mittelteil mal eben zur Dominante wechselt und sich dafür der Dominante der Dominante (sog. Doppeldominante) bedient.
Weiter helfen kann, Akkorde auf den Taktschwerpunkten zu setzen und nicht jeden Melodieton auszuharmonisieren.
Dann wirst Du bei Deinem speziellen Lied sehr schnell fündig. ;-)
Viel Erfolg!
Wenn man es dann schicker haben möchte, dann kann man....aber erstmal einfach. Nur so lernt man.
 
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StefanN
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Braucht man beim Tannenbaum (also die marschartige Melodie im Dreivierteltakt) überhaupt eine Zwischendominante? :konfus:

Wenn man bei diesem Lied nur auf jedem Viertelschlag harmonisiert, sollte das eigentlich hinlangen. Dann hört man auch, welche Töne lediglich Durchgangsnoten oder Antizipationen sind, die nicht literal auch noch harmonisiert zu werden brauchen.

Und ja, längst, bei weitem längst nicht jedem ist es gegeben, ein solches Gefühl für Harmonien zu haben, um für ein Lied sie auf der Klaviatur in frustarmer Zeitdauer zusammenzudaddeln.

(Anscheinend ist neulich eine Herde hoher Rösser entlaufen und hat sich hier im Forum verirrt.)
 
Tastatula
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Braucht man beim Tannenbaum (also die marschartige Melodie im Dreivierteltakt) überhaupt eine Zwischendominante?
Nein, braucht man nicht. Das war ein allgemeiner Hinweis, wie man solcherart Lieder einfach harmonisieren kann. Bei manchen Weihnachtsliedern braucht man die DD durchaus.
Wenn man bei diesem Lied nur auf jedem Viertelschlag harmonisiert, sollte das eigentlich hinlangen.
noch nicht mal das. Harmonien am Anfang des Taktes reichen völlig aus - außer dort, wo man auf der dritten Zählzeit eine andere Harmonie braucht.
 
dibabel
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Es braucht Erfahrung. Ich habe das damals im Gitarrenkurs gelernt. So mit Mundorgel und christlichen Liedern, die wir begleitet haben. Wie auch bei anderen Dingen braucht man Muster und viele Beispiele. Ich empfehle dir, Lieder mit angegebenen Akkorden (wie z. B. für die Gitarre) zu üben. Also einfache Kinderlieder, aber davon viele. Ich habe dann die Lieder aus dem Radio, die ich mochte, versucht zu begleiten und die Griffe ausgetüftelt, das war lehrreich. Heute ist das leichter, da muss man nur googlen. Noten brauchst du dafür gar nicht, du willst ja aus dem Gehör die Melodie spielen und das klappt ja auch schon.

Ich schreibe mir immer die Akkorde in die Noten, das erleichtert mir das Spielen ungemein.

Aber wie gesagt: Das muss man eine ganze Weile üben und Beispiele studieren. Etwas mit derart wenig Vorwissen auszuprobieren und daran zu scheitern ist sicher nicht die richtige Methode und ziemlich frustrierend. Als wollte man den Fotoapparat benutzen und aus lauter falsch verstandenem Ehrgeiz nicht in die Anleitung schauen.
 

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StefanN
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"Brauchen" nicht, aber besser ist das m.E. ...
Jedenfalls kommt man nicht taktweise mit T-S-D aus.
Oder wie ginge dann "Du grünst nicht nur..."?
Von "taktweise" habe ich nicht geschrieben, sondern, wenn schon, dann: viertelweise. Bitte!

Das grünende "nur" auf der Subdominante.

In der nach mündlicher Überlieferungstradition authentischen Volksliedaufzeichung von Dr. Hasenbein also in Takt 5: dort also B-Dur-Akkord.
Wenn Du das meintest...

(nein, die Tonika ist keine Zwischendominante zur Subdominante - ginge mathematisch zwar, passt aber null zum Höreindruck und dürfte mit Recht auch als Analysefehler angestrichen werden)

Man müsste also nur F, C7 und Bb am christlichen Lagerfeuer schrammeln und pusten können.
 
D
DerOlf
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"O Tannebaum" wimmelt von Vorhalten, die man sogar ohne Begleitung schon hören kann oder zumindest hören sollte.

Das "g" am Anfang von Takt 4 in Hasis Version (@hasenbein: warum nicht durchgängig in 2/4?), oder auch das "c" am Anfang von Takt 6.
Über sowas kann man als Anfänger leicht stolpern, wenn man den ersten Ton eines Taktes harmonisieren will.
Man schaut sich (bitte) zunächst den ganzen Takt an (und am besten* schreibt man die Melodie dazu so auf, dass man keine Taktartwechsel dabei hat).

Am Beispiel Takt 4 (in Hasis Beispiel):
Da gibts ein g, ein f, ein c und ein a (ohne Tonwiederholungen) ... f-c-a steht schon da (wenn auch in anderer Reihenfolge) ... nur ein Ton "stört" ... also ist das der Vorhalt, der nicht zum Begleitakkord passt sondern sich in einen passenden Ton auflöst (in dem fall das f).

Ein paar "unpassende" Töne sind nicht schlimm..
Sich vorher eine Rhythmik zu suchen, in der man harmonisieren möchte, kann durchaus helfen.
Wählt man für O Tannenbaum Halbe, so ergibt sich dabei auch kein Marsch ... das passiert nur bei in spezieller Weise "getupften" Vierteln ... und so wirklich weihnachtlich klingt das für meine Ohren dann auch nicht mehr.

_______
*) Man kann sich natürlich auch am Text orientieren, und seine Takteinteilung daran aufhängen ... aber für eine reine Harmonisierungsübung ist das schlicht unnötig.
 
antje2410
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@hasenbein - wie kommst Du auf so eine Version, gibt es dazu Quellen?
Natürlich kann man über die Interpretation und Dynamik viel Atmopshäre erzeugen, aber das Stück ist im 3/4-Takt.

Siehe das Original von 1824:
(Rechts die Bilder anklicken)

Hier eine Veröffentlichung für Laute (Steingräber Verlag) von 1920, auch im 3/4-Takt:
Unbenannt.JPG

Ich bin jetzt verwirrt, und lasse mich gerne "entwirren"...

Aber ich finde diese Art wesentlich feierlicher/leichter, als diese verkopfte Taktwechsel-Chaos-Arrangement oben. Das steht auch im krassen Gegensatz zu dem leichten und positiven Text... ich sehe da immer eine Familie das Lied singen und dazu feierlich tanzen (zu der Zeit, wo man sowas noch getan hat).
 
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StefanN
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Wir hatten doch schonmal einen Tannenbaumthread.
Mein Kommentar: Der Grundrhythmus ist sarabandenartig und im 1. Volltakt der tradierten falschen Notation deutlich zu erkennen. - Taktwechsel zu sehen, hat gewissen Charme, aber um den Preis vieler langer Tondauern. Da werden die Kinder ungeduldig.
 
Dorforganistin
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Ich bin jetzt verwirrt, und lasse mich gerne "entwirren"...
Das Lied steht durchaus im 3/4 Takt, wird aber in der Praxis sehr häufig mit Taktwechseln gesungen bzw. in einer Mischung aus 3er und 4er Takt. Ich denke, dass @hasenbein darauf hinauswollte.

Bevor wir uns aber endgültig vom eigentlichen Thema entfernen, wäre es schön zu hören, was @Normalo zu den bisher gestellten Rückfragen sagt.
 
 

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