Wütende Stücke, Stücke, die Verärgerung etc. assoziieren für Klavier zu zwei Händen

Und die zeitgenössische Klassik - da habe ich keinen Überblick, aber es würde mich wundern, wenn da nicht auch wenigstens stellenweise reine Wut vorkommt.
Nicht ganz zeitgenössisch und sicher strittig, aber kommt mir gerade in den Sinn zum Thema Wut:


Bei noch späteren Sachen ist halt teilweise noch schwerer mit Worten zu sagen, was die ausdrücken, ob die überhaupt etwas ausdrücken, ob das ansatzweise in Worten beschreibar ist, was die ausdrücken und ob es künstlerischen Wert hat oder nicht.
 
Mir ist gerade noch ein unglaublich tolles Werk eingefallen, was mit Wut in Verbindung gebracht werden könnte - zumindest phasenweise:
A. Mossolow, Sonate No. 2, oo. 4
Besonders interessant ist die Tempobezeichnung im 3. Satz: Allegro tumultuoso



Hat jemand die Sonate von Euch mal gespielt?
 
Interessant, dass in jugendlichen Subkulturen Wut gegen „das System“ sehr offensiv in der Musik thematisiert wird, dass aber in der klassischen Kunstmusik, z.B. sogar bei Beethoven, der sich gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse gerichtet hat, solche starke Wut nicht im gleichen Maße in die Musik integriert wird. Oder nur subtiler? Intelligenter? Feinsinniger? Differenzierter?
Mir fällt als Wut-Stück ein das dies irae aus Verdis Requiem, das eigentlich kein Requiem wie die übrigen Werke dieser Art ist. Es ist ein sehr aufwühlender Teil des Requiems, letztlich ist aber es auch hier der Text, der den Bezug herstellt. Geschrieben hatte Verdis es ja wegen dem Tod eines Freundes, der in der Freiheitsbewegung ebenso wie Verdi involviert war. Man müsste suchen nach Komponisten, die massiv unter politischem und/oder sozialem Druck standen und über eine wehrhafte Persönlichkeit verfügten und es auch wagten, es zu riskieren, dagegen über die Musik aufzubegehren. Verdi war sicher dafür ein Kandidat. Vielleicht findet man etwas bei NS-Flüchtlingskomponisten in den USA oder bei den Komponisten, die während der Zeit der großen Säuberungen in der Sowjetunion geblieben waren. Im Jazz dürfte man da etwas finden bei schwarzen Musikern, die demonstrativ gegen Rassismus aufbegehrten (z.B. Mingus). Ich habe irgendwo eine Aufnahme von Mingus, wo man ihn im Hintergrund ganz furchtbar schimpfen hört. Aber selbst Musiker, die über eine aufbrausende Persönlichkeit verfügten, schnell in Rage gerieten und sich prügelten wie z.B. Ben Webster waren auf der Bühne eher handzahm.
Ob beim Punk Wut zu hören ist - wage ich ebenso zu bezweifeln, denn diese Musik enthält auch Gesang/Text. Man kann über die Stimme erreichen, auch ohne Text, einen wütenden Eindruck zu vermitteln. Ich kenne da nur Sid Vicious, dessen Todestag sich gerade gejährt hat. Und da ging es wohl weniger um Wut, sondern um sinnlose Aggression im Heroinrausch oder -entzug. Dabei hat er sogar seine Freundin erstochen. Aber diese Art Musik ist und war nie mein Interessensgebiet.
Da man diese Fragestellung insgesamt nicht so einfach klären kann, müsste man mal recherchieren, ob sich da jemand in einer Doktorarbeit darüber ausgelassen hat.
 
Mir ist gerade noch ein unglaublich tolles Werk eingefallen, was mit Wut in Verbindung gebracht werden könnte - zumindest phasenweise:
A. Mossolow, Sonate No. 2, oo. 4
Besonders interessant ist die Tempobezeichnung im 3. Satz: Allegro tumultuoso



Hat jemand die Sonate von Euch mal gespielt?

Die nehme ich mir für meine heutige OP unter Lokalanästhesie auf die Ohren.:super::-D
 
Emotionale Wahrnehmung und emotionale Induktion, was zwei unterschiedliche Prozesse sind, werden durch unterschiedliche Hörer nicht unbedingt einheitlich bewertet. Aus SOLLBERGER, 2007, Dissertation Bern, Einflussfaktoren auf emotionales Erleben beim Musikhören:
''So vermag z.B. „aggressive“ und laute Musik mit hoher Intensität bestimmte Hörer zu beruhigen, wobei dabei das Gefallen der Musik von Bedeutung ist. Deshalb kann mit der Induktion negativer Emotionen durch solche Musik dann nicht gerechnet werden, wenn sie dem Probanden zu gut gefällt. Andererseits kann aber ein schlecht dargebotenes Musikstückstück, welchem eine Person den Ausdruck von Gefühlen der Freude zuschreibt, trotzdem zur Induktion von negativen Emotionen führen.''
Eine andere Diss berichtet von unterschiedlichen emotionalen Bewertungenin Abhängigkeit von der sozialen Umgebung (Zhang, 2015, München).
Erstgenannte Diss - im Web einzusehen - ist interessante Lektüre über das spannende Generalthema.
 

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