Wohnung und Pianist als Beruf - unmöglich?

sorell
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ich habe mit Erstaunen den Beitrag und den ganzen Faden von Hacon gelesen... über seine am Ende glückliche Lösung des Problems Klavierspielen.

Ich komme aus Russland.... ja, wir haben auch gesetzliche Ruhezeiten - etwas zwischen 23.00 und 7.00. Mittag? Kann ich nicht erinnern. Vielleicht, eine Stunde. Aber Beschränkung auf 2 Stunden? Wie kann man Pianist werden und diesen Beruf ausüben, wenn man kein freistehendes Haus hat?

Z.z. bin ich als glückliche in einem freistehenden Haus..... ich kann es mir nicht vorstellen, was ich mit 2 Stunden machen würde.
und auch mit Mittagsruhezeiten. Meine Schüler kommen um 14.00 oder 14.30 nach der Schule. Ich muss selbst viel üben, mal 4-5 Stunden, mal auch am WE nur eine Stunde oder gar nix.

Das heißt, dass wenn ich ausziehe, dann ist es Schluß? Mit meinem Beruf?

Wie habt ihr zu den Pianisten geworden? Wie übt ihr euren Beruf aus? Habt ihr alle freistehende Häuser?

Es ist unmöglich, wie das Leben in Deutschland absolut in allen Bereichen reglamentiert.... Und was ist mit Fernsehergeräuschen? Staubsauger? Kinder? Muss man das auch in 2 Stunden einschränken?
 
rolf
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(1)
Wie habt ihr zu den Pianisten geworden?
(2)
Wie übt ihr euren Beruf aus?
(3)
Habt ihr alle freistehende Häuser?
(4)
Es ist unmöglich, wie das Leben in Deutschland absolut in allen Bereichen reglamentiert.... Und was ist mit Fernsehergeräuschen? Staubsauger? Kinder? Muss man das auch in 2 Stunden einschränken?

hallo,
da sprichst Du ein echtes Problem an! Es gibt Bücher über Klavierspiel, die gute Instrumente (die sind teuer) und freistehende Häuser (und die sind auch teuer) empfehlen... das ist kein Spaß (P.P. Werners Klavierdidaktik)

zu (1)
anfangs hatte meine Eltern ein Reihenhaus, da gab es tatsächlich mal üblen Stress mit den Nachbarn, weil ich bis spät nachts übte - aber bald darauf hatten meine Eltern dann ein anderes Haus genommen, freistehend.
ansonsten halt: sehr viel üben!!!
später hatte ich ein Gartenhaus gemietet, da passte der Flügel rein und ich hatte keinen Ärger wegen "Lärmbelästigung" (das war während des Studiums), ansonsten viel in Übungräumen
zu (2)
ich unterrichte an Musikhochschulen (Block-Kurse), einer Musikakademie und im Durchschnitt alle 14 Tage einen Nachmittag/Abend zu Hause. Üben tue ich zu Hause oder jeweils im Konzertsaal.
zu (3)
seit vielen Jahren wohne ich in einem freistehenden Haus mit sehr großem Garten - mich hört keiner, wenn ich übe (es sei denn, ich mach die Terassentür auf und die Nachbarn sind in ihren Gärten); allerdings sind die kultiviert genug, dass sie das nicht stört - im Gegenteil, die kommen oft und fragen, ob sie eine Weile zuhören können.
zu (4)
ja... da ist man sehr darauf bedacht in Deutschland, dass man fast alles reglementiert (ich denke da nur an das so genannte "Nachbarschaftsrecht", welches festlegt, wie nah was für Pflanzen an der Grundstücksgrenze stehen dürfen...)

Gruß, Rolf
 
violapiano
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Hallo sorell,

das ist natürlich schwierig im Mietshaus, ich denke, man muss vor allem zusehen, dass man eine Wohnung bekommt, deren Wände nicht zu dünn sind, Häuser aus den 50-ern und 60-ern sind meistens sehr hellhörig! An Deiner Stelle würde ich mich gut erkundigen, ob es möglich ist, den Raum mit Flügel geräuschisolieren zu lassen. Das ist recht teuer, aber dann hättest Du deine Ruhe und keinen Stress mit den Nachbarn. Ich glaub da muss der Vermieter auch zustimmen?:confused: Das weiß ich aber nicht genau. Auch muss man sich überlegen, wie es ist, wenn Du zuhause offiziell unterrichtest, ob dann nicht eine gewerbliche Nutzung ist, wenn der Vermieter das erfährt....:floet:
Frag doch mal koelnklavier.

LG
violapiano

@rolf:
Du hast es ja gut, freistehendes Haus und wohlmeinende Nachbarn, Glückwunsch!:p Möge mir das auch passieren in Zukunft!
Wenn sich meine Wohnsituation ändert, werde ich in die Tasten hauen, dass die Schwarte kracht!
 
Guendola
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Eigentlich hat Rolf fast alles gesagt. Ich hatte selbst ein bischen Streß mit neuen Mietern in unserem Haus und habe mich erkundigt, was für Reglements so üblich sind. Dabei wurde mehrmals erwähnt, daß Klavierlehrer und Pianisten eigentlich kein Recht haben, ihren Beruf zuhause auszuüben. Wenn sich Nachbarn beschweren, kommt die Keule. Da hilft dann wirklich nur noch ein geeignetes Haus oder ein Übungsraum, weil es gewerblich ist.
 
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annettschn
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Zum Thema freistehendes Haus kann ich sagen, dass ein Haus an einer Ecke auch ganz gut ist. Dann das Klavier /Flügel an die Wand stellen, die am nähesten an der Ecke bzw. am weitesten vom anderen Haus weg ist. Meine Nachbarn ham sich jedenfalls noch nicht beschwert.

Ich seh da eher ein Problem mit offenen Fenstern, die sind egal in welchem Raum des Hauses nicht zu unterschätzen! Und gerade wenn das Haus in einem sehr dicht bebauten Gebiet ohne irgendwelche Gärten und mit vll. nur kleinen Höfen steht, kann der "Lärm" aus einem Fenster oft schnell lauter als gewünscht werden.
 
rolf
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Dabei wurde mehrmals erwähnt, daß Klavierlehrer und Pianisten eigentlich kein Recht haben, ihren Beruf zuhause auszuüben. Wenn sich Nachbarn beschweren, kommt die Keule. Da hilft dann wirklich nur noch ein geeignetes Haus oder ein Übungsraum, weil es gewerblich ist.

ich muss zugeben, dass ich schlichtweg nicht weiss, ob das üben schon juristisch als "ausgeübter Beruf" gilt und damit als gewerblich eingestuft werden soll. Ein "Arbeitszimmer" kann man als Literaturprofessor oder als Englischlehrer steuerlich geltend machen - als Pianist hat und braucht man auch ein "Arbeitszimmer". Das ist ja nichts anderes.

allerdings muss ich aus Erfahrung (wie beschrieben) sagen: ein freistehendes eigenes Haus ist die beste Lösung - leider auch die kostspieligste. Normalerweise ist es in akademischen Berufen durchaus möglich, ein eigenes Haus zu finanzieren - dass ausgerechnet im Bereich der Musik trotz akademischer Qualifikation nur ein sehr geringer Prozentsatz der erfolgreichen Absolventen dann auch entprechend akademisch verdient, ist eine Schande!

Gruß, Rolf
 
Guendola
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Rolf, das Arbeitszimmer ist nicht das Problem aber die Geräusche, die die Arbeit verursacht. Wenn man Hausmusik macht, gelten Hausordnung, örtliche Gepflogenheiten etc. als Maßstab. Aber wenn man mit Musik Geld verdient, werden strengere Maßstäbe angesetzt. Ich weiß übrigens nicht, ob der Vermieter theoretisch noch der gewerblichen Nutzung der Wohnung zustimmen muß und ob es möglicherweise sogar Konflikte mit dem Bebauungsplan der Gegend geben könnte, wenn es z.B. eine reine Wohngegend ist. Ich kenne zwar keinen Klavierlehrer, der damit Probleme hatte aber ich kenne auch nicht besonders viele Klavierlehrer. Auf jeden Fall hängt die Ausübung dieses Berufes - und auch stundenlanges Spielen eines Konzertpianisten - zu hause von der Gnade der Mitbewohner und des Vermieters ab.
 
rolf
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Rolf, das Arbeitszimmer ist nicht das Problem aber die Geräusche, die die Arbeit verursacht.

ich weiss... ich lebe ja, wenn ich daheim bin, im Schwabenland (nebenbei in ländlicher Gegend, denn da waren die Grundstücke günstiger) - Rasenmäher, Motorad/Mofa-Reperaturgeräusche, Holzsägen etc. sind Geräuschquellen, die man in dieser Umgebung toleriert (wenn nicht gar gutheisst...), auch Schlager dudelnde Radios beim samstäglichen Autoputz werden toleriert :D

"Geräusche" - das ist das Zauberwort :D

Gruß, Rolf
 
sorell
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hallo,
Es gibt Bücher über Klavierspiel, die gute Instrumente (die sind teuer) und freistehende Häuser (und die sind auch teuer) empfehlen... das ist kein Spaß (P.P. Werners Klavierdidaktik)

Das Buch werde ich gern mal lesen....

Ansonsten bestätigst Du nur alle meine Vermutungen, jetzt aber keine Vermutungen mehr... das Leben eines Pianisten ist sehr schwer (und eines Possaunespielers noch schwerer).

Dazu noch kommt, dass Musikausbildung in Deutschland sehr mittelmäßig ist... Ja, wie kann Musikkultur in so strengen Rahmen sich entfalten... die Chance ist sehr gering.

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!:keyboard:
 
sorell
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Auf jeden Fall hängt die Ausübung dieses Berufes - und auch stundenlanges Spielen eines Konzertpianisten - zu hause von der Gnade der Mitbewohner und des Vermieters ab.

sehr sehr traurig..... dass die Kultur (hier Musik) nicht geduldet wird. Aber ich haue noch an die Tasten in unserem freistehenden Haus :keyboard:

und wenn wir Beziehungsprobleme haben, kann ich so einfach nicht ausziehen.... da sollte es mir in klarem sein, dass ich mich mit meinem Beruf verabschieden und dann Hartz IV beantragen muss
 
sorell
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ich weiss... ich lebe ja, wenn ich daheim bin, im Schwabenland (nebenbei in ländlicher Gegend, denn da waren die Grundstücke günstiger) - Rasenmäher, Motorad/Mofa-Reperaturgeräusche, Holzsägen etc. sind Geräuschquellen, die man in dieser Umgebung toleriert (wenn nicht gar gutheisst...), auch Schlager dudelnde Radios beim samstäglichen Autoputz werden toleriert :D

"Geräusche" - das ist das Zauberwort :D

Gruß, Rolf

Geräusche...... das hast Du genau gemerkt.

Als ich vor 10 Jahren nach Deutschland kam, war ich sofort überrascht, dass man so viel Wert an Stille legt. Man darf eigentlich nix zu Hause machen, was Geräusch verursacht. Alles wird geduldet, aber um Gottes Willen, kein Klavierspielen und keine Kinder.
 

violapiano
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Merkwürdig ist nur, wie viele ausländische Musikstudenten ausgerechnet in diesem mittelmäßigen Deutschland studieren wollen ...

[/INDENT]

Allerdings, der Andrang ist enorm, und man muss sagen, dass eigentlich die Ausbildung an deutschen Musikhochschulen international sehr gefragt ist.
Deine Aussage diesbezüglich wundert mich doch, sorell.

Ich drück dir die Daumen, dass Du eine passende Bleibe finden kannst.
LG
violapiano
 
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lavendel
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Als ich vor 10 Jahren nach Deutschland kam, war ich sofort überrascht, dass man so viel Wert an Stille legt. Man darf eigentlich nix zu Hause machen, was Geräusch verursacht. Alles wird geduldet, aber um Gottes Willen, kein Klavierspielen und keine Kinder.

Das ist ziemlich pauschal geurteilt. Im Übrigen geht es nicht darum, dass man (nicht nur in Deutschland) nichts darf, sondern dass man Rücksicht nehmen sollte. Oder anders ausgedrückt: "Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem Anderen zu". Möchtest Du 10 Stunden am Tag Posauneüben hören? Das Zauberwort heißt meiner Meinung nach wirklich Rücksicht.

Im Übrigen denke ich, dass Kinderlärm mittlerweile (oft zu Recht!) verpönt ist, weil die Eltern ihre Kinder nicht mehr zu Rücksicht erziehen. Ich bin aus meiner letzten Wohnung ausgezogen, weil ich es nicht mehr ertragen habe, dass die Kinder der Vermietertochter stundenlang im Hof auf Kopfsteinpflaster Bobbycar gefahren sind und ich deshalb meinen Balkon im Sommer grundsätzlich nicht mehr benutzen und auch die Balkontür nicht mehr auflassen konnte. Als ich Kind war, war klar, dass eine Mittagspause eingehalten wurde und dass unsere Freiheit da aufhörte, wo wir die der Anderen beschnitten. Das scheint nicht mehr zu gelten, leider.

Im Übrigen beschränkt mich meine Vermieterin auch im Klavierspiel, nach 20 Uhr hat Schluss zu sein. Natürlich hätte ich gerne mehr Freiheiten, aber wenn ich es mir andersrum vorstelle, dass sie bis 22 Uhr Posaune spielen oder lautstark Ferngucken würde, wo ich kaputt von der Arbeit einfach nur meine Ruhe haben will, kann ich sie tatsächlich verstehen.

Das gleich als böswillige Einschränkung zu verstehen, finde ich übertrieben, und diese Pauschalierung

Zitat von sorell:
Es ist unmöglich, wie das Leben in Deutschland absolut in allen Bereichen reglamentiert....

könnte ich glatt als Affront auffassen und Dich fragen, warum Du dann hier lebst?

lavendel
 
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Merkwürdig ist nur, wie viele ausländische Musikstudenten ausgerechnet in diesem mittelmäßigen Deutschland studieren wollen ...

Hallo Wolfgang,

Ich wollte niemanden und auch nicht Deutschland verletzen. Was Tatsache ist, dass die Musikausbildung der Kinder an den Musikschulen in Deutschland schlechter und noch mal viel schlechter als in Russland ist. Und das ist die Tatsache. Ich habe schon die Unterschiede in meinem Vorstellung erleutert.
 
sorell
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könnte ich glatt als Affront auffassen und Dich fragen, warum Du dann hier lebst?

lavendel

Das alles hier in Deutschland sehr reglamentiert ist, ist nicht nur meine Meinung. Es gibt sehr viele Berichte und sogar Doku-Filme darüber.

Das ist erstens.
Zweitens, ich bin nicht diejenige, die über Deutschland schlecht reden viel. In jedem Land gibt es Vorteile und Nachteile. Und ich spreche offen über Nachteile und Vorteile. Wie ich schon in meinem Vorstellung erwähnt habe, bin ich glücklich dadurch, dass ich in Deutschland zu meinem Beruf zurückkehren konnte. In Russland kann man als Musiker mittlerer Stand (Klavierlehrer) fast nicht überleben. Auf jeden Fall musste ich 1992 nach 8 Jahren Arbeit in der Musikschule mit diesem Beruf aufhören, weil ich meine Wohnung nicht mehr bezahlen konnte.
Hier, Gott sei Dank, kann man davon leben und wenn man sich Mühe gibt, kann man sogar gut leben (natürlich, Standard "gut leben" bei jedem anders ist). Das ist erster guter Punkt für Deutschland. Zweiter und nicht der letzter guter Punkt ist, dass es hier sehr viel musiziert wird. In Russland spielt man entweder sehr gut oder gar nix. Hier spielt fast jeder zweiter. Und das finde ich sehr sehr gut. Auch was ich erstaunlich finde, dass viele Erwachsene und ältere Menschen Klavierlernen anfangen.

Wir können gern über schlechtes in Russland zu sprechen. Ich bin für alles offen. Was ich nicht gut finde, dass wenn ein Ausländer etwas in anderem Land kritisieren will, kommt sofort die Frage "wieso bleibst Du denn hier". Heißt das, dass das Kritisieren ausschließlich die Sache der Einheimichen bleibt?

Bis ich 35 wurde, lebte ich in Russland, ab 1999 in Deutschland. Ich kann und tue es auch, vieles vergleichen. Vieles wie ist unterschiedlich, etwas besser, etwas schlechter, und ich pflege auch ein Gedanke, ein Buch darüber zu schreiben, wie gesagt, etwas "Deutschland mit den Augen einer Russin". Keine schwere Analyse, aber etwas leichtes und witziges, und über mich auch.

Viele Grüße,
 
sorell
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Allerdings, der Andrang ist enorm, und man muss sagen, dass eigentlich die Ausbildung an deutschen Musikhochschulen international sehr gefragt ist.
Deine Aussage diesbezüglich wundert mich doch, sorell.


violapiano

Das wundert mich auch.... Meine Aussage war ausschließlich den Musikschulen (für Kinder) gewidmet. Musikhochschulen sind nicht schlecht, aber sie alle bestehen aus Professoren... sie sind aber ganz oft Aussiedler aus Russland und anderen Ländern. Ich habe auch mit den russischen Studenten aus Musikhochschule in Köln gesprochen. Die haben auch bestätigt, dass der Level hier (auch in den Hochschulen) niedriger ist, als in Russland. Buchstäblich wurde gesagt: "Du weißt selbst, dass bei uns viel strenger ist, und Anforderungen sind viel höher."

Und bitte, das ist kein Schlechtreden, aber nur Meinungaustausch.
 
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<< E-piano und kopfhörer*g*

wobei ich das nciht unbedingt alsvorteil erachte :mad:

nja ein freund von mir hat sich das klavierzimer schallisolieren lassen, von wegen gleich ein neues haus kaufen..., und wenn das auch zu teuer ist, versuchen jegliches freistehendes wandstück mit polsterung abdecken und die türen spalten fenster ect. das sieht zwar furtchbar aus aber tut seinen zweck ;)
 
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Noch mal zur Klarstellung: Man hat das Recht auf Persönlichkeitsentfaltung und das Recht auf Ruhe.

Im privaten Bereich soll beides beachtet werden und im Streitfall kann man klagen. Traurig ist, daß damit Kinder gegängelt werden und wenn man betrachtet, was in den Medien berichtet wird, bekommt man leicht den Eindruck, daß im Zweifel eher gegen den "Ruhestörer" entschieden wird. Ob das den tatsächlichen Umständen in Deutschland entspricht, kann ich nicht beurteilen, ich höre aber öfter Klagen, daß Kinder zu laut seien als daß sie nicht laut sein dürften, so schlimm ist es in meinem Lebensbereich also nicht.

Ganz anders sieht es aus, wenn man ein Gewerbe ausübt. Jeder Handwerker, Arzt und Anwalt muß einen geeigneten Gewerberaum haben und das geht im "reinen Wohngebiet" nur mit großem behördlichen Aufwand. Wer das ignoriert, sitzt über kurz oder lang auf der Straße, denn hier wird auch das zuständige Amt aktiv. Gewerbliche Musiklehrer und Musiker haben es da wesentlich besser, denn solange sie von ihrem Umfeld toleriert werden, kann ihnen nichts passieren.

Das Thema "Kinderfreundlichkeit" wird auch gerne aufgebauscht: Zum Beispiel wurde in meiner Nachbarschaft ein Haus für einen Kindergarten gekauft und mit dem Umbau begonnen, worauf die Nachbarn einspruch erhoben. Erst dann kam der Betreiber auf die Idee, überhaupt einen Antrag zu stellen, der dann auf Druck der lokalen Zeitungen vorläufig bewilligt wurde und inzwischen wartet man auf den endgültigen Beschluß vom Gericht. Ob die Nachbarn den Kindergarten vielleicht hingenommen hätten, wenn er von Anfang an genehmigt gewesen wäre, kann man nicht mehr feststellen. Auf jeden Fall stehen sie jetzt als kinderfeindlich da. So werden die Verhältnisse in Deutschland gerne verzerrt.

Die Gesetzeslage in Deutschland ist bezüglich privater Ruhe und Geräuschausübung übrigens sehr locker, es muß lediglich jeder ein bischen zu seinem Recht kommen. Was aber doch auffällt, ist die Bereitschaft, wegen jeder Kleinigkeit vor Gericht zu ziehen. Skurrile Regeln wie vielleicht eine Kleiderordnung für Gartenzwerge stammen nicht aus Gesetzestexten sondern aus Gerichtsurteilen genervter Richter, die sich mit den Spitzfindigkeiten hochbezahlter Anwälte herumschlagen müssen.

Was die Freiheiten von Lehrern und Musikern angeht, bin ich nicht sicher, ob man sich da Verbesserungen wünschen sollte. Zunächst ist es natürlich recht teuer, einen extra Übungs- oder Unterrichtsraum zu unterhalten. Deswegen ist es gut, daß viele Lehrer und Musiker zuhause arbeiten können. Auf der anderen Seite besteht immer die Gefahr, daß ein neuer Nachbar sich beschwert und dem ganzen ein Ende setzen könnte. Da aber in Deutschland immer gerne nach Regeln gerufen wird, sollte man dieses Thema vielleicht einfach auf sich beruhen lassen, denn eine Verbesserung der Situation durch "Rechtssicherheit" bzw. klare Gesetze kann ich mir nicht vorstellen, eher das Gegenteil.
 
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J
just listen!
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Die Zivilisation belastet Menschen zunehmend mit Lärm, Licht und anderen Sinnesreizen. Ich bin froh, dass man dem Menschen auch ein Recht auf Entspannung der Sinne gibt. Das ist für mich als Musiker zwar ungünstig aber ehrlich gesagt, möchte ich auch nicht stundenlang immer die gleiche Klavierpassage hören. Das hat auch nichts mit einem Mangel an Kulturverständnis zu tun. Für nervige und zeitlich ungünstige Übungsstunden habe ich deshalb auch noch ein Digitalpiano.
Übrigens, gehen die Briten mittlerweile noch weiter und haben jetzt sogar die ersten Lichtschutzgebiete eröffnet.
 
sorell
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Die Zivilisation belastet Menschen zunehmend mit Lärm, Licht und anderen Sinnesreizen. Ich bin froh, dass man dem Menschen auch ein Recht auf Entspannung der Sinne gibt. Das ist für mich als Musiker zwar ungünstig aber ehrlich gesagt, möchte ich auch nicht stundenlang immer die gleiche Klavierpassage hören. Das hat auch nichts mit einem Mangel an Kulturverständnis zu tun. Für nervige und zeitlich ungünstige Übungsstunden habe ich deshalb auch noch ein Digitalpiano.
Übrigens, gehen die Briten mittlerweile noch weiter und haben jetzt sogar die ersten Lichtschutzgebiete eröffnet.

Ok, ihr habt mich überzeugt... man kann immer einen Ausweg finden. Vielleicht, es ist auch nicht so schlecht, wenn man recht auf Ruhe hat. Jetzt gibt es auch Vario System bei Bechstein für Stummschaltung. ich weiß aber nicht, ob es an jedes Instrument eingebaut werden kann.
 
 

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