Wieviel Übezeit ist angemessen?

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Gesenius

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Liebe Klavierlehrer,
Mein achtjähriger Sohn spielt seit gut einem Jahr Klavier, ist wohl auch recht begabt, allerdings in meinen Augen ein bisschen faul. Er übt zwar täglich, aber immer nur so ca. 15 Minuten. Ausnahme, es ist ein Stück, das ihn wirklich fasziniert, dann setzt er sich auch mehrmals täglich kurz ans Klavier.
Die Klavierlehrerin ist eine total Liebe, die nichts dazu sagt...
Ist die Zeit angemessen oder zu kurz?

Liebe Grüße Andrea
 
Rheinkultur

Rheinkultur

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Wie sagte einmal ein deutscher Bundeskanzler?: Es zählt nur, was hinten rauskommt. Gegenfrage: Sind die gestellten Anforderungen auch wirklich sicher bewältigt? Wenn ausgeprägte Musikalität gegeben ist, kann sich Unterforderung genauso schädlich auswirken wie Überforderung. Egal, wie lieb die Klavierlehrerin ist: Eine greifbare Aussage müsste von ihr auf gezieltes Nachfragen hin in jedem Fall kommen.

Da es aufgrund individueller Begabungsstrukturen keine allgemeingültigen Regelungen gibt, wie viel man an Übepensum absolvieren muss, habe ich das folgende Dokument verlinkt: Lernen

Es tut nichts zur Sache, ob die Ausführungen primär an Gitarristen oder an Tastenspieler gerichtet sind. Ohne zu wissen, wie man übt, ist weder im einen noch im anderen Fall Erfolg zu erwarten.

Abschließend die Frage: Unterscheidet sich ein "faszinierendes" Stück von der gewohnten Literatur? Vielleicht besteht Veränderungsbedarf bei der Werkauswahl, die im Unterricht behandelt wird?

LG von Rheinkultur
 
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Gesenius

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Wie sagte einmal ein deutscher Bundeskanzler?: Es zählt nur, was hinten rauskommt. Gegenfrage: Sind die gestellten Anforderungen auch wirklich sicher bewältigt? Wenn ausgeprägte Musikalität gegeben ist, kann sich Unterforderung genauso schädlich auswirken wie Überforderung.


Da es aufgrund individueller Begabungsstrukturen keine allgemeingültigen Regelungen gibt, wie viel man an Übepensum absolvieren muss, habe ich das folgende Dokument verlinkt: Lernen


Abschließend die Frage: Unterscheidet sich ein "faszinierendes" Stück von der gewohnten Literatur? Vielleicht besteht Veränderungsbedarf bei der Werkauswahl, die im Unterricht behandelt wird?

LG von Rheinkultur

Vielen Dank für das verlinkte Dokument, da sind interessante Anregungen drin.

Beherrschung der Stücke - na ja, die sind jetzt komplexer als zu Anfang, und oft sind nach einer Woche noch kleine Stockungen an schwierigen Stellen drin, oder die Dynamik wird nicht genug beachtet. Dann muss er sie noch eine Woche oder zwei üben, aber der Fortschritt ist in diesen Punkten nur sehr langsam...

Er hat allgemein Probleme, sich etwas zu erarbeiten, weil ihm vieles bisher nur so zugeflogen ist. In der Schule z. B., aber auch in den ersten Monaten am Klavier, da konnte er die Stücke einfach so vom Blatt spielen, ohne groß zu üben.

Die faszinierenden Stücke, das sind sehr rhythmische, schwungvolle, oft leicht angejazzte Sachen. Aber er braucht doch eine klassische Grundlage und seine Lehrerin ist glaube ich auch sehr klassisch ausgerichtet (russische Ausbildung).

Liebe Grüße Andrea
 
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chiarina

Guest
.... aber der Fortschritt ist in diesen Punkten nur sehr langsam...

Er hat allgemein Probleme, sich etwas zu erarbeiten, weil ihm vieles bisher nur so zugeflogen ist.
Liebe Andrea,

ich würde mit seiner Lehrerin sprechen. Teile ihr deine Beobachtungen mit: eventuell - wenn sie es nicht schon macht - müsste sie mit deinem Sohn im Unterricht üben bzw. mit ihm gemeinsam Strukturen, Hilfen und Übeschritte entwickeln, wie er zu Hause üben kann. Es könnte sein, dass dann das Üben auch länger dauert! :p

Liebe Grüße

chiarina
 
nispi

nispi

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Hallo Andrea,

bei mir gibt es eine fast gleiche Situation. TAlentierte Tochter, kein Bock auf Üben, sie spielt lieber und experimentiert stundenlang.

Ich habe das tägliche Übepensum von einer halben Stunde mit meiner Tochter vereinbart. Sie sieht ein, dass sie nur durch Üben weiterkommt und ist mit der halben Stunde einverstanden.
Am Anfang habe ich jeden Tag die halbe Stunde neben ihr gesessen und ihr beim Üben geholfen.
Ich ziehe mich immer mehr aus den Übestundne zurück, ab und an sitze ich dennoch daneben und helfe ihr, wenn ein STück gar nicht gelingen will.
An den allermeisten Tage fordere ich mit Nachdruck die halbe Stunde Übezeit ein, oft auch mit Tages- und Wochenplänen, in denen der Nachmittag ungefähr zeitlich geregelt ist (Hausaufgaben, Klavierüben, Zimmer aufräumen, usw). So hat sie selbst einen Überblick wie ihr Nachmittag aussieht und wo ihre freien Zeiten sind.

Fazit: Eine halbe Stunde üben und so lange sie will Spielen.
 
dilettant

dilettant

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Aber er braucht doch eine klassische Grundlage
Warum eigentlich? Warum willst Du Deinen Sohn so ausbilden, als wolle er/sie mal Konzertpianist werden, was doch nur die wenigsten wollen bzw. schaffen?

seine Lehrerin ist glaube ich auch sehr klassisch ausgerichtet (russische Ausbildung).
Dann ist sie vermutlich wirklich gut, wenn es um die klassische Ausrichtung geht. Aber vielleicht ist sie für Deinen Sohn einfach nicht die Richtige?

Die faszinierenden Stücke, das sind sehr rhythmische, schwungvolle, oft leicht angejazzte Sachen.
Da hast Du's. Es soll Deinem Sohn doch Spass machen. Wenn es ihn motiviert, würde ich ihm eher inhaltlich entgegenkommen, als zu riskieren, dass er sich ganz vom Klavier verabschiedet. Es geht doch weniger darum, "richtige" Musik zu machen, als vielmehr darum, überhaupt sich mit Musik und einem Instrument zu beschäftigen.

Gruß
- Karsten
 
Peter

Peter

Bechsteinfan
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Aber er braucht doch eine klassische Grundlage...
Vor Allem braucht er Spaß und Motivation. Erinnert mich an meine ersten Jahre. Laut Musikschule war ich außerordentlich talentiert (Violine) und mein Lehrer hat das sehr gefördert (kostenlosen Privatunterricht). Er erkannte auch schnell, dass ständiges Üben nicht mein Ding war. Ich war ungeduldig und wollte immer schneller neue Stücke. Für meinen Lehrer war das kein Problem: Er kannte meinen Geschmack und hat mir ständig neues Material gebracht, teilweise auch extra für mich komponiert. Der nächste Lehrer war auf Perfektion ausgerichtet (ewig Etüden üben)...der Spaß war dahin und kam auch bei dem dritten/vierten Lehrer nie wieder.
Die Stücke müssen nicht perfekt sein. Hauptsache es macht Spaß, man ist motiviert und lernt dazu. Es gibt auch genügend "jugendgerechtes Material" zum Erlernen von Technik und Ausdruck, es geht auch ohne Clementi oder Czerny. Den Anspruch an Ausdruck und Perfektion wird Dein Sohn mit der Zeit selbst entwickeln, spätestens wenn die ersten Vorträge kommen und er dabei glänzen will.
Ich rate auch zu einem Gespräch mit dem Lehrer. Der Lehrer macht dann Alles richtig, wenn Du Deinen Sohn vom Klavier wegziehen musst.
 
 

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