Was taugen Rippen-Klaviere?

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montebianco
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Der Thread-Titel sagt eigentlich schon alles... ;-)

Habe leider kaum verwertbare Informationen im Web gefunden, auch keine Hersteller-Seite (gibts den Hersteller nicht mehr???).

Was ich weiß, ist, dass die Firma aus Holland stammt (sagt mir aber erstmal nix über die Qualität aus...), dass sie in den 70er Jahren gefürchtete Billigheimer in Irland produzieren ließ (allerdings nicht unter dem Markennamen "Rippen").

Generell handelt es sich dabei vermutlich um preiswerte Einstiegsinstrumente (der Gebrauchtmarkt ist ja voll davon) - meine aber auch schon hier im Forum gelesen zu haben, dass es durchaus Leute gibt, die auf die Rippen-Klaviere schwören.

Interessieren würden mich vor allem Aspekte wie Robustheit/Langlebigkeit und (soweit verallgemeinerbar) Tendenzen in Sachen klanglicher Charakter.

Danke schonmal!
 
Petz
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Rippen ist schon lange "verstorben", war einstmals in Ede / Niederlanden ansässig. Den irischen Ableger namens Lindner kann man getrost vergessen aber die Rippenklaviere holländischer Provenienz waren meiner Meinung nach sehr gute Instrumente. Äußerst stabile und umlaufende Gußplatten, Delignitschichtholzstimmstöcke, beim größten Pianino (Concerto, 122 cm hoch) Rennermechanik und bei den kleineren eine aus dem Hause Langer, gesamtes Instrument tropenfest verleimt.
Bei den größeren Modellen war auch der bekannte Wiener Musiker und Musikpädagoge Prof. Herbert Seiter als Mitentwickler und Berater tätig.

Ich besaß ein Concerto welches nicht nur jahrelang in einem feuchten Kellerproberaum genutzt sondern auch unter sicher nicht pianoadäquaten Transportmethoden zu Auftritten mitgeschleppt wurde und kann aus der persönlichen Erfahrung trotzdem nur Gutes berichten weil es meiner Meinung nach zu den absolut widerstandsfähigsten Instrumenten am Markt gehörte.
Allerdings waren die Transporte wegen des hohen Instrumentengewichtes (das Concerto wog für seine Größe sehr happige 260 Kg) für uns immer ein mittlerer Alptraum...:wink:
Der Klang konnte zwar mit der ersten Riege nicht ganz mithalten aber ein guter Intoneur und Stimmer konnte da gegenüber dem Auslieferungszustand noch Einiges optimieren. Grade bei den kleineren Rippen´s ist unbedingt eine individuell instrumentbezogen gespreizte Stimmung vonnöten um einen angenehmen Klang zu erzielen und leider haben einige Stimmer dafür offensichtlich nicht das Ohr.

Hab zwar noch Aufnahmen mit dem Concerto in der Band aber die wurden live in einem kleinen Kino mit einem Kassettenrekorder im Publikumsbereich aufgenommen und geben natürlich nicht den Klang besonders brauchbar wieder, außerdem wurde das Klavier elektrisch verstärkt.

http://members.aon.at/msfal/Instrumente/NewportStompDemo.mp3

Das Gewicht und die immer wieder auftretenden Rückkopplungsprobleme bei nötiger Verstärkung in kleineren Räumen (die Rippen´s waren von Haus aus keine besonders lauten Instrumente) gaben dann auch den alleinigen Ausschlag warum ich das Piano nach Aufkommen der ersten halbwegs brauchbaren Digitalpianos verkauft und auf ein Roland 3000S umgestiegen bin.
 
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montebianco
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Sooo.... habe heute ein Rippen gesehen und angespielt.... und eine ganze Reihe offener Fragen...

Wenn ich in den Untiefen des Internets richtig gewühlt habe, gab es nach dem Aus von Rippen noch eine Zeit, in der zunächst in Russland, später in China, Instrumente mit dem Markennamen Rippen gebaut wurden. Ich vermute, dass es sich beim von mir gesehenen um ein solches handelt...

Zum einen machte es vom Äußeren (und auch bei einem Blick ins Innenleben) einen nahezu neuwertigen Eindruck.
Weiterhin ist es ein Konsolen-Piano - in einem Design, das ich bei der Internet-Recherche bei den alten holländischen Rippen's nie gesehen habe (dafür sehr wohl bei Billig-Chinesen diverser Provenienz).

Die verwendeten Materialien sahen mir stellenweise nicht sonderlich hochwertig aus (bspw. "Verriegelung" des Oberrahmens: einfache Kunststoffteile, wo sich eine Plastiknase in eine entsprechende Aussparung des Gegenstücks drückt und gut ist). Auch die Klaviaturabdeckung war einfach nur mit 2 Plastiknasen eingehängt (habe ich z.B. bei älteren Yamahas nur verschraubt gesehen).

Der Markenschriftzug an der Innenseite des Klaviaturdeckels (bei den alten holländischen Rippens ja recht markant - schmale, etwas eckige Großbuchstaben) sah völlig anders aus als bei gesichert "echten" alten Instrumenten.

Demgegenüber wies der Gussrahmen (wo ich ja insgeheim Hinweise auf einen russ./chin. Hersteller zu finden befürchtete) eine Prägung auf, die etwas von "Rippen Pianofabriek Holland" sagte (allerdings nicht den Ortsnamen Ede erwähnte, wo Rippen früher ja saß).
Verbaut war eine Langer-Mechanik - das wiederum fördert ja nun nicht eben das Bild vom absoluten Billig-Chinesen.

Leider habe ich bisher noch keine Angaben zum Baujahr bekommen können; die Seriennummer hilft nur bedingt weiter, da Rippen in den einschlägigen Verzeichnissen/Datenbanken im I-Net nicht aufgeführt wird.

Bin also etwas verwirrt darüber, was für ein Instrument ich da heute nun eigentlich gesehen habe. In Anbetracht des verlangten Preises (850,-EUR von privat) möchte ich schon wissen, was für einen Vogel ich mir da denn fange (zumal mich Klang und Spielart auch nicht restlos überzeugt haben, aber sicher noch zu optimieren wären).

Alternative wäre übrigens ein klanglich überzeugendes Yamaha M5E, Baujahr 1977, in gutem gebrauchtem Zustand im ähnlichen Preisrahmen (allerdings weiter entfernt und daher teurer zu transportieren - und vom Äußeren her, naja, nicht ganz Wohnzimmer-kompatibel ;-)).

Mag jemand Hilfe bei der Entscheidungsfindung anbieten?:confused:

Besten Dank schonmal,

montebianco

P.S.: Verkäufer spricht von "Marke Rippen, Modell Allegro" - falls das weiterhilft.... mir nicht.
 
pegasus111
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........
Alternative wäre übrigens ein klanglich überzeugendes Yamaha M5E, Baujahr 1977, in gutem gebrauchtem Zustand im ähnlichen Preisrahmen (allerdings weiter entfernt und daher teurer zu transportieren - und vom Äußeren her, naja, nicht ganz Wohnzimmer-kompatibel ;-)).

Na wenn ich mir diese Beschreibung des Rippen so durchlese, bleibt eigentlich für mich nur ein einziger Schluss - wenn's denn unbedingt eine der beiden Alternativen sein muss! - und das ist das Y.
"Klang und Spielart nicht restlos überzeugt" vs "klanglich überzeugend"
unbestimmte (wirkliche) Marke vs. Markenware
Plastiknippel gegen Metallverschraubung.

Vielleicht waren noch irgendwo aus Restbeständen Gussrahmen übrig und der Rest wurde dann drum herum zusammengeschustert- genauso hört sich das an.
Der Text, meine ich. Vielleicht aber auch das Klavier ???

Liebe Grüße
Gerhard
 
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montebianco
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Danke für den Kommentar, Gerhard :-)

wenn's denn unbedingt eine der beiden Alternativen sein muss!

Ja, muss wohl sein. Der Große hat mit Beginn des Schuljahres angefangen, Klavier zu lernen - bislang allerdings zuhause auf 'nem alten Kurzweil-Synthie rumgedrückt. Da will die KL nicht länger zusehen - aus nachvollziehbaren Gründen. Wir haben den Unterricht sogar schon bis nach den Herbstferien ausgesetzt, weil die KL nicht will, dass sich gerade bei den Vorübungen zum Anschlag Dinge einschleifen, die man später nicht mehr wegbekommt und wir hofften, bis Ende der Ferien ein Klavier im Hause stehen zu haben. Also insofern schon ein wenig Zeitdruck. Und nach anderthalb Monaten Suche muss jetzt mal was passieren...

Und dazu noch ein reichlich knapp bemessenes Budget - mehr als 1300, max. 1400 inkl. Transport und notwendiger "Wartungsarbeiten" (Stimmen, Regulieren) sind nun mal nicht drin. Da war ich schon glücklich, als ich das Y entdeckt hatte ;-)

Und nein - Mietkauf ist für uns keine Option, da unsere Region mit Klavierhäusern nicht eben gesegnet ist und die wenigen, die es gibt, diesen Umstand mit exorbitanten Mietraten ausnutzen... 100 EUR/Mon. und aufwärts ist mir einfach zu fett!

Wenn nicht noch jemand kommt und mich bezüglich des Rippen "beruhigt"/umstimmt/überzeugt, wirds wohl das Yamaha.

Liebe Grüße,
montebianco
 
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Petz
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Aufgrund der Tatsache, daß Du das Yamaha klanglich und von der Spielbarkeit her als besser empfindest sehe ich absolut keinen Grund Dich trotz meines Faibles für die Rippen noch zu versuchen umzustimmen denn dies sind die wichtigen Kriterien und qualitativ gibt´s bei Yamaha auch nix zu meckern. Und gegen ein "unadäquates" Äußere s gibt´s ja schlimmstenfalls ne Klavierdecke...;)

Es gab von Rippen durchaus Konsolenmodelle, mein Concerto war ein solches und dann gab es noch ein optisch wunderschönes im Oldtimestil und rustikaler Eichenausführung namens Largo welches trotz seiner 114 cm Höhe aber leider technisch nicht auf dem gleichhohen und klanglich auch sehr ansprechenden Modell Belcanto sondern auf dem nur 106 cm hohen Mignon basierte. Leider hab ich das alte Prospekt nicht mehr bzw. finde es zumindest im Moment nicht. Ein Modell Allegro ist mir bei den älteren Produkten jedenfalls nicht in Erinnerung; Belcanto, Carillon, Concerto, Largo, das einzigartige gradbesaitete alte Maestro aus Rippens Anfangszeiten, Mignon, den berühmten ebenfalls gradebesaiteten Alugußflügel und einen 188 cm langen "normalen" Flügel kenn ich als konkrete Modelle von damals.
Die weißen Kunststoffklammern und Tastaturabdeckungsführungsstücke gab es schon damals und auch beim größten Modell Concerto; die machten aber entgegen meinen ursprünglichen Befürchtungen nie Probleme und hatten den offensichtlichen Vorteil, das es keine Knarzgeräusche beim Spielen von den Holzteilen gab.
Den Gußrahmen kann man ebenfalls schwer einschätzen denn z. B. hatte mein Concerto gar keinen Namen in der Gußplatte eingegossen sondern im Bereich zwischen Tenor - und Basstimmwirbeln "prangte" ein plastisch tiefgezogenes aufgeklebtes :!: Kunststoffschild :!: mit der entsprechenden Schrift mit den bekannten hohen Buchstaben.
 
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montebianco
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@Petz

schau mal, was ich grad gefunden habe:

http://www.pianos-rippen.com/Page1.htm

die dort gezeigten Pianos haben übrigens auch alle diesen merkwürdigen Schriftzug an der Klaviaturabdeckung.
Ein Modell "Allegro" gibts da allerdings auch nicht...
 
Petz
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Danke für den interessanten Link.

Jedenfalls ist da irgendwo der Wurm drin denn ich entdecke zwar gewisse optische Ähnlichkeiten aber die Modellbezeichnungen stimmen mit den früheren Modellmaßen außer beim Concerto nicht mehr überein.
Das große 128er Modell und den 158er Flügel gab es früher überhaupt nicht. Meiner Vermutung nach wurden die Produktionsanlagen samt Markennamen irgendwohin verkauft und der neue Eigentümer baut möglicherweise auf der Rippentechnologie weiter auf - falls er das in derselben Qualität schafft wär ja absolut nix dagegen einzuwenden aber dafür fehlt mir einfach etwas der Glaube.....
 
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montebianco
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@Petz:

Habe heute mal noch ein paar mehr Infos vom aktuellen Besitzer bekommen...

Das Instrument hat er im April 1990 als Neuklavier gekauft (Preis knappe 6500 DM) - gehe also von einem Baujahr 1989 aus. Und dafür sah das Innenleben vom äußeren Eindruck her noch verdammt gut aus!!! Wie geleckt, kein bisschen Dreck drin (okay, im Pedalkasten schon ;-)), keinerlei Verfärbungen an Filzen o.ä.... Schon erstaunlich.
Wenn mich nicht alles täuscht, ist Rippen erst 1990 oder 1991 pleite gegangen - das Instrument stammt also offensichtlich tatsächlich noch aus holländischer Produktion, wenngleich auch aus deren letzten Zügen. Umso merkwürdiger, dass Schriftzug und Design nicht "traditionell" gehalten sind, sondern denen auf oben angeführtem, "heutigem" Link sehr, sehr ähnlich sind (auch wenn's da kein Modell "Allegro" gibt).

Ist vor allem für dich interessant, für mich weniger, da ich das Klavier schon von meiner "Kaufinteresse"-Liste gestrichen hatte - vor allem aufgrund des Klangs (ich empfand ihn als relativ dumpf und mulmig, wenig Obertöne...aber okay - wenn ich ja offensichtlich auf den Yamaha-Klang stehe, ist diese Empfindung vielleicht nicht weiter verwunderlich ;-))
Auch die Spielart hat mich überhaupt nicht überzeugt - für mein Dafürhalten sehr gefühlloser und unpräziser Anschlag, offenbar auch träge Mechanik; hatte größte Schwierigkeiten, mit meinen eigenen "Bordmitteln" (d.h. ohne linkes Pedal) aus dem Klavier ein pp herauszukitzeln. Sind das Eigenschaften, die du als "Rippen-erfahrener" Spieler so auch kennst oder waren das eher Macken dieses speziellen Instruments?

Eigentlich ja alles völlig sinnfreie Gedanken, da ich das Klavier eh nicht kaufen werde....Aber die Materie an sich finde ich spannend ;-)
 
Petz
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Die schlechte Spielbarkeit ist sicher nicht rippentypisch auch wenn mein Concerto im Gegensatz zum Allegro ne Rennermechanik eingebaut hatte.
Mein Klavier war ganz zu Anfang auch etwas "zäh" in der Spielweise aber das änderte sich ziemlich schnell als es dann etwas "eingelaufen" war.

Wenn das Klavier nach den Jahren innen noch wie neu wirkt würde ich eher vermuten, daß es kaum gespielt wurde und deshalb die Lagerungen von Tasten - und Mechanikteilen etwas festgegangen sind.
Ich hatte zur damaligen Zeit einen Bekannten, der Klassik auf seinem eigenen, auch nicht allzu alten Schultze - Pohlmann Pianino (renommierter Südtiroler Hersteller ebenfalls mit Rennermechanik) spielte und der hielt den Rippen für um einiges differenzierter spielbar als das eigene Pianino.
 
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