Warum ist die Garnierung beim Flügel im Hammerstiel, beim Klavier in der Kapsel?

Klimperer

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Liebe Fachkräfte,

Die Frage steht ja schon in der Betreffzeile... Ich hoffe, dass sie nicht zu dumm ist.

Am Klavier/Pianino verstehe ich den Aufbau ja noch, jedenfalls wenn eine Kapselschnur vorhanden ist. Aber warum hat man sich dazu entschieden, beim Flügel den Achsendraht in die Kapsel zu setzen und die Garnierungen in den (gabelförmigen) Hammerstiel?

Auf die Gefahr hin, dass ich etwas völlig selbstverständliches übersehen habe, frage ich halt einfach mal.

Gruß,
Mark
 
Stechbein

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Hallo Mark,

da jede bewegliche Verbindung ein gewisses Spiel hat, würde die Garnierung in der schmalen Hammerkapsel dazu führen, daß sich der Hammerstiel am anderen Ende deutlich hin und her bewegen ließe. Durch die Garnierung in der Gabel des Hammers liegen die beweglichen Stellen weiter auseinander, was das seitliche Spiel am Hammerkopf deutlich vermindert.

Grüße,
Martin
 
klaviermacher

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Hallo Mark,
Ich verstehe die Frage nicht. :(
Der einzige Unterschied ist doch, dass bei der Pianomechanik eine Schließschraube ist, und beim Flügel nicht.

LG
Michael
 
Klimperer

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Hallo,

Hmmm, die Frage mal etwas umformuliert:
Jedes Gelenk hat ein einschenkliges und ein zweischenkliges Teil. Das einschenklige Teil ist immer fest (formschlüssig) mit dem Achsdraht verbunden: entweder als Presspassung durch ein Auge, oder mit Plättchen und Schließschraube. Das zweischenklige Teil enthält Garnierungen, in denen der Achsdraht sich dann dreht.

Warum hat man beim Piano den einschenkligen Teil am Hammerstiel, aber beim Flügel an der Kapsel? Anders gefragt: warum hat der Flügel nicht auch zweischenklige (garnierte) Kapseln und einen einschenkligen Hammerstiel mit Auge und hindurchgepresstem Achsdraht?

@ Martin:
Die Logik, die beweglichen Stellen so weit wie möglich auseinander zu setzen, leuchtet sofort ein. Ich hatte ja auch nicht im Sinn, die Garnierung in die schmale (einschenklige) Kapsel zu setzen. Die Frage ist vielmehr: warum ist beim Flügel die Gabel überhaupt im Hammerstiel, anstatt (wie beim Piano) in der Kapsel? Die Flügelkapsel ist doch nur schmal, und einschenklig, weil der Hammerstiel die Gabel hat. Wenn man aber die Gabel in die Kapsel nähme, wäre die Kapsel auch breiter, wie im Piano. Dann wäre der Abstand zwischen den zwei Garnierungen auch genau derselbe wie vorher.

@ Michael:
Bei allen (mir bekannten) Pianomechaniken ist der Achsdraht fest mit dem Hammerstiel verbunden - ob nun per Schließschraube oder per Presspassung durch's Auge. Der Draht ist beweglich in der gabelförmigen Kapsel gelagert. Warum hat man im Flügel nicht dasselbe Prinzip verwendet: gabelförmige Kapsel mit Garnierungen, und Hammerstiel mit einem Auge, wodurch der Achsdraht gepresst wird?

Gruß,
Mark
 
P

Pianoservice

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Ich verstehe die Frage nicht. :(
Der einzige Unterschied ist doch, dass bei der Pianomechanik eine Schließschraube ist, und beim Flügel nicht.

Nicht ganz.:D
Beim Klavier sitzt die Achse starr mit der Hammernuss und dreht sich in der Kapsel.
Beim Flügel sitzt die Achse starr in der Kapsel und dreht sich in der Garnierung im Hammerstiel.

Anders gesagt:
Beim Klavier bewegt sich die Achse in Relation zum Instrument gesehen zusammen mit der Nuss, beim Flügel ist die Achse in Relation zum Instrument gesehen stillstehend.
 
Klimperer

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Eben, Pianoservice, meine Frage ist nur: warum der Unterschied?

Dass der Pianohammer eine Nuss braucht, auf die die Stoßzunge wirken kann, ist klar. Mit einem zweischenkligen Hammerstiel ginge das nicht. Also hat man die Nuss in die Mitte des Gelenks gesetzt, den Draht starr mit der Nuss verbunden und in der zweischenkligen, garnierten Kapsel gelagert. Warum nicht auch beim Flügel?

Entschuldigt die penetrante Fragerei, aber es hieß doch immer: "Wer nicht fragt, bleibt dumm".:oops:

[Edit @ Toni: danke.]
 
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xentis

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Technisch ist die Flügel-Lösung besser, da die Achse damit breiter gelagert ist. Wahrscheinlich auch teurer, da zwei Garnierungen notwendig.
 
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???

Irgendwie scheint keiner meine Frage zu verstehen. Die Breite der Lagerung ist doch dieselbe. Und zwei Garnierungen sind in jedem Falle notwendig.

Ich hab jetzt mal ein wenig herumgebastelt, damit deutlicher wird, was ich meine.

Wenn eine Flügelkapsel normalerweise so aussieht wie im ersten Anhang (Achsdraht durch die Kapsel gepresst), was spricht dagegen, sie wie im zweiten Anhang auszuführen (Achsdraht durch Hammerstiel gepresst)? Die Breite ist in beiden Fällen genau dieselbe, auch die Anzahl der Garnierungen.

[Edit: Anhang Nr. 2 wurde blöderweise als erster hochgeladen. Also: Nr. 1 (rechts) ist normal, Nr. 2 (links) ist mein Alternativvorschlag.]
 

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klaviermacher

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Eben, Pianoservice, meine Frage ist nur: warum der Unterschied?

Dass der Pianohammer eine Nuss braucht, auf die die Stoßzunge wirken kann, ist klar. Mit einem zweischenkligen Hammerstiel ginge das nicht. Also hat man die Nuss in die Mitte des Gelenks gesetzt, den Draht starr mit der Nuss verbunden und in der zweischenkligen, garnierten Kapsel gelagert. Warum nicht auch beim Flügel?

Entschuldigt die penetrante Fragerei, aber es hieß doch immer: "Wer nicht fragt, bleibt dumm".:oops:

[Edit @ Toni: danke.]
Ah, nun verstehe ich die Frage!

Im Prinzip kannst Du die Gabel entweder am starren oder am beweglichen Teil haben, solange die Garnierungen, in der sich die Achse bewegt an den Außenteilen läuft und somit den geringeren Kräften bei seitlicher Beanspruchung ausgesetzt ist. Das ist bei beiden Systemen gleich.

Gesetzt den Fall, man macht das bei der Pianomechanik so wie beim Flügel, wäre dann die Rückholfeder an ähnlicher Stelle wie die Abnickschraube bei der Flügelkapsel zu montieren. Technisch kein Problem. Der Aufwand für die Herstellung und Wartung würde sich bestimmt verteuern, aber machbar wäre das. Ein Vorteil, den man sich damit erkauft, besteht beim Schiebepapier füttern. Da sich die Kapsel stets etwas verwindet, leidet bei herkömmlicher Herstellung der gleichmäßige Achsgang in den Fütterungen.

LG
Michael
 

Klimperer

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Gut, Michael, Aufwand und Herstellungskosten sprechen dagegen, es im Piano nicht so zu machen wie im Flügel.

Aber warum macht man es beim Flügel nicht wie im Piano (siehe Bilder in meinem vorigen Beitrag)? Um das besagte Problem (Schieberpapiere verziehen die Kapsel, der Achsgang leidet) nicht auftritt?
[Edit: gemeint war: damit das besagte Problem nicht auftritt, bzw. um das besagte Problem zu vermeiden.]
Ciao,
Mark
 
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klaviermacher

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Gut, Michael, Aufwand und Herstellungskosten sprechen dagegen, es im Piano nicht so zu machen wie im Flügel.

Aber warum macht man es beim Flügel nicht wie im Piano (siehe Bilder in meinem vorigen Beitrag)? Um das besagte Problem (Schieberpapiere verziehen die Kapsel, der Achsgang leidet) nicht auftritt?

Ciao,
Mark
Ja, ich würde die Pianolösung nicht für Flügel einsetzen...

LG
Michael
 
agraffentoni

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