Vorstellung und gleich eine Frage

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Piano_Seb

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Hallo in die Runde. Erstmal kurz zu mir: Ich bin 49 Jahre alt und habe als Kind und Jugendlicher viel und gern Piano gespielt. Dann kam das übliche: Umzug, Studium und Vernachlässigung des Klaviers. Nun habe ich wieder anfangen, und zwar mit Jazz-Piano. Ich habe auch einen Lehrer gefunden, bei dem ich seit 2 Monaten Unterricht nehme. Er ist ein Anhänger der Akkord-Skalentheorie, wir besprechen die verschiedenen Modi und ihre Avoid Notes, passende Voicings usw. Mittlerweile kommen mir aber Zweifel ob das der richtige Weg ist. Irgendwo hier im Forum habe ich mal gelesen, dass die Akkord-Skalen-Theorie veraltet ist. Stimmt das? Und falls ja: Wie kann man einen Klavierlehrer überzeugen einen anderen Unterricht zu machen?
 
Gernot

Gernot

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Zu Deiner Frage kann ich leider nichts beitragen, da melden sich sicher noch andere, sonst solten die Mods das eventuell in den Jazz-Faden verschieben. In jedem Fall: Willkommen im Forum! :026:

Liebe Grüße
Gernot
 
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tilo

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Den Zusammenhang zwischen Skala und Akkord zu erkennen ist eine sehr nützliche Sache. In diesem Zusammenhang lernt man Akkordtöne, Tensions und Avoid Notes zu unterscheiden.
Das sind jedoch nicht die einzigen Aspekten in der Musik die es zu lernen gilt wenn man sich der Improvisation nähern möchte.
 
hasenbein

hasenbein

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Die Akkordskalentheorie ist keine angemessene Herangehensweise bei funktionsharmonischen Stücken (also Stücken mit Kadenzen wie z.B. II-V-(I), wie etwa die meisten Standards), sondern nur bei modalen Stücken. Sie führt bei ersterer Kategorie zu unpassend klingenden Improvisationen mit "unmusikalischen" und "stillosen" Melodiebildungen sowie zur Verwirrung/Überforderung des Schülers (bei vielen Akkorden erscheint es ihm wie ein Spießrutenlauf).

Leider gab es eine in den 60er Jahren beginnende Phase in der Jazzpädagogik, in der die Akkordskalentheorie aufgrund der simplistischen Vermittelbarkeit ("pass auf, hier ist ein m7, also spielste da Dorisch") überhand nahm. Erst seit den 90ern begann dann die Zurückdrängung, und die guten Lehrer von heute unterrichten nicht mehr so (die Akkordskalentheorie wird auf den Platz verwiesen, auf den sie gehört: den eines Sonderfalles).
 
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Piano_Seb

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Hallo @hasenbein Damit bestätigst du mein Gefühl. Wie würde denn ungefähr ein sinnvoller Jazzunterricht ablaufen? Und hältst du es für sinnvoll dem Lehrer das vorzuschlagen?
 
hasenbein

hasenbein

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Nein, halte ich nicht für sinnvoll. Lehrer hassen nichts mehr, als vom Schüler "vorgeschlagen" zu bekommen, wie sie unterrichten sollten. Außerdem geht es ja nicht darum, dass der Lehrer merkt "ach so, ja" und dann einfach ab der Stunde anders vorgeht (weil er die zutreffende Didaktik bereits in der Hirnschublade hätte), sondern der Lehrer müsste ja sein gesamtes didaktisches Konzept erneuern.

Da hilft leider nur Lehrerwechsel.
 
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Piano_Seb

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Ok, dann suche ich mir einen anderen Lehrer. @hasenbein: Welches Unterrichtskonzept ist denn für Jazz eine gute Alternative?
 
hasenbein

hasenbein

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Kauf Dir das Buch von Frank Sikora zur Jazz-Harmonielehre. Zwar stimme ich auch dem nicht in allen Einzelheiten zu, aber wie er es darstellt, trifft es schon ziemlich gut.
 
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Piano_Seb

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Ok, danke für den Tipp @hasenbein
 
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Piano_Seb

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Und jetzt les ich mich in das Sikora-Buch ein und kündige meinen Unterrichtsvertrag. Dann such ich mir einen neue Lehrer. So wie es momentan läuft ist es echt ermüdend. Stupides Üben von 2-5-1 in allen Tonarten und dazu Skalen monoton rauf und runter. Mit Musik hat das irgendwie nichts zu tun. Mein Lehrer ist der Meinung dass man erst improvisieren sollte, wenn die Skalen und Voicings sicher sind, weil es sonst frustrierend wäre. So wie es gerade läuft frustriert das aber irgendwie auch.
 

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tilo

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Und jetzt les ich mich in das Sikora-Buch ein und kündige meinen Unterrichtsvertrag.
Weißt Du auch dass Frank Sikora in seinem Buch zum "Chord-Scale Approach" schreibt:
"Wir werden uns in dieser Harmonielehre vorwiegend mit dem sogenannten "Chord-Scale Approach" befassen - einem seit den 70er Jahren weit verbreiteten Denkansatz ..."
Wie ich schon vorher erwähnte, dieses Wissen, Skalen Akkorde und umgekehrt zuzuordnen, ist essentiell für ein harmonisches Denken. Ich sagte auch dass es noch vieler anderer sehr wichtiger Gesichtspunkte bedarf um gut zu improvisieren. Das Skalen - Akkord Verständnis ist dabei auf untererster Ebene und ist eine absolute Grundvoraussetzung. Mit diesem Verständnis alleine kommst Du allerdings noch nicht sehr weit. ;-)

Und Du willst Deinem Lehrer kündigen obwohl Du anscheinend noch gar keinen Überblick hast?
 
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Piano_Seb

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@tilo Nja, ich vertraute da @hasenbeins Meinung. Obwohl dann ja Sikora wohl auch das von hasenbein kritisierte Denken vertritt. Und du scheinst ja auch ein Fachmann zu sein. Jetzt bin ich vollkommen verwirrt.

Aber Improvisation sollte doch schon Teil des Jazzunterrichts von Anfang an sein, oder?
 
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tilo

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@tilo Nja, ich vertraute da @hasenbeins Meinung. Obwohl dann ja Sikora wohl auch das von hasenbein kritisierte Denken vertritt. Und du scheinst ja auch ein Fachmann zu sein. Jetzt bin ich vollkommen verwirrt.

Aber Improvisation sollte doch schon Teil des Jazzunterrichts von Anfang an sein, oder?
Sicher.

Biete Deinem Lehrer doch mal eine Diskussion über das Thema an.
 
hasenbein

hasenbein

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Der Ansatz, den Piano_Seb da schildert, den sein KL verfolgt, ist auf jeden Fall Quatsch, egal inwieweit man akkordskalenmäßig arbeitet oder nicht.

Das ist ja ungefähr, als würde man eine Sprache lernen, indem man erstmal 500 Wörter auswendig lernt und erst dann anfangen darf, Sätze zu sprechen. Völliger Schmarrn.
 
 

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