Typisch Kirche... (Negative Erlebnisse im kirchlichen Dienst)

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Werschtfried

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Dies soll ein Sammelthread werden für negative Erfahrungen, die im Zusammenhang mit dem kirchlichen Dienst gemacht wurden und auf grundsätzlichen Problemen wie beispielsweise mangelnder bzw. fehlender Kommunikation, ausufernder Bürokratie oder dem Wirtschaften in die eigene Tasche beruhen.
Falls jetzt alle mit dem Kopf schütteln und die von mir beispielhaft angeführten Schlagwörter nicht mit Kirche in Verbindung bringen, ist es vielleicht hier in Westfalen ein bisschen anders.
Ich bin mal auf eure Beiträge gespannt. Übrigens sind auch Erfahrungen mit sexuell motivierten Annäherungsversuchen von geweihten Amtsträgern ein willkommenes Thema, obwohl es doch schon eher abwegig ist, diese als typisch zu bezeichnen.

Ich mache auch gleich mal den Anfang mit einer Geschichte zum Thema Geld: Ein Kollege, der seit vielen Jahren nebenamtlich mit fester Stundenzahl beschäftigt ist, sollte einen neuen Vertrag bekommen mit der Begründung, dass durch die Fusion von vier Pfarreien der Arbeitgeber nun ein anderer sei und die ursprüngliche Pfarrei deshalb nicht mehr existiere. Der neue Vertrag sah vor, dass die Arbeitszeit nun anhand eines Stundennachweises berechnet werden soll, wodurch er im Krankheitsfall kein Geld erhält und auch keinen bezahlten Urlaub nehmen kann.
Der Kollege ließ sich von der fadenscheinigen Begründung nicht beeindrucken und bestand auf seinem alten Vertrag.

Edit: Aus "Annäherungsversuchen sexueller Natur" wurde "sexuell motivierten Annäherungsveruchen".
 
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Rheinkultur

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Mal überlegen - eigentlich hatten wir so einen Faden schon mal:
https://www.clavio.de/threads/es-reicht-es-reicht-wirklich.20237/page-19

Hat sich über vier Jahre lang gehalten und ist im Corona-Lockdown-Chaos irgendwie untergegangen. In diesem Faden dominierten Stress-Situationen durch die zu späte Übermittlung musikalischer Vorgaben. Während man versierten hauptamtlichen Stelleninhabern wohl unterstellt, auch ohne Vorbereitung Gemeindelieder vernünftig begleiten zu können, hätte so mancher Nebenamtliche mit C-Schein die gewünschten Liednummern gerne ein paar Tage früher. Sicherlich ist es dem Betriebsklima förderlich, diesem Wunsch zu entsprechen. Als Adressat ständiger Notrufe und Vertretungsgesuche sollte man nicht auch noch die letzten Unentwegten vor den Kopf stoßen, die überhaupt noch diese mitunter unverschämt mickrig bezahlten Dienste zu spielen bereit sind.

Ein Kollege, der seit vielen Jahren nebenamtlich mit fester Stundenzahl beschäftigt ist, sollte einen neuen Vertrag bekommen mit der Begründung, dass durch die Fusion von vier Pfarreien der Arbeitgeber nun ein anderer sei und die ursprüngliche Pfarrei deshalb nicht mehr existiere. Der neue Vertrag sah vor, dass die Arbeitszeit nun anhand eines Stundennachweises berechnet werden soll, wodurch er im Krankheitsfall kein Geld erhält und auch keinen bezahlten Urlaub nehmen kann.
Es geht vor allem darum, dass leistungsfähige kirchliche Einrichtungen nur mit dem Unwillen, Vertretungskräfte adäquat für ihre Dienste zu entlohnen, künftig nicht mehr durchkommen. Entweder eine vernünftige Bezahlung oder es spielt eben keiner und damit basta. Vor allem ist nicht nachzuvollziehen, warum man nicht wie sonst einen Briefumschlag mit dem keineswegs üppig bemessenen Bargeld in der Sakristei deponiert und dem Musiker gegen Quittung aushändigt. Ich habe das unlängst mit einer Hochzeit erlebt, bei der die Brautleute einfach die Bezahlung des für die hauptamtliche Kantorin eingesprungenen Ersatzmannes auf das Gemeindebüro abwälzten und ich stattdessen von letzterem einen dicken Formularstapel zugemailt bekam, nach dessen Bearbeitung 25€ überwiesen werden sollten. Ich habe mich mit der Kantorin in Verbindung gesetzt und die Sachlage geschildert. Künftiges Prozedere bei Hochzeiten wie bei Trauerfeiern mit Bestatter: Barzahlung per Vorauskasse oder ich spiele den Dienst nicht. Gut, in dem geschilderten Fall galt: sollen sich diese versnobten Typen die 25€ dahin stecken, wo die Sonne nie scheint. Mit der damals gebuchten Hochzeitssängerin spiele ich übrigens morgen andernorts zwei Konfirmationen - allzu freundlich äußerte die sich über die gemeinsamen Auftraggeber auch nicht. Wichtig scheint es mir vor allem, dass sich Musiker gut vernetzen und organisieren, beispielsweise in Berufsverbänden. Wenn keiner ein bestimmtes Preis-Leistungs-Gefüge unterläuft, nützt das der gesamten Branche: entweder wird professionell auf beiden Seiten agiert oder es gibt keine Musik. Peng aus.

LG von Rheinkultur
 
Dorforganistin

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Ich arbeite in unterschiedlichen Bereichen. Kirchenmusik ist einer davon. Es gibt in jedem Job und in jeder Organisation positive Erlebnisse und auch merkwürdige Situationen, die man rückblickend skurril, lustig oder auch negativ findet. Wer bei der Kirche als Arbeitgeberin davon ausgeht, dass da immer alles "passt" und keiner irgendwie verhaltensoriginell ist, ist im besten Fall naiv. Menschen sind Menschen und haben Macken. Auch bei Kirchens.
Die angesprochenen Übergriffe sind allerdings weder zu tolerieren noch ist eine Diskussion darüber meiner Meinung nach in einem Musikforum "willkommen".

Zur vertraglichen Frage: bei uns gibt es Stundentabellen für Gottesdienste, die die Grundlage für die Honorarabrechnung bzw das Arbeitszeitkonto bilden. Im Tarif ist festgelegt, wie viele Urlaubstage es gibt. Da ich ausgesprochen selten krank bin, müsste ich jetzt nachschauen, wann und wie so ein Ausfall bezahlt wird.

Thema Vernetzung: auch wenn man nie Vertretungsdienste spielt, ist das sehr wichtig, da stimme ich @Rheinkultur zu. Es gibt auch für Kirchenmusiker:innen Verbände, in denen man Mitglied werden kann und auch mal Rat zu Vertragsfragen bekommt. Außerdem ist die jeweilige Mitarbeitervertretung auch für Teilzeitkräfte zuständig, sofern sie einen Vertrag haben und man kann auch da nachfragen.

Aber "typisch" oder "nur bei Kirchens vorkommend" ist das meiner Erfahrung nach dennoch nicht.
 
Werschtfried

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Kam er damit durch oder war das Dienstverhältnis damit zu Ende?
Er spielt bis heute mit fester Stundenzahl, egal ob Gottesdienste ausfallen, so wie im März, oder nicht. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wie die rechtliche Lage ist, aber bei meinem Fitnessstudio war es auch so, dass es übernommen wurde, einen neunen Namen bekam und die ganzen Altverträge, die noch mit dem alten Betreiber geschlossen wurden, weiterhin gültig sind.

Die angesprochenen Übergriffe sind allerdings weder zu tolerieren noch ist eine Diskussion darüber meiner Meinung nach in einem Musikforum "willkommen".
Es geht hier nicht darum, einzelne Menschen an den Pranger zu stellen. Auch ich war davon betroffen und mich interessiert es, wie andere damit umgehen.
 
Axel

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Ich habe soviel Mist erlebt, das füllt Bücher. Irgendwann habe ich keine Chance mehr gesehen, die Kirchenmusik zu machen, die ich liebe und die mich zum Kirchenmusikstudium gebracht hat. Seitdem arbeite ich im Schuldienst und bin bei weniger Scherereien deutlich besser bezahlt. Schade drum, aber besser wird das nicht. Die neusten Pläne des EB Köln sind nun weiß Gott nicht der Kracher und werden die Anzahl der Kirchenmusiker deutlich reduzieren.
 
FünfTon

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Ich bin jetzt Gitarrist in einer kleinen Freikirche. Dort ist Musikmachen Teil der Freizeitgestaltung der Gemeindemitglieder und damit gänzlich unvergütet. Das hat gegenüber dem "Orgeldienst" aber einige Vorteile: Man legt Termine, Instrumente und Repertoire frei nach Gusto fest, Pastor und Gemeinde bekommen "Friß oder stirb!", Liedwünsche gibt es nicht und wenn man keine Zeit und Lust hat, dann gibt es halt nichts. Durch das Überangebot an Hobbymusikern ist allerdings die musikalische Begleitung der Gottesdienste regelmäßig gesichert.
 
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St. Francois de Paola

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Ich bin zwar nicht angestellt bei der Kirche, aber momentan etwas sauer. Ich war eigentlich vorm Lockdown immer relativ gefragt für Vertretungen, beliebt und habe noch immer einen Schlüssel für die nächstgelegene Kirche.

Dann gab es im März wegen Corona ein Übeverbot, für das ich erstmal Verständnis hatte. Eigentlich kam dann ja raus, das Risiko einer Schmierinfektion ist eigentlich gering und wenn man mal vernünftig nachdenkt, ist jeder Einkaufswagen 100mal infektiöser.
Trotzdem durfte ich bis Ende der Sommerferien nicht an die Orgel. Und seit den Sommerferien wurde die Kirche dann wegen Renovierung erstmal komplett geschlossen. Auf die Frage, ob ich nicht in einer der anderen ca. sechs Kirchen üben könnte, habe ich die Antwort bekommen, dass ich doch mal die Katholiken fragen sollte.

Dafür bin ich oft in einer anderen Stadt, in der ich auch wieder öfter vertrete und zum Üben willkommen bin.
 

K

klaros

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Das sind die Babtisten, stimmts?
 
Werschtfried

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Mir fällt noch was zu den Themen Geld und mangelnde Kommunikation ein: Bei einem kirchlichen Posaunenchor aus meiner Stadt wurde einmal Geld aus der Chorkasse für ein Anliegen des Flötenkreises genommen. Seitdem wird versucht, die Chorkasse nicht anzurühren und stattdessen, soweit es geht, auf den Etat für Kirchenmusik der Gemeinde zurückzugreifen. Außerdem gibt es ein zweites, inoffizielles Konto, das innerhalb des Chores auch "Schwarzkonto" oder "Schwarzgeldkonto" genannt wird. Mittlerweile gehen fast alle freiwilligen Spenden und Gagen von Veranstaltungen, bei denen der Posaunenchor unter einem anderen Namen auftritt, auf dieses Konto.
 
 

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