Tonleiter üben/verstehen für Anfänger?

Dieses Thema im Forum "Forum für Anfängerfragen" wurde erstellt von JoachimGauckler, 13. Feb. 2017.

  1. JoachimGauckler
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    JoachimGauckler

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    Mittlerweile kann ich als Anfänger die Noten vom Violinschlüssel einigermaßen beherrschen und spielen. Das Notenlesen und spielen vom Bassschlüssel sollte noch später dazukommen. Beim weiteren Eintauchen in die Theorie begegnen einem Sachen wie Quintenzirkel, Tonleitern & Co.


    Über Tonleiter habe ich bis jetzt gelesen, dass es auf jeden Fall so einige gibt, von denen aber für Anfänger im Selbststudium nicht alle relevant sein dürften.

    Meines Erachtens dürften u.a. die DUR und MOLL Tonleiter von Belangen sein. Benutzt werden diese Systeme, um trauriges oder auch fröhliches zu spielen. (?)


    Wenn ich das richtig verstanden habe, bitte um Korrektur wenn nicht, dann sind das von dem Erfinder der Tonleiter vordefinierte Systeme, die man für die "Harmonielehre" oder sowas braucht. Habe auch auf YouTube Videos von einigen sagen hören, man könnte diese Tonleiter einfach so aus Spaß auf der Klaviatur spielen, um dann die Pianoskills zu verbessern oder um Akkorde zu üben... Wozu braucht man denn eigentlich diese Tonleitern?

    Sollte man als Anfänger schon jetzt in diese Materie eintauchen und damit schon irgendwie üben? Und wenn ja was genau und wie genau?!
     
  2. Musikanna
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    Musikanna

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    Warte damit nicht allzu lang, sonst kann es passieren, dass der Bassschlüssel für Dich immer ein "Stiefkind" bleibt und nicht so vertraut wird wie der andere.
     
  3. JoachimGauckler
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    JoachimGauckler

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    Ich denke mal diese Woche werde ich ihn noch üben, ist immer so ne Sache Beruf, Familie, Hobby usw unter einen Hut zu bringen :-D . Aber was muss das muss.
     
  4. rolf
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    rolf

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    Eine gute Frage!

    Angenommen, beim alljährlichen Weihnachtsevent will die Großtante oh Tannenbaum schmettern, und weil sie weiß, dass der @JoachimGauckler eines Tages erben will und Klavierspielen angefangen hat, will sie, dass der Joachim sie begleitet, wenn sie beim Christfest oh Tannenbaum röhrt :-D

    ok, der Joachim sagt zu (das Konto der Großtante soll dicke sein) und ...hm... Kruzifix aber auch... die Tante singt als ersten Ton ein #g!!! Kacke, Mist und Teufelsfurz: kann das Biest nicht einfach mit nem g anfangen, sodass man sie auf den weissen Tasten begleiten kann? NEIN, das Erbscheusal beginnt das Geröhre auf einem #g vulgo ba.

    Spätestens jetzt (Februar) sollte man sich für Dezember (Tante röhrt) Gedanken machen :-D:-D

    Damit das nicht anstrengt, fummelt und experimentiert man erstmal auf der Klimperkiste herum ---- aha, man stellt fest, dass man allein auf den weißen Tasten oh Tannenbaum nur dann zusammenfingern kann, wenn der allererste Ton ein g ist!

    An dieser Stelle angelangt, kann man zweierlei tun:
    1. irgendwen bitten, zu notieren und zu zeigen, wie man das spielt, wenn´s partout mit #g als erstem Ton anfangen soll -- das ist eine Scheißidee
    2. überlegen, wie die weißen Tasten angeordnet sind und rumprobieren, warum´s nur beim g anfangen kann -- das ist zielführend!

    Wenn 2. gewählt wurde, besteht die Chance, zu erkennen, dass das doofe Lied nur aus 7 verschiedenen Tönen besteht (ok, eigentlich 8, aber der erste Ton - g - kommt oktaviert vor, also mal unten mal oben)

    Sodann kann man sich Gedanken darüber machen, wie weit die verwendeten Töne voneinander entfernt sind (aha, die Intervalle!...)

    Betreibt man das mit Verstand und konsequent, wird man erkennen, dass das Lied sich innerhalb der 7 Töne einer Dur-Tonleiter bewegt und nix anderes verwendet.

    Ja halt mal: sind die weißen Tasten nicht alle gleich weit voneinander so irgendwie? hä? -- Pustekuchen! Manchmal liegen ja schwarze (Tasten, nicht Migranten) dazwischen ----- Heureka, hier entdeckt man, dass es Halb- und Ganztonschritte gibt! Von C bis D ist halt weiter als von E bis F, obwohl´s weiße Tasten sind.

    c-d-e-f-g-a-h-c ist also eine ganz spezielle Folge von Intervallen:
    c-d Ganzton
    d-e Ganzton
    e-f Halbton
    f-g Ganzton
    g-a Ganzton
    a-h Ganzton
    h-c Halbton (Leitton)

    Dieses Material - man nennt´s Durtonleiter - liegt nahezu allen "Liedern" zugrunde! Oh Tannenbaum beginnt auf dem 5.Ton der Durtonleiter. Hat man den Aufbau (Intervallschritte) geschnallt, kann man auf jeder beliebigen Taste beginnen und das doofe Lied spielen.

    ...ok...Begleitakkorde blabla müsste man extra lernen, aber hierfür sind die auch innerhalb der Tonleiter (die sind dann was für den nächsten Schritt)

    Kurzum: Tonleitern sind eine unverzichtbare Grundlage - zwar sind alle Durtonleitern gleich (das ist wahre Demokratie), aber man muss sie bzw. ihre Intervallschritte begreifen.
     
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  5. hobbyuser
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    hobbyuser

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    Nicht zwangsläufig, wie dieses Video zeigt. ;-)

    Bei den Akkorden ist es schon so, dass man Moll eher mit gedämpft und traurig assoziiert , während Dur mit heiter und fröhlich in Verbindung gebracht wird. Das liegt am Klangcharakter wenn der Akkord allein erklingt.

    Die Tonleitern stellen im Prinzip den Tonumfang der verschiedenen Tonarten dar. Was nicht heißt, dass in vielen Musikstücken, nicht auch noch weitere Töne verwendet werden. Wenn du jetzt auf jedem Ton einer Tonleiter einen Akkord bildest, welcher nur aus Tonleiter eigenen Tönen besteht, erhältst du die Grundakkorde einer Tonart. Das wären dann 3 Dur Akkorde (I., IV. und V Stufe/Ton) und 3 Moll Akkorde (II., III. und VI Stufe/Ton). Auf der VII. Stufe/Ton entsteht ein sogenannter Verminderter Akkord. Viele Musikstücke bestehen nur aus diesen Akkorden der Tonart und man kann sie damit begleiten, sprich die Melodie mit den Akkorden untermalen.

    Ich hoffe die Erklärung hilft dir ein wenig weiter, auch wenn sie in stark verkürzter Form präsentiert wurde. :-)
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Feb. 2017
  6. Barratt
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    Barratt

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    Ja, es hat sich m. E. bewährt, sich möglichst früh mit C-Dur-fremden Tonarten vertraut zu machen, dann hat man später keine Angst davor. Du scheinst noch ganz am Anfang zu stehen. In der Anfängerliteratur werden nach C-Dur (kein Vorzeichen) in aller Regel zunächst mal F-Dur und G-Dur eingeführt (EIN Vorzeichen, "b" bzw. "#").

    Am besten spielst Du mal die C-Dur-Tonleiter und prägst Dir ein, wie sie klingt. Sie klingt auf eigenartige Weise "stimmig". Dann spielst Du die Tonleiter mit F oder G beginnend. Du wirst intuitiv feststellen, sie klingen "irgendwie komisch/unfertig". Dann schaust Du Dir die C-Dur-Tonleiter noch mal genau auf der Tastatur des Klaviers an: Sie kommt völlig ohne schwarze Tasten aus, aber gleichwohl gibt es in ihr Ganzton- und Halbtonschritte. Wenn Du dann mal schaust, wo genau Halbtonschritte liegen, kannst Du dieses System auch auf andere Tonarten übertragen (im ersten Schritt G-Dur und F-Dur mit nur einer "schwarzen Taste"). Dann klingen die Tonleitern plötzlich genauso rund und stimmig wie in C-Dur, nur dass sie mit einem anderen Ton anfangen.

    Das System überträgst Du auf das identische Experiment, das Du auf D beginnen lässt. Dann fängst Du auf A an. Und wenn Du schon mal bei A bist und eine Tonleiter gebastelt hast, die "wie C-Dur klingt" (Du benötigst dafür wie schon ab D zwei schwarze Tasten - die gleichen - PLUS noch eine weitere!), erinnerst Du Dich daran, dass Du für C-Dur keine schwarzen Tasten brauchtest. Aus Spaß probierst Du aus was passiert, wenn Du von A aus nur auf weißen Tasten spielst. Klingt GANZ anders - Du hast gerade die "natürliche" Molltonleiter entdeckt. Du fragst Dich, warum das Gespielte so "unabgeschlossen" klingt und entdeckst: Der vorletzte und letzte Ton liegen einen Ganzton auseinander. "In sich stimmiger/harmonischer" klingt, das hast Du vorher in den Dur-Experimenten ausgetüftelt, wenn der vorletzte und letzte Ton um einen Halbton auseinander liegen. Also erhöhst Du eigenmächtig den 7. Ton Deiner Leiter vom G aufs Gis (die schwarze Taste zwischen G und A). Dann klingt es zwar immer noch deutlich anders als Dur, aber irgendwie in sich harmonischer. Du hast den Leitton entdeckt!!! und Dir damit eine "harmonische Molltonleiter" gebastelt.

    Wenn Du Dich mit Tonarten beschäftigst, setz Dich immer ans Instrument. Dann wird Dir sofort klar, was Dir auf dem Papier willkürlich und theoretisch vorkommt. Und Du schulst dabei auch gleichzeitig Dein Gehör. Du willst ja später nicht dauernd darüber nachdenken müssen, ob Du das Fis oder das B vergessen hast. ;-) Wenn Du viel ausprobierst (ohne Text), bekommst Du eher ein Gespür für "irgendwie falsche Töne" (besser andersherum: Du entwickelst ein Gespür für die richtigen Töne) als wenn Du solche Texte nur liest und auf rein intellektueller Ebene zu verstehen versuchst.


    Nicht nur traurig vs. fröhlich.

    In Stücken wird oft hin und her gewechselt zwischen Dur und Moll. Reines Dur ist sehr eindimensional und klingt uninteressant. Du wirst so schnell keinen Tonsatz finden ohne wenigstens einen Dominantseptakkord (für C-Dur wäre dies G7, G ist der fünfte Ton der C-Dur-Tonleiter und somit , wenn Du darauf einen G-Dur-Akkord bildest - die sog. "Dominante" G, H und D - und nimmst dazu den 7. Ton - die sog. Septime - der G-Dur-Tonleiter - Fis oder F - wirst Du intuitiv spüren, dass dieser Akkord irgendwie so nicht stehen bleiben, sondern "weiter will" - nämlich zu C-Dur - C, E, G) oder die Mollparallele (die Molltonart, die in ihrer oben beschriebenen [harmonischen] Variante aus demselben Tonvorrat schöpft = man findet sie, indem man drei Halbtonschritte vom Grundton der Dur-Tonleiter nach unten geht - für C-Dur ist es das skizzierte a-Moll).

    Das alles muss man nicht von Beginn an wissen, aber man sollte es wenigstens spüren. Um jedoch das Spüren zu schulen, muss man es bewusst herbeiführen, und dazu muss man es dann trotzdem wissen. :blume:
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Feb. 2017
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  7. Pianokater
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    Pianokater

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    Eine gute Seite, wie ich finde, zu allen möglichen musiktheoretischen Themen ist lehrklaenge.de. Hier geht es direkt zu Tonleitern. Vielleicht findest Du dort noch ein paar interessante Antworten.

    Gruß
    Pianokater
     
  8. Klimperline
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    Klimperline

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    Als Ergänzung zum bisher Beschriebenem:

    Es gibt einige "Figuren", die immer wiederkehren und die es sich schon allein deshalb lohnt, so früh wie möglich zu üben. Dazu gehören u.a. Tonleitern (www.pian-e-forte.de/noten/pdf/tonleit.pdf), Abertibässe (http://www.klassika.info/Begriffe/Alberti-Bass/index.html), Arpeggien (http://www.quintenzirkel.info/das-arpeggio/) oder Akkorde (http://www.piano-akkorde.de/piano-akkorde-buch.php).

    Auch wenn diese Figuren oft leicht abgewandelt in den Stücken auftreten, wird dir die grundsätzliche Erfahrung mit ihnen beim Lernen neuer Stücke helfen.