Therapeutischer Klavierunterricht

femeba

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22. Juli 2020
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Liebe Forenmitglieder,

ich habe mich hier mal angemeldet, weil ich als Musiker bzw. Pianist und Organist ein Problem habe, dass bei mir mittlerweile auch etwas Leidensdruck verursacht und das ich gerne mal in irgendwie besser in den Griff bekäme.
Mir fällt das Üben sehr schwer und wenn ich Literatur spiele bricht irgendwann meine Konzentration zusammen. Ich weiß nicht mehr wohin mit all meinen Gedanken, die ich im Kopf habe und dann ist irgendwann Ende. Ich setze mich beim Spielen so dermaßen selber unter Stress, wegen nichts und wieder nichts.
Erstaunlicherweise habe ich dieses Problem nicht, wenn ich begleite. Da hab ich dann immer das Gefühl, dass ich die ganzen störenden Gedanken irgendwie auf eine andere Spur legen kann, weil ich mich dann einen Sänger oder Instrumentallisten konzentrieren kann.

Daher frage ich, ob jemand weiß, ob es irgendwo so eine Art therapeutischen Klavierunterricht gibt, in dem ich dieses Problem angehen kann.
 
Jeder GUTE Klavierunterricht sollte in diesem Sinne therapeutisch sein. Es ist nur leider sehr schwer, einen wirklich guten Klavierlehrer zu finden.

Die Lösung solcher Probleme fällt genau in das Aufgabengebiet eines Klavierlehrers. Darf man vielleicht fragen, in welcher Region Deutschlands du lebst? Eventuell kennt ja jemanden einen guten Lehrer, der in Reichweite wäre...
 
Liebe Forenmitglieder,

ich habe mich hier mal angemeldet, weil ich als Musiker bzw. Pianist und Organist ein Problem habe, dass bei mir mittlerweile auch etwas Leidensdruck verursacht und das ich gerne mal in irgendwie besser in den Griff bekäme.
Mir fällt das Üben sehr schwer und wenn ich Literatur spiele bricht irgendwann meine Konzentration zusammen. Ich weiß nicht mehr wohin mit all meinen Gedanken, die ich im Kopf habe und dann ist irgendwann Ende. Ich setze mich beim Spielen so dermaßen selber unter Stress, wegen nichts und wieder nichts.
Erstaunlicherweise habe ich dieses Problem nicht, wenn ich begleite. Da hab ich dann immer das Gefühl, dass ich die ganzen störenden Gedanken irgendwie auf eine andere Spur legen kann, weil ich mich dann einen Sänger oder Instrumentallisten konzentrieren kann.

Daher frage ich, ob jemand weiß, ob es irgendwo so eine Art therapeutischen Klavierunterricht gibt, in dem ich dieses Problem angehen kann.

Mit ähnlichen Problemen hatte ich auch beständig zu kämpfen, auf Noten kann ich mich nicht konzentrieren - ist bei mir allerdings ADHS bedingt. Ich weiß ja nicht, ob so etwas bei Dir auch vorliegen könnte? Aber da wäre das einzige was mir therapeutisch einfallen würde Methylphenidat oder Amphetamin. Nun spiele ich aber relativ schnell auswendig, was das lästige Notenlesen zumeist überflüssig macht. Und klar, Lieder begleiten....die hört man ein paar mal, dann spielt man die.
Wenn Du ein tonales Gedächtnis hast, nutze es. Hör Dir die Sachen einfach ein paar mal an und spiel sie dann. Das erspart zeitraubendes lästiges Üben - mach ich zumindest immer so.
 
Ich weiß nicht mehr wohin mit all meinen Gedanken, die ich im Kopf habe und dann ist irgendwann Ende. Ich setze mich beim Spielen so dermaßen selber unter Stress, wegen nichts und wieder nichts.

Ähnliches berichten Personen mit einer grüblerischen Depression. Dein Ansprechpartner wäre in diesem Fall weniger der Klavierlehrer, sondern ein therapeutischer Psychiater/Psychologe.

Als Einstieg: https://www.amazon.de/Das-Anti-Grübel-Buch-Gedankenzähmen-für-Einsteiger-ebook/dp/B075755J67

Ein Betroffener berichtet: Nachdem er das Buch dreimal gelesen und sich irgendwann auch auf den Inhalt konzentrieren konnte, habe es ihm einige gute Techniken an die Hand gegeben.
 
Zunächst ein herzliches Willkommen im Forum.
Ich schließe mich @Barratts Meinung an, dass ein Psychologe die bessere Adresse wäre als ein Klavierlehrer. Gut wäre natürlich, wenn dieser auch Klavier spielte, oder überhaupt Musik macht.
Da fällt mir gerade ein, dass ich beim Treffen in der Fränkischen Pampa einem Teilnehmer begegnet bin, der Hauptberuflich Psychiater ist und natürlich auch Klavier spielt. Den Nicknamen habe ich aber gerade nicht in Erinnerung. Er könnte vielleicht zumindest raten was zu tun ist.

Viel Glück!
 
Wird vielleicht nicht das komplette Problem beheben, aber ist einen Versuch wert:

Aufhören mit Koffein! (Also keinen Kaffee, keine Cola oder Energydrinks, keine Schokolade mehr).

Bei einem Teil der Menschen wirkt dieser Suchtstoff so deutlich, dass statt ruhiger, gerichteter Konzentration zerfasertes, sprunghaftes Denken entsteht.
 
Ich würde es mit Meditation und/oder autogenem Training versuchen, bevor ein Psychotherapeut-Musiker zu Rate gezogen wird. In der Ruhemeditation darf alles sein: all die vielen, wirren, unruhigen Gedanken, du schaust sie einfach an, identifizierst dich aber nicht mit ihnen. In der Meditation lernt man, diese Gedanken kommen und gehen zu lassen, ohne sie zu bewerten. Erst einmal darf alles sein, auch der innere Druck, den man auf sich selbst ausübt. Aber in der Mediation findet man auch dazu, selbst wieder Herr im Haus zu sein, Gedanken zu haben, aber nicht mit ihnen identisch zu sein. Wie viel Macht du diesen Gedanken verleihst, inwieweit sie dich bestimmen, bleibt deine persönliche Entscheidung. In der Stille und der Tiefenatmung der Meditation kann man sich selbst wirksam zu Ruhe und Konzentration führen, so weit zumindest meine Erfahrung. Das autogene Training hat dabei dann noch den Focus auf die psychosomatischen Auswirkungen, dass der Blutdruck signifikant sinkt, du dich erfrischt und leistungsfähig erfährst, etc. Wie gesagt, ich selbst würde es mit diesen Methoden, die man ebenso üben muss wie Klavier, auf jeden Fall einmal versuchen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Was bedeutet
?
Warum bist du Berufsmusiker geworden?
Erwartungshaltungen (das ergebnisorientierte Üben, Termindruck) und sonstige ungelöste Probleme im Hinterkopf können auch eine Rolle spielen, wenn man so alleine vor dem Instrument sitzt. Das alles ist ausgeblendet, wenn man mit anderen musiziert und dadurch abgelenkt ist.
 

Meditierst Du regelmäßig ? Würde mich auch interessieren. Hattest Du eine persönliche Betreuung oder reicht eine vernünftige schriftliche Anleitung ?
Entsprechende Literatur, gestützt mit audiovisuellen Medien kann sehr erfolgreich sein, wenn man die Disziplin besitzt, die Dinge so zu üben, wie es sein soll. Wer lieber in einen Kurs geht, kann es ja tun. Selbst habe ich autodidaktisch daran gearbeitet, habe allerdings auch eine psychotherapeutische Zusatzausbildung, geht aber auch ohne.
 
Danke schon mal für die vielen interessanten Tipps!

J Darf man vielleicht fragen, in welcher Region Deutschlands du lebst? Eventuell kennt ja jemanden einen guten Lehrer, der in Reichweite wäre...

Ich wohne in der Pfalz, im Raum Bad-Dürkheim. Vielleicht gibt's ja da einen geeigneten Lehrer bzw. eine geeignete Lehrerin? Wohne noch nicht so lange dort, sodass ich die "Szene" nicht kenne.
 
Hallo @femeba ,
erstmal herzlich willkommen im Forum der klavierverrückten!

Hast Du schon einmal versucht beim Klavierspielen mitzusingen bzw. zu summen. Mir hilft das sehr, vor allem wenn die Gedanken schweifen, mich auf das Stück zu konzentrieren.

Viel Glück und Erfolg
Ursula
 
Aufhören mit Koffein! (Also keinen Kaffee, keine Cola oder Energydrinks, keine Schokolade mehr).
Jaaaa! Da spreche ich aus Erfahrung, zumindest was die Koffeinaufnahme am Morgen betrifft. Seitdem ich auf Filterkaffee verzichte, kann ich mich viel besser konzentrieren. Nachmittags, und auch nur dann, ein Espresso (kein Filterkaffee!) oder schwarzer Tee erhöht bei mir wiederum die Konzentrationsfähigkeit.
 
Wird vielleicht nicht das komplette Problem beheben, aber ist einen Versuch wert:

Aufhören mit Koffein! (Also keinen Kaffee, keine Cola oder Energydrinks, keine Schokolade mehr).

Bei einem Teil der Menschen wirkt dieser Suchtstoff so deutlich, dass statt ruhiger, gerichteter Konzentration zerfasertes, sprunghaftes Denken entsteht.

Ist bei mir eher umgekehrt... :016:. Ohne dieses wunderbare Getränk namens Kaffee, wäre mein Tag um einen sehr essentiellen Genussfaktor ärmer :-D.

Aber um zum Ausgangsthema zurückzukommen...: Das Musizieren auf einem hohen Niveau ist psychologisch eine ziemlich vertrackte und ganzheitliche Angelegenheit, da sich hier sehr viele Faktoren und Erfahrungen/Erlebnisse mehr oder weniger offensichtlich auf das eigene Verhältnis zum Instrument und zur Musik auswirken. Nach meiner Erfahrung sind die spieltechnischen-musikalischen Probleme, welche man auf dem Weg zum professionellen Musizieren lösen muss, eher zweitrangig gegenüber den psychologischen Problemen.

Mein Klavierprofessor sagte mal zu mir, dass es auf dem Weg eines Musikers immer wieder große "Mauern" zu überwinden gibt, welche – im Gegensatz zur Technik und zur Musikalität – nicht kontinuierlich erklommen werden können, sondern deren Überwindung eher einem "Paradigmenwechsel" gleicht. Für mich war die erste große Mauer hier, dass ich lernen musste, welche psychologische Haltung ich meinem Spiel und der Musik gegenüber einnehmen muss, damit ich ausdauernd und belastungsfrei musizieren, üben und konzertieren kann.

Wie das aussieht ist leider absolut individuell, aber das Ziel ist das gleiche: Zufrieden mit sich zu sein und ein gesundes Verhältnis zum Instrument und zur Musik zu entwickeln.

Retrospektiv war hier für mich zunächst wichtig eine Antwort auf die folgenden Fragen zu finden:

1.) Was gibt mir beim Musizieren/Üben/Konzertieren Kraft? Was genieße ich daran?
2.) Was kostet mich beim Musizieren/Üben/Konzertieren Kraft?

Bei mir:

1.) Das Verstehen der Aussage der Musik, die Empfindungen die man beim Musizieren verspürt, das "freilegen" der musikalischen Aussage im eigenen Spiel, das Erleben des eigenen Fortschritts, die Erkenntnisse über sich selbst, die "zeremoniale" Atmosphäre des Konzerts und der leicht tranceartige Charakter der Aufführungssituation, ...

2.) (Unkonstruktive) Selbstzweifel, der Vergleich mit anderen, die Angst vor Fehlern.

Nun war es für mich sehr hilfreich, mich beim Üben/Konzertieren/... immer auf die Aspekte zu konzentrieren, welche unter (1.) zu finden sind.

Andererseits sollte man aber auch die Aspekte unter 2.) nicht verdrängen. Hier war es für mich sehr hilfreich, Strategien zu erarbeiten, um mit diesen Punkten umzugehen. Die Idee hier ist, ein Rezept zu entwickeln, mit welchem man mit den unter (2.) gelisteten Gedanken so umgehen kann, dass diese in Gedanken der ersten Kategorie umgewandelt werden.

Um ein Beispiel zu nennen, kann ich kurz skizzieren, wie ich mittlerweile mit Selbstzweifeln umgehe.

Selbstzweifel bestehen im Grunde aus dem unkonstruktiven Gedankengang, dass man schlecht ist (oder schlechter als andere). Dieser Gedanke enthält meist keine andere Information als die, dass man glaubt schlecht zu sein. Mir hilft es hier, dieses "schlecht" zu objektivieren und sofort in die Frage "Was ist denn gerade gut und was ist gerade schlecht?" umzuformulieren und diese Frage möglichst exakt zu beantworten. Anschließend versuche ich mir eine Strategie zurechtzulegen, welche die unter 1. gelisteten Aspekte nutzt um meinen aktuellen Stand zu verbessern.

Soviel in aller Kürze von mir. Wie die zugrundeliegenden "Ursachen" bei dir aussehen weiß ich nicht, und es kann natürlich auch sein, dass deine Probleme nichts mit dem Musizieren zu tun haben, sondern tatsächlich psychologischer/hirnorganischer/... Natur sind. Aber da du dich in einem Musikforum angemeldet hast, bin ich mal davon ausgegangen, dass diese "Ursachen" vielleicht doch mit der Musik zusammenhängen.

Schade dass @chiarina gerade nicht da ist. Ich bin mir sicher, dass sie etwas sehr gewinnbringendes hätte schreiben können, da sie wirklich eine sehr, sehr gute Klavierpädagogin ist (ehrlich gesagt eine der besten die ich kenne). Wenn du denkst, dass dieser Beitrag in eine Richtung zeigt, wo deine Probleme liegen könnten, kannst du mir gerne eine PN schreiben. Wir können uns dann gerne noch weiter darüber unterhalten.

Alles Gute,

Daniel
 
Und noch ein weiterer Tipp von mir: Kennst du Mantels Prinzip der rotierenden Aufmerksamkeit? Im Prinzip ist die Idee dahinter, dass man beim Üben seine Aufmerksamkeit immer einem scharf abgegrenzten Unteraspekt des Spiels widmet, während man die restlichen Aspekte "im Hintergrund laufen lässt".

Versuche mal – in diesem Sinne – deine Aufmerksamkeit darauf zu richten, das du dich beim Spielen körperlich wohlfühlst und versuche das zu üben.

Eine "Weiterentwicklung" der rotierenden Aufmerksamkeit, ist, dass man seine Aufmerksamkeit mehreren scharf abgegrenzten Parameter mit unterschiedlicher Priorisierung gleichzeitig widmet. Hier kann man so weit gehen und sagen, dass das körperliche Wohlbefinden immer auf erster Priorität stehen soll und man beim Üben immer darauf achten soll, dass man sich wohlfühlt. Die anderen Aspekte kommen dann auf zweiter und dritter Priorität.
 
Würde vielleicht reichen, regelmäßig Unterricht zu nehmen. Da ist generell die Motivation zum Üben und damit auch die Konzentration höher.
 
Jaaaa! Da spreche ich aus Erfahrung, zumindest was die Koffeinaufnahme am Morgen betrifft. Seitdem ich auf Filterkaffee verzichte, kann ich mich viel besser konzentrieren. Nachmittags, und auch nur dann, ein Espresso (kein Filterkaffee!) oder schwarzer Tee erhöht bei mir wiederum die Konzentrationsfähigkeit.
Stimmt...bei mir langt in der früh auch ein Obstler :geheim::lol:
 

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