Technik verbessern und weiteres Vorgehen

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Beelzebub

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Hallo,

schon seit einige Monaten lese ich hier im Forum immer mit und jetzt muss ich auch einmal ein paar Fragen an die Community stellen!

Kurz noch: Klavierlehrer kommt im Moment nicht in Frage, da ich mir das als Student derzeit nicht leisten kann, in einem Jahr wird es wohl dann möglich sein.

Ich spiele nun seit 4 Monaten, habe praktisch von Null angefangen (auch das Notenlesen musste gelernt werden) und konnte vor Kurzem Mozarts Piano Sonate 16 Andante relativ "stabil" ENDLICH spielen. Die Kopfschmerzen verfolgen mich immer noch :rolleyes:

Dabei merke ich allerdings, dass sich meine Finger doch ziemlich "steif" anfühlen, dass ich bestimmte Bewegungen einfach nur schwerfällig hinbekomme. Nun gut, ich bin Neuling und nun möchte ich meine Technik in dieser Hinsicht, aber auch ganz allgemein die Fingertechnik und das Gefühl der "Freiheit" auf dem Klavier verbessern.

So, jetzt stehe ich allerdings an. Von diverser Literatur halte ich, nach mehreren Fehlkäufen, relativ wenig. Welche technischen Übungen würdet ihr denn empfehlen. Etüden von Brahms höre ich immer wieder, oder doch lieber weiter normale Stücke spielen und die Technik entwickelt sich von selbst mit?

Ist es eventuell ratsam erstmal die Tonleiter rauf und runter zu spielen? (das Sticky mit den Noten für Anfänger ist übrigens spitze!)

Ich erwarte keine Geheimformel, sondern nur einen ungefähren Plan nach dem ich mich richten kann. Denn im Moment verbringe ich meine Übungsstunden mit dem weiteren Einüben bereits gelernter Stücke, aber ansonsten recht planlos. Die "einfachen" Stücke mit einer Laufzeit von 1 Minute befriedigen längst nicht mehr das Spielen, auch hier wäre ich euch für Tipps zu längeren Stücken, mit doch relativ einfachem Schwierigkeitsgrad sehr dankbar. Das Sticky behinhaltet leider meist nur Stücke mit einer Laufzeit unter 60 Sekunden.

Und nein, ich will kein Konzertpianist oder ähnliches werden (mit 22 ja doch auch schon etwas unrealistisch) aber für mich in meiner Freizeit brauch ich das mittlerweile einfach.

Vielen Dank für die Geduldigen und für konstruktive Antworten!

LG
 
P

PianoPuppy

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Die "einfachen" Stücke mit einer Laufzeit von 1 Minute befriedigen längst nicht mehr das Spielen, auch hier wäre ich euch für Tipps zu längeren Stücken, mit doch relativ einfachem Schwierigkeitsgrad sehr dankbar. Das Sticky behinhaltet leider meist nur Stücke mit einer Laufzeit unter 60 Sekunden.

Hallo Beelzebub,

Ich denke, als Anfänger ist es besser, sich doch eher bei den kurzen Stücken aufzuhalten. Die meisten Werke, die im "Sticky" vorgestellt sind, enthalten (trotz Kürze) auch Stücke, die schon ziemlich fortgeschritten sind. Der Vorteil liegt auf der Hand - 10 kurze Stücke bieten nun mal eine größere Vielfalt an Stilen aber auch an technischen Herausforderungen als ein langes Stück.

Bezüglich Unterricht, wäre es natürlich besser, Anleitung gleich am Anfang zu bekommen - vielleicht wäre es eine Option für dich, einmal im Monat eine Stunde zu nehmen, damit du dir keine schlechten Angewohnheiten zulegst, die du danach nur noch schwer wieder los wirst.

Ansonst kann ich empfehlen:

Rudolf Kratzert, Handbuch für Pianisten

In dem Buch wird die Technik des Klavierspiels erklärt, angefangen von den Grundlagen bis hin zum virtuosen Spiel. Als Übungsbeispiele für die Grundlagen verwendet der Autor Stücke aus Bartóks Mikrokosmos, womit ich dann bei der nächsten Empfehlung wäre:

Béla Bartók, Mikrokosmos

Das ist eine Art Klavierschule und wohl das Beste, was es in diesem Bereich gibt. Die Stücke sind superkurz (!), sehr lange bewegt man sich im Fünftonraum, wobei aber schon sehr bald Wechsel der Tonräume innerhalb des Stücks gemacht werden, also keine Gefahr, dass man es sich in einem Fünftonraum zu gemütlich macht. Sie sind musikalisch hochwertige Kost (wenn auch nicht immer leicht zugänglich), sie sehen superleicht aus, aber spätestens, wenn man zu den ersten polyphonen Stücken kommt (und das ist sehr bald) wird man eines Besseren belehrt. Tja, und viele Problemchen, die hier so geschildert werden, kämen gar nicht erst auf, wenn man zumindest die ersten vier Heftchen des Mikrokosmos durchgearbeitet hätte.

Wenn man dann nebenher noch ein paar Stücke aus diverser Anfängerliteratur durcharbeitet, um sich auch mit anderen Stilen vertraut zu machen, hat man gewiss ein solides Fundament, auf das man aufbauen kann.

Nebenher könnte man sich dann auch noch ein bisserle um Harmonielehre kümmern, macht aber meines Erachtens nur im Kontext der zu erlernenden Stücke bzw. in Zusammenhang mit praktischen Übungen (Kadenzen, Transponieren etc.) Sinn. Und ich würde mich auch gleich von Anfang an um die Gehörbildung kümmern.

Am Beginn würde ich nur ganz einfache Übungen machen, die einen guten Anschlag fördern. Zweifingerübungen können ganz hilfreich sein (die hat auch Liszt schon seinen Schülern verordnet ;)). Dabei spielt man z. B. eine Tonleiter in Sekundsequenzen durch (CD DE EF FG etc.) unter Verwendung von 2 Fingern durch, wobei der erste Ton betont und der zweite nur leicht angeschlagen wird. Diese Übung beginnt man am besten mal mit den Fingern 2+3, später kann man auch noch die Komination 12, 34, 45 dazunehmen. Ähnliches kann man später auch mit drei Fingern (1 betont, 2 und 3 leicht), 4 Fingern (1 betont, 234 leicht / 1 und 3 betont (24 leicht) und 5 Fingern (1 betont, 2345 leicht) machen. Auf diese Weise lernt man auch die Tonleitern besser, da man nicht nur einen Fingersatz übt, sondern dabei wirklich die Tonleiter kennen muss, um die Übung durchzuführen.

Wenn du Tonleitern üben willst, eventuell zuerst ein paar Daumenuntersatzübungen machen und dann weniger auf Geschwindigkeit sondern vielmehr auf die klangliche Gestaltung achten.

Lange, und dabei einfache Stücke für den Anfängerbereich kenne ich nicht - das längste was ich nach vier Monaten gespielt habe, war das Bachpräludium in C-Dur aus dem WTK I.

LG, PP

PS: Spiele aber selbst erst seit 2 Jahren, vielleicht kommen ja noch bessere Tips von den Profis. ;)
 
M

megahoschi

Guest
Ich lese hier öfters, dass Studenten kein Geld für Unterricht erübrigen können. Hier in Berlin gibt es für Studenten Rabatte an den städtischen Musikschulen, das kostet dann 30 Euro im Monat. Vielleicht gibt es ja auch sowas bei Euch in der Stadt...
 
Cathain

Cathain

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Huhu,

och, guter Unterricht geht auch als Student. Bei mir funktioniert das seit 3 Jahren. Man muss halt nur seine Prioritäten setzen und nebenbei ein wenig mehr arbeiten als es sonst der Fal wäre. Ich würde auf keine meiner Stunden verzichten wollen.
Die Grundfrage, die sich mir stellt ist, welchen Anspruch du an dich und dein Klavierspiel hast. Ein bisschen gruselt es mich ehrlich gesagt bei deiner Stückauswahl in Verbindung mit dem, was du über dein Spiel sagst.

Der Mikrokosmos oder etwa das Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach enthalten grade am Anfang viele kurze Stücke an denen man nach deiner Spielzeit unendlich viel lernen kann. Heißt, wenn man die nicht mehr befriedigend findet, dann schludert man sie einfach nur durch. Arbeitet man richtig daran, dann sind auch kurze Stücke nämlich plötzlich wieder sehr befriedigend. Mir war ein kurzes aber sauber durchgespieltes Stück aber auch immer lieber, als ein mit Hängen und Würgen gespieltes längeres Stück. Manchmal muss ich grinsen, wenn ich mir überlege wie ich mich am Anfang durch mein erstes Chopin Preludium gequält habe. Klar habe ich das irgendwann "durchgespielt". Aber von einem guten und schönen Spielen war das meilenweit entfernt. Wenn ich das im Nachhinein betrachte, dann hätte ich damit gern noch etwas warten können. Nach einer Pause begann das nämlich tatsächlich zu klingen ;)
 
Drahtkommode

Drahtkommode

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Hallo Beelzebub,

leider läufst du Gefahr, es NIE NIE NIE auch nur halbwegs zu lernen, wenn du dir kein Feedback holst. Und wenn es 1 x im Monat ein Klavierstudent ist, dem du für 20 Euro ein bisschen was vorspielst.

Rät
Die Drahtkommode
 
B

Beelzebub

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Natürlich laufe ich Gefahr, es NIE richtig spielen zu können, deswegen schreib ich diesen Beitrag und ersuche um Tipps, speziell zur Technik und wie ich diese sauber und richtig erlernen kann.

Ich meine es mit dem Klavierspielen durchaus ernst und möchte es auch richtig spielen, ein Lehrer wird wohl im Frühjahr dann möglich sein, aber es ist, meiner Ansicht nach, nicht falsch die Technik derweil weiter zu verbessern.

Das mit den Musikschulen wusste ich allerdings nicht, werde in meiner Stadt nachsehen, ob sich etwas machen lässt.

Vielen Dank vorallem für die Buchtipps, diese werde ich zum Selbststudium heranziehen.
 
Drahtkommode

Drahtkommode

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Das Forum ist sicher bei vielem hilfreich - aber es ersetzt eben keinen Lehrer, der dich beobachtet und dir zuhört. Glaub mir... ;)
Ich mein es gut!

Es grüßt
Die Drahtkommode
 
 

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