Swing 's the thing

W

Wu Wei

Dabei seit
Mai 2006
Beiträge
2.429
Reaktionen
1
Aus einem Posting zu einem anderen Thema:
Mit Sicherheit nicht da,
1. Loussier nicht swingt,
...
Auch dem Meister des "Operettenjazz" Alsmann wurde schon vorgeworfen, nicht richtig zu swingen. Nun frage ich mich, was denn eigentlich den richtigen Swing ausmacht, denn da beide ja zumindest eine simple ternäre Spielweise beherrschen werden, muss es wohl noch feinerer rhythmischer Verschiebungen bedürfen.

Könnten nicht mal unsere Jazzer ein einfaches Motiv in ternärer, aber nicht swingender und in wirklich swingender Weise gegenüberstellend einspielen?
 
F

Fred

Guest
Hallo, wehrter Meister Wu,

da hast Du aber ein heikles Thema angeschnitten.
Duke Ellington würde sagen "it don't mean a thing if it ain't got that swing", womit er natürlich absolut recht hat.

Natürlich kann man den Begriff "swing" auch weg von der ihm zugeordneten Phrasierung verstehen. Wenn man zum Beispiel von einem Salsa Orchester sagt: "Que mucho swing tiene esta banda!" Diese Band spielt mit 100%iger Sicherheit binär, hat aber trotzdem swing.

Nun, im engeren Sinn hat swing feel etwas zu tun mit der Dynamik und Rhythmik.
Wenn ich im Softwaresequenzer straighte Achtel triolisch quantisiere, habe ich zwar triolisch quantisierte Achtel, swingen tut das aber noch lange nicht. Es ist nämlich dieses unbeschreibbare Phänomen der Ungenauigkeit, nein, des dazwischen Liegens. Es sind eben die Feinheiten die den swing entstehen lassen.
Ein große Rolle spielt dabei auch noch die Länge der Noten. Wie kurz oder lang spiele ich z.B. eine Viertel in einer bestimmten Kontext? Welche Noten in welcher Situation werden legato gespielt?
Dann kommt die Dynamik. Welche Noten einer swing phrasierten Achtelkette werden mehr betont? Die Offbeats oder die Downbeats? Wann swingt es mehr?

Ich enthalte mich dieses eine Mal.


Könnten nicht mal unsere Jazzer ein einfaches Motiv in ternärer, aber nicht swingender und in wirklich swingender Weise gegenüberstellend einspielen?
Antrag wurde abgelehnt.:p:p:p
 
A

Amfortas

Guest
Also ist swing eine Gefühlssache die sich nicht erklären lässt? Man muss also den Swing in sich entdecken um ihn spielen zu können?


oli
 
W

Wu Wei

Dabei seit
Mai 2006
Beiträge
2.429
Reaktionen
1
Naja, ich hab's schon geahnt ... dann habe ich ja vielleicht wenigstens den Blues. :(
 
Heglandio

Heglandio

Dabei seit
Apr. 2006
Beiträge
497
Reaktionen
0
Naja, rhythmisch ist das sehr einfach. Es swing nur, wenn du von einem Triolenpaar (drei Noten in einem bestimmten Zeitraum) immer die zweite Note weglässt. Am Schlagzeug würde man zeurst zwei Viertel betonen und dann in einem Dualismus weiterfahren:

Ta -- Ta - taTa -- Ta - taTa -- Ta - taTa --

Nun hat man jedoch noch Möglichkeiten bei der Betonung. Man könnte beispielsweise nur immer den Off-Beat stark betonen und dann zwischendurch nur immer den Down-Beat usw.

Man ferner zwischendurch mal durchgehend Triolen spielen:


Ta -- Ta - taTa -- Ta - taTa -- TatataTatataTa - ta - - taTa...

Rhytmisch ist man da sehr frei.

Zu deiner Frage. Wenn du nun durchgehend Triolen/Sextolen spielst, wie es oft in der Klassik vorkommt, swingt natürlich noch nichts. Nut durch das Wechselspiel von Off-Beat und Down-Beat entsteht der typische Swing-Groove.

Den Groove fühlt man aber mit der Zeit von alleine und entwickelt seine eigenen Patterns. Ich will demnächst mal mit Bongos anfangen ternäre Patterns zu spielen. vielleicht kann ich dann was einspielen.

Doch nochmals zurück zu deiner Frage. Theoretisch gesehen haben vielleicht die Klassiker ein weniger gutes Gespür für dieses Wechselspiel zwischen Off-Beat und Down-Beat. Man muss sich halt wirklich lösen von jeglicher Theorie und es einfach so spielen wie man es fühlt. Rhythmus sollte man nicht zu sehr theoretisieren. Das sich ein Klassiker immer an Noten bindet, führt natürlich rhythmisch nie wirklich zu einer frei, improvisierten Musik. Ich habe schon viele Klassiker gehört, die Jazz machen und immer öfters, auch bei renomierten russischen Klavierpsielern, hört man ihre eingeübten Schemen raus. Schematisch spielen ist gut, aber irgendwann muss man sich rhythmisch lösen um eine neue Fülle an Variationen zu erlangen. Man muss sie kombinieren. Neue Flüsse erreichen. Man kanns irgendwie nur schwer in Worte fassen. Man übt ein Stück und spielt es immer und immer wieder. Aber irgendwann lösst man sich beim lauten spielen in der Band und gelangt in eine vierte Dimension, in der Ausrutscher normal sind. Nur durch diese Ausrutscher weisst du, was besser und schlechter ist. Jazz lebt sowieso nur in einem Combo. Wenn du solierst, wird das nie so klingen wie in einem Combo. Hör dir Bill Evans an, er hat haufenweise einstudierte Schemen, die er zwar exzellent mischt und variiert, doch auch bei ihm gefallen mir die Comboaufnahmen meist besser, wie seine Solo-Alben.

Das erinnert mich an einen Abend in einem Nobelhotel. Da warn Pianist aus dem Osten. Ich habe zwischendurch mit ihm ein wenig über Jazz philosophiert und der war echt eine Klasse für sich. Nicht nur technisch, sondern auch melodisch konnte er in den genau gleichen Standart, doch so viel Neues hineinbringen. Er hat mir drei mal den Song: My funny valentine in komplett anderen Variationen vorgespielt. Man hätte meinen können, es seien drei verschiedene Standarts und doch hörte man den goldenen Faden heraus.

Ihm hat jedoch die Arbeit als Barpianist nicht wirklich gefallen. Er meinte zu viel Prostitution. :-) :-) :-)
 
 

Top Bottom