Stecherleiste garnieren?

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Tastenscherge

Tastenscherge

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Ich habe demnächst evtl. den Auftrag, einen alten Ibach von 1902 mechanisch aufzuarbeiten. Irgendwann neue Hämmer samt Stielen und Röllchen bekommen, soweit so gut. Aber so ziemlich alle Filze der Stecherleiste sind weg oder abgespielt. Sollte ich also neu garnieren. Da ich das schon ewig nicht mehr gemacht habe, würd ich gern mal von Kollegen hören, was mich da so erwarten kann.

Frage 1: bekommt man die ohne weiteres ausgebaut? Man sieht unter der Leiste Filz, also kann die schon mal nicht verleimt sein, oder?? Zumal man auch Schrauben sieht.

Frage 2: Obwohl die Filze fast ganz weg sind und die Stecherdrähte somit keinerlei Führung mehr haben, ist die Dämpfungswirkung erstaunlicherweise einwandfrei. Wenn ich nun neu garniere, muss ich davon ausgehen, dass ich danach noch großartig kröpfen muss??

Frage 3: wie eng sollte ich garnieren? So dass der Filz eine straffe Führung bietet? Das Problem momentan ist nämlich nur, dass der Draht auf das Holz schlägt und klappert. Das gilt es zu vermeiden durch Filz. Also würde es ja reichen, wenn zwischen Filz und Draht noch Luft ist. Wie gesagt, dämpfen tut es jetzt ja auch gut.

Fällt noch jemandem irgendetwas ein, was ich wissen oder beachten sollte? Irgendwelche Fallstricke? Oder Tipps?
 
P

pennacken

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Hallo Tastenscherge,

leider kann ich Dir keinen Rat geben (das sollten die Experten tun), aber mich würden Details interessieren (Modell,Fotos?). Ich habe kürzlich einen Ibach - 180 cm - gekauft, der nur unwesentlich jünger ist - ca. 1915. Das Spielwerk ist überholt bzw. erneuert worden, insofern ist alles bestens (bis auf scheußlich verschmierte Tasten, nicht mehr original), aber der "Rest" ist z.T. in schlechtem zustand. Das Instrument muß einiges erlebt haben (zwei Kriege,vermutlich eine Reihe von Umzüge, Reparaturen mit unzureichenden Mitteln usw.), diverse Lagen von "Pflegemitteln" auf dem Lack, ausgebrochene Kanten und Ecken, Kaffe-(o.ä.) Reste in Scharnieren usw., aber glücklicherweise keine schwerwiegenden Schäden im Furnier.

LG

Pennacken
 
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Axels

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Hi Tastenscherge,

ich tu mal einfach meinen Bastlersenf dazu.

Zu Frage 1: Bei meinem Feurich waren die Leisten angeschraubt und relative einfach zu lösen. (hab ein Bild im Anhang)

Zu Frage 2: Ich denke, das sollte nicht der Fall sein, sofern die Filze schön gleichmäßig in den Rundungen sitzt.

Zu Frage 3: Ich würde die nicht zu eng machen, die sollen nur führen.

Wie machst Du den Filz rein?

Gruß

Axels
 

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klaviermacher

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Hallo Tastenscherge!

Die Stecherleisten sind nur zum abschrauben. Keile zwischen die Saiten und losschrauben.
Wenn die alten Garnierungen geleimt waren, muss man sie auskratzen und gegebenenfalls mit einem Bohrer aufbohren.
Ich mache hinterher bei jedem Loch mit der Bohrmaschine beidseiteig eine kleine Fase, falls keine vorhanden ist, die zusammen genommen etwa knapp die Hälfte der Brettstärke ausmacht. Die untere Fase ist etwas stärker als die obere. Je nach Bohrlochgröße suche ich das passende Kasimir dazu. Ich schneide einen Streifen, den ich am Ende anspitze und fädle ins Loch ein. Die Breite des Kasimirs soll so gewählt werden, dass es ziemlich stramm zum durchziehen geht. Es wird kein Leim verwendet. Die Materialkante befindet sich immer am kurzen Ende des Brettes. Mit einem scharfem Messer trennen und einen Dämpferdraht einstecken. Der Draht soll keine Luft haben und nur durch leichtes ziehen bewegbar sein. In dieser Phase sollte sogar der dickste Dämpfer nicht hineinrutschen - aber fast. Den Probe-Draht wieder entfernen und mit einem konisch zugschliffenen Eisen (ähnlich des Piloteneisens) die Öffnung dehnen. Wenn das Eisen in einem gleichfalls zugespitzten Holzschaft steckt, wird mit dessen Kante das Kasimir in die Fase gedrückt. Das macht man beidseitig. Hinterher soll der Draht ganz locker und mit einem geringen Spiel durchflutschen. Wichtig - die Dämpferdrähte putzen, damit sie schön glatt sind.

Sind alle Klarheiten beseitigt?:D

LG
Michael
 
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Axels

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…. Ich schneide einen Streifen, den ich am Ende anspitze und fädle ins Loch ein. Die Breite des Kasimirs soll so gewählt werden, dass es ziemlich stramm zum durchziehen geht. Es wird kein Leim verwendet. Die Materialkante befindet sich immer am kurzen Ende des Brettes. Mit einem scharfem Messer trennen und einen Dämpferdraht einstecken.

Hi Michael,

wie kann ich mir das vorstellen? Ich ziehe das Filz durch das gebohrte Loch bis es fest sitzt, schneide es oben und unten ab und steche dann einfach ein Loch hinein?


Gruß

Axel
 
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Omberkat

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Hi Tastenscherge,

hab Dir ne PM geschickt.

Gruß,
Om.
 
Tastenscherge

Tastenscherge

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Im Gegenteil, du hast noch mehr Fragen aufgeworfen. Aber trotzdem danke für die ausführliche Erklärung ;)

Die neuen Fragen:

- wieso kein Leim, wegen Durchschlag? Und das soll halten ohne Leim?
- sind die Drähte unterschiedlich dick? Ist mir noch nie aufgefallen (hab aber auch nie drauf geachtet)
-warum soll die untere Fase tiefer als die obere sein? Und wozu überhaupt eine Fase?
-warum soll die Materialkante an der kurzen Seite sein? Das müsste meiner visuellen Erinnerung nach die Seite zum Steg hin sein. Ist das nicht total egal?

Aber Vorsicht beim antworten. Nacher frag ich noch mehr und du hast wieder Arbeit mit dem Schreiben :D

Das ganze ist übrigens ein Außendienstjob. Eigentlich wäre es mir lieber, sowas in der Werkstatt zu haben. Na ja, hauptsächlich wegen nachträglichem Kröpfen. Aber mit etwas Glück muss da gar nix gekröpft werden. Und Michael, meine Räumlichkeiten kennst du ja nach deinem Besuch bei mir. Da stell ich mir wegen sowas keinen Flügel hin. Der Flügel soll übrigens sowieso umgezogen werden.
 
klaviermacher

klaviermacher

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Hi Tastenscherge und Axels,
Ich habe am WE Aussendienstarbeiten und bin ab Montag abend wieder in der Werkstatt.
Ich werde da eine kleine Dummiestecherleiste vorbereiten und ein kurzes Video dazu drehen. ;)

LG
Michael
 
Tastenscherge

Tastenscherge

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Na das nenn ich mal Service. Geradezu kundenfreundlich :D

Kann man bei dir auch Bestellungen aufgeben??;)
 
klaviermacher

klaviermacher

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Hallo liebe Klavieringenieure,

Nun hat es ein paar Tage länger gedauert. Es ist halt viel los vor Weihnachten, dem Christkind sei Dank. :D
Aber heute bin ich dazu gekommen das Video zu drehen.;)

http://www.youtube.com/watch?v=DstQwQMKHxI

LG
Michael
 
Kulimanauke

Kulimanauke

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Perfekte Arbeit, wunderbare Musik! Kerzenschein fehlt noch.
Trotzdem - Du hast ein wunderbares Feeling für die Dinge.
 
Tastenscherge

Tastenscherge

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Michael, ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll, echt super. Jetzt wird mir auch der Sinn der Fase klar (glaube ich zumindest). Die machst du dazu, dass du den Filz da reindrücken kannst, damit das ohne Leim besser hält, richtig? Find ich aber sowieso faszinierend, dass das ohne Leim halten soll.

Den Job hab ich übrigens bekommen und werd ihn im Februar ausführen. Denn momentan steht der Ibach noch in einem Haus, das seit 18 Monaten unbewohnt und nicht geheizt ist. Er wird jetzt transportiert und 6 Wochen später hole ich dann die Mechanik und die Stecherleiste ab.


Vielen Dank nochmals.
 
klaviermacher

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Hi Axels, Kulimanauke und Tastenscherge :p

Ich freue mich, wenn ich Euch mit meinem Video begeistern konnte. Tastenscherge, ich habe fast ein Jahr lang Dämpfung aufgesetzt bei Bösendorfer.:cool: Das hält übrigens sehr gut ohne Leim, weil der Kasimirstreifen recht stramm sitzt und an den Enden in die Fase gedrückt wird.

Viel Spaß beim nacheifern!

LG
Michael
 
 

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