Sollen sich Spätanfänger mit schwierigeren klassischen Stücken beschäftigen ?

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Rubato

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Spätanfänger, d.h. Erwachsene mit i.d.R. zahlreichen Verpflichtungen und wenig (Übe)zeit müssen wohl oft auch auf eine "Zeitökonomie" ihres neuen Hobbies achten. Klar, um Notenlesen, Technik, Theorie kann und will man sich ja nicht drücken, das ist ja gerade der Sinn des Ganzen. Und Klassik eignet sich nunmal hervorragend dazu, diese Dinge zu lernen und zu üben und gleichzeitig einen tieferen Zugang zu hochwertiger Musik zu bekommen.

Allerdings erfodern anspruchsvolle Stücke auch eine ganze Menge an Konzentration und Zeit. Bringt man diese nicht auf, lernt man das Stück nicht 'richtig' (gemeint ist: zur eigenen Zufriedenheit, wie immer diese definiert ist). Und damit stellt sich schon die Frage: Soll man sich ab einem gewissen Punkt überhaupt noch an "immer schwierigere" Stücke heranwagen, und welchen Sinn ergibt das bei begrenztem Zeitbudget ? Die Alternative ist, auf dem aktuellen Niveau zu verbleiben und dort (mehr oder weniger 'locker') viele Stücke gut zu spielen.

Sicher, da wird jeder eine andere Meinung und andere Erfahrungen haben - deshalb ist es hier ja ein Diskussionsforum. Ich freue mich auf Eure Antworten !

Gruß
Rubato
 
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hyp408

hyp408

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Definiere: "Spätanfänger"
Definiere: "wenig Übezeit"
Definiere: "hochwertige Musik"
Definiere: "anspruchsvolle Stücke"
Definiere: "schwierige Stücke"
Definiere: "aktuelles Niveau"

Danach lässt sich vielleicht was zu Deiner Frage sagen.
Generell lohnt es sich meiner Meinung nach aber immer, sich mit klassischen Stücken zu beschäftigen. Wer von vorneherein seine Ansprüche gegen Null schraubt, lebt ein Sicherheitsdenken, welches Erfolge gleich welcher Art sehr erschweren wird.

Gruss Hyp
 
Peter

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Bechsteinfan
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Die Alternative ist, auf dem aktuellen Niveau zu verbleiben und dort (mehr oder weniger 'locker') viele Stücke gut zu spielen.
Das ist eine sehr gute Alternative. Erst, wenn einem das Niveau selbst nicht mehr ausreicht, fängt es an, keinen Spaß mehr zu machen. So ging es mir und deshalb habe ich nach 35 Jahren ja einen KL genommen.

Für mich sollte der Spaß, Sinn und Zweck des Musizierens im Vordergrund stehen. Genau danach richtet sich dann Anspruch, Stückauswahl, Übezeit usw. aus.
 
kampfguerkchen

kampfguerkchen

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Für mich sollte der Spaß, Sinn und Zweck des Musizierens im Vordergrund stehen. Genau danach richtet sich dann Anspruch, Stückauswahl, Übezeit usw. aus.
Das denke ich auch. Zwar bin ich mit meinen 25 Jährchen noch ein sehr junger "Spät"einsteiger, aber ich halte mein Klavierspiel sehr frei. Ich übe ohne KL, erhalte Tipps und Notenvorschläge von Freunden und übe sehr unregelmäßig, da die Zeit nicht mehr zulässt. Ich bin mir sicher, dass ich irgendwann an einem Punkt anlangen werde, wo meine Fortschritte sich einstellen und mir mein Spiel nicht mehr ausreicht. Dann werde ich mit Sicherheit einen KL suchen. Zur Zeit ist dies jedoch relativ unmöglich und mein Klavierspiel reicht mir persönlich völlig aus und bereitet mir Freude
 
Cathain

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Hallo Rubato,

erstmal kommt es doch sicher - wie so oft - darauf an, wo man hin will. Mir zum Beispiel ist es nicht wichtig, ob die Klassik und DER Zugang zu hochwertiger Musik ist oder ob sie dazu dienen kann verschiedene Dinge besonders gut zu lernen. Ich will und wollte sie spielen (und singen).
Dementsprechend genieße ich die klassischen Stücke auch ;)

Anspruch liegt ja nun auch erstmal im Auge des Betrachters. Grade als Einsteiger ist vieles erst einmal Anspruchsvoll - auch - oder grade dann wenn man darüber später einmal schmunzeln kann. Zufrieden war ich schon mit den Stücken aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach nicht und selbst die Stücke aus dem Mikrokosmos Band 1 könnten tausend Mal besser klingen. Wann kann ich also etwas richtig? Wenn es klingt wie bei meiner Klavierlehrerin?
Zudem muss man ja zu dem <<gewissen Punkt>> nun auch erstmal kommen. Was wiederum auch Zeit, Energie und Konzentration kostet. Warum diese plötzlich Einstellen?

Wenn ich keine Ziele mehr habe, dann weiß ich ehrlich gesagt auch nicht wozu überhaupt Energie in etwas stecken.....
 
Dreiklang

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Hallo Rubato,

Spätanfänger, d.h. Erwachsene mit i.d.R. zahlreichen Verpflichtungen und wenig (Übe)zeit müssen wohl oft auch auf eine "Zeitökonomie" ihres neuen Hobbies achten. Klar, um Notenlesen, Technik, Theorie kann und will man sich ja nicht drücken, das ist ja gerade der Sinn des Ganzen. Und Klassik eignet sich nunmal hervorragend dazu, diese Dinge zu lernen und zu üben und gleichzeitig einen tieferen Zugang zu hochwertiger Musik zu bekommen.

Allerdings erfordern anspruchsvolle Stücke auch eine ganze Menge an Konzentration und Zeit. Bringt man diese nicht auf, lernt man das Stück nicht 'richtig' (gemeint ist: zur eigenen Zufriedenheit, wie immer diese definiert ist). Und damit stellt sich schon die Frage: Soll man sich ab einem gewissen Punkt überhaupt noch an "schwierigere" Stücke heranwagen, und welchen Sinn ergibt das bei begrenztem Zeitbudget ?

Frei von der Leber weg geschrieben:

schwierige Stücke haben folgende Nachteile:

a) man sitzt sehr lange dran
b) man muß z.T. methodisch sehr gut und systematisch vorgehen beim Üben, damit sich Fortschritte zeigen
c) das Risiko, nie "fertigzuwerden", ist immer da
d) Du wirst sehr (sehr) lange an einzelnen Takten und Abschnitten üben
e) das Verletzungs- und Überbeanspruchungs-Risiko steigt an

Schwere Stücke haben folgende Vorteile:

1) man kann ein wenig angeben damit :D:D:D (sollte es irgendwann mal klappen. Aber auch eine Dreiviertel-Beherrschung läßt andere Leute im Regelfall bereits ordentlich staunen :))
2) sie klingen eigentlich immer um Längen besser und geiler als andere Sachen
3) man lernt wesentlich mehr dabei, und das in kürzerer Zeit (man ist dazu ja förmlich gezwungen)
4) Deine Konzentration, Dein Üben, all das wird sich sehr verbessern, und vieles Erlernte läßt sich sehr nutzbringend auf leichtere Stücke übertragen und anwenden. Du wirst es lernen, automatisch effizienter beim Üben zu arbeiten.

Allgemein, wirst Du "Krisen" erleben. Und an Hindernisse und Wände stoßen, wo Du merkst, daß Du irgendwie nicht weiter kommst. Dann mußt Du Dir Rat holen, bzw. Dir was einfallen lassen. Aber jedes überwundene Hindernis wird Dich in Deinem Klavierspiel weiterbringen.

Tja - damit hab' ich Dir die Sache sicher nicht leichter gemacht... *schmunzel*
 
Cathain

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Hallo Rubato,

Allgemein, wirst Du "Krisen" erleben. Und an Hindernisse und Wände stoßen, wo Du merkst, daß Du irgendwie nicht weiter kommst. Dann mußt Du Dir Rat holen, bzw. Dir was einfallen lassen. Aber jedes überwundene Hindernis wird Dich in Deinem Klavierspiel weiterbringen.

Die tauchen nicht nur bei schwierigen Stücken auf. Ich stecke grade mitten in einer dicken Krise ausgelöst nicht durch Liszt, sondern durch kurze fis-moll Arpeggien - ..........
(quasi klein und gemein oder so ^^)
 
Dreiklang

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Die tauchen nicht nur bei schwierigen Stücken auf.

Vielleicht gibt's große, mittlere und kleine Krisen...? ;)

Eine "Große" wäre z.B.: "So - ich schmeiß den ganzen Mist jetzt hin, an dem ich schon monatelang gearbeitet habe, und mach' was ganz anderes."

Wenn man das tut, dann schmeisst man eben auch monatelange Arbeit weg. Und man muß sich dann u.U. klarmachen: dabeibleiben... jetzt bist Du schon so weit gekommen, was Du schon kannst ist nicht einfach, Du hast lange dafür gearbeitet, Andere müßten dafür ebenfalls lange arbeiten (solche Sachen vergißt man gern).

Übrigens: man kann auch mal eine kleine Pause von dieser Arbeit machen, und nachher wieder drangehen, und weitermachen. Oder man stellt fest: lange Zeit einseitig etwas Bestimmtes üben - jetzt brauch' ich Abwechslung, und man nimmt andere Sachen mit zum Üben dazu.

Aber eines darf man nicht vergessen. Wenn man an schweren Sachen arbeitet, die wirklich über den eigenen Fähigkeiten liegen, muß folgendes zutreffen:

a) ich muß sie sehr gerne mögen (sonst ist die Gefahr da, daß es mir bald zum Hals raushängt)
b) Wenn schon schwere Sachen, dann wenig (!) davon. Sich auf eine Sache, ein Stück, oder auch nur einen Satz, konzentrieren... sich so wenig vornehmen, daß man an den eher wenigen Takten auch intensiv genug üben kann.
 
Dreiklang

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Und das...

hab' ich noch vergessen:

das Hauptargument dagegen, sich mit schweren Stücken zu befassen, ist:

Es hat sich nunmal bewährt, Klavierspiel nach und nach über sich sehr langsam in der Schwierigkeit steigernde Stücke aufzubauen.

Für die meisten Leute funktioniert das so am besten.
 
Cathain

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Vielleicht gibt's große, mittlere und kleine Krisen...? ;)

Eine "Große" wäre z.B.: "So - ich schmeiß den ganzen Mist jetzt hin, an dem ich schon monatelang gearbeitet habe, und mach' was ganz anderes."


So ca da war ich vor ner halben Stunde ;) ............. Triangeln brauchen keinen Anschlag oder?

PS: oder ich such mir nen Lehrer, der schön mit Heumann unterrichtet..... Irgendwen der nicht merkt wenn ich nicht genug geübt habe, scheiße spiele und quasi ohne Anschlag spiele...... so einen der immer Lobt XD
 
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Rubato

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Na ja, ich schreibe hier ja nicht aus der Position des völligen Neulings, sondern bin nun auch schon einige Jahre dabei und habe mein Päckchen Klassik schon auf dem Buckel. Aber was ich schon merke: Ein neues Stück, das nun vom Niveau her wieder eine kleine Steigerung wäre und einige Seiten Notentext hat, ruft schon die Frage hervor, wo man damit eigentlich hinwill. Aber so ist das nunmal: Es gibt ja auch Leute, die sich ein Jahr lang jeden Abend in den Keller verziehen, um zB einperfektes Modellschiff zu bauen ...

Für mich habe ich beschlossen, es bzgl der Steigerung labgsamer angehen zu lassen, soll heissen, ich beginne kein Stück mehr mit dem Gedanken, es nur um des damit wahrscheinlich verbundenen Lernerfolgs willen zu spielen.

Gruß
Rubato
 
Cathain

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Ich habe ehrlich gesagt noch nie ein Stück nur wegen des Lernerfolgs gespielt..... Gibt doch auf jeder Schwierigkeitsstufe wunderschöne Stücke die man um ihrer selbst willen spielen mag oder nicht?
 
Dreiklang

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Ich habe ehrlich gesagt noch nie ein Stück nur wegen des Lernerfolgs gespielt..... Gibt doch auf jeder Schwierigkeitsstufe wunderschöne Stücke die man um ihrer selbst willen spielen mag oder nicht?

So ist es.

... Irgendwen der nicht merkt wenn ich nicht genug geübt habe, scheiße spiele und quasi ohne Anschlag spiele...... so einen der immer Lobt XD

Na - also die Sache mit dem Üben hast Du ja prinzipiell selber in der Hand ;)

Aber "Lob" sollte immer auch etwas besonderes, und nichts alltägliches, sein.
Außerdem muß es auch immer ehrlich (und ernst) gemeint sein.

Ja, und jemand, der Dir wirklich helfen will, ist auch mit "Kritik" ehrlich (genug).
 
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Rubato

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Ich habe ehrlich gesagt noch nie ein Stück nur wegen des Lernerfolgs gespielt..... Gibt doch auf jeder Schwierigkeitsstufe wunderschöne Stücke die man um ihrer selbst willen spielen mag oder nicht?

Mag sein - wenn man sie denn kennt und ihre jeweilige Schwierigkeit einschätzen kann. Ich habe mehrere Jahre systematisch mit einem m.E. guten Lehrer gelernt und ihm auch weitgehend die Auswahl der Stücke überlassen. Das hat mich in angemessener Zeit auf ein Niveau gebracht, mit dem ich unter Berücksichtigung meiner Randbedingungen zufrieden sein kann. Aber dass mich nun jedes Stück vom Hocker gerissen hat, oder ich es selbst auch ausgesucht hätte, kann ich nicht unbedingt sagen. Nur macht es eben auch keinen Sinn, jedes zweite Stück zurückzulegen -ich meine, ein wenig Disziplin gehört zum Lernen dazu. Und gerade als Erwachsener mit begrenztm Zeitbudget muss man eben den Zeitpunkt für den Absprung wählen, was für mich aber nicht heisst, dass ich nun ohne Lehrer weitermache. Ich akzeptiere nur die Realität, dass mit dem gegebenen Zeitbudget ohnehin keine sehr deutlichen Steigerungen mehr drin sind und beende daher das unbedingte Streben danach. Was sich übrigens bei mir auch irgendwann (bald?)wieder ändern kann ...

Gruss
Rubato
 
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Rubato

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Definiere: "Spätanfänger"
Definiere: "wenig Übezeit"
Definiere: "hochwertige Musik"
Definiere: "anspruchsvolle Stücke"
Definiere: "schwierige Stücke"
Definiere: "aktuelles Niveau"

Danach lässt sich vielleicht was zu Deiner Frage sagen.
Generell lohnt es sich meiner Meinung nach aber immer, sich mit klassischen Stücken zu beschäftigen. Wer von vorneherein seine Ansprüche gegen Null schraubt, lebt ein Sicherheitsdenken, welches Erfolge gleich welcher Art sehr erschweren wird.

Gruss Hyp

HYP, soviele Definitionen muss man ja nicht einmal bei einer wissenschaftlichen Podiumsdiskussion abliefern ! :lol:

Gruss
Rubato
 
 

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