Pentatonik Inside (Teil 1)

Dieses Thema im Forum "Klavier und Jazz" wurde erstellt von Fred, 16. Feb. 2007.

  1. Fred
    Online

    Fred Guest

    1. Zum einen kann man sich auf das Tonmaterial einer einzigen Pentatonik beschränken.
    Die Vorgehensweise hierzu wäre:
    Man nehme nur jeden 2. Ton der entsprechenden Pentatonik und lege die einzelnen Töne vertikal, d.h. als Akkord aufgeschichtet, übereinander.
    Beispiel:
    Tonmaterial = C Pentatonik (C, D, E, G, A, C, D, E, G etc.). Der Akkordaufbau von unten nach oben wäre demzufolge:
    C E A D G
    Dieser Akkord kann natürlich auch 3- bzw. 4-stimmig gespielt werden. Übrigens, das Maximum an Stimmen (ohne Verdopplung) bei pentatonischen Akkorden beträgt natürlich 5. Der Akkord kann außer in seiner Grundlage noch in 4 verschiedenen Umkehrungen gespielt werden. Die 5 Modi einer Pentatonik kommen also auch in Akkordform vor.

    Wie kann nun der Akkord C E A D G, bzw. die Tonleiter C, D, E, G, A eingesetzt werden? Diese Frage ist berechtigt, denn es kommen weit mehr als die 4 oben erwähnten Stufen für diese Akkorde/Tonleiter zur Anwendung in Frage.
    Um das herauszufinden müssen wir nun alle Stufen von C Dur, G Dur, F Dur und G Melodisch Moll mit der C Pentatonik abgleichen um Bildung von b9 Intervallen auszuschließen. Die Stufen deren avoid Note mit einer der fünf Töne unserer C Pentatonik übereinstimmt scheiden von vornherein aus.
    Anmerkung: Da ich die Kenntnis über Bestimmung von avoid Notes hier voraussetze, erspare ich mir jegliche Erläuterungen zu diesem Vorgang.

    Eine weitere Einschränkung zum Einsetzen als Akkord wäre, dass zwei der fünf Töne unserer Pentatonik die Guidetones der entsprechenden Stufe darstellen sollten. Ist dies nicht der Fall, klingt der Akkord unbestimmt und repräsentiert nicht unbedingt den Charakter der entsprechenden Stufe.
    Anmerkung: Als Guidetones gelten hierbei Terz/sus4, b5 und Sexte/Septime des jeweiligen Akkordes.

    Auf folgenden Stufen wäre der Akkord C E A D G bzw. die Tonleiter C, D, E, G, A einsetzbar:


    • I Stufe in C Dur______ Akkordsymbol = C6/9
    • II Stufe in C Dur______ hier fehlt die b3, deshalb nur als Tonleiter für den Akkord D-7 einsetzbar.
    • IV Stufe in C Dur______ Akkordsymbol = Fmaj7/9/13
    • V Stufe in C Dur_______ hier fehlt die b7, deshalb nur als Tonleiter für den Akkord G7sus4 einsetzbar.
    • VI Stufe in C Dur______ Akkordsymbol = A-7/11
    • II Stufe in G Dur______ Akkordsymbol = A-7/11
    • IV Stufe in G Dur______ Akkordsymbol = C6/9
    • V Stufe in G Dur______ Akkordsymbol = D7sus4
    • I Stufe in F Dur______ Akkordsymbol = Fmaj7/9/13
    • II Stufe in F Dur_______ hier fehlt b3 u. b7, deshalb nur als Tonleiter für den Akkord G-7 einsetzbar.
    • III Stufe in F Dur______ Akkordsymbol = A-7/11
    • IV Stufe in F Dur______ Akkordsymbol = Bbmaj7/9/#11/13
    • V Stufe in F Dur______ hier fehlt die b7, deshalb nur als Tonleiter für den Akkord C7 einsetzbar.
    • VI Stufe in F Dur______ hier fehlt die b3, deshalb nur als Tonleiter für den Akkord D-7 einsetzbar.
    • VII Stufe in F Dur______hier fehlt die b5, deshalb nur als Tonleiter für den Akkord E-7b5 einsetzbar.
    • I Stufe in G MM______ hier fehlt die b3, deshalb nur als Tonleiter für den Akkord G-6 einsetzbar.
    • II Stufe in G MM______Akkordsymbol = A-7/11
    • IV Stufe in G MM______hier fehlt die b7, deshalb nur als Tonleiter für den Akkord C7 einsetzbar.
    • V Stufe in G MM______Akkordsymbol = D7sus4/9
    • VI Stufe in G MM_____ hier fehlt die b5, deshalb nur als Tonleiter für den Akkord E-7b5 einsetzbar.
    • VII Stufe in G MM____ nur als Tonleiter einsetzbar wenn der Akkord als alterierter Dom.Sept. Akkord gespielt wird, das wäre F#7alt in diesem Falle.
    Der Akkord C E A D G kann somit, je nachdem was für einen Grundton man ihm gibt, für die Akkordsymbole C6/9, D7sus4, Fmaj7/9/13, A-7/11 oder Bbmaj7/9/#11/13 stehen. Bei manchen Akkorden erhält man den besseren Sound mit einer Umkehrung bei der die beiden Guidetones in den unteren Stimmen liegen.
    Beispiel: für Bbmaj7/9/#11/13 würde sich folgende Umkehrung empfehlen: A D G C E. Erklärung: A und D sind die Guidetones von Bbmaj7/9/#11/13 und liegen dementsprechend unten. G, C und E sind die Tensions in den oberen Stimmen.

    Weiterhin kann man sagen dass die Tonleiter C, D, E, G, A über folgenden Akkorden gespielt werden kann:
    C6, C7, D-7, D7sus4, E-7b5, F6, Fmaj7, F#7alt, G7sus4, G-6, A-7/11, Bb6, und Bbmaj7. Grundlage für diese Selektion ist unter anderem auch die Vermeidung von b9 Intervallen. (Deshalb z.B. auch kein Cmaj7.)
     
  2. Fred
    Online

    Fred Guest

    Hallo pianomobile,

    der 4. Modus von der A Hirajoshi ist e, f, a, b, c. Das stimmt. Da sich Kumoi und Hrajoshi aber dadurch unterscheiden dass Kumoi einen und Hirajoshi 2 Halbtonschritte beinnhaltet, kann diese Tonanordnung kein Modus von Kumoi sein. Wäre die Tonfolge hingegen e, f, a, b, d, handelt es sich um den 2. Modus von Kumoi.

    Ja, Levine nennt die Kumoi Pentatonik In-sen Skala. Er nutzt sie allerdings nur im 2. Modus. Dazu besteht meiner Meinung nach allerdings keine Veranlassung. Sie auf der I Stufe in Molltonart zu nutzen, klingt mindestens genauso schlüssig.

    Vincent Persichetti spricht in seinem Buch "Twentieth-Century Harmony" allerdings von Kumoi.
    Unter meinen japanischen Musikerkollegen war weder der eine noch der andere Ausdruck bekannt.
     
  3. pianomobile
    Offline

    pianomobile

    Beiträge:
    773
    Das war eben des Verwirrende.
    Levine schreibt:
    "Die In-sen Skala wird in einem Jazz Theoriebuch fälschlicherweise Kuomi-Skala genannt. Die Kuomi-Skala auf E besteht aus den Tönen E,F,A,B,C. Die In-sen Skala könnte auch als eine Variante der hira-joshi Stimmung des Koto (japan. Saiteninstrument) gesehen werden. Die Verwendung dieser Begriffe in Zusammenhang mit der Jazz Theorie ist bestenfalls dürftig. Japanische Theorie läßt sich nicht so leicht auf westliche Theorie übertragen."

    Naja, ist vielleicht nicht sein Spezialgebiet...

    Lustig sein Nachsatz: "Nein, die In-sen Skala stammt nicht von Antonio Carlos Jobims Stück ´How In-sen-sitive´".
     
  4. Fred
    Online

    Fred Guest

    Die Kuomi-Skala auf E besteht aus den Tönen E,F,A,B,C.

    Das bezweifle ich sehr. Wie schon erwähnt, Persichetti führt Kumoi in seinem Buch mit den Stufenfolgen 1, 2, b3, 5 und 6 an, was meiner Version entspricht.
    Eine Google-Suche (Begriff = Kumoi scale) wird Dir dies bestätigen. Hier davon ein paar willkürlich herausgenommene Links.

    http://www.shredaholic.com/user48.html
    http://www.freakguitar.com/kumoi.html
    http://www.wholenote.com/default.as...enote.com/cgi-bin/page_view.pl?l=4044&p=1&a=0
    http://chordsandscales.co.uk/viewer/b9/cs122



    Die In-sen Skala könnte auch als eine Variante der hira-joshi Stimmung des Koto (japan. Saiteninstrument) gesehen werden.

    Was ich eher glaube ist, dass In-Sen vielleicht der Fachbegriff für den 2.Modus der Kumoi ist.
    Hier zu Hirajoshi auch ein paar willkürlich herausgenommene Google-Links

    http://www.freakguitar.com/hirajoshi.html
    http://www.chordwizard.com/hmw408.asp
    http://www.ibreathemusic.com/article/135

    Natürlich beweist das gar nichts. Ich möchte auch nicht japanische Theorie, von der ich so gut wie nichts weiß, mit europäischer Theorie mischen. Einzig, für besagte Skalen gibt es anscheinend in der westlichen Welt keine Namen. Persichetti ist sowohl in der Klassik als auch im Jazz ein anerkannter Autor. So kam es dass ich seine Namenswahl übernommen habe.

    Hier eine Graphik aus meinem Buch, die die Herleitung der pentatonischen Skalen visuell darstellt.