Orgel vs. Klavier

I

Improvio

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3. März 2008
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Hallo an alle "Örgler"
Ich habe mich als Neulig gefragt, was denn überhaupt die Fazination der Orgel ausmacht. Was ist besser an der orgel als am kla4 und umgekehrt? Warum soll man anfangen orgel zu spielen?
Vielen dank für die Antworten:D

weil die orgel die "königin der instrumente" ist und man so viele möglichkeiten hat, schon allein das registrieren ist eine kunst für sich. ich finde klavier und orgel bieten 2 völlig unterschiedliche möglichkeiten, sich musikalisch zu verwirklichen - es wird nie langweilig.
ausserdem... wieso sollen bloß die hände arbeiten und nicht die füße - gleiches recht für alle :D
 
Was ist denn schöner, Autofahren oder Fahrrad fahren? :cool:
 
Orgel und Klavier sind zwei völlig unterschiedliche Instrumente. Die Faszination besteht vielleicht für den Pianisten darin, daß er mit den Tasten plötzlich eine komplett neue Welt finden kann.

Ansonsten: Äpfel und Birnen
 
Stilblüte Guendola,

Improvio hat doch nicht gefragt was ist besser, sondern:
Was ist besser an der orgel als am kla4 und umgekehrt?

Orgel:
- sehr große Bandbreite an Tonhöhen und Tiefen
- Variation des Klangcharakters ist möglich
- Händ + Füße werden verwendet
- und meine Lieblingeigenschaft: mit der entsprechenden Orgel kann man ein ganzes Symphonieorchester wegblasen:D

Klavier:
- Das wohl wichtigste: Gefühle lassen sich unmittelbar durch den dynamischen Tastendruck umsetzen
- das verklingen der Töne hat auch was schönes
- ein Klavier ist billiger und kann man zuhause stehen haben
 
Zwischen dem Orgelspiel und dem Klavierspiel liegen Welten.

Früher hieß es einmal: "Ein guter Pianist ist niemals ein guter Organist und ein guter Organist ist niemals ein guter Pianist". Heute soll alles multifunktional und gleichzeitig spitzenmäßig sein. Das geht aber nicht. Irgendwann muss man sich für ein Instrument entscheiden ...

Gruß Inventio
 
Zwischen dem Orgelspiel und dem Klavierspiel liegen Welten.

Früher hieß es einmal: "Ein guter Pianist ist niemals ein guter Organist und ein guter Organist ist niemals ein guter Pianist". Heute soll alles multifunktional und gleichzeitig spitzenmäßig sein. Das geht aber nicht. Irgendwann muss man sich für ein Instrument entscheiden ...

Gruß Inventio

Da muß ich dir zustimmen. Allerdings bin ich im Moment noch bockig und entscheide mich nicht. Tendenz geht bei mir aber zum Klavier, da man das mit nach hause nehmen kann ;)
 
Eben aus dem grund bin ich mir nicht sicher ob ich wirklich Orgel anfangen sollte...
Es würde mich sehr reizen, da ich Orgel sehr mag.

Vorteile der jeweiligen instrumente nenn ich jetzt nicht, ich würde nur das Gesagte der Vorredner wiederholen.


Liebe Grüße

oli
 
Verbindung zwischen den Welten ...

Hallo *,
Zwischen dem Orgelspiel und dem Klavierspiel liegen Welten.

Früher hieß es einmal: "Ein guter Pianist ist niemals ein guter Organist und ein guter Organist ist niemals ein guter Pianist". Heute soll alles multifunktional und gleichzeitig spitzenmäßig sein. Das geht aber nicht. Irgendwann muss man sich für ein Instrument entscheiden ...

Gruß Inventio
Orgel- und Klavier(spiel)welt lassen sich problemlos verbinden, ohne auf der einen oder anderen Seite Kompromisse eingehen zu müssen! Hierfür gibt es sehr viele exzellente Beispiele. Trotzdem können eine sehr gute Klaviertechnik sowie exzellente Kenntnisse in Komposition und der zugrundeliegenden Theorie dem (eigenen) Orgelspiel sehr guttun. Nicht umsonst haben weltweit fast alle technisch und musikalisch ausgezeichneten Organisten während oder vor Abschluß eines Orgel-Konzertexamens bereits Klavier und oft auch Komposition studiert, damit hinterher das Improvisieren nicht zum Glücksspiel wird ...

Pianistisch und orgeltechnisch jeweils gleichwertig musizieren, um nur zwei Beispiele zu nennen, Prof. Burkard Schliessmann - http://www.schliessmann.com/start.html - sowie der überragende Jean Guillou, der hier übrigens ein für den organistisch veranlagten Pianisten interessantes Übeinstrument, einen doppelten Borgato-Flügel - http://www.borgato.it/ - mit Pedalklaviatur, konzertant spielt: http://www.youtube.com/watch?v=bewfGeOYVkE

Doppio1.jpg


Beste Grüße
tastenblog.de
 
So ein Instrument hat Charles V. Alkan (Zeitgenosse und Freund von Chopin) besessen, und er soll auch ganz besessen davon gewesen sein.
 

Hallo,

jein, sicher man kann gut Orgel und gleichzeitig gut Klavier spielen. Es gibt auch Kollegen, die beides studiert haben. Allerdings gibt es subtile Unterschiede. Wenn ich Gitarre und Trompete lerne, gibt es keine Möglichkeit, etwas zu verwechseln. Orgel und Klavier haben deutliche Unterschiede, was Anschlag und Artikulation angeht. Bis zu einem gewissen Punkt geht das parallel, wer allerdings auf das internationale Podium will, muss sich für eines von beiden entscheiden. Guillou's Klavieraufnahmen kommen in Pianistenkreisen nicht gut an. Umgekehrt ist mir das mal in einem Orgelkonzert mit W. Marshall passiert, auf der Orgel war es schnell, aber deshalb noch lange nicht gut.

Schöne Grüße
Axel
 
W. Marschall und die Orgeltraktur ...

Hallo Axel,
Hallo,

(...) Guillou's Klavieraufnahmen kommen in Pianistenkreisen nicht gut an. Umgekehrt ist mir das mal in einem Orgelkonzert mit W. Marshall passiert, auf der Orgel war es schnell, aber deshalb noch lange nicht gut.

Schöne Grüße
Axel

... in Dortmund im Konzerthaus? Da hat nämlich Herr Marschall deutlich schneller gespielt, als die Traktur der Klais-Orgel reagieren konnte ...

Beste Grüße
tastenblog.de
 
@ tastenblog.de: Das war in Köln in der Philhamornie. Da ist auch eine Klais in die Knie gegangen. Weder Traktur noch Windversorgung konnten mithalten. Wenn ich bedenke, dass ich für Lizsts "Ad nos" eine knappe halbe Stunde brauche, Marshall "schaffte" es in 17,5 Minuten. Schöner wurde es allerdings nicht. Toll, wenn er flinke Finger hat, aber mit gutem Geschmack und Sensibilität für die Möglichkeiten des Instruments hat er nicht.

Übrigens: Wilhelm Kempff spielte auch Orgel. Er hat sogar für Orgel komponiert. Allerdings in späteren Jahren nur sehr sparsam in der Öffentlichkeit. Bei Gelegenheit gab er mal ein Choralvorspiel zum Besten. Es gibt einige Kollegen, die beides studiert haben, das geht sicherlich bei entsprechender Neigung. Die können beides gut. Wer wirklich an die Spitze will, wird sich wohl für eines von beiden entscheiden müssen, schon aus dem Grund dass ein Tag nur 24 Stunden hat.

Ein wichtiger Punkt ist auch, dass heute von einem Berufs-Organisten profunde Kenntnis historischer Aufführungspraxis verlangt wird. Das steht dann dem Cembalo weit näher als dem Klavier. Ich erinnere mich, dass mir die Bach-Auffassung meiner Klavier-Professorin in späteren Semestern deutlich gegen den Strich ging... Da ist vieles an Spielkonventionen nicht kompatibel.

Schöne Grüße
Axel
 
Für mich sind Orgel und Klavier sehr unterschiedliche Instrumente. Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass es mir nichts bringt, Stücke für Orgel auf Klavier (den Manualpart etwa) vorzuüben, oder umgekehrt. Das haut nicht hin. Wenn ich jedoch strikt trenne in Stücke für Orgel, und ausschließlich auf Orgel geübt, und in Klavierstücke, sehe ich keine Konflikte.

Im Gegenteil, ich finde, dass man als Klavierspieler davon profitieren kann, dass man als Orgelspieler VIEEEEEL stärker auf Artikulation achtet. Weiterhin lernt man auch die Achtung vor den korrekten Notenlängen, die beim Klavierspielen durch ständiges Pedallatschen gerne verloren gehen (nach dem Motto, warum Aufwand bzgl. Notenlängen betreiben, den man durch die abgelösten Dämpfer beim Pedaltreten sowieso nicht wahrnimmt).

Ein wichtiger Punkt ist auch, dass heute von einem Berufs-Organisten profunde Kenntnis historischer Aufführungspraxis verlangt wird. Das steht dann dem Cembalo weit näher als dem Klavier. Ich erinnere mich, dass mir die Bach-Auffassung meiner Klavier-Professorin in späteren Semestern deutlich gegen den Strich ging... Da ist vieles an Spielkonventionen nicht kompatibel.

Leider geht es OT, aber dieser Punkt interessiert mich sehr. Was hatte deine Klavier-Professorin für eine Auffassung bzgl. Bach-Interpretation? Wenn es länger her ist, vermute ich mal, eine Interpretation, die sich an einer romantischen Spielweise orientiert?
Ich finde diesen Punkt deshalb so besonder interessant, weil offensichtlich zwar bei Kammermusik und auch Orgelmusik sich historisch informierte Aufführungspraxis durchzusetzen scheint (gehe erstmal von Gestaltungsdingen aus, die unabhängig von der Verwendung eines historischen Instruments sind, wie z.B. Artikulation), aber beim Klavier dies noch im "Dornröschenschlaf" zu sein scheint. Habe zumindest bisher noch von niemandem WTK-Stücke auf dem Klavier spielen gehört, die sich der historisch orientierten Spielweise bzgl. Artikulation bedienen. Auch meine Klavierlehrerin ist durch und durch romantisch veranlagt (egal von welcher Stilepoche das Stück ist), daher spiele ich nicht mehr Bach bei ihr :D
 
Leider geht es OT, aber dieser Punkt interessiert mich sehr. Was hatte deine Klavier-Professorin für eine Auffassung bzgl. Bach-Interpretation? Wenn es länger her ist, vermute ich mal, eine Interpretation, die sich an einer romantischen Spielweise orientiert?
Ich finde diesen Punkt deshalb so besonder interessant, weil offensichtlich zwar bei Kammermusik und auch Orgelmusik sich historisch informierte Aufführungspraxis durchzusetzen scheint (gehe erstmal von Gestaltungsdingen aus, die unabhängig von der Verwendung eines historischen Instruments sind, wie z.B. Artikulation), aber beim Klavier dies noch im "Dornröschenschlaf" zu sein scheint. Habe zumindest bisher noch von niemandem WTK-Stücke auf dem Klavier spielen gehört, die sich der historisch orientierten Spielweise bzgl. Artikulation bedienen. Auch meine Klavierlehrerin ist durch und durch romantisch veranlagt (egal von welcher Stilepoche das Stück ist), daher spiele ich nicht mehr Bach bei ihr :D




Hallo Mindenblues,

ich weiss nicht, ob historische Aufführungspraxis auf dem Klavier wirklich Sinn macht. Dann lieber romantisch, das finde ich zumindest auf dem Klavier sehr angebracht, es ist halt ein Instrument des 19. Jh.

Viel schlimmer finde ich ein unterkühltes, hart artikuliertes Klavierspiel ohne Poesie, das dann von sich behauptet, es sei an historischer Aufführungspraxis orientiert.

Mich hat oft die Standardartikulation 16-tel gebunden, 8-tel staccato genervt. Gerade ein durchgehendes non-legato bringt auf dem Klavier doch recht wenig. Das Verrückte daran: Die Pianisten spielen dann oft Sprünge, Arpeggien etc. leggiero bis staccato unter dem Vorwand, es müsse durchsichtig wie am Cembalo sein. An der gleichen Stelle spielt ein Cembalist ein Überlegato um eine Art "Pedaleffekt" zu haben.

Dann ist die alte Musik soetwas wie die "Grünen" der Szene. Eher antiautoritär, ich habe mich mit meinen Cembaloprofessoren geduzt. Es ist oft so eine ganz andere Atmosphäre. Etwas so: "Wir haben ja jetzt beide eigentlich keine Ahnung wie das geht. Es gibt die Quelle xy, probieren wir doch mal, ob uns das weiterbringt. Spiel mal verschiedene Versionen und wir hören uns das mal an." Dagegen im Klavierunterricht: "Also, das spielt man halt so. Machen sie das so und wenn es nicht geht, dann gehen sie üben bis sie es können."

Schöne Grüße
Axel
 
ich weiss nicht, ob historische Aufführungspraxis auf dem Klavier wirklich Sinn macht. Dann lieber romantisch, das finde ich zumindest auf dem Klavier sehr angebracht, es ist halt ein Instrument des 19. Jh.

Ich neige dazu, Musik aus der Romantikepoche auf dem Klavier mit romantischen Stilmitteln zu beackern, incl. Pedal, rubato, sehr viel legato usw.

Du hast zwar recht, dass das Klavier ein Instrument des 19. Jhds. ist, jedoch muss man damit nicht zwangsläufig barocke Musik in romantischer Art spielen. Auch wenn es sich nicht beim Klavier um ein historisch adäquates Instrument wie z.B. Clavichord handelt, kann man m.E. trotzdem versuchen, in barocker Manier zu spielen, mit sehr viel Poesie.

Viel schlimmer finde ich ein unterkühltes, hart artikuliertes Klavierspiel ohne Poesie, das dann von sich behauptet, es sei an historischer Aufführungspraxis orientiert.

O ja, dass geht mir genauso!
Zum Glück erlaubt ja das Klavier, sehr gefühlvoll dynamisch zu spielen statt hart und unterkühlt. Gut gewählte Artikulation bei barocker Musik verhilft da durchaus zu mehr Poesie, natürlich gepaart mit ausdrucksstarker Dynamik. Dauerlegato und Dauerpedalgetrete hingegen zermatscht die polyphone Struktur, welche ja gerade das "Trademark" in vielen barocken Stücken, vor allem bei Bach, ist.

Gruß, Olaf.
 

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