"Neue" Stimmung, Kammerton a1 auf 432hz

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Scaramouche

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Ich beschäftige mich gerade mit unserer heutigen und alternativer Stimmung.

Selbst Berufsmusiker habe ich immer wahr genommen, dass wenn ich mit Orchester in alter Stimmung musiziere, ein ungleich besseres Wohlgefühl im Gegensatz zu heutiger Stimmung ausgeht. Gerade alte Musik lässt sich so viel entspannter und empfindungsmäßig wärmer musizieren.

Da ich mehr Tasteninstrumente mein Eigen nenne (4Flügel, 2 Klaviere), bin ich gerade dabei, ein altes auf 432Hz zu stimmen.

Und ich habe im Netz etwas gesucht, dabei bin ich auf folgendes gestoßen:

http://www.klavierstimmung-in-hamburg-und-harburg.de/html/quintenzirkel.html

http://www.klavierstimmung-in-hamburg-und-harburg.de/html/klangbeispiele.html

Das finde ich sehr, sehr interessant.

Ich stimme vieler meiner Instrumente seit Jahrzehnten Mithilfe eines Stimmgeräts (TLA cts5) selbst. Momentan habe ich auf Neidhard eingestellt.
Was mich interessiert, welches käme der Stimmung von Maria Renold (10 reine Quinten) am nächsten, bzw. Herrn Peter Clementsen?
Kann ich das selbst programieren? Oder muss ich jeden einzelnen Ton ausrechnen und einzeln einstellen?
Möchte ein wenig experimentieren.

Bezeichnend finde ich, dass die höhere Stimmung (440hz), 1939 eingeführt wurde, um es bildlich auszusprechen, ein Jahr der Weltverdunklung.
Zudem spricht angeblich diese Stimmung vorwiegend die linke Gehirnhälfte an, die für den Verstand zuständig ist, an. Musik sollte aber das Gemüt ansprechen.
 
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Bachopin

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Hi,

bei den Betrachtungen zu Stimmungen finde ich es immer seltsam, daß die Quinten in den Vordergrund gerückt werden.

Ich finde prinzipiell die Terzen klanglich viel wichtiger und bei den nicht gleichstufigen Stimmungen gibt es dann immer ein paar Ausreiser, die nicht gut klingen oder anders gesagt die Terzen der gleichstufigen Stimmung klingen alle wirklich annehmbar.

Man merkt ich bin ein nicht bekehrbarer Anhänger der gleichstufigen Stimmung, besonders auch wegen ihrer Universalität (siehe auch die Meinung von Bach ;-) ).

Bezeichnend finde ich, dass die höhere Stimmung (440hz), 1939 eingeführt wurde, um es bildlich auszusprechen, ein Jahr der Weltverdunklung.
Zudem spricht angeblich diese Stimmung vorwiegend die linke Gehirnhälfte an, die für den Verstand zuständig ist, an. Musik sollte aber das Gemüt ansprechen.
Nimm's mir nicht übel, ich finde das etwas esoterisch.

Prinzipiell ist eine weltweite Verständigung auf einen gemeinsamen Stimmton mMn eine richtige Sache.
Daß das gerade in diesem Jahr stattfand kann man entweder als Zufall oder Teil einer Verschwörungstheorie betrachten. ;-)
Und ob der jetzt ein paar Cent höher oder tiefer ist bewirkt mMn nichts in den Gehirnhälften.
Es ist ja keinerlei "gottgebene" Zahl sondern nur unserem zufälligem Zehner- und Zeitsystem geschuldet. ;-)
Allerdings habe ich auch manchmal das Gefühl, daß man doch etwas vorschnell diese gerade Zahl gewählt hat, ohne wirklich alle alten Stimmungen/Stimmtöne zu betrachten.

Gruß
 
S

Styx

Guest
Hi,

bei den Betrachtungen zu Stimmungen finde ich es immer seltsam, daß die Quinten in den Vordergrund gerückt werden.

Ich finde prinzipiell die Terzen klanglich viel wichtiger und bei den nicht gleichstufigen Stimmungen gibt es dann immer ein paar Ausreiser, die nicht gut klingen oder anders gesagt die Terzen der gleichstufigen Stimmung klingen alle wirklich annehmbar.
Das ist, mit Verlaub , ziemlicher Unsinn. Ein Klavier wird nun mal nach dem Quintenzirkel gestimmt. Stimm ich nach Terzen, kannst hernach vielleicht noch 6 Tonarten spielen.

Abgesehen da von - jeder Stimmer welcher nach Gehör stimmt, wird die temperierte Stimmung dem Instrument anpassen, dann passen auch die Terzen zueinander.

Viele Grüße

Styx
 
B

Bachopin

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Hi Styx,

ach Gott, das mit den Quinten beim Stimmen weiß ich doch.

Es geht mir nur um den Standpunkt des Spielers beim Spielen verschiedenster Tonarten nicht des Stimmers beim Stimmen.

Darauf bezog sich mein Beitrag.

Gruß
 
S

Styx

Guest
Hi Styx,

ach Gott, das mit den Quinten beim Stimmen weiß ich doch.

Es geht mir nur um den Standpunkt des Spielers beim Spielen verschiedenster Tonarten nicht des Stimmers beim Stimmen.
Meinst mir gefallen die großen Terzen bei der gleichschwebenden Stimmung? Aber was willst denn machen - wennst wo ausgleichst hast in anderen Tonarten ein Problem.

Im übrigem ist die Stimmung auf 432 Hz bei einigen Instrumenten nicht so verkehrt, Du hast einen wesentlich größeren Obertonreichtum. Bei Instrumenten wie S&S hingegen, sollten 440 Hz keineswegs unterschritten werden. Ein guter Klavierbauer weiß allerdings was die beste Höhe für das jeweilige Instrument ist.


Viele Grüße

Styx
 
S

Scaramouche

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Meinst mir gefallen die großen Terzen bei der gleichschwebenden Stimmung? Aber was willst denn machen - wennst wo ausgleichst hast in anderen Tonarten ein Problem.

Im übrigem ist die Stimmung auf 432 Hz bei einigen Instrumenten nicht so verkehrt, Du hast einen wesentlich größeren Obertonreichtum. Bei Instrumenten wie S&S hingegen, sollten 440 Hz keineswegs unterschritten werden. Ein guter Klavierbauer weiß allerdings was die beste Höhe für das jeweilige Instrument ist.


Viele Grüße

Styx
Diesen Hinweis auf das Fabrikat finde ich sehr interessant. Wahrscheinlich hängt es auch davon ab, ob ein alter oder neuer Steinway.
Ich habs jetzt bei einem alten Berdux mit 432 hz ausprobiert. Tut dem Ganzen recht gut, wie ich meine. Und auch eine Trompete lässt sich leicht angleichen. Ist allerdings noch nicht sonderlich gut intoniert das Instrument (daran probiere ich mich gerade)., noch zu perkussiv, deshalb noch keine wirklich abschließende Meinung. Aber etwas was ich in Zukunft weiter verfolgen möchte.

Denn dass heute vieles falsch läuft in der Kunst, ist kein Geheimnis. Man sehe sich Regietheater an, Architektur ohne Ästhetik oder selbst hier die Vergleiche digitales vs akustischem Instrument (als wenn ersteres eine ernstzunehmende alternative darstellen würde).-
 
mick

mick

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Denn dass heute vieles falsch läuft in der Kunst, ist kein Geheimnis. Man sehe sich Regietheater an, Architektur ohne Ästhetik oder selbst hier die Vergleiche digitales vs akustischem Instrument (als wenn ersteres eine ernstzunehmende alternative darstellen würde).-
Ich liebe solche pauschalen Rundumschläge! ;-)

Es gibt im modernen Musiktheater gelungene und weniger gelungene Produktionen. Die Ästhetik des 19. Jahrhunderts, bei der die Sänger vorne an der Rampe stehen und ihren Part mehr oder weniger konzertant heruntersingen, willst du heute wohl niemandem mehr ernsthaft zumuten. Obwohl das manchem Sänger vielleicht sehr entgegen käme ... :-D

LG, Mick
 

S

Styx

Guest
Es ist übrigens ein Irrglaube zu meinen, es wäre früher alles tiefer gestimmt gewesen - Chopin´s Instrument war auf 446 Hz gestimmt. Damit dürfte beispielsweise das Regentropfenprelude deutlich kühler ausfallen als wir es heute kennen.

Viele Grüße

Styx
 
S

Scaramouche

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Ich liebe solche pauschalen Rundumschläge! ;-)

Es gibt im modernen Musiktheater gelungene und weniger gelungene Produktionen. Die Ästhetik des 19. Jahrhunderts, bei der die Sänger vorne an der Rampe stehen und ihren Part mehr oder weniger konzertant heruntersingen, willst du heute wohl niemandem mehr ernsthaft zumuten. Obwohl das manchem Sänger vielleicht sehr entgegen käme ... :-D

LG, Mick
Der Rundumschlag ist meiner Meinung nach berechtigt. Allerdings habe ich nicht behauptet, es solle altertümlich sein. Gerne modern, aber Kunst entsteht nun einmal aus dem Gefühl und MIT Ästhetik und nicht aus konstruiertem mal hier mal hier, vielleicht etwas schockendes (obwohl, heute ist alles ausgelatscht und es schockiert schon nichts mehr). Hauptsächlich unverständlich, dann wieder kosntruiert philosophisch und ohne Ästhetik.
Beispielsweise könnte man die Inszenierung des "Das Rheingold" in Bayreuth ebenso in anderen Opern einsetzen, das würde überhaupt nicht auffallen. Außer, dass die Tankstelle-Öl-der Schatz der Nibelungen sein soll. Zudem stört die Regie die Musik und wenn man die Augen offen lässt, fühlt man sich von der Musik gestört, weil sie absolut nicht im Geringsten zum Bühnenbild passt.

Nein, diese Sicht passt so in die Gegenwart, wie die das Wahrnehmung der Umweltverschmutzung und halbe Vernichtung unseres Planeten. Könnte noch viel anführen. Aber eine andere Meinung darfst Du gerne haben, gibt sicher mehr die Deiner Meinung sind. Das hält mich aber nicht ab, eine andere zu haben.-

Ist leider der falsche Thread für dies Thema.-
 
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Scaramouche

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Es ist übrigens ein Irrglaube zu meinen, es wäre früher alles tiefer gestimmt gewesen - Chopin´s Instrument war auf 446 Hz gestimmt. Damit dürfte beispielsweise das Regentropfenprelude deutlich kühler ausfallen als wir es heute kennen.

Viele Grüße

Styx
Ja, das erinnert mich an eine Tempo-Bezeichnung Mahlers, der ein Lied mit "Langsam" angab, es dann aber selbst recht flott einspielte (Lochkarte) und von langsam war nichts zu spüren. (Bzgl. komponistengerechte Aufführungspraxis).
Was mich interessiert, wie sich die unterschiedlichen Hz-Stimmungen auf das eigene Wesen und Gemüt auswirkt.
 
J

Jack Black

Guest
Es ist übrigens ein Irrglaube zu meinen, es wäre früher alles tiefer gestimmt gewesen - Chopin´s Instrument war auf 446 Hz gestimmt.
Ist das so? Alle "Quellen" schreiben das anscheinend von einander ab, denn die Formulierung ist oft ähnlich. Ich finde keine Quelle, die einen plausibel klingenden Beweis erbringt, woher man heute noch die Tonhöhe von Chopins Flügel herleiten will. Tondokumente gibt es jedenfalls keine.
 
S

Styx

Guest
Ist das so? Alle "Quellen" schreiben das anscheinend von einander ab, denn die Formulierung ist oft ähnlich. Ich finde keine Quelle, die einen plausibel klingenden Beweis erbringt, woher man heute noch die Tonhöhe von Chopins Flügel herleiten will. Tondokumente gibt es jedenfalls keine.
Man könnt es anhand der Konstruktion und Mensur an Chopins Instrument rausbekommen für welche Tonhöhe es konzipiert war. Bei alten Holzblasinstrumenten wurde auch eine Tonhöhe von 446 Hz festgestellt.

Was mich interessiert, wie sich die unterschiedlichen Hz-Stimmungen auf das eigene Wesen und Gemüt auswirkt.
Mir persönlich ist des völlig wurscht ob ein Instrument nun auf 432 oder auf 446 Hz ist, so es letztere Tonhöhe aushält. Auf jeden Fall sind alte Klaviere welche auf 432 Hz gestimmt sind wesentlich obertonreicher, dies kann sich durchaus auch das Gemüt auswirken - aber genau weiß ich es ned, bin ja koa Musiktherapeut ned.

Viele Grüße

Styx
 
B

Bachopin

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Hi,

Wer sagt denn daß Bachs wohltemperierte Stimmung eine gleichschwebende war?
weil er eben das WTK 1 und 2 komponierte, in dem er alle 12 Tonarten gleichberechtigt nebeneinander stellt.
Es gibt mMn auch Aussagen, daß er diese Universalität der Tonarten wollte.

Was übrigens aber wiederum nicht bedeutet, daß bei ihm nicht bestimmte Tonarten für bestimmte Aussagen standen,

Gruß
 
Sven

Sven

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Wenn alle Tonarten gleich klingen, braucht man ja nicht in jeder zu komponieren.

Ich habe im Musik-LK gelernt, daß das Wohltemperierte Klavier die Unterschiedlichkeit der Tonarten zeigen sollte. Wie ich verstanden habe, sind bei nicht so wohler Temperierung gar nicht alle Tonarten nutzbar. Bei Bachs Stimmung sind alle Tonarten nutzbar, haben aber durchaus noch ihren eigenen Charakter, der dann spätestens mit der gleichstufigen Stimmung verschwunden ist.
 
S

Scaramouche

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Wenn alle Tonarten gleich klingen, braucht man ja nicht in jeder zu komponieren.

Ich habe im Musik-LK gelernt, daß das Wohltemperierte Klavier die Unterschiedlichkeit der Tonarten zeigen sollte. Wie ich verstanden habe, sind bei nicht so wohler Temperierung gar nicht alle Tonarten nutzbar. Bei Bachs Stimmung sind alle Tonarten nutzbar, haben aber durchaus noch ihren eigenen Charakter, der dann spätestens mit der gleichstufigen Stimmung verschwunden ist.

Ich kannte damals einen Musiker (war mein Klavierlehrer), der erkannte jeden Ton in einem Musikstück. Nicht weil er ein absolutes Gehör hatte, das hatte er nicht, sondern weil er die Tonarten deutlich hören und unterscheiden konnte.
 
 

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