Klavierstück einstudieren - Leitfaden

Dieses Thema im Forum "Klavierspielen & Klavierüben" wurde erstellt von Gerds, 3. Apr. 2006.

  1. Gerds
    Offline

    Gerds

    Beiträge:
    12
    Hallo, ich hoffe, dass meine Frage hier nicht den Rahmen sprengt, aber ich bin mir immer unsicher, wenn ich ein neues Stück einstudiere. Ich spiele ungefähr auf dem Niveau der Mozart Fantasie in d-Moll, also nicht besonders gut :wink:. Ich habe keinen Klavierunterricht und weiß immer nicht:
    • Soll ich gleich beihändig spielen? (Manchmal ist es ja nicht so schwer)
      Soll ich gleich die Artikulation, Dynamik etc. mit üben oder erst den reinen Notentext lernen?
      Wie lange soll ich ein schnelles Stück langsam üben?
      Wie soll ich meine Übe-Einheiten wählen?
      Wie wichtig ist es, das Stück auswendig zu lernen? (vergisst man das Stück dann nicht so schnell, wenn man es lange nicht gespielt hat?)
      Woran erkenne ich, dass ein Stück zu schwer ist für mich? (Ich bin schon oft erst nach langen Üben zu diesem Schluss gekommen)
      Ist es besser, vermeintlich schwere Stellen zuerst zu üben oder sollte ich mich von Anfang bis Ende durcharbeiten?
      usw.
    Lange Rede, kurzer Sinn. Ich vermisse irgendwie einen roten Faden, an dem ich mich beim Üben entlanghangeln kann. Gibt es so etwas, wie einen Leitfaden zum Erarbeiten eines Stückes? Natürlich weiß ich, dass jedes Stück anders ist, doch wäre eine gewisse Orientierung ganz gut, besonders, wenn man keinen Klavierunterricht hat. Vielleicht könnt Ihr mir ein paar Tipps geben oder mir ein Buch oder so empfehlen.

    Gerds
     
  2. Peter
    Online

    Peter Bechsteinfan Mod

    Beiträge:
    15.179
    Es gibt unterschiedliche Lernmethoden. Eine z.B. wird hier erklärt: http://www.spicken.de/fopp-de/contents.html#Inhalt
    Dort werden alle Deiner Fragen beantwortet, aber das ist eben nur eine Lernmerhode.
    Pauschal würde ich Deine fragen so beantworten (angelehnt an obigen Link):
    1. nein, einhändig
    2. erst mal nur Notentext
    3. Möglicht garnicht langsamer. Schnell, aber entspannt üben, kurze Abschnitte wählen (inkl. Vernbindungen).
    4. Was meinst du mit Einheiten? Wenn Du Abschnitte meinst: sehr kurz. Wenn Du die Gesamtdauer des Lernes meinst: So dass es Dich nicht stresst. PPI zulassen (wird im Link erklärt)
    5. ziemlich wichtig
    6. siehe 7.
    7. grundsätzlich erst die schweren Stellen, Das Stück vor dem Lernen gut analysieren

    PS: Ich stand vor gleichen Fragen und bin daher auf diese Antworten gestoßen. Allerdings habe ich festegestellt, dass es viel Disziplin braucht, denn der Spass an einem Stück kommt erst recht spät. Nicht wirklich was für mich. :roll:
     
  3. Anonymous
    Offline

    Anonymous

    Beiträge:
    981
    Ich wurde so "erzogen":
    Zu Punkt 2: Wenn möglich mitlernen, wenn nicht möglich, dann zumindest vorstellen.
    Zu Punkt drei: Sich ans Tempo herantasten. Wenn irgendwas unsauber oder unsicher wird, besser einen Gang zurückschalten.
    Nach der Detail-Arbeit sollte man das gesamte Stück im langsamen Tempo durchspielen (so schnell, dass Du jederzeit viel schneller spielen könntest). Ein - zweimal pro Woche im schnellen Tempo sollten ausreichen.

    Aber dazu gibt´s sicher noch andere Theorien....
     
  4. Gürkchen
    Offline

    Gürkchen

    Beiträge:
    21
    AAAAALSO:
    Ich als Selbstlerner hab rausgefunden dass ich am schnellsten und effektivsten lerne, wenn ich folgendermaßen vorgehe:
    1. solange einhändig bis du die Hände jeweils halbwegs hinkriegst, dann zusammen. und zwar immer wieder. Auch wenns am Anfang echt dämlich klingt.
    2. Kommt auf das Stück an, aber lieber erst mal den Notentext. Pedal kommt als ALLERLETZTES.
    3. Solang bis dus kannst. flüssig meine ich. und bis es dir zu dämlich wird. Sobald du anfängst zu "stolpern" versuchst dus besser langsamer.
    4. So lang du Lust hast. Außer du hast Unterricht, ansonsten jeden Tag ein bisschen.
    5. Auf jeden Fall auswendig lernen! Dann wird das Spiel flüssiger und du hadst einfach mehr Spaß dran. Außerdem: Wenn du ein Stück dann mal ein Jahr nicht spielst kommst du total schnell wieder rein, dann schaust du die einmal die Noten an und kannst ews wieder.
    6. Wenn cih das wüsst hätte ich auch keine Probleme..... Grundsätzlich gilt: Je schneller und taktierter (also mit dämlichen Takten) das Stück ist und je mehr Noten du auf dem Papier siehst (in einem Takt, mit vielen Oktaven etc) desto schwieriger ist es meistens.
    7. Am Besten von Anfang bis Ende, sonst bist du bald frustriert weil du nur stückchen kannst.

    Grundsätzlich noch ein Tipp zum Lernen: Wenn du mal überhaupt keine Lust hast das Stück zu üben an dem du gerade arbeitest, dann lass es liegen. Nicht allzu lang, aber immerhin mal ne Woche oder so. Dann setz dich aber konsequent dran und üb weiter irgendwann kannst dus dann! Und nochwas: Ich als lernfaule Gurke schreib mir immer die Noten drüber, weil ich sonst danebenhau :wink:

    Viel Glück!
     
  5. Peter
    Online

    Peter Bechsteinfan Mod

    Beiträge:
    15.179
    Ähh, das musst Du mir genauer erklären. :?:
     
  6. Hartmut
    Offline

    Hartmut

    Beiträge:
    493
    Hi Gerds (oder Bernds?),

    wenn ich es richtig verstanden habe, nimmst du keinen Unterricht.
    Den Link, den Wurst genannt hat, finde ich hervorragend, er stellt meiner Ansicht nach eine sehr gute Zusammenstellung der richtigen Übungsmethoden dar, ich mache sehr gute Erfahrungen mit derlei Vorgehensweise :)

    Allerdings sollten schon ein paar Jahre Unterricht vorausgehen. Ich gebe selbst Unterricht und stelle fest, dass bei ungenügender Supervision (selbst wenn gute Übungsmethoden angewendet werden) vieles falsch oder nicht verstanden wird, und jeder Fehler, den du dir einprägst, ist verdammt schwer wieder auszumerzen.

    Ein Gutteil der Übung stellt aus meiner Sicht immer die Analyse des eigenen Spiels und der spezifischen Schwächen dar, die dann gezielt isoliert und konzentriert geübt werden. Vor allem dabei kann dir ein guter Lehrer sehr nützlich sein, der deine Schwächen meist viel schneller erkennt als du selbst, und dir dementsprechende Übungen vorschlagen kann.

    Gruss Hartmut
     
  7. Anonymous
    Offline

    Anonymous

    Beiträge:
    981
    @ Gerds

    Wieso hast Du eigentlich mit "Bernds" unterschrieben?
    Hat unsere Keith Jarrett-Diskussion Dein Unterbewußtsein schon so beeinflußt?
    Jetzt hast Du Hartmut doch glatt verwirrt...
     
  8. Gerds
    Offline

    Gerds

    Beiträge:
    12
    @Bernd

    Tut mir wirklich leid :oops:. Das war wohl ein kleiner Anflug geistiger Umnachtung. Ich hab´s geändert...

    Viele Grüße, Gerds
     
  9. Gürkchen
    Offline

    Gürkchen

    Beiträge:
    21
    @ Wurst: Ich schreib mir einfach die-wie sag ich das am Besten- Noten über die Noten, auf das Notenblatt. Ich seh zwar meist sofort was es für ne Note is und kanns mir auch irgendwie akustisch vorstellen aber irgendwie gibts mir ne Sicherheit wenn ich die Note drüberstehen hab... So lern ich persönlich ganz simpel schwierige Akkorde...
     
  10. Peter
    Online

    Peter Bechsteinfan Mod

    Beiträge:
    15.179
    Hehe, dann verstehe ich Dein "lernfaul" aber nicht. Ich wäre in diesem Fall eher schreibfaul. :lol: