Jazz-Grünling will reifen


A
AlCoFa
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Hallo!

Gute zweieinhalb Jahre begleitet mich nun Keith Jarrett beinahe täglich, Oscar Peterson und Thelonious Monk laufen stellenweise auch bei mir rauf und runter, von John Coltrane fange ich besser gar nicht erst an.
Den Jazz zu hören, gibt mir ein Wahnsinnsgefühl, ich werde beinahe zum Tier dabei und schaffe es kaum, meine Emotionen unter Kontrolle zu halten, wenn ich den Großmeister Jarrett improvisieren höre; es ist, als wäre ich im Himmel angekommen, oder zumindest mal in meinem Innersten. :D
Den Jazz zu machen, fällt mir dabei ungleich schwerer. Leider.

Kurzum: Ich möchte Jazz machen. Selbstverständlich keine Übungshefte, in denen alles haargenau ge- und beschrieben steht, ich will keinen Jazz machen, der genauso da auf dem Blatt steht, ich will natürlich die Weiten der Jazz-Improvisation erforschen und mich von akribischen Pedantereien wie dem exakten Spiel dessen, was auf dem Notenblatt steht, lösen.
Das erfordert wohl einen langen Weg, das weiß ich. Aber ich weiß nicht recht, WELCHEN Weg:
Mit welchen musiktheoretischen und -praktischen Aspekten muss ich mich besonders intensiv beschäftigen?
Musiktheoretisch, akkord- und harmoniemäßig also, bin ich relativ flink und weiß Zusammenhänge und Strukturen eigentlich relativ klar zu durchblicken, nur fehlt mir der Anfangspunkt; ich weiß nicht, von wo aus ich den Jazz "erfassen" soll und wie ich anfangen soll.

Ich hoffe, dass ihr mir trotz meiner sehr unpräzisen Problemschilderung ein wenig helfen könnt.
 
F
Fred
Guest
Hi,

die 4 großen Eckpfeiler Rhythmik, Melodik, Harmonik und Form stehen im Jazz wohl von der Wichtigkeit her gesehen in besagter Reihenfolge.

Versuche alles was Du am Klavier spielst "in time" zu spielen. Versuche Melodien die Du singen kannst fehlerlos auf die Tastatur zu übertragen. Übe Kadenzspiel.
Da es am Anfang schwierig ist, alle 4 Komponenten immer im Auge zu behalten, sollte man zunächst reduzieren, zumal am Klavier noch die Problematik mit den beiden Händen hinzu kommt.
Man wird also gerade am Anfang nicht umhin kommen, sich auf teils Vorgestricktes zu verlegen. Eine reine Improvisation kommt gerade am Anfang nicht in Frage.
Es ist also ratsam sich zunächst kleine "Module" (Kadenzen) zu erarbeiten. Aber bitte alles "in time".
Die Auswahl der Melodietöne kann sich dabei zunächst auf den pentatonischen Raum beschränken, da dieser, bei richtiger Anwendung, keine Disharmonien verursacht.
Zu den Kadenzen (II-7 V7/I IMA7) wurde schon einiges hier im Board geschrieben. Wenn Du gar nichts findest, sag' Bescheid.
 
D
DoctorGradus
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@Fred: Was hälst du eigentlich von Play Alongs? Gerade im Gitarrenbereicht scheint das sehr verbreitet zu sein (mein Zweitinstrument).
 
Faulenzer
Faulenzer
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Hallo AICoFa!

Keith Jarrett, ein hervoragender Jazzpianist - Du hast einen guten Geschmack ;)

Du schreibst:

ich weiß nicht, von wo aus ich den Jazz "erfassen" soll und wie ich anfangen soll. Möchtest aber : Selbstverständlich keine Übungshefte, in denen alles haargenau ge- und beschrieben steht, ich will keinen Jazz machen, der genauso da auf dem Blatt steht, ich will natürlich die Weiten der Jazz-Improvisation erforschen und mich von akribischen Pedantereien wie dem exakten Spiel dessen, was auf dem Notenblatt steht, lösen.

Die einzigste Idee, die ich hätte - versuche einen Jazzpliebhaber zu finden, der Dich speziell in die Musik einweiht - oder organisiere Dich in eine Jazzgruppe. Da wäre das "frei-sein" von dessen, wovon Du Dich lösen könntest ....

Faulenzer
 
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Stuemperle
Stuemperle
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@Fred: was meinst Du mit "in time"? Gibt's nicht Stile, bei denen ein Instrument vorantreibt oder lässig nachschleppt (laid back?)? Oder meinst Du "nur", man soll z.B. im Schema bleiben und nicht zu viel ausprobierend herumstümpern:rolleyes:?

@AlCoFa: Mit "keine Übungshefte, in denen alles haargenau ge- und beschrieben steht" meinst Du vermutlich reine Notenvorgaben oder auch Lehrbücher, die Dir am lebenden Objekt erklären, was das Handwerkszeug des Jazzers ist? Um letztere kommst Du glaube ich kaum herum, sofern Du nicht mit einem Jazzer als KL gesegnet bist oder den Jazz neu erfinden willst.

Solche Bücher sind:
Frank Sikora: "Neue Jazz-Harmonielehre (Verstehen, Hören, Spielen - von der Theorie zur Improvisation)" - Das Standardwerk hierzu, sehr umfassend, z.B. auch Gehörbildung
Mark Levine: "Das Jazz Piano Buch" - Ist DER Klassiker,
und z.B. Tim Richards: "Jazz Piano - Harmonik, Technik, Improvisation". Baut auf "Blues Piano" von T.R. auf - überhaupt scheint mir Blues ein guter Einstieg zu sein, ist aber Geschmackssache.

Keines dieser Bücher will Dir einen Jazz-Standard nach strengem Notentext aufzwingen, aber in den Jazz-Piano Büchern sind schon Standards abgedruckt und ihre Besonderheiten seziert - wie sonst könnte man's lernen?

Viel Erfolg dabei!
Hanfred
 
 

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