Intonation von belederten Hämmern?

Dieses Thema im Forum "Das Klavier: allgemeine Infos, Kauf, Reparatur" wurde erstellt von Drahtkommode, 15. Okt. 2019.

  1. Drahtkommode
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    Drahtkommode

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    In einem alten Faden habe ich von der Restaurierung eines Tafelklaviers von Hornung & Möller berichtet.

    https://www.clavio.de/threads/restaurierung-hornung-moeller.20367/

    Inzwischen klimpere ich regelmäßig darauf herum, aber es tauchen natürlich noch kleine Macken und Probleme auf. So die Frage nach der Intonation von belederten Hämmern. Zwei Hämmer sind irgendwann mal nachgearbeitet worden und klingen deutlich anders, milchig, vernebelt.

    Ich hab hier versucht, das auf einem Video festzuhalten, es geht um g und gis:


    View: https://youtu.be/oPww8CjpdBI


    Gibt es eine Möglichkeit, die Töne entsprechend anzugleichen?

    Es dankt und grüßt
    Die Drahtkommode
     
  2. agraffentoni
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    agraffentoni

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    Vielleicht hilft es den Filz etwas zu tränken, wobei das Leder eher nichts abbekommen sollte.
     
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  3. Einflügler
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    Einflügler

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    Man hört den Unterschied deutlich. Den Filz würde ich höchstens im unteren Bereich tränken. brigt aber wohl nichts. Bei Leder kannst du mit Feuchte und Hitze arbeiten. Ersteinmal ein paar Sekunden mit dem Bügeleisen drüber. Wenn das nicht reicht, kannst du ein feuchtes Tuch auf das Leder legen und einmal mit dem Bügeleisen Zisch machen. (nur 1 Sekunde) dann 3 Sekunden trocken Bügeln. Oder ein bisschen feucht machen und trocknen lassen. (Bei feuchte zieht sich Leder zusammen).
    Probiers aus, aber bitte sehr vorsichtig, etwas machen und dann einen Tag warten wass passiert und beachten: Ich sage feucht nicht nass.
     
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  4. Wiedereinaussteiger
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    Wiedereinaussteiger

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    Das ist die ganz hohe Schule... ein klanglich eh schon benachteiligtes, dann auch noch beledertes, armes uraltes Tafi partial unterm Leder in einen besseren Zustand zu versetzen.

    Aber da Klaviere, egal woher, egal wie, wo (...Resoboden...?...) eine Seele haben:

    DAS ist mir wahre Liebhaberschaft.
    Anerkennenswert.
     
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  5. Tastenscherge
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    Tastenscherge

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    In einer Anleitung für Wiener Mechaniken ist folgendes zu finden:

    Intonationsmöglichkeiten:
    Bei zu weichem Leder mit heißem Eisen bügeln, im Extremfall mit stark verdünntem Collodium tränken.

    Bei zu hartem Leder stechen mit Intoniernadel, im Prinzip wie bei befilztem Hammerkopf.

    Am besten und dauerhaftesten ist natürlich immer, das Leder zu wechseln.



    An anderer Stelle heißt es dort:
    Für die Intonation ist die Spannung des Leders genauso wichtig wie die Lederqualität.



    Evtl. hilft es, das Leder loszumachen und mit mehr Spannung neu zu verleimen?
     
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  6. altermann
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    altermann

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    Wie lange hält eigentlich Leder?
    Im Orgelbau gibt es da mitunter Probleme. Die Art und Weise des Gerbens spielt eine entscheidende Rolle. Auch zu niedrige relative Luftfeuchte über längeren Zeitraum lässt Leder hart und brüchig werden. Belederte Hammerköpfe stammen sicherlich zumeist von annodazumal. Oder so. Wenn da der Klavierstimmer nie nachgefettet hat, dann ist das Leder im Arsch. :009: Oder so.

    Gauf! :017:
     
  7. Drahtkommode
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    Drahtkommode

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    Ja, Leute, einen Versuch war es wert – das Bügeleisen war vielleicht zu heiß. Das Leder ist etwas zusammengeschrumpelt und war danach natürlich viel zu hart. Aber mein Restaurator meinte eh schon, er würde sie neu beledern, also bring ich ihm die Hämmer mal vorbei.... Ich berichte, wie es sich entwickelt!

    @altermann

    Generell kann es sehr lange halten, aber in dieser Funktion, da bin ich überfragt. Ich werde mich erkundigen, was es überhaupt für ein Material ist, ich tippe auf weiches Ziegenleder.
     
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  8. Tastenscherge
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    Tastenscherge

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    Und? War der Ton dann viel zu hart? Oder hat sich klanglich nicht viel verändert? Wenn er zu hart ist, kannst du ja jetzt wieder weicher stechen.
     
  9. Drahtkommode
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    Drahtkommode

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    Ja, dachte ich auch. Und hab ich natürlich probiert, auch etwas Lederöl aufgetragen, aber das hat beides seltsamerweise kaum etwas gebracht. Wenn ich morgen ganz viel Lust habe, mache ich noch eine Aufnahme des Ergebnisses.
     
  10. altermann
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    altermann

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    Wie intoniert man eigentlich belederte Hammerköpfe? So was ist mir Gott sei Dank nie über den Weg gelaufen. Sticht man da gnadenlos durch das Leder durch. Vielleicht kann @Henry dazu was sagen.

    Gauf! :017:
     
  11. jpb
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    jpb

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    Belederte Hämmer werden durch die Auswahl des Leders und die Spannung intoniert.
    Der Lederstreifen wird nicht auf den Hammer aufgeklebt, sonden nur an den Enden mit Knochenleim angeklebt. Dabei wird nur der oberste Lederstreiden ausgewechselt. Wesentlich ist, dass die Spannung nicht zu niedrig ist. (Deine beiden Töne klingen so, als ob die Spannung zu niedrig ist). bei zu hoher Spannung kann de Klang (zu) hart und metallisch wirken.
    Man macht das aber normalerweise bei allen Hämmern gleichzeitig, Wenn man das nur bei zwei Hämmern macht, könnte es schwierig sein, einen homogenen Klang zu erzielen.
    Das Problem ist, geeignetes Leder zu finden, das läuft (wenn man keine gt ausgestattete Werkstatt und viel Erfahrung hat, auf viel Probiererei heraus.)
    Info findest du hier
    http://www.squarepianotech.com/?page_id=9
    oder hier:
    http://www.friendsofsquarepianos.co.uk/
    Ich hoffe, das hilft weiter

    gruß, Peter
     
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  12. OE1FEU
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    OE1FEU

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    Hast Du denn mal überprüft, welche Teile des Hammerscheitels überhaupt die Saiten berühren, und wenn ja, an welcher Stelle? Vielleicht ist es ja gar nicht die Konsistenz des Hammerkopfes, sondern der Winkel oder Unebenheiten der Oberfläche, die man sichtbar machen kann.