Intonation und Regulation Blüthner-Klavier, das ca 1985 gekauft wurde

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tarata

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Im Familienbesitz befindet sich ein ca 1985 neu gekauftes (DDR)Blüthner-Klavier, Kostenpunkt damals 15 000 DM. Am Anfang waren wir vom KLang entzückt, aber der Geschmack und das Gehör und das Klavier ändern sich. Es wurde viele Jahre lang kaum gespielt, nur gelegentlich gestimmt.
Nun wird es seit ca einem Jahr häufiger bespielt (Anfänger-Niveau) und es fällt auf, dass die Tastatur ziemlich zähgängig ist, außerdem kommt uns das Klavier (steht in wenig gedämpftem Raum) sehr laut vor, jedenfalls wenn man sich in dem Raum aufhält.
Der vor vier Jahren von dem immer gleichen Klavierstimmer (ein Klavierbauer aus der Region) eingebaute Moderator (Hebel unter der Tastatur) wird von den bespielenden Anfängerinnen eher unangenehm gefunden, "man greift wie in Watte", trotzdem ist das Klavier nicht besonders leise,
Der Klavierstimmer findet alles nicht so aufregend, ja, das Klavier habe einen sehr kernigen Klang, ja vielleicht könne man es mal intonieren, die Filze würde er weicher machen, dann würde es leiser. Er würde hierzu die gesamten Hämmer ausbauen und mitnehmen, das würde zwei Tage dauern und etwa 600 Euro oder mehr kosten.
Könnte durch diese Aktion wirklich etwas besser werden?
Ist es richtig, dass der Klavierbauer nicht das gesamte Klavier mitnehmen muss?
Wie könnte man die "Zähigkeit" (schwergängiger Anschlag) der Tastatur beeinflussen?
Warum kam der Klavierbauer/Stimmer nicht von allein auf die Idee, hat er vielleicht nicht die genügende Kompetenz?
Ich habe schon überlegt, dass es vielleicht schlauer wäre, nicht mehr in dies Klavier zu investieren, sondern lieber nach einem neuen, evtl. gebrauchten Klavier zu suchen.
Für Ratschläge bin ich dankbar.
tarata
 
agraffentoni

agraffentoni

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Ein guter Techniker macht Dir alle oben genannten Arbeiten vor Ort.
Laß Dir ein Angebot machen.
Grüße
Toni
 
klaviermacher

klaviermacher

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Hallo tarata,

Der Klavierbauer nimmt die Mechanik mit (die ist mit 2, 3 Schrauben gelöst) . Was er dann beabsichtigt in der Werkstatt zu tun, entzieht sich meiner Kenntnis. Hat er nicht vor, die Mechanik leichtgängiger zu machen? Dazu eignet sich ein Werkstattbesuch durchaus, z.b. zum Hämmer abziehen. Oft liegt die Zähigkeit im Spielgefühl an den Tasten und der Mechanikregulation. Die Tastengängigkeit und Regulation der Mechanik geschieht vor Ort bzw. mit dem Instrument. Intonieren macht man immer nur mit dem Klavier - also entweder das ganze Instrument in der Werkstatt, aber besser direkt vor Ort!

Es gibt andere Möglichkeiten, ein Klavier leiser zu bekommen, wenn der Raum und die Akustik des Instruments nicht zusammen passen.

LG
Michael
 
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tarata

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Danke an agraffentoni und an Klaviermacher für die schnellen Antworten.
Ich habe richtig verstanden: wenn der Techniker was an den Hämmern machen will, muss er die Mechanik mitnehmen, das eigentliche Intonieren sollte aber aber vor Ort geschehen, in dem Raum, in dem das Klavier genutzt wird.
Ist Herstellung von Tastengängigkeit das gleiche wie "Regulation der Mechanik"?
Und wenn es nur um Lautstärke geht, sollen Maßnahmen im Raum getroffen werden, Vorhänge, Teppiche, Matte unter und Decke hinter dem Klavier?
Warum hat der Klavierstimmer dies nicht genau erklärt, ist das evtl. ein Hinweis auf begrenzte Kompetenz oder fehlendes Interesse?
Vielleicht sollten wir einen neuen suchen.
Gibt es eine besondere Empfehlung für den Raum Bremen?
tarata
 
Tastenscherge

Tastenscherge

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klaviermacher

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Das hast Du alles richtig verstanden, wobei man Hämmer auch vor Ort abziehen kann - nur ist es eher nicht üblich, dass dies so gemacht wird. Regulation betrifft auch die Klaviatur. Man sagt eigentlich Mechanik und Klaviatur regulieren, da es zwei getrennte Bauteile sind - und wenn es heißt "Mechanik regulieren" könnte dies bedeuten die Klaviatur wird zwar auch reguliert, aber nicht gesondert erwähnt.
Manch Techniker erspart sich alles genau zu erklären, weil der Laie damit überfordert ist... Ehrlicherweise interessiert mich auch nicht im Detail was am Auto alles gemacht werden muss, damit es hinterher fährt. Ich verstehe davon eh nichts. Was es mich kostet ist mir vorweg viel wichtiger.
Gibt es eine besondere Empfehlung für den Raum Bremen?
Das wüsste vielleicht @nils1 ;-) Vor allem, wen man nicht kommen lassen soll...

LG
Michael
 
B

Bachopin

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Hi taratata, ;-)

ich bin kein Klavierbauer aber Jahrzehntespieler. Um die Kosten erstmal nicht zu sehr in die höhe zu treiben, würde ich erstmal die Dinge tun, die viel bringen aber nicht viel kosten.

1.) Unbedingt "gescheit" stimmen und eine Grundintonierung durchführen lassen.

2.) Unbedingt die "schlechte" Akustik des Raumes verbessern. Teppiche, Gardinen, Möbel, etc.

3.) Das Klavier direkt "bedämpfen". Schallmatten hinter das Klavier.
Noch mehr Effekt: Schallmatten (dünnere) innen reversibel an das obere und untere Brett befestigen/klemmen/kleben.

ZB so etwas:
http://www.thomann.de/de/the_takust...239490_1&sid=e76b13b10edb38a4e127aa06e5deee76

Danach alles nochmal beurteilen.

Gruß
 
N

nils1

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Das wüsste vielleicht @nils1 ;-) Vor allem, wen man nicht kommen lassen soll...

Darauf kann ich eine klare Antwort geben: Niemanden! Nicht aus Bremen, nicht aus einem anderen Gebiet. Selbstverständlich kenne ich hier nicht alle Klavierbauer/Stimmer. Selbstverständlich werden einige von ihnen spitzenmäßige Arbeit leisten. Sie verstecken sich jedoch gut.

Mein Rat an @tarata : schreibe @klaviermacher eine PN, ob er dich auf seiner Frühjahrstour unterbringen kann. Dann weißt du, dass du spitzenmäßige Ergebnisse bekommst und musst nicht darauf HOFFEN, dass dein Klavier am Ende gut klingt.

Nachtrag: Wolfgang Wiese kenne ich nicht. Obiges schildert auch nur meine Meinung. Wie gesagt, will ich keineswegs sagen, dass es hier keine guten Klavierbauer gibt. Ich persönlich will dass nur nicht an meinem Instrument ausprobieren lassen. Damit habe ich Erfahrungen:lol:
 
T

tarata

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Nochmals Danke an Klaviermacher, außerdem an tastenscherge, Bachopin und Nils1, alle mit bedenkenswerten und klugen Hinweisen (!), außerdem hochinteressanten Querverweisen für mich als Laie, wirklich vielen Dank.
Wir werden nun zunächst am im Moment mit 440 Hz angenehm frischgestimmten Klavier uns an die Umsetzung der Taschläge von Bachopin machen, und danach nochmal Recherchen anstellen. nils1 scheint sehr pessimistisch bezüglich ortsständiger Klavierbauer zu sein.
Niemand traut sich, neben w.wiese noch eine Empfehlung abzugeben? Es gibt doch auch die Hüter des s&s in der Glocke, es gibt doch e.schäfer und es gibt den Stimmer der Firma Backhaus, nirgendwo ein Favorit?
Ein reisender Klavierflüsterer, das kennen wir von woanders, mag hochqualifiziert sein, ist aber etwas unpraktisch, kaum ist er weg, fällt einem wieder etwas auf.
Und mit dem Klavier ist es schon was anderes als wenn man sein Auto oder sein Fahrrad irgendwo abgibt.
tarata
 
N

nils1

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Niemand traut sich, neben w.wiese noch eine Empfehlung abzugeben?

Bedenke: Hier sind nicht so viele Leute aus Bremen. Das mag eine Handvoll sein.


und es gibt den Stimmer der Firma Backhaus

Der Inhaber vom Klavierhaus Backhaus, ein älterer Herr (ich komme nicht auf den Namen), ist ein sehr netter und interessanter Gesprächspartner. Auch wenn die Auswahl sehr klein und erlesen ist, würde ich dort jederzeit ein Klavier kaufen. Zu den Handwerklichen Fähigkeiten des Klavierhauses habe ich keine Erfahrung. Es macht jedenfalls einen sehr seriösen Eindruck.

Ein reisender Klavierflüsterer, das kennen wir von woanders, mag hochqualifiziert sein, ist aber etwas unpraktisch, kaum ist er weg, fällt einem wieder etwas auf.

Ja, das mag generell stimmen. Da bin ich deiner Meinung. Bei Michael (@klaviermacher ) hingegen, nimmst du das in Kauf. Einfach aus dem Grund, dass das Gesamtergebnis noch immer alles ortsansässige qualitativ übersteigt. Und nochmal: Dies ist nur meine Erfahrung.

Selbst wenn bei Michael etwas "schief" geht, ist es noch immer gerader als bei manch anderem Klavierbauer. Lies einfach mal, was Michaels Kunden hier im Forum so schreiben. 1 Mio. Menschen können sich nicht irren! ;-)
 
fisherman

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Ein reisender Klavierflüsterer, das kennen wir von woanders, mag hochqualifiziert sein, ist aber etwas unpraktisch, kaum ist er weg, fällt einem wieder etwas auf.
Das, was Dir auffällt, ist so erträglich, dass er es beim nächsten Termin in einem halben Jahr beseitigt. WENN Dir etwas auffällt...
 
Tastenscherge

Tastenscherge

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würde ich erstmal die Dinge tun, die viel bringen aber nicht viel kosten.

1.) Unbedingt "gescheit" stimmen und eine Grundintonierung durchführen lassen.

Eine Grundintonierung benötigt im Gegensatz zur mal eben an- und ausgleichenden Intonation einiges an Vorarbeit, die die Sache teurer macht:

Hämmer abziehen
Saiten auf Stege klopfen
Scheitel an Saitenebene anpassen

und idealerweise eine gute Gesamtregulierung (natürlich inkl. Tastatur geradelegen und gängig machen).

Bei einem guten Hersteller kann man davon ausgehen, dass die "Grundintonierung", die damals im Werk gemacht wurde, auch heute noch eine wirklich gute Grundlage bildet. Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig ich bei namhaften Herstellern noch intonieren muss, nachdem ich die Hammerköpfe abgezogen habe.
 
J

jensen1

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Grundintonierung ist bei diesen Blüthner-Klavieren (80er Jahre DDR) ein Problem. Ich weiß nicht, ob es Zeitgeist war oder Unwollen bzw. Unvermögen oder mangelnde Motivation. Mir sind eine ganze Reihe dieser Instrumente bekannt und sie haben von der Tendenz alle den "knallig harten" Klang, der immer durch kommt, auch wenn man leise spielt.

M.E. ist das auf entweder qualitativ minderwertige Hammerköpfe oder (aus der Sicht von heute) falsche Vorintonation zurück zu führen. Aus der Erinnerung kann ich nicht sagen, ob die Köpfe evtl. nicht auch zu stark mit irgendwelchen Substanzen getränkt waren.

Der normale Klang dieses Klavieres im mezzo forte/ mezzo piano sollte warm aber definiert (klar, nicht verwaschen) sein, keineswegs jedoch hart oder knallig. Zu hören ist aber bei diesen Klavieren regelmäßig ein knallig-harter Klang, der sehr statisch ist, egal ob man laut oder leise spielt. Gerade die mangelnde Modulationsfähigkeit des Klanges lässt mich vermuten, dass hier zu wenig Stiche in die Tiefe des Hammerkopfes erfolgt sind.
 
S

Styx

Guest
Eine Grundintonierung benötigt im Gegensatz zur mal eben an- und ausgleichenden Intonation einiges an Vorarbeit, die die Sache teurer macht:

Hämmer abziehen

Oftmals ist es sinnvoller gleich neue Abelköpfe einleimen zu lassen, zum einen war der DDR Filz jetzt ned unbedingt der Renner und zum anderen bekommt man Abelköpfe recht gut und schnell intoniert - im Grunde genommen braucht man die auch nur noch anzugleichen.



eben, also wo zu diese laienhaften Kommentare?

Viele Grüße

Styx
 
 

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