Ibach stellt Produktion ein.

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25. Nov. 2007
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Hat sich vermutlich ja schon herumgesprochen, hier nochmals für alle die ofizielle Pressemitteilung vom 04.12.07:


Klavierhersteller IBACH stellt Produktion ein

Rud. Ibach Sohn GmbH & Co. KG, die älteste Pianofortemanufaktur
der Welt, hat ihre Klavierproduktion eingestellt. Das Familienunternehmen
besteht seit 1794. Hauptgrund für diese Entscheidung ist
die seit Jahren anhaltende international extrem schlechte Marktlage
für hochpreisige, in Deutschland hergestellte Klaviere und Flügel.

„Wir haben diese Entscheidung aus eigener Kraft und in
unternehmerischer Freiheit gefällt“, sagt die geschäftsführende
Gesellschafterin Sabine Ibach, "und das dies so ist, ist uns besonders
wichtig. Nur so gelingt es, alternative strategische Optionen zu wahren
und die Chance für eine Neuausrichtung in der Zukunft zu sichern und
selber gestalten zu können.“ Wie diese aussehen kann, ist noch offen.
IBACH ist ein Markenname mit internationaler Ausstrahlung und das
Feld der Möglichkeiten für eine Neuausrichtung im Musikgeschäft ist
groß.
Als „emotional sehr schwer“ bezeichnet Sabine Ibach die Schließung
der Produktion und den Auszug aus der Betriebsstätte, in der IBACH seit
1895 produziert hat. Rud. Ibach Sohn wird als Unternehmen weiter
existieren und selbstverständlich alle eingegangenen Verpflichtungen
erfüllen.
Weder für Lieferanten noch für Banken wird es Einbußen geben. Fast alle Mitarbeiter, die schon seit Jahrzehnten dabei waren, tragen die Entscheidung mit und helfen – obwohl es schmerzhaft ist – loyal bei der Durchführung aller notwendigen Maßnahmen.

Hintergrund für die Einstellung der Produktion ist die Entwicklung auf
dem Weltmarkt für Klaviere und Flügel. Eine extreme Polarisierung im
Kaufverhalten und bei Preisen ist ebenso dafür verantwortlich wie ein
durch gebrauchte Instrumente und billige Ware aus Fernost
gesättigter Klaviermarkt. Hinzu kommen in Deutschland die Erhöhung
der Mehrwertsteuer und die Tatsache, dass immer mehr Menschen
immer weniger Geld haben. Der zunehmend schwache Dollar
erschwert zusätzlich das wichtige Auslandsgeschäft.
Ungünstige Standortbedingungen in der Produktionsstätte in Schwelm
sind aber ebenso ausschlaggebend wie der enorme Kostendruck.

Bereits Rolf Ibach, der das Unternehmen seit 1969 in der 6. Generation
leitete, hatte die Firma gezielt verkleinert.
Dabei gelang es mit handwerklich sehr qualifizierten Mitarbeitern, kontinuierlich qualitativ hochwertige Instrumente zu bauen. Obgleich IBACH-Klaviere weltweit einen sehr guten Ruf haben und es enge Kontakte zur internationalen Musikwelt gibt, spricht die fehlende langfristige Perspektive gegen eine Fortführung der Neuproduktion.

Die Rud. Ibach Sohn GmbH & Co. KG hat sich für diesen Schritt
entschieden, um sich alle Optionen für die Zukunft offen zu halten.
„Wie es genau weiter geht, können wir noch nicht sagen“, sagt Sabine
Ibach. „Natürlich hätten wir weiter produzieren können. Die
Bedingungen am Markt und die generellen Vorraussetzungen sind
aber nicht mehr die, unter denen wir weiter produzieren wollen".

Schwelm, 4. Dezember 2007
 
Schei.......... das ist wirklich tragisch. Hatte leider nie die Möglichkeit, mal im Laden einen neuen IBACH anzuspielen. Aber alle älteren, die ich kenne waren wirklich fantastisch, sogar die ältesten und völlig ausgelutschten in der Musikschule hatten noch was.
Ich bin traurig!


p.s.: wird die Produktion komplett eingestellt oder nur die der "Klaviere", heißt das, Flügel werden weitergebaut?
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Ganz genau, das ist es. Hab in der Schule auch noch eins von 1978, und das ist in einem hervorragenden Zustand und spielt sich bestens.

Konnte ich für rund 300 Euro jemandem abkaufen, war natürlich ein Schnäppchen ;)

Schade. Ich befürchte das wird so weiter gehen. Am Schluss gibt es nur noch die ganz teuren (Steinway, Bösendorfer, Bechstein etc) und den Müll aus Fernost.
 
Nur das aus Fernost in paar Jahren sicher kein Müll mehr kommen wird sondern Instrumente die auch den Spitzenherstellern ans Fleisch gehen werden.
 
Nur das aus Fernost in paar Jahren sicher kein Müll mehr kommen wird sondern Instrumente die auch den Spitzenherstellern ans Fleisch gehen werden.

Das glaube ich nun nicht ganz, denn die Japaner machen auch nicht erst seit gestern Klaviere & Flügel, und ich finde die noch immer nicht annähernd mit einem Steinway oder Bösendorfer vergleichbar.
Habe eigentlich noch keinen Japaner gesehen, der das Prädikat "Spitzeninstrument" verdient hätte.
Dagegen ist nichts zu sagen, die sind zT schon okay, aber eben überhaupt nicht Spitze.

Aber wenn es so einfach wäre, dann gäbe es gar keine Spitzeninstrumente. Spitze heisst ja an sich schon, dass die meisten andern (auch die Europäer und Amerikaner) nicht wirklich an dieses Level rankommen.
Oder irre ich mich da?

Ist wie im Sport: Egal wie gut das Niveau aller Teilnehmer ist, gewinnen tut derjenige, der noch besser ist. ;)
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Die Shigeru-Modelle von Kawai brauchen den Vergleich mit den westeuropäischen Spitzenmodellen sicherlich nicht zu scheuen, und ich kenne genügend Yamaha-Flügel, für die ich manchen Steinway stehen lassen würde.

Bechstein vermarktet nur noch seinen hochpreisigen Namen, aber überzeugen tun mich die Instrumente keinesfalls (und das sage ich, obwohl ich stolzer Besitzer von Bechstein-Aktien bin). Und Bösendorfer-Instrumente sind ja angesichts der Produktionszahlen fast schon Raritäten auf dem Klaviermarkt.

Im Falle Bösendorfer/Yamaha dürfte es auch von Interesse sein, was aus der Bösendorfer-eigenen Computerabtastung CEUS wird. Wird es in der Schublade verschwinden, platt gemacht vom Yamaha-Standard, oder wird Yamaha die Gunst der Stunde nutzen und die Vorteile von CEUS auf das eigene System übertragen?
 
Die Shigeru-Modelle von Kawai brauchen den Vergleich mit den westeuropäischen Spitzenmodellen sicherlich nicht zu scheuen, und ich kenne genügend Yamaha-Flügel, für die ich manchen Steinway stehen lassen würde.
Dem stimme ich im Prinzip zu. Ich denke, daß Yamaha und Kawai zunächst einfach garnicht vorhatten, mit Steinway und Bösendorfer zu konkurrieren. Die hatten es einfach auf dei Marktführung im unteren Preissegment (15.000-25.000 Euro) abgesehen. Für die Konkurrenz zu Steinway und Bösendorfer hatten die dann die S-Modelle (Yamaha) und die Shigeru-Kawais. Und ich würde auch sagen, die können durchaus konkurrieren.

Im Falle Bösendorfer/Yamaha dürfte es auch von Interesse sein, was aus der Bösendorfer-eigenen Computerabtastung CEUS wird. Wird es in der Schublade verschwinden, platt gemacht vom Yamaha-Standard, oder wird Yamaha die Gunst der Stunde nutzen und die Vorteile von CEUS auf das eigene System übertragen?
Das wird in der Tat interessant werden. Dabei ist das Abtastsystem von Yamaha schon wirklich sehr gut. Wäre interessant zu testen, ob das von Bösendorfer wirklich besser ist.
 
Ich werd ma kurz OT und zitiere einen Dialog zwischen meinen Geschwistern und mir
Ich: "Ibach stellt seine Produktion ein!"
Schwester: "Was ist das?"
Bruder: "Bestimmt die Appleausgabe vom Johann. Tritonus hats bloß falsch ausgesprochen"
[/OT]
 
Ich halte vom Standpunkt der Fertigungsqualität die Japaner um nichts schlechter als Steinway & Konsorten, eher ist das QM - Management und dessen Ergebnisse (als gutes Beispiel mag der Qualitätsvergleich der Autoproduzenten geben siehe ADAC - Pannenstatistik) sogar besser.
Der Klang ist klarerweise Geschmackssache aber ich denke auch das allein schon aufgrund der klimatischen Unterschiede der Gebiete aus denen die Hölzer kommen ein Fernostinstrument (wenn man dort z. B. nen Steinway 1:1 nachbauen würde) anders klänge.
Auch vertritt jeder Hersteller eine eigene Klangphilosophie und weder Yamaha noch Kawai haben es nötig Steinway oder Bösendorfersound abzukupfern.
Die hohen Verkaufszahlen laufen sicher nicht nur über den Preis denn eine höhere Summe wie für ein Instrument gibt jemand nicht leichtfertig aus und nur dann wenn ihm das Klavier auch zusagt.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

aber Instrumente aus Fernost, sind oft schlecht verarbeitet, was man besonders häufig an schlechter/träger/schwergängiger mechanik erkennt.
Ein Instrument gleicher Größe was 15000 kostet muss in gewisser weise einfach schlechter sein als eins was bei der größe 65000 kostet.

Absolutus
 
Muss nicht immer so sein, wie ich finde. Es gibt durchaus auch billigere Geräte (mal bewusst allgemein gehalten) die auch besser sein können, hab das selbst schon erlebt.
Denn ob ein Motor eines Supersportwagens wirklich länger hält als der eines Käfers?

Also entschuldigung, nichts gegen dich aber 1. ein Flügel oder Klavier als GERÄT zu bezeichnen ist ja mal schon ne beleidigung in sich.
2. Ist ein Motor was ganz anderes als ein Klavier
Aber wenn du so willst:
Welcher Motor macht mehr Spaß´?
Der im Sportwagen, oder der Im Käfer?

Es geht hier keinesfalls zwangsläufig um die Haltbarkeit, sondern eher um die Möglichkeit guten Klang zu erzeugen.
Und je besser die materialien sind, was vor allem bei Mechanik und ressonanzboden der wichtig ist, desto höher ist möglichkeit das ein guter klang rauskommen KANN.

Absolutus
 
Also entschuldigung, nichts gegen dich aber 1. ein Flügel oder Klavier als GERÄT zu bezeichnen ist ja mal schon ne beleidigung in sich.
2. Ist ein Motor was ganz anderes als ein Klavier
Aber wenn du so willst:
Welcher Motor macht mehr Spaß´?
Der im Sportwagen, oder der Im Käfer?
Also wenn der Käfer länger hält als der Sportwagen kann mir letzterer gestohlen bleiben; abgesehen davon wenn man Käferfreak ist wird man sicher eher einen solchen tunen als sich nen Ferrari zulegen....
Klaviere sind ebenso technische Erzeugnisse und meiner Meinung nach deshalb auch durchaus mit Autos vergleichbar denn die Konstruktion, Herstellerknowhow und Verarbeitungsqualität bestimmt bei beiden letztendlich das Ergebnis.
Qualitative Unterschiede zwischen chinesischen Billigklavieren und dem Rest gibt es sicher nur Fernost ist nicht gleich Fernost und beispielsweise halte ich die technischen Qualitätsunterschiede zwischen z. B. Kawai und Steinway für vernachlässigbar gering; eher "schafft" da sogar S&S ne größere Schwankungsbreite.
Wenn man außerdem den Zeitvorgaben kennt unter denen chinesische Arbeiter die Pianos zusammensetzen müssen beeindruckt mich die Spielbarkeit ihrer Produkte sowieso - da käm in einer europäischen Fertigunglinie nämlich sicher nur ausschließlich Schrott raus.
 
@ Basti:
Wenn jemand eher den Yamaha Klang mag dann wird er kaum nen Steinway kaufen oder?
Ohh, doch - die sind nicht soooo weit auseinander (imho), nur eben viel feiner, ausgewogener und nuancierter. Das ist wie mit Wein. Ein Boredeaux ein hat eine "Grundrichtung" - aber Du kannst 10 Euro oder 10.000,- dafür ausgeben. Am Schluss reden wir über Nuancen - und bei den Pianos ist der finanzielle Faktor ja nur ca 3. Daher stehen auch inzwischen so viele Yamaha-Flügel auf Bühnen.

@ Petz:
eher "schafft" da sogar S&S ne größere Schwankungsbreite
Ganz sicher! Als Marketingmann würde ich genau das aber verkaufen: "Individualität statt Konfektion". Ich denke, das macht S&S - zumindest zwischen den Zeilen - auch. Und die Japaner betonen - völlig zu Recht - Ihre präzise homogenitätsfördernde Produktion.

Ab einer bestimmten Preisklasse geht in allen Bereichen der Trend zur Individualisierung, darunter ist verlässliche Konformität angesagt. Nicht, daß dies etwas schlechtes sei! Nicht umsonst ist dies genau das Erfolgsrezept von McDonalds. Ob Singapur, Wladiwostok oder Hamburg: Ein Cheeseburger ist ein Cheeseburger - in Nuancen durchaus unterschiedlich, aber stets in einer sehr engen Streuung. Schön, wenn man sich auf was verlassen kann, heißt hier die Devise, während Feinschmeckerrestaurants mit dem Gegenteil, dem lukullischen Abenteuer, der Entdeckungsreise, werben.

Und genau das macht dann den Unterschied zwischen einem Steinway und einem Yamaha aus. Letzteres ist ganz sicher prima, aber bald schon "ausgelotet", während ein Steinway zu immer neuen Entdeckungen auffordert. So empfinde ich, als laienhafter Novize, meine Erfahrungen mit beiden, exemplarisch genannten Marken.

Einfacher Nenner: Mehr Tiefgang, mehr "Abenteuer - desto Geld.
 
@ Petz: Ganz sicher! Als Marketingmann würde ich genau das aber verkaufen: "Individualität statt Konfektion".
Solange es sich nur auf den Klang bezieht klar aber nicht nur aufgrund des Klangs werden gar nicht so selten die S&S aus deutscher Produktion den Amis vorgezogen......da sollte es aber allein schon aufgrund des Preises keine "Abweichler" nach unten geben dürfen.
 
Neee, Abweichler nach "unten" darf es NIE geben. Qualitativ (technisch) muss alles erste Sahne sein - klanglich finde ich eine große Bandbreite innerhalb der generellen Marken-Aussage (z.B. obertonreich) aber spannend.

Sind die Ami-S&S qualitativ, ähem, ...weniger gut? Ich weiß nur, dass die Produktionsstätte in NY an die zeit vor der Industrialisierung erinnert und jeder deutsche Arbeitsrechtler oder Gewerkschafter ins Koma fallen würde ...

... ja, und das man dort ...ähem ... auch gerne mal, nun ja, interessante Sondermodelle baut, was doie Hamburger nicht so gerne tun (mal abgesehen vom teuersten Steinway aller Zeiten für den chinesischen Galeristensohn, den Bengel!)
 
Nicht selten präfferieren sogar die Amis Steinways aus Hamburger Produktion.
Diese gelten als besser verarbeitet, besser klingend und das Hamburger Werk hat auch nicht jeden Schmarn mitgemacht, z.B. Kunststoffbuchsen in den Kapseln, etc.

Auch gebraucht werden die amerikanischen Steinways DEUTLICH niedriger gehandelt.
 
naja, was ich bis jetzt sagen kann: Die Ami-S&S sind weniger obertonlastig, eher weich und gedämpft ... (soweit meine bescheidene Erfahrung)

Aber: die kantige Seitenwange des US-Flügels gefällt mir viel besser als das übliche gerundete 08/15 der D-Produktion.
 

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