Geiz ist....

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Styx

Guest
geil? Nein, teuer :twisted:

Es erfüllt mich doch immer wieder irgend wie mit Schadenfreude, wenn Menschen meinen für fast umsonst ist´s genau so gut. So mal ein nettes Beispiel:

Ein mir bekannter Klavierbaumeister machte einem Kunden einst einen Kostenvoranschlag sein Klavier wieder zu richten, dieser war zwar nicht billig aber sehr günstig. Der Kunde entschied sich offensichtlich zu Billigarbeiten, und ließ 3 Billigpfuscher an sein Instrument werkeln. Die inzwischen entstanden Zahlungen an die Billigpfuscher summierten sich schon über den vorangeschlagten Preis des Klavierbaumeisters. Inzwischen ist der Kunde der Ansicht auf Betrüger hereingefallen zu sein und kam nun auf den ursprünglichen Kostenvoranschlag zurück - Nur ist das Instrument inzwischen derart verdorben, daß eine Überholung fast nicht mehr lohnt und fast schon mehr kosten würde als die Neuanschaffung eines Instrumentes.

Den Billigpfuschern kann man im Grunde genommen keinen Vorwurf machen, sofern sie sich nicht als Klavierbauer oder Klavierbaumeister ausgaben, in so fern haben sie auch keinen Betrug begangen, da sie möglicherweise nach ihrem besten Wissen und Gewissen meinten Reparatüren billig ausführen zu können - wenn ich jemanden für 10 € eine Wand verputze, und das hält ned so g´scheit...tja, Pech gehabt, hab ja nie behauptet Maurer zu sein :D

Viele Grüße

Styx
 
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Rolleum

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Hallo Styx,

da gebe ich Dir vollkommen Recht. Es gibt aber auch Negativbeispiele aus der "Profiliga". Zum Beispiel ist hier in Berlin ein gewisses Klavierhaus immer mal wieder dabei, alte Jugendstilklaviere deren Besitzern abschwatzen zu wollen, mit dem Spruch "ich entsorge Ihnen das kostenlos". Dabei wird das alte Klavier schlechtgeredet, und ein nagelneues Billig-Hochglanz-China-Klavier verkauft. Später landet das abgefuggerte Jugendstil-Klavier dann bei ihm im Verkaufsraum, als edel aufgearbeitetes Klavier für 4000-5000 Euro. Ich habe gleich drei Kunden gehabt, die mir diese Geschichte erzählt haben, und immer war es der gleiche Mensch auf der Schönhauser Allee (W.berg) hier in Berlin. Eigentlich sollte man dann Anzeige erstatten, und solchen Halsabschneidern das Handwerk legen.

Aber eine Frage noch: Wie lief das denn ab mit dem Verpfuschen des Klaviers ? Kann ich mir gar nicht vorstellen, wie doof man sein kann. Mechanik ruinieren ?

Viele Grüsse

Rolleum
 
S

Styx

Guest
Hallo Rolleum,

nun ja, was aus subjektiver Sicht der Kunden als vermeindlichen Betrug angesehen wird, stellt sich in der Realität meist recht anders dar:
Ich habe selbst schon sehr schöne Jugendstilklaviere beim Kunden erlebt, welche in einem Zustand waren wo die Überholungskosten den Preis eines billigeren Neuklavieres weit überschritten hätten, wenn nicht gar durch Plattenbrüche nur noch das Gehäuse verwendbar war, wo nur noch die Möglichkeit bliebe ein neues Klavier in das alte Gehäuse zu bauen. Wenn entsprechender Klavierbauer nun das Instrument zwischen 4000 - 5000 € überholt verkauft, hat er gerade mal damit die Überholungskosten abgedeckt, welche der Kunde nicht bereit war zu zahlen und sich statt dessen lieber ein neues "Wegwerfklavier" anschafft.

Ohne jetzt auf diesen speziellen Fall einzugehen wie man ein Klavier verpfuschen und ruinieren kann, da gibt es viele Möglichkeiten:
- Resonanzboden kitten
- mittels unsachgemäßen Wirbel einschlagen den Stimmstock von der Raste sprengen
- Gußplatte beschädigen
- an der Mechanik und Tastatur rumfeilen
- Mechanikschrauben bis zum durchdrehen anziehen
und so weiter, die Liste kann man beliebig verlängern.

Viele Grüße

Styx
 
HoeHue

HoeHue

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Es ist ja seit dieser bescheuerten Werbung von diesem komischen planetaren Technikkaufhaus ziemlich hip, immer auf diese pöhse "Geiz ist Geil"- Mentalität zu schimpfen. Gerade von Unternehmern, Handwerkern etc, die damit ihren (potentiellen) Kuden gegenüber ihre verglechsweise hohen Preise rechtfertigen wollen. Dabei wird ganz vergessen, dass gerade der (imho) verständliche Wunsch, dass jeder versucht, aus den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln "möglichst viel" herauszuholen, letztlich der Motor unserer Wirtschaft ist.
Den Billigpfuschern kann man im Grunde genommen keinen Vorwurf machen, sofern sie sich nicht als Klavierbauer oder Klavierbaumeister ausgaben, in so fern haben sie auch keinen Betrug begangen, da sie möglicherweise nach ihrem besten Wissen und Gewissen meinten Reparatüren billig ausführen zu können - wenn ich jemanden für 10 € eine Wand verputze, und das hält ned so g´scheit...tja, Pech gehabt, hab ja nie behauptet Maurer zu sein :D
Mir wäre es ehrlich gesagt, egal, ob er behauptet, Maurer, Zahnarzt, Innungsmeister oder Klavierbauer zu sein. Wenn er behauptet, eine Wand verputzen zu können, würd' ich ihn gerne darauf festnageln. Er wird sich ja wohl kaum mit den Worten "Ich bin ein Billigpfuscher, deshalb kostet's auch nicht so viel und deshalb kann ich auch nicht garantieren, ob der Putz morgen noch dran ist". Und letztlich helfen auch keine Meisterbriefe und Innungsmitgliedschaften und schon gar keine hohen Preise gegen Pfusch.
 
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