Gefärbte Noten

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Doc88

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Hallo zusammen, ich habe jetzt öfter über Farbsynästhesien gehört und gelesen. (Z.B.bei Scriabin). Hat von euch jemand dieses Phänomen schon erlebt ? Wie soll man sich das konkret vorstellen ? Ist das ein meditativer Zustand, was genau sieht man da im Kopfkino ?Einfach diffuse Farben oder mehr gegenständliches ? Wann und wie ist das erstmals bei Euch aufgetreten ?
LG Doc88
 
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Doc88

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:lol::lol::lol:
cwtoons, Du alter Schwerenöter!
Jetzt kommt bestimmt noch jemand, dem der KL aufs Auge gehauen hat.
 
FünfTon

FünfTon

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Wie jetzt? Ihr seid etwa nicht von eurem Klavierlehrer verprügelt worden, wenn ihr nicht geübt habt?
 
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Doc88

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Selbstverständlich hat meine KL einen gefährlichen linken Haken, aber der geht immer auf die Nase .
 
bebob99

bebob99

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[Farbsynästhesien] Wie soll man sich das konkret vorstellen ? Ist das ein meditativer Zustand, was genau sieht man da im Kopfkino ?Einfach diffuse Farben oder mehr gegenständliches ?
Als grundlegende Erklärung was Synästhesie ist und wie sie von den Betroffenen empfunden wird würde ich zum Einstieg den zugehörigen Wikipedia Artikel empfehlen.

Es ist nicht so, dass für einen Synästheten ein Notenblatt beispielsweise bunt aussieht, so wie wir es sähen, wenn jemand die Noten bunt angemalt hätte. Je nach Art der sensorischen Verknüpfung bekommt eine Note, ein Buchstabe oder ein Ton zusätzlich eine "farbige" Zusatzkomponente oder wird mit einer bestimmten Raum Position beschrieben.

Setzt man einem Synästheten, der Buchstaben mit Farben assoziiert bunt gedruckten Text vor, dann sieht er den Text schon in der jeweils gedruckten Farbe und kann die auch korrekt benennen. Zusätzlich hat jeder Buchstabe aber trotzdem eine davon abweichende Farb Empfindung, die in der Regel von der sichtbaren Farbe abweicht. Das führt in der Folge dazu, dass der Synästhet das Gefühl bekommt, die Buchstaben wären in der "falschen" Farbe gedruckt und wirken durch die Diskrepanz unangenehm.

Ich bin kein Synästhet, jedenfalls nicht so wie das in dem Wikipedia Artikel beschrieben ist. Manchmal, ganz selten empfinde ich aber einzelne Geschmackskomponenten irgendwie "farbig". Beispielsweise löst der Geschmack von Schiitake Pilzen in Soja Soße bei mit eine starke "Dunkelviolett" Empfindung aus. Ich sehe dabei nicht irgend etwas violettes, habe also keine Haluzinazionen. Es ist mehr die Erinnerung an die Farbe die sich einstellt. Nur die Farbe, ohne bestimmte Gegenstände oder Bilder.
 
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Wespennest 100

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Ich kenne es auch hin und wieder, dass Geschmäcker eine Farbe haben. Rahmkäse mit einer schwarzen Pfefferkruste schmeckt Brombeerblau........, manchmal auch grün, je nach Schärfe ....;-)
 
Peter

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Bechsteinfan
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Hallo zusammen, ich habe jetzt öfter über Farbsynästhesien gehört und gelesen. (Z.B.bei Scriabin). Hat von euch jemand dieses Phänomen schon erlebt ? Wie soll man sich das konkret vorstellen ? Ist das ein meditativer Zustand, was genau sieht man da im Kopfkino ?Einfach diffuse Farben oder mehr gegenständliches ? Wann und wie ist das erstmals bei Euch aufgetreten ?
LG Doc88
Die Frage geht eigentlich direkt an @mick . Mick sieht (oder besser hört) nämlich Farben. Er hat mir im Chat mal ein paar Töne und Akkorde mit den dazugehörigen Farben genannt. Total faszinierend.
 
mick

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Ich kann vielleicht später mal was dazu sagen. Ich habe am nächsten Freitag ein Konzert und erkenne allmählich den Ernst der Lage ... :angst:

LG, Mick
 
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Peter

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Gutes Gelingen!
 
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Wastlsepp

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Na dann eine produktive Woche und ein tolles Konzert am Freitag!
 

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jannis

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Bestimmte Harmonien, Tonarten bzw. Toene loesen gleichzeitig zur Klangempfindung bei mir eine Farbempfindung aus. Das heiszt aber nicht, dasz ich z.B. blaue Klaviertasten oder blaue Noten vor mir sehe sondern der Klang ist einfach mit der Farbe assoziiert, in einem Fall kurioserweise auch mit einem (eingeschraenkten) Geruchsempfinden. Es ist einfach so, wie ich mir eine Farbe vorstelle, wenn jemand z.B. das Wort "blau" sagt. Dann habe ich ja auch eine entsprechende Vorstellung und sehe "blau" vor mir. Genauso wird z.B. beim Ton F eine Vorstellung von "(dunkel)blau" bei mir ausgeloest, so als ob jemand "dunkelblau" sagte. Umgekehrt kann auch passieren, dasz eine Klangvorstellung ensteht, wenn ich entsprechende Farben sehe. Zum Glueck ist das aber selten und nur, wenn die Farben sehr intensiv sind. Der Klang ist auszerdem recht unbestimmt und statisch. Ich "hoere" also zum Glueck kein Bild, sondern kann mir ein Bild "ganz normal" anschauen. Am ehesten ist das bei Blumen, bei dunkelblauen leuchtenden Enzianen z.B., hoere ich innerlich dann "F". An manchen Tagen sind die Farbassoziationen aber auch recht unbestimmt, bzw. blass. Ich habe den Eindruck, dasz sie als Kind staerker waren. Wenn ich jetzt an einem Stueck arbeite, hoere ich oft viel zu wenig "hinein", so dasz die Assoziationen oft in den Hintergrund treten. Eigentlich aergert mich das, da ich dann das Gefuehl habe, viel von der Faszination des Klanges auf mich zu verlieren und viel zu sehr auf die "Note-Taste-Beziehung" zu achten. D.h., es hat bei mir auch etwas mit dem Focus der Taetigkeit zu tun, wie intensiv die Assoziationen sind.
Viele Gruesze,
Jannis
 
Troubadix

Troubadix

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Wie soll man sich das konkret vorstellen ? Ist das ein meditativer Zustand, was genau sieht man da im Kopfkino ?
Wie ja bereits gesagt wurde, ist das kein meditativer Zustand. Es ist eine Art "Doppelempfindung". Einem akustischem Reiz wird spontan ein optischer Reiz zugeordnet.

Dieses Farbensehen kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Robert Lach (ein Wiener Musikforscher) beschrieb alle 19 Töne der Oktave (also auch die enharmonischen Varianten), alle Dur- und Molltonarten, alle Intervalle und vieles mehr in Farben in den unterschiedlichsten Abstufungen.

Rimski-Korsakow ordnete allen Tonarten unwillkürlich Farben zu, die er angeblich hörte/sah. Die Liste für die Dur-Tonarten sieht bei ihm so aus:

Fis-Dur - grau-grün
H-Dur - blau-bleiern
E-Dur - blau-saphiren
A-Dur - grün-golden
D-Dur - golden-strahlend
G-Dur - zimtfarben-golden
C-Dur - weiß
F-Dur - grün
B-Dur - dunkel-unbestimmt
Es-Dur - grau-blau
As-Dur - violett-grau
Des-Dur - violett

Die Theosophin Helena Blavatsky entwarf in ihrem Werk "Die Geheimlehre" eine diatonische Farb-Ton-Tabelle, die Skrjabin wohl bekannt war.

c - rot
d - orange
e - gelb
f - grün
g - blau
a - Indigo
h - violett

Skrjabins Tabelle enthält sowohl Gemeinsamkeiten, als auch Unterschiede mit der Tabelle Rimski-Korsakows. Dabei hält er sich an das natürliche Farbspektrum, weiß z.B. kommt also bei ihm nicht vor.

Skrjabin ordnet Farben zwar einzelnen Tönen zu, meint aber laut Sabanejew eigentlich die Klangzentren, also einfach gesagt den Dominantseptnonakkord mit tiefalterierter Quinte (bzw. übermäßige Quarte statt Quinte) und großer Sexte des jeweiligen Grundtons, dem Psychologen Charles Myers gegenüber sprach er aber auch von normalen Tonarten, die dieses Farbempfinden bei ihm auslösen.

Skrjabins Tabelle laut Sabanejew sah so aus.

c - rot
g - orange-rosa
d - gelb
a - grün
e - blau-weißlich
h - ähnlich dem e
fis - blau, grell
des - violett
as - purpur-violett
es - stahlartig mit Metallglanz
b - ähnlich es
f - dunkelrot

"Die Farbe unterstreicht die Tonalität; sie macht die Tonalität offensichtlicher.", soll Skrjabin gegenüber Myers geäußert haben.

Interessant ist auch, dass Skrjabin geäußert haben soll, dass nicht alle Kompositionen dieses Farbempfinden in ihm auslösten. So meinte er, dass Beethoven-Sinfonien zu intellektuell im Charakter sind, um Farbwahrnehmungen zu erzeugen.

Die berühmte "Luce"-Stimme hat Skrjabin ja im Prometheus notiert. Das vereinfacht die Aufgabe, den Prometheus harmonisch zu analysieren, da man sich einfach nur ansehen muss, welcher Ton in der "Luce"-Stimme gespielt wird. Damit liegt man fast immer richtig. Skrjabin macht dort übrigens keinen Unterschied in der Oktavlage des jeweiligen Klangzentrums. Ein bisschen verwirrend ist, dass Skrjabin noch eine zweite "Luce"-Stimme notiert hat. Hier wird es dann esoterisch. Die hat er Sabanejew gegenüber theosophisch gedeutet: "Diese Stimme entspricht der Involution und Evolution der Rassen. Am Anfang ist Geistigkeit - blaue Farbe -, dann geht es durch andere zur roten - der Farbe der Materialität -, und kehrt dann wieder zur blauen zurück." Dabei war ihm besonders wichtig, dass es sich um eine Ganztonskala (mit den chromatischen Zwischentönen h, des und eis) aus sieben Tönen (der heiligen Zahl) handelt. Im Prometheus werden also kurz gesagt zwei Farbebenen je nach Realisierungsweise kontrapunktisch oder sich vermischend verwendet.

Erwähnt werden sollte vielleicht noch, dass das Phänomen des Farbensehens trotz mehrere Ansätze wissenschaftlich bislang nicht vollumfänglich verifiziert werden konnte und so auch nie völlig aus dem Verdacht gekommen ist, auf reiner Täuschung oder sogar auf "Wahnsinn" zu beruhen. :-D

Viele Grüße!
 
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jannis

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Die Entstehung erklaere ich mir uebrigens bei mir so, dasz ich als ganz kleines Kind ein Mini-Metallophon mit Farben auf den Staeben fuer die einzelnen Noten hatte. Lesen konnte ich die Buchstaben fuer die Notennamen darauf noch nicht, aber irgendwie haben sich zumindest teilweise die Farben mit den Toenen verbunden. Besonders geliebt habe ich das "B" in dunkelorange. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob letztlich die jetzige Farbzuordnung die originale ist, aber sie hat sich ueber die Jahre seit ich vielleicht 5 oder 6 bin sicher nicht veraendert. Auf "Wahnsinn" beruht das weniger, einfach auf einer Assoziation der Farbe mit dem Klang.
Gruesze,
Jannis
 
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Doc88

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Erstmal Danke für die teils umfangreichen Beiträge. Was mich interessieren würde, ob man diese Farbzuordnungen auch herbeiführen kann. Es gibt ja z.B. im fortgeschrittenen Autogenen Training eine Farbübung, wo man sich auf wechselndeFarbeindrücke konzentriert und mit entsprechendem Trainingsfortschritt auch bestimmte Farben aktiv und gezielt vor das geistige Auge rufen kann. Gelegentlich so intensiv wie Plakafarben. Genauso kann man ja auch akustische Phänomene rein konzentrativ erleben, also in der Vorstellung ein Musikstück oder einfach nur Töne mehr oder weniger intensiv in der Vorstellung hören. Ich denke, die Farb- und Ton - Phänomene lassen sich bestimmt auch koppeln .
Vielleicht kommt man dem Synaesthetenphänomen damit näher. Ob man davon musikalisch eine Bereicherung erfährt wäre auszuprobieren.
Auf jeden Fall eine hochinteressante Erweiterung des Standard-ATs.(autog. Training).
LG
 
S

Schuberto

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Erstmal Danke für die teils umfangreichen Beiträge. Was mich interessieren würde, ob man diese Farbzuordnungen auch herbeiführen kann. Es gibt ja z.B. im fortgeschrittenen Autogenen Training eine Farbübung, wo man sich auf wechselndeFarbeindrücke konzentriert und mit entsprechendem Trainingsfortschritt auch bestimmte Farben aktiv und gezielt vor das geistige Auge rufen kann. Gelegentlich so intensiv wie Plakafarben. Genauso kann man ja auch akustische Phänomene rein konzentrativ erleben, also in der Vorstellung ein Musikstück oder einfach nur Töne mehr oder weniger intensiv in der Vorstellung hören.
Wenn ich am Klavier sitze und ein Stück spiele, dann klingt eigentlich immer makellos in meinen Ohren. Ob das auch an diesem autogenen Training liegt?
 
 

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