Fachlicher Austausch unter Klavierlehrern

Klafina

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Im Privaten geschieht das für meinen Geschmack viel zu selten. Ich hatte vor vielen Jahren vorgeschlagen, dass Lehrer einer bestimmten Musikschule sich gegenseitig im Unterricht zuhören. Eine Katastrophe, Entsetzen allerorten. Jeder hat Angst, Angst, schlecht da zu stehen, Angst, Fehler zu machen, Angst, sich selbst und seine Unsicherheiten zu offenbaren. Lieber also im stillen Kämmerlein allein vor sich hin zu wurschteln als so was.

Was den Lehrkräften in der Musik im Grunde fehlt, sind die Referendare/Referendarinnen bzw. das gesamte Konzept des Referendariats.
Ich habe das in den knapp 4 Jahrzehnten in der Schule schätzen gelernt. Sie sitzen hinten drin, beobachten aufmerksam, und es kommen Fragen - naiv scheinende, interessierte, oder auch interessante Beobachtungen, die einen zum Nachdenken bringen.
Umgekehrt sitzt man dann wochenlang in ihrem Unterricht, schreibt mit, überlegt, berät ...
 
hasenbein

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Rein theoretisch natürlich eine gute Idee.

Praktisch würde es leider dazu führen, dass (wie auch in der Schule) schwachsinnige didaktisch-methodische Konzepte den Lehrern aufgedrückt würden. Es würde in ein gleichförmiges Mittelmaß münden.

So wie es jetzt ist, führt es zwar dazu, dass sehr viele KL unkontrolliert schlecht unterrichten; andererseits ermöglicht es aber auch, dass die guten KL sich ohne "Lehrplanvorgaben" o.ä. frei entfalten können.
 
Tastatula

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Ein Grund, warum ich mich in diesem Forum angemeldet habe, ist der Austausch. Ich profitiere sehr davon, wenn wir über Pianistisches, Musikalisches und sonstwas diskutieren. Das schätze ich sehr. Ich profitiere auch davon, wenn ich jemandem etwas erkläre, wenn ich etwas lese, an dem ich mich nicht beteilige.

Im Privaten geschieht das für meinen Geschmack viel zu selten. Ich hatte vor vielen Jahren vorgeschlagen, dass Lehrer einer bestimmten Musikschule sich gegenseitig im Unterricht zuhören. Eine Katastrophe, Entsetzen allerorten. Jeder hat Angst, Angst, schlecht da zu stehen, Angst, Fehler zu machen, Angst, sich selbst und seine Unsicherheiten zu offenbaren. Lieber also im stillen Kämmerlein allein vor sich hin zu wurschteln als so was.
Das ist ein eigenartiges Phänomen. Für mich ist das Forum auch wertvoll, weil der Austausch stattfindet. Allerdings habe ich auch das Glück, mich mit Kollegen beraten zu können, aber ich weiß, dass das nicht die Regel ist. Klavierspieler sind eben Einzelgänger. Sie spielen in keinen Orchestern, haben eine Trutzburg von Instrument , um sich vor dem Rest der Welt zu schützen... ;-)
In der Führung eines funktionierenden Unternehmens, auch im Vorstand von Vereinen hocken diverse Menschen miteinander und sollen zu gemeinschaftlichen Ergebnissen kommen.
Dafür braucht es: Die Kreativen, die die Ideen haben, die Genauen, die alles ausrechnen, was finanziell zu beachten ist, und es braucht die Pessimisten, die alles hinterfragen, die Finger in Wunden legen. Hier im Forum braucht es: chiarinas und hasenbeine gleichermaßen. Das macht die Würze aus. Und wenn jemand sich im Ton vergreift, dann kommen welche und putzen es gerade. Ich z.B. schätze beide sehr und auch viele andere, die hier ihre Meinung sagen, Dinge erklären, Tipps geben.
Allerdings frage ich mit, was ist mit der TE ? Haben wir sie vergrault?
Schade wäre das.
 
Dromeus

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In ... einem funktionierenden Unternehmen ... braucht es: Die Kreativen, die die Ideen haben, die Genauen, die alles ausrechnen, was finanziell zu beachten ist, und es braucht die Pessimisten, die alles hinterfragen, die Finger in Wunden legen.
Hast du mal in einem funktionierendem Unternehmen gearbeitet?

Allerdings frage ich mit, was ist mit der TE ? Haben wir sie vergrault?
Wer ist wir?
 
Klafina

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Praktisch würde es leider dazu führen, dass (wie auch in der Schule) schwachsinnige didaktisch-methodische Konzepte den Lehrern aufgedrückt würden. Es würde in ein gleichförmiges Mittelmaß münden.
Kann im Einzelfall mal so sein (das mit den "schwachsinnigen didakt.meth. Konzepten" - welche sind das eigentlich für Dich?), ist aber nicht die Regel.
Warum soll der Vergleich von und die Auseinandersetzung mit verschiedenen Zugängen und Konzepten zu gleichförmigem Mittelmaß führen?
 
M

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Jetzt müsste ich mich mal in die Diskussion einbringen. Also 1.) damit keiner nachfragt: ich bin studierter Klavier- und EMP-Lehrer. Weiß also, was ich schreibe, besonders wenn es auch darum geht, mit kleiner Kindern zu musizieren.

2.) Es ist völlig legitim (auch wenn es andere sehr gute Methoden gibt), mit Anfängern beim "mittleren" c (c1) anzufangen und auch nur die weißen Tasten zu nutzen. Hauptsache es bleibt nicht dabei, sondern es werden die schwarzen Tasten allmählich mit einbezogen, die beiden Daumen verbleiben nicht für Monate auf dem C1 (denn dann wird es wirklich schwierig, von anderen Tasten zu beginnen) und der Tastaturumfang vergrößert sich. Eine Melodie auf beide Hände aufzuteilen ist super um Anfängern einen Erfolg zu ermöglichen, ausserdem werden die Violin- und auch Bassschlüsselnoten gleichzeitig gelernt. Das Übergeben der Melodie von einer Hand zur anderen ist perfekt für die Gleichwertigkeit beider Hände (Melodieführung, Legato zwischen den Händen...). Nichts anderes machen die Hände beim C-Dur Präludium aus dem WK. Keiner kann die linke Hand nur als Begleithand abstufen. Auch das erste Tonleiterspiel wird auf beide Hände aufgeteilt. Man lernt eine gewisse Anzahl an Tetrachorde und Tonleitern und vermeidet bei Anfängern die Schwierigkeit des Unter- und Übersatzes.
Ausserdem ist es wichtig zu unterscheiden, welche Auffassungsgabe der Schüler hat. Nicht jeder ist in der heutigen Zeit so begabt. Es gibt auch Kinder, denen es schwer fällt und da helfen solche Stücke enorm. Ich unterrichte nicht nur Mozarts, sondern auch Kinder die einfach nur ein Hobby ausüben.

Material gibt es seit Jahrzehnten in dieser Machart: erste Seiten von Klavierschule Holzweißig (Peters), Klavierschule Terzibaschitsch (Holzschuh), Klavierschule Horikoshi Atalay Eiko (Piccolo), M.Merkies Piano Life (De Haske), PianoPeople PrimaVista (Bosse), Tastenabenteuer mit dem kleinen Ungeheuer (Breitkopf), Tio das Tastenmännchen (Breitkopf), Meine Klavierschule (FIDULA) und viele viele mehr.

Auch ich schreibe Lieder so um, das die Melodie auf beide Hände verteilt wird. Das c1 wird da von beiden Händen gleichwertig genutzt, je nachdem wie die Melodie verläuft. Oder wenn der Ton c1 mehrere Male hintereinander kommt, dann wechseln sich die beiden Daumen ab. Und dazu eine professionelle Begleitung vom Lehrer... Perfekt.

Also [B]KlavierLiekwegen[/B]: Einfach machen, Spaß am Arrangieren haben und in die dankbaren Kinderaugen sehen.

Und hasenbein: Die Wortwahl gegenüber KlavierLiekwegen ist beleidigend. Auch "kompetente" Klavierlehrer (und da meine ich nicht nur mich, sondern viele meiner Kollegen mit Hochschulabschluss und künstlerischem Diplom an unserer Kreismusikschule und natürlich die Autoren der oben genannten Klavierhefte) arbeiten nach der Methode bzw. habe diese Methode für Anfänger erarbeitet.
 
Stilblüte

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Ich melde mich nun auch mal, da dieses Fachgebiet ja mit Lehrproben Fachmethodik an Hochschulen ein Teil meines Berufs ist und mich sehr interessiert.
Gerade am Anfang der Berufstätigkeit ist das oft ein Hauptziel: Rauskommen aus dem "Anfängerstatus", möglichst schnell sicher und kompetent wirken. Dies ist fatal.
Ich finde "Fake it 'till you make it" ist kein schlechter Grundsatz, solange einem klar ist, dass man sich noch im Statium des "'till" befindet. Sicherheit ausstrahlen und führen können ist sehr wichtig im Unterricht, sowohl für die Schüler, als auch für die Lehrer. Man kann trotzdem danach streben, sich methodisch und inhaltlich weiterzuentwickeln, oder?
Ich für meinen Teil habe über die Jahre schon sooo viele Axiome über Bord geworfen - wenn ich Euch das alles erzählen würde, würden viele mich auslachen
Vielleicht würdest du dich an deiner Stelle auslachen. Ich sehe keinen Grund für's Auslachen. Wer wurde schon als perfekter Klavierlehrer geboren? Ich jedenfalls nicht (und bin es auch noch lange lange nicht). Deine über Bord geworfenen Axiome interessieren mich sehr, willst du sie nicht doch mit uns teilen?
Und mich schmerzt es wirklich, dass man diese Wenigen in kürzester Zeit durch solche Bemerkungen im allerersten Beitrag
dazu bringt, sich hier nie wieder blicken zu lassen.
Es führt auch dazu, dass sich sehr (!) spannende Diskussionen von Forumsteilnehmern ins Private verziehen (wie ich aus eigener Erfahrung weiß), sodass nur die Teilnehmenden etwas davon haben, obwohl sicher auch andere gerne mitlesen würden (z.B. würde mich da @hasenbein s Input sehr interessieren). Das kann nicht in deinem Interesse sein @hasenbein , da bin ich sicher.
 
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Stilblüte

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Der Übersicht halber teile ich meinen Beitrag auf zwei auf, wegen der ganzen Zitate:
Ja, war nicht die feine englische Art. Aber ich glaube nicht, dass es in diesem Falle schade drum ist. Die Frage war für einen professionellen KL schlicht zu dumm
Bisschen platt, aber das ist wie mit der Todesstrafe: Wenn man sich nicht 100%ig sicher ist, gibt es immer auch unschuldige Opfer. Willst du in Kauf nehmen, die auch zu "erwischen" ?

Ich finde, deine Aussage "Die Frage war für einen professionellen KL zu dumm" zeigt, dass du schon eine Weile vom Hochschulgeschehen entfernt bist, oder aber unter einer lokalen Käseglocke lebst. Kannst du dir wirklich nicht vorstellen, was für Situationen, Fragen und Unterrichte bei Studierenden der Instrumentalpädagogen manchmal enstehen? Da muss selbst ich mich hin und wieder sehr wundern... Und das sind alles Leute, die eine Aufnahmeprüfung bestanden und schon einige pädagogische Fächer durchlaufen haben! "Dumme" Fragen können viele Ursachen haben, manchmal sind sie schlicht auf Faulheit begründet, meistens aber auf schlichtem Unwissen oder auch dem Interesse, wie andere eine Sachlage bewerten.

Dazu kommt, dass die Situation der Fachmethodik und Lehrproben an den Hochschulen sehr unterschiedlich ist. An manchen Hochschulen gibt es da kaum oder viel zu kurze Seminare, obwohl in einem Studium der Instrumentalpädagogik das Unterrichten ja ein wichtiges Berufsziel und somit eigentlich eine Art Hauptfach ist. Wenn der Unterricht aber zu wenig oder ggf. schlecht ist, kommen mittelmäßige Pianisten mit wenig Fachwissen heraus. Woher sollen die tollen Unterricht geben?

keinesfalls irgendwen mal vor den Kopf zu stoßen, während ich gerne das raushaue, was so manche andere auch zwar denken, aber von dem sie meinen, "das könne man ja jemandem nicht einfach so direkt sagen".
...
Ich kenne eine Menge KL-Kollegen, und ich kenne keinen einzigen (m/w/d) darunter, der nicht auch mal in vertraulicher Runde...
Dazu zwei Gedanken:
(1) Ein "vor den Kopf stoßen" im Sinne von deutlichem und augenöffnendem Verhalten finde ich sehr wichtig. Allerdings ist das etwas, was bei meinem Gegenüber von selbst passiert, wenn ich die entsprechenden Infos rüberschiebe. Wenn ich mich klar und deutlich ausdrücke, kann sich das manchmal auch krass anfühlen, ganz ohne beleidigende oder verschubladende Kommentare gegenüber Menschen, die ich nicht kenne.
(2) Wenn du wüsstest, was ich schon von Äußerungen von @chiarina gehört habe, würdest du mit den Ohren schlackern :lol:Allerdings ist ihr der Rahmen, in dem sie die tätigt, immer bewusst. Und sie stellt auch immer bei kontroversen Äußerungen klar, dass das erstens ihre persönliche Meinung ist und sie sich zweitens gerne eines besseren Belehren lässt, wenn dazu Anlass besteht.
bitte vergiss doch einfach "Lagen". Das ist ziemlicher Unsinn und hilft doch nicht.
Finde ich jetzt nicht. In gewissen Zusammenhängen ist der Begriff "Lage" völlig normal, legitim und hilfreich. "Lagenwechsel" ist z.B. ein viel geeigneteres Wort als "Sprung".
Was den Lehrkräften in der Musik im Grunde fehlt, sind die Referendare/Referendarinnen bzw. das gesamte Konzept des Referendariats.
Das gibt es mit dem Musikschulpraktikum und den Lehrproben durchaus. Die Frage ist, wie gesagt, in welcher Quantität und Qualität das in allen Hochschulen auch praktiziert wird.
 
chiarina

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Deine über Bord geworfenen Axiome interessieren mich sehr, willst du sie nicht doch mit uns teilen?

Es führt auch dazu, dass sich sehr (!) spannende Diskussionen von Forumsteilnehmern ins Private verziehen (wie ich aus eigener Erfahrung weiß), sodass nur die Teilnehmenden etwas davon haben, obwohl sicher auch andere gerne mitlesen würden (z.B. würde mich da @hasenbein s Input sehr interessieren). Das kann nicht in deinem Interesse sein @hasenbein , da bin ich sicher.

Ich wäre sehr glücklich, wenn hier im Forum der fachliche Austausch von Klavierlehrern und anderen wesentlich intensiviert würde! Es muss meiner Meinung nach aber gewährleistet sein, dass dabei streng moderiert wird und niemand in die Pfanne gehauen wird. Es sollte ein Miteinander und kein Gegeneinander sein. Man könnte dazu sogar ein Unterforum erschaffen, das nicht öffentlich ist o.ä.. Ideen dazu sind willkommen!

Wenn ich meinen Traum weiterspinne, könnte man zu bestimmten Themen wie "legato", "Rhythmus", "Noten lesen" u.v.a. Fäden aufmachen, in denen Ideen und Herangehensweisen zur Einführung im Unterricht gesammelt werden. Für mich ist es total interessant, wie andere das machen. Es könnten Unterrichtsvideos aus dem Netz angeschaut und dazu Gedanken und Ideen geäußert werden. Es könnten konkrete Erfahrungen ausgetauscht werden ...... Ende offen.

Alle würden voneinander profitieren, wenn der Austausch wertschätzend und offen gestaltet ist. Und damit vielleicht und hoffentlich ein Anfang gemacht ist, fange ich mal an mit dem, wie sich mein Unterricht entwickelt hat :003: :

Ich hatte das Glück, bei Klaus Runze in Köln Fachmethodik zu haben, dem Autor der Klavierschule von "Zwei Hände - 12 Tasten". Dadurch habe ich den Beginn eines Klavierunterrichts ohne Noten erfahren.

Allerdings hatte ich auch vorher den Anfangsunterricht ohne Noten gestaltet, aber eher aus dem Bauch heraus. Ich konnte nun mit dem gesammelten methodischen Wissen viel genauer sagen und reflektieren, WARUM etwas sinnvoll oder nicht sinnvoll ist. Das ist der eine wichtige Punkt, wieso ich jetzt besser unterrichte als früher: mein Hintergrund ist durch viele Fortbildungen, durch ein immerwährendes Streben nach Verbesserung, durch Lesen und Austausch gewachsen, so dass ich sehr viel besser begründen kann, warum ich es so und nicht anders mache. Und damit kommen automatisch mehr Ideen. Das macht mir großen Spaß!

Zwei methodische Dinge möchte ich nennen, die ich im Laufe meines Unterrichts sehr verbessert habe:
  1. die Herangehensweise an neue Stücke
  2. zahlreiche Übestrategien durch Weglassen von Tönen.
Ich habe früher zwar auch neue Stücke mal durch Improvisation o.ä. eingeführt, war aber doch geprägt von der Zeit, die bei einem neuen Stück vorrangig neue Elemente herausgriff und dem Schüler meistens den neuen Notentext vor die Nase stellte. Da hat sich meine Kompetenz erheblich erweitert und tut es noch.

Im Laufe der Zeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass das "stimmenweise" Üben, wie ich es nenne, vertikal und horizontal hören und spielen zu lernen, das harmonische Gerüst, den roten Faden zu spielen, von ganz allein zu einem klanglich differenzierten und ausdrucksvollen Spiel führen. Weil der Schüler die musikalischen Strukturen eines Stücks durch sein Üben, durch diese und weitere Übestrategien hören, erfahren und spielen lernt. So versteht er diese Strukturen und damit die musikalische Aussage des Stücks - weil er von Anfang an so übt. Mein eigenes Üben hat sich ebenso verbessert und großen Anteil daran hat meine letzte Hochschulprofessorin an der Musikhochschule Detmold, der ich sehr, sehr dankbar bin!

Der andere wichtige Punkt besteht in der Kommunikation im Unterricht. Ich kommuniziere aus meiner Sicht viel klarer nicht nur im Unterricht und das liegt an meiner intensiven Beschäftigung mit dem Thema, wozu auch das Gordon-Modell gehört. Ich habe im Laufe der Zeit gelernt, in mich hineinzuhören und weiß im Unterricht, was ich möchte und fühle. Diese Klarheit ist für mich die Voraussetzung, dem Schüler aufmerksam, wertschätzend und freundlich zu begegnen. Ich wüsste übrigens nicht, dass ich jemals in meinem Leben über meine Schüler gespottet hätte - das ist für mich ein Zeichen, dass im Hintergrund verborgene Konflikte oder Emotionen existieren, die nicht ausgesprochen wurden. Wenn man eine Haltung der Wertschätzung und Annahme nach Carl Rogers entwickelt hat (ich arbeite immer noch daran!), kann man so etwas nicht mehr tun!

So gab es früher mehrere Male, in denen ich nicht wusste, was zu tun sei mit einem Schüler. Ich hatte diese Klarheit nicht. Manchmal fehlte mir auch das methodische Handwerkszeug, um flexibel und individuell auf Situationen zu reagieren. Und so haben Schüler aufgehört mit dem Unterricht, bei denen ich heute anders agieren würde. Es kann sein, dass sie auch heute aufhören würden, aber damals hatte ich ein Gefühl von Unklarheit, Unsicherheit und Ratlosigkeit. Das war sehr unangenehm.

Mal sehen, wohin die Reise noch geht. Defizite sehe ich heute vor allem im Bereich der Improvisation. Ich habe immer selbst vor mich hinimprovisiert, weil mir das Spaß gemacht hat. Ich habe auch Fortbildungen zu diesem Thema gemacht und improvisiere mit meinen Schülern gern bzw. lasse sie improvisieren. Leider wurde Improvisation im Gegensatz zu heute damals nicht an Hochschulen unterrichtet. Der Improvisation wurde eher abschätzig begegnet. Deshalb könnte ich auch heute leider keine Schüler wirklich in Improvisation unterrichten.

Außerdem sehe ich noch Defizite im Bereich Satztechniken und Kontrapunkt, speziell im Barock. Blues und Jazz sind ebenfalls deutlich ausbaufähig, aber da weiß ich noch nicht, ob ich dazu überhaupt Lust habe. :003:
Es bleibt also spannend! Jetzt sind erst mal Ferien! :chr01:

Liebe Grüße

chiarina
 
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Demian

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Ich wäre sehr glücklich, wenn hier im Forum der fachliche Austausch von Klavierlehrern und anderen wesentlich intensiviert würde! Es muss meiner Meinung nach aber gewährleistet sein, dass dabei streng moderiert wird und niemand in die Pfanne gehauen wird. Es sollte ein Miteinander und kein Gegeneinander sein.
Vielleicht ist es sogar sinnvoll, ein Unterforum für Anfänger:innen des Klavierunterrichts einzurichten, wo besonders auf diesen „Welpenschutz“ geachtet wird.
 
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Perdita

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Im Laufe der Zeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass das "stimmenweise" Üben, wie ich es nenne, vertikal und horizontal hören und spielen zu lernen, das harmonische Gerüst, den roten Faden zu spielen, von ganz allein zu einem klanglich differenzierten und ausdrucksvollen Spiel führen.
Magst Du diesen Punkt bei Gelegenheit etwas weiter ausführen? Stimmenweises Üben ist zB. wahrscheinlich ja gerade nicht gleichbedeutend mit "jede Hand einzeln üben", zumal man manchmal mit einer Hand mehrere Stimmen spielt ...
 
chiarina

chiarina

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Magst Du diesen Punkt bei Gelegenheit etwas weiter ausführen? Stimmenweises Üben ist zB. wahrscheinlich ja gerade nicht gleichbedeutend mit "jede Hand einzeln üben", zumal man manchmal mit einer Hand mehrere Stimmen spielt ...
Liebe Perdita,

ich habe diese Punkte in diesem Beitrag auf meiner Website beschrieben: "Ein neues Klavierstück: üben - hören - entdecken". Falls du ihn noch nicht kennst. Dieser Artikel liegt mir besonders am Herzen und seine Verlinkung spart mir hier eine Menge Arbeit, denn es ist ein sehr umfangreiches Thema. :002:

Tatsächlich ist "stimmenweise üben" nur dann gleichbedeutend mit "einzeln üben", wenn nur zwei Stimmen genau auf links und rechts verteilt sind. Sehr oft ist es anders: eine Hand spielt zwei Stimmen oder eine Stimme ist auf zwei Hände verteilt ... .

Was sagte Matthias Kirschnereit, Professor an der Musikhochschule Detmold, bei einem Meisterkurs so schön:
Er meinte damit u.a., orchestral/instrumentiert zu denken und zu hören sowie so manche Eigenschaften unseres Instruments, die dem Singen entgegen stehen (Ton wird nach dem Anschlag leiser und lässt sich nicht direkt mehr klanglich und dynamisch beeinflussen), mit unserem inneren Ohr zu überwinden.
:003:

Liebe Grüße

chiarina
 
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Immer wenn eine befreundete Klavier Pädagogin, oder sagen wir, angehende (denn es ist schon lange her) da war, ließ ich sie meine Schüler betreuen. Ich schaute fernab zu und beobachtete.
Unbezahlbar! Perspektivwechsel. Der Schüler muss ja im Grunde auch eine ganz andere Person sein bzw. nimmt eine andere Stellung ein und interagiert anders.

Das verkehrt viele Parameter.

Leider kann das jetzt nicht mehr stattfinden.

Ich dachte auch oft an Jointventures. Profis haben oft Schwerpunkt auf Technik und Skills, aber auch genau so ist eklatante menschliche Besonderheiten und zwischenmenschliches Untalent, was gepaart mit pädagogischer Minderbemittelung eine toxische Mischung ergibt.

Nicht mal nähere Freunde kann man "gefahrlos" fragen nach "hier du ich hab da folgende Situation mit Schüler xy. Hab schon alles probiert, aber ich komm da nicht weiter", ohne einen ausgewachsenen Gegendschlag und das Absprechen jedweder Expertise zu erwarten.

Jeder ist doch anders profiliert, hat thematische Schwerpunkte, Schwächen etc.

Letztere würde eine Stärke könnte man sie sich einfach mal getrost eingestehen und eine zweite Meinung einholen.

Im Gegenteil davon würden alle profitieren.

Ein Kollege unterrichtet seit corona nicht mehr. Hätte mich fragen können, ich wäre gerne eingesprungen. Macht man aber nicht.

So verliert er eine ganze Generation, was den Profi egal ist. Mir, dem romantischen Idealisten nicht, aber petz mal einem Profi ins Horn.

Ich hatte mir während dem Studium mal eine Dirigentenstelle mit einem Kommilitonen geteilt. War eine super Synergie. Ich hab den aus dem Hut, Hörkram, komm wir improvisieren, phantasieren Part gemacht. Er das "pikfeine Dirigat mit Stöckchen".

Nachher kamen fast alle immer erst zur zweiten Hälfte, weil keiner Bock auf mich hatte... Aber das ist eine andere Geschichte.

Den Ruf als Weltfremder hatte man eh weg, was ich aber in dem Metier eher förderlich denn hindernd finde.

Jedenfalls, ja... Bei "uns hier" überlebte sich die kristalline Form der Kleinstaaterei in höchster Ausprägung.

Wenn man Geschichten aus Profi Orchestern glauben schenken mag... ein ekelhaftes Widereinander.

Wie sie alle offenherzig und beseelt miteinander, durch einander und eins sind in der Musik...

Eine Farce. Aber hey... Ist ja nur ein unterbezahlter Knochenjob. Quasi Fightclub.

Und lieber kratze ich dem Nächsten die Augen aus statt vor ihr eine Schwäche zuzugeben.

Schade und sehr traurig.

Danke chiarina für den thread.
(habe nur den Eingangspost gelesen.)
 
P

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Piano_Fred

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@chiarina Alle Daumen hoch für Deine inspirierenden Gedanken, das spricht sehr für Dich als Lehrerin! Auch wenn ich beim Klavier gerade mal die Kinderschuhe angezogen habe, sind mir im Laufe des Gitarrenlebens schon viele Eigenarten bei Unterrichtenden aufgefallen, damit könnte man Bücher füllen. Zugegebenermaßen sind Gitarristen bzw. Gitarrenlehrer aber - meiner evtl. etwas eingeengten Wahenehmung nach - häufiger eine Kombination von nerdigem Narzissmus bei gleichzeitig völliger Erfolglosigkeit im realen Leben, als Pianisten. Bei Letzteren sehe ich bei vielen Lehrern durchaus vorzeigbare Karrieren im Lebenslauf, statt Höhepunkte wie "2002 - legendärer Blues-Gig in Uschi's Kneipe". :005:
 
 

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