Einschätzung "machbarer" Stücke durch den Lehrer

  • Ersteller des Themas ChristineK
  • Erstellungsdatum
ChristineK

ChristineK

Dabei seit
12. Nov. 2010
Beiträge
1.452
Reaktionen
1.752
Hallo zusammen,

ich frage das jetzt mal gezielt in die Klavierlehrer-Runde... Also, ich bespreche die Stückauswahl und meine "Wunsch-Stücke" ja immer mit meiner Lehrerin. Manchmal bin ich dann überrascht, wenn ein (nach meiner Einschätzung noch in weiter Ferne liegendes) Stück wie das Chopin Nocturne 72/1 angegangen wird, und ich es auch einigermaßen gut hinbekomme. Dann werden aber andere Stücke wie Schuberts Impromptu 899, Op. 90/4 als noch viel zu schwer eingestuft (was mir vom Hören her durchaus einleuchtet). Dann wieder soll ich mir aber Chopins Etüde Opus 10/9 schonmal kopieren (und ich dachte, Chopin Etüden lägen für mich in diesem Leben generell außerhalb des Machbaren!). Hierzu sagte sie erklärend, dass Chopin immer auch ganz wunderbar langsamer gespielt und die Etüde daher durchaus in absehbarer Zukunft angegangen werden könnte.

Nun kann ich vom Hören her ja die Stücke selbst nicht einstufen und vertraue daher auf ihre Einschätzung. Bisher lag sie auch immer insofern richtig, da ich alle Stücke, die sie vorschlug, auch bewältigen konnte.

Es geht mir hier nicht um die - überstrapazierte - Frage "was kann ich als Amateur noch erreichen". Was mich interessieren würde, ist, wonach/wie trifft denn ein Klavierlehrer die eine oder andere Einschätzung der "Machbarkeit"? Erfahrung, klar. Aber sie kommt mir manchmal doch etwas willkürlich vor?
 
Barratt

Barratt

Lernend
Dabei seit
14. Juli 2013
Beiträge
11.443
Reaktionen
16.778
Dann wieder soll ich mir aber Chopins Etüde Opus 10/9 schonmal kopieren



Leider hat meine KL noch nicht diese SUPERGEILE Etüde nahegelegt. Aber wenn man Dir das zutraut, schon mal Gratulation. :super: Meine KL kann mich nach mehr als anderthalb Jahren sehr gut einschätzen.

Bisher lag sie auch immer insofern richtig, da ich alle Stücke, die sie vorschlug, auch bewältigen konnte.

Ist doch super - hast ja nix zu verlieren! Wenn Du sie im ersten Durchgang "nur" langsam lernst, holst Du sie halt nach einem Jahr wieder vor und spielst sie schneller. :-)
 
Troubadix

Troubadix

Dorfpolizist
Dabei seit
3. Mai 2011
Beiträge
2.518
Reaktionen
2.502
Hierzu sagte sie erklärend, dass Chopin immer auch ganz wunderbar langsamer gespielt und die Etüde daher durchaus in absehbarer Zukunft angegangen werden könnte.

Das kann man so pauschal nicht sagen, aber im Falle dieser Etüde würde ich zustimmen. Im langsameren Tempo wird aus der Konzert-Etüde ein recht schönes und machbares Nocturne.

Viele Grüße!
 
fisherman

fisherman

Dabei seit
3. Dez. 2007
Beiträge
21.114
Reaktionen
9.221
Stimmt schon, zum Glück, aber das heißt nicht, dass ich sie in irgendeiner Weise nachvollziehen konnte...
Akzeptiere es einfach als den Unterschied zwischen Meister und Lehrling.

Nachtrag: Ich bin sicher, dass Dein KL Dir "in etwa" erklären kann, worauf er achtet.
 
Zuletzt bearbeitet:
cwtoons

cwtoons

Dabei seit
28. Apr. 2011
Beiträge
8.758
Reaktionen
6.898
Eine einfache und eigentlich ganz naheliegende Methode wäre es, die Lehrerin einfach 'mal zu fragen, nach welchen Kriterien sie ihre bisher so geglückte Auswahl getroffen hat.

CW
 
R

Rubato

Guest
Also, ich verstehe die Frage gar nicht. Als Führungskraft muss ich einschätzen können, wer von meinen Mitarbeitern eine bestimmte Aufgabe in Zeit, Kosten, Qualität bewältigen kann, bzw welche Mitarbeiter mit welchen Teilaufgaben das Problem gemeinsam lösen. Wenn nicht, bin ich fehl am Platz. Als Kompanieführer muss ich wissen, welche meiner Soldaten welche Aufgabe angemessen hinbekommen. Wenn nicht, bin ich ganz schnell auch mal tot. Als Lehrer weiss ich nach kurzer Zeit, welchem meiner Schüler ich was zutrauen kann, und meistens wird das auch stimmen, plötzliche Entwicklungsschritte sind dann eine angenehme Überraschung. Der Klavierlehrer, der das nicht kann, sollte eben aufhören. Aber ob jeder von den vorgenannten immer auf einem Blatt Papier ganz genau seine Denkstrukturen und Entscheidungswege begründen könnte ? Wohl kaum.
 
ChristineK

ChristineK

Dabei seit
12. Nov. 2010
Beiträge
1.452
Reaktionen
1.752
Ich werd sie wirklich mal fragen. Mir kam halt einfach in diesem konkreten Fall der oben genannten Stücke die Chopin Etüde dermaßen deutlich schwerer vor als das Schubert Impromptu, welches ich (im Gegensatz zu Chopin Etüden) schon diverse mittelmäßige Klavierspieler habe verhackstücken hören. Drum schien mir ihr Vorschlag jetzt nicht so naheliegend, oder nachvollziehbar. Vermutlich erkennt sie aber in mir bestimmte technische Fähigkeiten oder Defizite, die ihr das eine oder andere Stück eben machbarer erscheinen lassen. Ich geb dir recht, Rubato, wenn sie sowas nicht einschätzen könnte, wäre sie vermutlich keine besonders tolle Lehrerin.
 

fisherman

fisherman

Dabei seit
3. Dez. 2007
Beiträge
21.114
Reaktionen
9.221
Ich geb dir recht, Rubato, wenn sie sowas nicht einschätzen könnte, wäre sie vermutlich keine besonders tolle Lehrerin.
Das Problem ist, dass sie nicht das Stück, sondern D9ch einschätzen muss, mita llen Facetten. das ist mit Sicherheit alles andere als einfach! Ich liege heute immer noch mit meinen Einschätzungen FÜR MICH selbst daneben. Was mir leicht erscheint, ist oft zu schwer und umgekehrt.
 
R

Rubato

Guest
Das Problem ist, dass sie nicht das Stück, sondern D9ch einschätzen muss, mita llen Facetten. das ist mit Sicherheit alles andere als einfach! Ich liege heute immer noch mit meinen Einschätzungen FÜR MICH selbst daneben. Was mir leicht erscheint, ist oft zu schwer und umgekehrt.
Das liegt aber m.E. doch eher daran, dass Du die jeweiligen speziellen Anforderungen und Schwierigkeiten der Stücke nicht so ohne weiteres erkennen kannst. Ein Klavierstudium und tausende Stunden Übeerfahrung machen da dann den entscheidenden Unterschied aus.
 
F

firehorse

Guest
Frohes neues Jahr euch
Mal ne frage: suchen die Kl denn immer die Stücke für ihre Schüler raus ?
Habe seit ca 1 jahr unterricht und meine kl hatte mir nur von Einaudi Primavera und von Tiersen comptine du autre été (hoffe so ist das richtig) ausgesucht. Die anderen Stücke habe ich immer allein gelernt und dann vorgespielt wenn ich sie recht ordentlich konnte. Oder ist von sowas eher abzuraten?
 
ChristineK

ChristineK

Dabei seit
12. Nov. 2010
Beiträge
1.452
Reaktionen
1.752
Vorsicht: Wenn deine Lehrerin dir Einaudi und Tiersen vorgeschlagen hat, wird sie hier virtuell gesteinigt.... ;-)

Ansonsten diskutiere ich zwar Wünsche mit meiner Lehrerin, aber ich würde mit einem Stück nicht von selbst loslegen und zu lange selber daran rumwurschteln, denn ich habe ja Unterricht, um was zu lernen. Also das heißt, wir machen es abschnittsweise (die Stücke haben ja teilweise auch mehrere Seiten), besprechen Fingersätze und mögliche Übetechniken für knifflige Passagen und erarbeiten sie dann einigermaßen intensiv über mehrere Wochen. D.h. es gibt jede Woche was zu besprechen/zu lernen, z.B. die Dynamik/muskalische Gestaltung, bis ich dann - am Ende - das Stück hoffentlich ordentlich kann. Ich vermute mal, das ist eher das übliche Verfahren?
 
40er

40er

Dabei seit
9. Jan. 2013
Beiträge
4.172
Reaktionen
2.578
Ich vermute mal, das ist eher das übliche Verfahren?

Ja, das Verfahren kenne ich gut. Ich schlage aber auch meiner KL Stücke vor, die dann entweder wohlwollend bejaht werden, kritisch beäugt werden, oder kategorisch als noch zu schwer abgelehnt werden.

Allerdings hat sie mir vor kurzer Zeit ein Stück vorgeschlagen (Valse 64.2 v. Chopin), dass sie selbst sehr leicht zum Erlernen findet, mich selbst aber hoffnungslos überfordert hat. :konfus:
 

Similar threads

 

Top Bottom