Die Entdeckung der Langsamkeit: "Doxy" (Sonny Rollins)

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Tastenjunkie

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Liebe Clavioten,

Hier kommt mal wieder eine Piano-Solo-Einspielung von mir.

"Doxy" kannte ich bisher nur als Session-Nummer, bei der sich die Alt-Herren-Swing-Fraktion in "Medium-Up-Tempo" am Schrabbel-Saxophon auslebt. Damit war es für mich als Freund der leisen, subtilen Töne nicht wirklich anziehend.

Im Frühjahr war ich bei einem Konzert des phantastischen Fred-Hersch-Trios. Als letzte von mehreren Zugaben kam Doxy, und ich war hin und weg, der perfekte lyrisch-bluesige Late-Night-Closer. Ich konnte das Stück vom Hören aber nicht erkennen. Es wurde sehr langsam gespielt. Beim CD-Signieren hinterher fragte ich den Meister und er klärte mich auf, dass es "Doxy" war.

So oder so ähnlich wollte ich es im Rahmen meiner Möglichkeiten auch spielen.

Hat dann noch ein paar Monate gedauert, bis ich es drauf hatte und eine ordentliche Aufnahme gelungen ist.

Hier ist also "Doxy":

https://soundcloud.com/tj76/doxy-sonny-rollins-solo-piano

Viel Freude und gerne kritische Anmerkungen!

TJ
 
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Michael S.

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Sehr schön. Ein wunderbares Stück.
Und hervorragend Interpretiert.
 
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tilo

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Hallo Tastenjunkie,

vorne weg: super Einspielung!

Die Klangmalereien im Intro machen Sinn und gefallen. Klasse.
Kennst Du die Version die im Thema auf die 3 im ersten Takt A13(b9) nimmt?

16037-1805091ab673812806a818d2cd98c580.jpg

Diese Akkorde haben etwas mehr "Biss".


Auch die folgende Stelle könnte man etwas anders spielen -->

16038-f51abdf27ecb8ed650fd5a842c64b877.jpg

Das alles natürlich nur als Anregung ...
 
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Michael S.

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Hallo Tastenjunkie.
Ehrlich gesagt finde ich deine Aufnahme ziemlich genial. Weiter so!
 
Tastenjunkie

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Danke!

Normalerweise, wenn hier bei Clavio irgendetwas normalsterbliches als "genial" bezeichnet wird, grätscht hasenbein sofort dazwischen und macht Begriffsklärung...

Ich als Nicht-Genie freue mich natürlich sehr, wenn die Einspielung für mehr als "ok" bzw. "ganz nett" befunden wird. Auch das nicht geniale blinde Huhn findet mal ein Korn....

LG

TJ
 
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Michael S.

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Gerne.
Ich möchte es dann doch etwas genauer sagen: Die Phrasierung der Melodie ist äußerst differenziert, eine sehr schöne Begleitstimme der linken Hand und beide Hände sind klanglich gut ausbalanciert. Es war mit Sicherheit viel Arbeit "Doxy" so genau zu üben.
Und schließlich: es macht spass zu hören. Was nicht unerheblich bei Musik ist :)

Doch ein kleine Tipp: Manchmal kommt es mir so vor, als ob du den Groove noch etwas genauer beachten könntest. Wenn dein "laid back" aber beabsichtig ist nehme ich alles wieder zurück. Beispiel: zwischen 1.37 min und 1.46 min.

LG.
 
Tastenjunkie

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Gerne.
Ich möchte es dann doch etwas genauer sagen: Die Phrasierung der Melodie ist äußerst differenziert, eine sehr schöne Begleitstimme der linken Hand und beide Hände sind klanglich gut ausbalanciert. Es war mit Sicherheit viel Arbeit "Doxy" so genau zu üben.
Und schließlich: es macht spass zu hören. Was nicht unerheblich bei Musik ist :)

Doch ein kleine Tipp: Manchmal kommt es mir so vor, als ob du den Groove noch etwas genauer beachten könntest. Wenn dein "laid back" aber beabsichtig ist nehme ich alles wieder zurück. Beispiel: zwischen 1.37 min und 1.46 min.

LG.
Ab 1:37 ist der Übergang vom 2. A-Teil zum B-Teil tatsächlich nicht richtig in time, das stimmt. Ich ziehe das Tempo während 1 bis 2 Takten an, das fällt auf und stört etwas. War nicht beabsichtigt und kann auch nicht mit Laid-Back entschuldigt werden. Solche Schnitzer hab ich leider häufig drin....
 
Holger

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Gefällt mir sehr gut. Ich bin sowieso einer deiner Follower auf SoundCloud
 
Annaklena

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So habe ich Doxy wirklich noch nie gehört. Super! Auch wenn mich das "Schrabbelsaxophon" etwas gestört hat, weil ich selbst Saxophon spiele und das überhaupt nicht "schrabbelig" finde. ;) Aber ich weiß, wie Du es meinst. Es ist eine Bebob-Nummer, und das ist auch überhaupt nicht mein Ding. Deshalb habe ich Doxy auch noch nie gespielt. Aber jetzt überlege ich mir, ob ich es nicht auch mal so langsam versuchen soll. Das klngt bestimmt auch auf dem Sax gut. :super:
 

hasenbein

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"Doxy" ist keine Bebop-Nummer.

Sondern ein frühes typisches Beispiel einer Hardbop-Nummer. Erkennbar u.a. an der aus der Gospel-Richtung kommenden Harmoniefolge ("The Preacher" oder "Sermonette" wären andere Beispiele dafür) bei gleichzeitig reduzierter und blues-orientierter, "erdiger" und "funky" Machart.

Wem Bebop (noch) zu hektisch und zu intellektuell-undurchschaubar ist, wird im Hardbop sicherlich mehr finden, was ihm zusagt. Die Groovy-Fingerschnipp-Tunes von Horace Silver seien als Tipp genannt. (Er hat auch Bebopstücke geschrieben, wie z.B. "Quicksilver" oder "Room 608".)

Der Name von "Doxy" kommt übrigens von Doxycyclin, einem Antibiotikum, das Sonny Rollins damals gerade einnehmen musste. (Wirklich! Genauso wie "Oleo" nach einer Margarine namens "Oleomargarine" benannt ist, die damals offenbar gerne gegessen wurde. Beispiele der im Jazzbereich gerne verwendeten "Throwaway names", auch "Room 608" oder "Let's Call This" [Monk] gehören dazu.)

LG,
Hasenbein
 
Steinbock44

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Hut ab, ein guter Beitrag von Hasi. Ich selbst bin grosser Jazz Liebhaber und solche Beiträge finde ich gut und lehrreich.
 
Annaklena

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"Doxy" ist keine Bebop-Nummer.
Sondern ein frühes typisches Beispiel einer Hardbop-Nummer.
Hardbop IST Bebop, Hasenbein. ;) Für mich als Saxophonistin jedenfalls. ;) Aber jeder kann eine andere Meinung haben, ich bin da nicht starrköpfig. ;)

Aber Du hast wirklich eine Art, einem den Spaß an allem zu verderben, was man gut finden könnte ... Muss irgendwie ein Talent sein. Oder man nennt es einfach Rechthaberei. :-DKannst Du nicht einfach die Dinge mal so stehen lassen, wie sie sind? Musst Du immer raushängen lassen, dass Du alles besser weißt? Wen interessiert das? Menschen, die sich so verhalten, sind keine angenehmen Menschen.

Lass doch mal fünf geradesein. Mein Beitrag bezog sich auf etwas ganz anderes. Ob Bebop oder Hardbop ist völlig uninteressant und unwichtig. Aber darauf bist Du gar nicht eingegangen. Denn daran konntest Du nicht rummeckern. Oder Du hast es einfach nicht verstanden.

*kopfschüttel*

Es geht hier darum, dass ein Stück, das normalerweise sehr schnell gespielt wird (egal, wie man das nennt, das ist völlig nebensächlich), langsam gespielt wird und dadurch ganz anders wirkt. Dass man Gefallen daran findet. An genau diesem Stück, nicht an einer allgemeinen Musikrichtung (wie auch immer man die nennt. Das ist wieder völlig unwichtig). Man braucht nicht für alles und jedes Etiketten. Manchmal will man die Musik einfach nur genießen, ohne irgendetwas darüber zu wissen. Musik ist nämlich Gefühl und nicht Musiktheorie oder sonst irgendetwas. Nur mit Theorie ist Musik nichts. Mit Gefühl ist Musik alles. Und das ist das Stück hier, so wie es hier gespielt wird: Gefühl.

Darum geht es, nicht um irgendwelche Bezeichnungen. Aber ich habe das Gefühl, Du kannst Musik überhaupt nicht genießen, Du musst sie immer analysieren oder andere darüber belehren. Furchtbar.
 
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hasenbein

hasenbein

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Die Genres waren nie wirklich getrennt. Die Musiker haben immer einfach modernen Jazz gespielt, der halt mal mehr so und mal so klang.

Dennoch unterscheidet sich der Bop zwischen 1945 und 1950 ganz deutlich hörbar von dem, was typischerweise zwischen 1954 und Anfang der 60er von den "jungen Wilden" der amerikanischen Ostküste gemacht wurde. Und es gibt Stücke, die sich eindeutig dem einen oder anderen zuordnen lassen: "Anthropology" oder auch "Constellation" sind prototypische Vertreter des älteren Bebop-Stils, "Moanin'" oder viele Horace-Silver-Nummern hingegen Stücke, die Ende der 40er Jahre nicht denkbar waren und daher berechtigterweise einem neuen Stil zugeordnet werden.

Die Charlie-Parker-Nummer "My Little Suede Shoes" ist übrigens, obwohl Parker ja DER Bebop-Saxophonist schlechthin war und sonst lauter Bebop-Nummern geschrieben hat, eine stilistische Ausnahme (sollte daher keinesfalls als Bebop-Stück bezeichnet werden!) und weist voraus auf die "Karibik"-Nummern, die so typisch für Sonny Rollins werden sollten ("St. Thomas").
 
Tastenjunkie

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@hasenbein : Du musst niemandem etwas beweisen !
 
hasenbein

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Darum geht es, nicht um irgendwelche Bezeichnungen. Aber ich habe das Gefühl, Du kannst Musik überhaupt nicht genießen, Du musst sie immer analysieren oder andere darüber belehren. Furchtbar.
Liegt es am Wetter, oder warum wird hier heute so viel kompletter Unsinn geschrieben?

Ich habe überhaupt GAR nichts kritisiert, nichts beurteilt etc., sondern lediglich, nachdem Annaklena das mit der "Bebob"(sic)-Nummer geschrieben habe, ein paar ergänzende und richtigstellende Informationen zu Stilbegriffen und historischen Einordnungen gegeben, von denen ich dachte, sie könnten für den einen oder anderen ganz interessant sein und zu eigenen Recherchen und Hörerfahrungen anregen.

Wenn einen so was nicht interessiert (ich fand so was schon immer interessant), dann sagt man "so what", und fertig. Aber darüber beleidigt zu sein und "sich den Spaß dadurch nehmen zu lassen", ist eine - sorry - etwas absurde und völlig unangemessene Reaktion.

Mir - und ebenso jedem kompetenten Musiker - käme es niemals in den Sinn, zu befürchten, dass ein zusätzliches Wissen über Musik oder musikhistorische Zusammenhänge mir den Spaß oder Genuss von Musik nehmen könnte. Das scheint mir eher eine typische Angst derjenigen zu sein, denen "Theorie" schon immer suspekt war, weil sie durch bestimmte Erlebnisse mit Eltern oder Lehrern das Gefühl erlernt haben, "Theorie sei halt nichts für sie". Oder die glauben, Musik müsse stets "ganz aus dem Gefühl kommen".
 
fisherman

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@Tastenjunkie
Chapeau! Tiefe Verbeugung!
 
 

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