D-Kirchenmusik-Prüfung in München

Dieses Thema im Forum "Orgel-Forum" wurde erstellt von Mia, 24. Apr. 2009.

  1. Mia
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    Mia

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    Hallo in die Runde,

    nun habe ich es endlich mal geschafft, mich beim hiesigen Amt für Kirchenmusik nach der D- bzw. C-Prüfung für angehende Organisten zu erkundigen.
    Ich bekomme auch prompt Post, aber nun bin ich erstmal ziemlich desillusioniert...

    Mindestanforderungen - so steht da - ca. 2 Jahre Klavierunterricht (ok, die habe ich längst... wenn's auch schon ein paar Jährchen her ist), und: eine entwicklungsfähige Singstimme (Mitgliedschaft in einem Chor ist dringend erwünscht!)!

    Ich bin in keinem Chor; war zwar als Schülerin mal 2-3 Jahre in einem drin, aber seitdem habe ich nur noch laut im Auto bzw. unter der Dusche gesungen ;-))
    Heißt das jetzt, dass ich keine Chance habe, für die Ausbildung zugelassen zu werden?
    Wie ist das bei euch; seid ihr auch alle im Chor (oder dirigiert einen solchen sogar... ich weiß wirklich nicht, ob ich das je könnte!!)?

    Die Ausbildung soll 3 Jahre dauern, mit einer Probezeit von 6 Monaten. Je Unterrichtsstunde sind 15,- Euronen zu entrichten.

    Ach ja, und wie sind die "Kleinen Präludien und Fugen" von J.S. Bach? Gibt es die evtl. komplett in einem Heft? Bitte entschuldigt die vielleicht dummen Fragen; aber ich spiele ja bis jetzt nur privat und zur eigenen Erbauung Klavier... ;-)

    Bitte lasst mich eure Meinung zu dieser Ausbildung wissen!

    LG,
    Mia
     
  2. Atra
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    Atra

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    8 kleine P+F gibt es in einem Heft.
    Zur Ausbildung gehört natürlich auch wöchentlicher Orgelunterricht. Hier in Westfalen werden 8 kl. P+F eigentlich als Vorraussetzung für den C-Kurs. Mittlerweile werden aber auch echte Orgelanfänger für den C-Kurs zugelassen - die haben es aber richtig schwer.
    Desweiteren Gesangsunterricht - bei uns wöchentlich.
    Dazu kam jede Woche 4-8h Theorie: Tonsatz, Gehörbildung, Liturgie, Orgelkunde etc.

    Während der Ausbildungszeit muss man in einem Chor singen (der von einem hauptamtlichen Kirchenmusiker geleitet wird).

    Ich zahlte seinerzeit pro Monat einen Pauschalbetrag an die Landeskirche und die wiederum bezahlte die einzelnen Lehrer, die mit der Landeskirche abrechneten.

    C-Kurs ist kein Spaziergang - das sag ich Dir gleich, ohne Dich desillusionieren zu wollen.

    LG Atra
     
  3. Mia
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    Mia

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    Danke für deine Antwort, Atra. Wenn ich mir das so ansehe, werde ich diese Ausbildung wohl noch um 2 Jahre verschieben (auch wenn sie dann - sehr wahrscheinlich - wieder teurer wird), jedenfalls so lange, bis ich mit meinem Fernstudium fertig bin. Die Ausbildung scheint ja wirklich anstrengend und zeitaufwändig zu sein (wenn man nicht schon beruflich mit Musik zu tun hat und da besser bewandert ist als ich...).

    Warum gibt es denn noch diese Unterscheidung zwischen D- und C-Prüfung?
     
  4. Mindenblues
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    Mindenblues

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    Mia, ich kann nur für die Anforderungen des letzten C-Kurses entsprechend der Prüfungsordnung von Westfalen sprechen, da ich den mitegemacht habe. Hier ist es so, dass man sich entscheidet, ob man den C-Schein erwerben möchte für
    a) Orgelspiel
    b) Chorleitung
    c) Bläserspiel

    Die Varianten a)-c) können in beliebiger Kombination, einzeln, oder zusammen gewählt werden. Für Chorleitung ist die Mitgliedschaft in (mindestens) einem Kantoreichor erforderlich, für Orgelspiel jedoch NICHT!
    Dies bedeutet, wenn du z.B. nur Orgelspiel wählst, brauchst du nicht in einem Chor mitzusingen.

    Viele von unserem C-Kurs, ich auch (zumindest erst ein paar Monate vor Kursbeginn), haben erst mit dem C-Kurs mit Orgelspiel angefangen, demzufolge sind auch keine Orgelvorkenntnisse Voraussetzung. Nach Aussage von meinem Kreiskantor wurde das in allen C-Kursen vorher hier auch so gehandhabt, und zwar bei den meisten mit Erfolg. Ein Stück von den 8 kleinen P&Fs ist genau das richtige für die Aufnahmeprüfung, (ich hatte das C-Dur P&F gewählt, aber selbst nur das Präludium daraus hätte auch gereicht).

    Alternativ kannst du aber auch Klavier spielen für die Aufnahmeprüfung. Z.B. eine ordentlich gespielte Bach-Invention sowie ein Stück aus den Kinderszenen von Schumann (nur um mal ein Beispiel zu nennen), ist völlig ausreichend.

    Und wenn du bzgl. Gehörbildung am Anfang einen Dur-Grunddreiklang von einem Moll-Dreiklang unterscheiden kannst, reicht das auch schon aus.

    Ich kann nur sagen, mir hat der Kurs viel Spaß gemacht, ich habe eine Menge gelernt (z.B. die Einsicht, dass mir Chorleitung nicht so liegt, habe aber auch durch den Tonsatzunterricht Freude am Komponieren gefunden) und kann dich nur ermutigen, ebenfalls einen C-Kurs mitzumachen.

    Bzgl. Orgelspiel solltest du dich allerdings als Anfänger darauf einstellen, möglichst mehrmals in der Woche, wenn nicht gar täglich, zu üben in dieser Kurszeit.

    Ein paar Leute aus unserem Kurs haben nach der C-Kurszeit gemerkt, dass sie vermutlich die Orgelprüfung nicht packen bzw. sind dort durchgefallen. Aber man kann auf Antrag die Orgelprüfung verschieben, um bis zu einem Jahr. Also ich würde an die Sache auf jeden Fall optimistisch rangehen!!!

    Noch eine Sache: weiß nicht, wie alt du bist, Mia. Ich habe jedenfalls gemerkt, dass ich mit Mitte Vierzig der älteste Sack beim C-Kurs war, die meisten waren Teenager zwischen 16 und 18 Jahren. Das hatte mich am Anfang erst etwas irritiert, aber im Laufe der 2 Jahre sind wir wirklich zu einem Haufen zusammengewachsen, und ich möchte die Zeit mit den Jugendlichen nicht missen. Es hat auch viel Spaß gemacht.

    Und ich empfinde schon, dass der C-Kurs ein Spaziergang ist - allerdings ein langer Spaziergang, der bergauf führt und man die Chance hat, viel zu sehen. Solange man mit dem Herzen dabei ist, und die Sache nicht lieblos nimmt, geht man spazieren!
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 25. Apr. 2009
  5. Axel
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    Axel

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    Hallo Mia,

    ein verlässliche Quelle sind Kirchenmusiker, die im Kurs unterrichten oder Regionalkantoren.

    Die Anforderungen sind sehr unterschiedlich, je nach Landeskirche oder Bistum, allgemein ist schwer etwas dazu zu sagen.

    Auch da kommt es sehr auf einzelne Personen an. Als ich zuletzt einen C-Kurs in Tonsatz und Impro unterrichtet habe, gab es mehrere kleine Tonsatzkurse, aber kaum verbindliche Vorgaben und keinen Kontakt der Dozenten untereinander. Keine Ahnung, was die Kollegen gemacht haben, ich habe meine Leute richtig arbeiten lassen. Die konnten nachher einen Choral aus dem Gesangbuch abspielen.

    D ist mit geringeren Anforderungen als C. Manchmal lassen sich Orgel und Chorleitung gesondert absolvieren, insbesondere bei D. Wenn Du nur Orgel spielen willst, wäre das etwas oder wenn Du an einer Dorfkirche spielst, wo es keinen Chor gibt.

    Bzgl. Singen solltest Du keinen Stimmschaden haben und einigermaßen Töne treffen. Meistens wird ein Choral in der Aufnahmeprüfung verlangt oder ein Volkslied.

    Chorsingen während der Ausbildung ist meist Pflicht und macht auch Sinn, v. a. wenn Du Chorleitung mitmachst. Es wäre ein Unding, wenn jemand eine Chorleiterprüfung macht und selbst nie in einem Chor gesungen hat.

    Viele Grüße
    Axel
     
  6. Atra
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    Atra

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    Ich frage mich, wie man was aus 8 kleine P+F zur Aufnahmeprüfung vorspielen will, wenn man erst mit dem C-Kurs mit dem Orgelspiel beginnt? *grübel*

    Bei mir war es in der Aufnahmeprüfung so (2002), dass man zwingend 1 Orgelstück (ich hatte C-Dur P+F aus den 8 kleinen gewählt) gewählt, sowie 2 Choräle (mit Pedal) vorspielen musste, ausserdem 1 Bachinvention (eine 3 stimmige reichte), ausserdem noch 2 weitere Stücke (auf dem Niveau der Wiener Sonatinen z.b.) aus 2 anderen Epochen auf dem Klavier. die Alternative ohne Orgelvorkenntnisse anzufangen, gab es überhaupt nicht - allerdings in Ermangelung von Nachwuchs, hat man da die Ansprüche mittlerweile gesenkt und es reicht hier nun auch, wenn man nur Klavier kann.

    Mir scheint, dass jeder Kirchenkreis so sein eigenes Süppchen kocht und das Niveau je nach Umfeld entsprechend hoch oder niedrig ist.

    LG Atra
     
  7. Atra
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    Atra

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    D ist niveaumäßig sehr viel niedriger angesetzt als C. Ursprünglich setzte D nicht zwingend Orgelkenntnisse vorraus (anders als C). Aber die Grenzen verwischen.

    Hier wurde jahrelang überhaupt kein D mehr angeboten, bzw. es lief so, dass der Kreiskantor berechtigt war, die D-Prüfung nach Voranmeldung abzunehmen, es gab also kein Ausbildungskonzept. Man ging da hin, spielte 4 Choräle nebst Intonation, dann noch zwei (super leichte) Orgelstücke - und schon hatte man den D-Schein.

    Jetzt versucht man über eine geordnete D-Ausbildung überhaupt wieder Organistennachwuchs heranzuziehen und die D-Aspiranten nach erfolgter D-Prüfung zu einem C-Kurs zu bewegen....
    Ich weiß gar nicht, ob es für D überhaupt ein landeskirchliches Ausbildungs- und Pr+üfungskonzept gibt.

    LG Atra
     
  8. Mindenblues
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    Mindenblues

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    Die Frage wurde schon in meinem letzten Statement beantwortet: dass man nämlich alternativ statt Orgel was auf dem Klavier spielt zur Aufnahmeprüfung, und geeignete Stücke dafür angegeben (so wurde es in meinem Kirchenkreis schon immer gehandhabt, mit Erfolg).

    Ich selbst hatte zwar auch erst ein paar Monate vor dem C-Kurs mit Orgel angefangen, aber trotzdem Orgel gespielt. Und zwar das C-Dur Präludium und Fuge von Bach aus den "8 kleinen". Habe sogar noch eine Aufnahme aus dieser Zeit, hier also das Stück, wie ich es mir für die Aufnahmeprüfung eingetrichtert hatte (würde es heute, knapp 3 Jahre später, etwas anders spielen, aber egal):

    [MP3="


    Leider hatte man mich bei der Aufnahmeprüfung nach dem Präludium abebrochen, so dass ich die Fuge nicht zeigen konnte (was mich immer noch etwas ärgert, aber egal). Auf dem Klavier hätte ich die Fantaisie Impromptus von Chopin gespielt und mich auch drauf vorbereitet, aber das wollte man auch nicht mehr hören. D.h. das Präludium in meinem Fall, dazu noch ein paar Dur/Moll-Akkorde zum erkennen und ich habe "Swing Low Sweet Chariot" geträllert, ohne Begleitung. Das wars als Aufnahmerüfung.

    Das Prozedere bei der Aufnahmeprüfung scheint unterschiedlich gehandhabt zu werden, jedoch der Inhalt der Abschlußprüfung ist einheitlich geregelt innerhalb einer Landeskirche.

    Was das Niveau der Ausbildung angeht, hängt es sicherlich auch davon ab, wen man als Dozenten gewinnen kann, und was an Zusatzseminaren angeboten wird.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 26. Apr. 2009
  9. Mia
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    Mia

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    Jetzt habe ich doch endlich mal wieder hier hereingeschaut und eure weiteren Antworten gesehen. Vielen Dank auch an Axel und Mindenblues, für eure Informationen und Erfahrungsberichte! :-)

    Ich bin zwar jetzt in unserem kleinen Kirchenchor (und das Singen klappt ganz gut); jedoch sagte mir die Leiterin, dass sie kein "professioneller vierstimmiger" Chor seien, und dass das womöglich für mich Probleme bei diesem Orgelschein geben könnte. Mir ist das zunächst mal egal; das Singen macht mir Spaß, und außerdem kann ich mich jetzt mit dem Chor absprechen, wenn ich demnächst im Juni mal einen Gottesdienst begleite (so zur Probe *gg*)...

    Meine weitere Strategie in Punkto D-(oder C-)Schein sieht so aus, dass ich nächste Woche mal das Amt für Kirchenmusik anrufen und fragen werde, ob ich denn wirklich singen können muß, wenn ich - ganz bestimmt - keinen Chor leiten will. Falls sie darauf bestehen, werde ich mir das nochmal sehr genau überlegen, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass meine gesanglichen (und musikalischen!) Fähigkeiten auf keinen Fall ausreichen, um einen Chor zu leiten.
    Falls nicht, lasse ich mir noch genau Auskunft geben, wie das mit einer "reinen" Orgel-Ausbildung aussieht.

    @Mindenblues: wenn Du Mitte 40 bist, dann sind wir nicht weit auseinander im Alter ;-) Und falls ich mit Jugendlichen zusammenkäme, wäre das (glaube ich) kein Problem für mich - habe ja selbst einen Sohn im Teenie-Alter :-)

    Ich berichte auf jeden Fall weiter, wie es mir in meinem "Orgel-Projekt" weiter ergeht!

    Liebe Grüsse,
    Mia
     
  10. Mindenblues
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    Mindenblues

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    Mia, bei mir war die Sache ganz ähnlich - der Fokus beim C-Kurs war eindeutig Orgelspiel, und ich habe Chorleitung incl. Singen nur so als Erweiterung des Horizonts mitgenommen. Es ist nicht jeder dazu geboren, einen Chor zu leiten. Neben einer schönen Stimme sollte man auch die nötige Selbstsicherheit und soziale Kompetenz bei der Chorleitung mitbringen. Das ist alles nicht so bei mir gegeben, trotzdem bin ich durchgekommen mit Singen und Chorleitung. Glaube mir, es bringt auch dich weiter, zumal du geschrieben hattest, dass dir Singen Spaß macht!!!

    Bzgl. C-Schein in Bayern habe ich bisher nur einen Link gefunden:
    http://www.kath.de/bistum/regensburg/kirchenmusik/download/DC_Info_allgemein.pdf

    Ich weiß nicht, welcher Konfession du angehörst, aber der evangelische C-Kurs erscheint mir leichter als der katholische (vom Gefühl her, was ich so gelesen habe), kann mich aber auch täuschen.

    Mit den Jugendlichen im Kurs war es auch kein Problem (meine Kinder sind 18 bzw. 20), im Gegenteil, es hat Spaß gemacht, ich hatte nie das Gefühl, ausgegrenzt zu sein, nur weil ich der älteste Sack dort war.