Chromatik und Pedalisierung, u.a. am Beispiel von Skrjabins op. 11/4

  • Ersteller des Themas Marlene
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Nochmal zurück zu meinem Stück und dem Pedalwechsel. Erstmal danke für Eure Rückmeldungen.

Gestern habe ich die Phonak zum Hörgeräteakustiker zurückgebracht und das Pedalisieren vorhin mit den Bernafon und meinen Widex ausprobiert. Da die Bernafon mich einen seltsam "schwirrenden" Flügelklang hören lassen (am Bechstein deutlich weniger), konnte ich das mögliche Verschwimmen der Klänge gut ausprobieren. Beide Hörgeräte haben aber eine identische Hörwahrnehmung in Bezug auf das Pedalisieren offenbart. In den Takten 5 und 6 lasse ich das Pedal an den Pausen liegen, denn ich habe kaum einen Klangunterschied festgestellt. In Takt 7 muss ich es auf dem 6. Viertel wechseln, weil es sonst zu sehr verschwimmt (und in Takt 8 auf dem 5. Viertel).

Bei diesen Versuchen hat sich wieder ein Problem offenbart bei dem die KL vorige Woche - als ich nach Abhilfe gefragt habe - geschwiegen hat. Die Frage war: "Welche Vorgehensweise empfehlen Sie mir für mehr Sicherheit bei diesen Akkorden?". Sie hat sie gespielt und - zack - hat sie in Takt 5 ZZ 5 das a angeschlagen anstelle ais. Warum ich nicht nachgehakt habe weiß ich nicht mehr. Beim nächsten Unterricht werde ich sie erneut nach Tipps zu dem "Wackeltack" 7 fragen, aber ich bitte Euch vorab um Eure Tipps.

Die Akkorde in Takt 7 sollten eigentlich eine Lappalie sein, aber immer wieder verspiele ich mich dort. Ich habe sie "auseinandergenommen", also nur die Obertöne gespielt, dann nur die unteren, dann Obertöne von hinten oder mittendrin abwärts oder aufwärts. Dann alles von hinten, von der Mitte rauf und runter. Es hilft nichts, ich verspiele mich immer wieder und das nervt mich - wie schon damals - gewaltig.

Vielleicht liegt es am Fingersatz und dem Gefühl, dass sich die Finger an manchen Stellen (z.B. Takt 8 ZZ 1) verknoten. Das ist der Fingersatz meines Ex-KL, das Stück habe ich 2016 gelernt und dann lange nicht gespielt. Seht Ihr da eine Ursache für meine Unsicherheit in Takt 7?

11_4_KK.png
 
@Marlene , Da kann ich Dir helfen. :001:
1. In Takt 7 und 8 würde ich das Pedal passend zur Basslinie wechseln.
Zum Thema: Wie schaffe ich die Akkorde in T 7:
Interessant ist es, sich auf Pivots zu beziehen, auf Anker, die Dich durch das Tastenmeer führen und halten.
Konkret:
In den ersten drei Akkorden findest Du das "g" als konstanten Ton, in den letzten drei Akkorden ist es das "ais".
An diesen Tönen orientierst Du Dich beim Spielen und die Akkorde werden leicht werden!
Du musst Dein Augen-, bzw. Fühlmerken nur darauf richten, dass das "g" vom 5.Finger zum 2. wechselt. Das kannst Du vorab testen , am Besten ohne zu schauen. Beim "ais" kannst Du den dritten, den Du ja beim ersten Akkord spielen willst, klaglos gegen den 2. austauschen. Das müsste sich bequemer anfühlen.
 
Ein dreifach tiefalteriertes h hieße der Theorie nach heseses. Kommt aber in der Praxis ebensowenig vor wie ein fisisis.

"...
Regarding accidentals, triple sharps appear in *Fugue no. 34 of Anton Reicha: 36 Fugues for Piano (ca. 1805) (Magasin de l'imprimerie chymique ed.), m. 56, left hand (a C#x lower neighbor between two Dx's) (contributed by Nicholas); in Alkan: Etude no. 10 from Douze etudes dans tous les tons mineur, Op. 39 (1857) (contributed by Starr); and near the end of the last movement of Reger: Clarinet Sonata, Op. 49 no. 2, piano part (1904; Universal ed.) (F#x, used as a lower neighbor between two Gx's) (contributed by McCanna). The Alkan and Reger instances are each in a passage in 6 sharps; the Reicha has no key signature, making multiple sharps that much more remote in terms of tonality. Triple flats (for Bbbb) occur in Nikolai Roslavets (or Roslawez): Piano Sonata No. 1 (1914; Schott ed.), mm. 152 and 153 -- along with double flats in the same passage, their individual flats have their "stems" linked with "beams"! (contributed by Hook); they also occur in Galina Ustvolskaya: Piano Sonata No. 3, p. 30 (contributed by Cordiero).
..."

Aber eher ein Fall fü die Pathologie. :-)

Grüße
Häretiker
 
Seht Ihr da eine Ursache für meine Unsicherheit in Takt 7?
Zunächst eine kurze Nachfrage:
Hast Du schon so geübt?
Die drei ersten Akkorde haben die weissen Tasten d und g gemeinsam (auf 1 mit 25 gespielt, dann mit 12), in der zweiten Takthälfte ist das anders, auf 4 mit 23 die beiden schwarzen fis-ais und dann weiss-schwarz e-ais mit 12.
Der Grund fürs Verspielen liegt wahrscheinlich an diesen Abweichungen bei einer Figur, die wir gerne als Sequenz wahrnehmen möchten.
Da wir alle gerne Analogien haben, sind die Abweichungen unangenehm.

Wenn es keine besonderen Gründe für den 3. Finger gibt, würde ich die Akkorde auf 5 und 6 mit dem 2. Finger in der Mitte spielen. So kann sich die Hand besser auf die melodieführende Oberstimme lehnen!

Zusätzlich würde ich empfehlen die Akkordfolge (nur als Übung) im fröhlichen Allegretto staccato zu spielen um Druck auf den Tastenboden und damit Anspannung zu vermeiden.
 
@Marlene
Was genau triffst Du nicht richtig? Oder verspielst Du Dich immer wieder anders, wegen allgemeinen Unbehagens bei der Stelle?

Ich würde auch den 2. Finger auf 5.ZZ spielen.
 
Ich auch! :003:

Wenn das alles nichts nützt, könnte es auch helfen, musikalisch nicht so zu denken, wie du farbig notiert hast, sondern so:

Marlene.PNG

In Takt 5 auf Zählzeit 3 beginnt die Phrase (s. Bogen). Dieses kleine Stück der Phrase unter dem kurzen Bogen wird anschließend einen Ton höher wiederholt (Sequenz). Das bedeutet, dass der Akkord auf ZZ1 in T. 7 das Ende dieser zweiten Teilphrase ist und die Phrase sich wie markiert weiter entwickelt. Ich hätte eigentlich in Takt 8 die Markierung weiter führen müssen, weil die Phrase weiter geht, wollte dir aber mit der Markierung zeigen, wie die Phrase in Takt 7 aufgebaut ist.

Du entspannst also mit dem Akkord in Takt 7 auf ZZ1, der abphrasiert wird (leiser und leichter spielen) und nimmst die nächsten drei Akkorde unter einen Hut (in einem Fluss spielen, nach dem cis auf ZZ2 eher decresc. denken, das grundsätzliche cresc. (s. T.5) erst mal vergessen). So solltest du auch üben: also nicht auf ZZ1 in T.7 anfangen, sondern auf ZZ2 bis einschließlich ZZ4 spielen mit einem leichten decrescendo und leichter machen des Arms. Wiederholen. Dann die nächsten drei Akkorde ähnlich unter einen Hut nehmen. Wiederholen.

Wenn du nur die Oberstimme spielst (toll, dass du das machst! :) ), phrasiere genauso und lass das grundsätzliche cresc. erst mal weg.

Wenn du dann die ganze Phrase spielst, mach in T.7 nach ZZ1 zunächst eine lange Pause, entspanne dich, spiele dann in aller Ruhe die drei markierten Akkorde, wieder Pause, dann die nächsten drei Akkorde. Das Leichtmachen und decrescendo innerhalb dieser drei Akkorde nicht vergessen. Generell nach jedem Akkord Hand und Arm leicht machen.

Später lässt man die Pause weg und übt ggf. die Übergänge. Ich bin auf die Idee gekommen, weil die Struktur der Phrase anders ist als die Töne, die gleich bleiben und die du farbig markiert hast. Und ich habe gedacht, dass es vielleicht daran liegen könnte, dass die Stelle nicht funktioniert, obwohl du schon viel Gutes und Sinnvolles ausprobiert hast! Gib mal Bescheid!

Liebe Grüße

chiarina
 
Schön ist es auch, das Tempo sehr ruhig zu nehmen und Ruhezonen einzurichten, z.B. auf dem 4.Schlag in T7, analog auf der 1 in T8 (und dann die 2 weich hinterherspielen.)
 

Darf ich fragen was das für ein Stück ist? :001:
 
Scriabin: Prélude e-Moll op. 11,4
 
Noch eine Frage zu Skrjabins Präludium:

Interpretiere ich das dritte Viertel in Takt 4 (dort ärgern mich die Finger auch immer mal wieder) richtig als Doppeldominante Cis7? Das gis vermisse ich, aber es erscheint immerhin in der Triole.

DD_h-moll.png
 
Interpretiere ich das dritte Viertel in Takt 4 (dort ärgern mich die Finger auch immer mal wieder) richtig als Doppeldominante Cis7?
Ja.
Das gis vermisse ich, aber es erscheint immerhin in der Triole.
Die Quinte eines Akkordes kann grundsätzlich weggelassen werden. Hier ist das allerdings nicht der Fall - sie erscheint ja, wie du selbst gemerkt hast, im Bass. Und da sie mit dem vorhergehenden a einen Sextvorhalt hat, wäre es ein Verstoß gegen strenge Satzregeln, die Auflösung des Vorhaltes in einer anderen Stimme vorweg zu nehmen. Probier es ruhig aus - es klingt nicht gut, wenn man das gis' in der rechten Hand mit anschlägt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ach, tut das gut, dass auch Klavierspieler, die es viel besser können als ich, über die Vorzeichen stolpern.
:-) :-D ;-)
 

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