Blüthner-Aluminiumflügel


M
Modest
Dabei seit
22. März 2006
Beiträge
46
Reaktionen
0
In einer neuen Publikation zum Zeppelin Hindenburg ("LZ 129 Hindenburg. Luxusliner der Lüfte") wird erzählt, daß man für die Ausstattung der Salons unter anderem auch einen kleinen Flügel bei Blüthner bestellt habe. Aus Gewichtsgründen soll dieser aus Aluminium gefertigt und mit Schweinsleder bezogen gewesen sein. Es gibt einige wenige Fotos von dem Flügel an Bord des Zeppelins.
Von Frau Waibel, der Autorin des Buches, habe ich noch erfahren, daß der Flügel schon bald wieder aus dem Zeppelin hinausgenommen wurde, um Platz für mehrere Tischchen im Salon zu schaffen. Er wurde dann wohl bei Blüthner eingelagert und im Zweiten Weltkrieg zur Rohstoffgewinnung verschrottet. Pläne gibt es nicht mehr.
Ich frage mich nun, wie das Instrument geklungen haben mag? Schaurig-schepperig oder doch eher fein und zart wie ein Spinett oder Cembalo? Gab es ähnliche Leichtbau-Entwicklungen für andere Zwecke (reisende Bands, Yachten, etc.)?
 
G
gubu
Guest
In einer neuen Publikation zum Zeppelin Hindenburg ("LZ 129 Hindenburg. Luxusliner der Lüfte") wird erzählt, daß man für die Ausstattung der Salons unter anderem auch einen kleinen Flügel bei Blüthner bestellt habe. Aus Gewichtsgründen soll dieser aus Aluminium gefertigt und mit Schweinsleder bezogen gewesen sein. Es gibt einige wenige Fotos von dem Flügel an Bord des Zeppelins.
Von Frau Waibel, der Autorin des Buches, habe ich noch erfahren, daß der Flügel schon bald wieder aus dem Zeppelin hinausgenommen wurde, um Platz für mehrere Tischchen im Salon zu schaffen. Er wurde dann wohl bei Blüthner eingelagert und im Zweiten Weltkrieg zur Rohstoffgewinnung verschrottet. Pläne gibt es nicht mehr.
Ich frage mich nun, wie das Instrument geklungen haben mag? Schaurig-schepperig oder doch eher fein und zart wie ein Spinett oder Cembalo? Gab es ähnliche Leichtbau-Entwicklungen für andere Zwecke (reisende Bands, Yachten, etc.)?

Hier kann man noch ein wenig dazu nachlesen.


http://www.bluethner.de/Bluethner_for_friends_3_09.pdf

Es existiert wohl im Rundfunkarchiv noch ein Mitschnitt der damaligen Übertragung.
 
J
jensen1
Dabei seit
28. Apr. 2009
Beiträge
612
Reaktionen
475
Wenngleich jede Komponente eines Flügels mehr oder weniger zum Klang beiträgt, so sind doch bestimmte Teile der Konstruktion in stärkerem Maße daran beteiligt, als andere.

Wenn man ein historisches Instrument anhebt, sagen wir um 1850 gebaut, was nur Metallspreizen hat und keine Gussplatte, so ist dieses Instrument erheblich leichter als ein heutiges Instrument vergleichbarer Größe, aber dennoch erstaunlich schwer. Eine massive Rast aus Holz mit Gehäuse hat auch allein schon ihr Gewicht. Das Einsparen von Gewicht müsste also nicht nur Gussplatte, sondern auch Rast und Gehäuse betreffen.

Dass es da Versuche gab und gibt, zeigen verschiedene Beispiele. Manche Kleinklaviere werden mit stärkeren Gussplatten versehen und haben dann keine massive Rast mehr, sondern nur einen einfachen Rahmen, auf den der Resonanzboden montiert wird und mit dem die Gussplatte verschraubt ist.

Interessant sind z.B. auch die Rippen-Aluminium-Flügel: http://www.youtube.com/watch?v=MneSsWie0oE

Hier steht in den Angaben, dass der Flügel bei 1.85 Metern Länge nur um die 210 Kg wiegen soll. Normal würde ein solcher Flügel eher 300 bis 350 Kg wiegen. Leider finden sich keine Tonbeispiele. Ich vermute, dass dieser Flügel schon anders klingt, als ein "normaler" Flügel, wobei es ja auch bei herkömmlich gebauten Instrumenten eine große Streuung gibt, was den Klang angeht.

Maßgeblich ist, dass ein Resonanzboden aus Holz verwendet wird, die üblichen Saiten mit üblicher Mensur zur Anwendung kommen. Dann kann das vom Klang in Richtung Flügel gehen. Allerdings sollte man den klangtragenden Einfluss einer stabil gebauten Rast nicht unterschätzen, weshalb ich nicht daran glaube, dass Blüthner (oder wer auch immer) einen Alu-Flügel bauen konnte, der genau wie ein herkömmlich gebauter Flügel klingt.

Gab es ähnliche Leichtbau-Entwicklungen für andere Zwecke (reisende Bands, Yachten, etc.)

Eine ganze Menge. Zu nennen wäre da der Neo-Bechstein-Flügel aus den zwanziger Jahren. Verwendet wurde jeweils nur eine Saite zur Tonerzeugung, die Tonabnahme erfolgte über Tonabnehmer (induktive Abnahme) und anschließend Verstärkung sowie Abstrahlung über Lautsprecher. Das klingt aber dann nur noch sehr entfernt nach Klavier. Der Flügel ist gewiss auch viel leichter, als normal, denn hier werden keine hohen Zugkräfte benötigt, so dass der Rahmen viel leichter gebaut werden kann und ebenso die Rast.

Spätere Entwicklungen wie Yamaha CP 70 gehen auch in diese Richtung. Der Sound ist z.B. bei vielen Supertramp-Aufnahmen der frühen Jahre zu hören. Aber das ist schon ein ganz anderer Klang, als ein richtiges Klavier, auch wenn es bei der Klangerzeugung wie beim richtigen Klavier Saiten und eine Hammermechanik gibt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Yamaha_CP-Serie#Mechanische.2C_halbakustische_Klangerzeugung
 
PianoCandle
PianoCandle
Dabei seit
15. Dez. 2009
Beiträge
1.327
Reaktionen
32
Hallo.
Es gibt zu dem Rippen-Flügel durchaus Tonbeispiele. Googelt mal Pieter Verhulst, da gibt es was. Ziemlich cooooooler, jazziger Sound...
Demnächst werde ich hier auch selbst etwas einstellen von einem Rippen-Flügel, den ich beim Kunden klanglich nachbearbeitet habe.
Vor dem Rippen-Flügel habe ich hohe Achtung. Er ist konzeptionell überaus mutig, da er nicht nur Alu statt Eisen verwendet, sondern auch noch mit dem Rahmen die Außengestaltung integriert und komplett auf die Zarge verzichtet. Außerdem holt er, und dies durchaus charakterstark, die Geradsaitigkeit wieder aus der Mottenkiste hervor. Und verknüpft das Ganze mit einem sehr beeindruckenden, m. E. wunderbar gelungenen Design seiner Zeit (Entwicklungsbeginn 30er Jahre, Hauptproduktionszeit ca. 60er Jahre).
Der Flügel wirkt vergleichsweise zierlich, ist aber faktisch klanglich ziemlich groß, da der Resonanzboden bis in die äußersten Ränder der Alu-"Zarge" reicht.

Näheres demnächst, incl. Bildern und Klangprobe.
Bin gerade wieder quer durch Deutschland...

Gruß
Martin
PianoCandle


... und auch aus Alu kommt Klang
 
M
Modest
Dabei seit
22. März 2006
Beiträge
46
Reaktionen
0
Vielen Dank für die zahlreichen Antworten und die tollen Links. Vom Neo-Bechstein hatte ich schon gehört, aber der Aluminium-Rippen ist eine echte Entdeckung. Vom Klang her dürfte das am ehesten dem Alu-Blüthner entsprechen, ich freue mich auf die angekündigten Links.
Und das Design ist wirklich atemberaubend, statt eines stämmigen Kerls im dunklen Anzug steht da plötzlich eine langbeinige schlanke Schönheit im Salon...
 
agraffentoni
agraffentoni
Dabei seit
13. Jan. 2011
Beiträge
10.151
Reaktionen
5.779
Hier kann man noch ein wenig dazu nachlesen.


http://www.bluethner.de/Bluethner_for_friends_3_09.pdf

Es existiert wohl im Rundfunkarchiv noch ein Mitschnitt der damaligen Übertragung.

Anläßlich der RTL-Verfilmung des Hindenburgdramas kam gestern 6.2.2011 ein Bericht über den Aluminium-Flügel in der Rheinischen-Post. Demnach wog das Instrument 162 kg. Es wurde später aus dem Luftschiff entfernt, da die Passagierzahl aus kommerziellen Gründen von 50 auf 72 erhöht wurde. Eine Überfahrt kostete umgerechnet 7100 Euro. Der Flügel fiel 1943 in Leipzig einem Bombenangriff zum Opfer.
Entgegen der Abbildung bei Blüthner (siehe obiger Link) handelte es sich wohl um einen Rechtshänder-Flügel.
Grüße
Toni
 
M
Modest
Dabei seit
22. März 2006
Beiträge
46
Reaktionen
0
Anläßlich der RTL-Verfilmung des Hindenburgdramas...
Bei der Ausstattung des Films hat man sich wohl sehr am Original orientiert, aber bei einigen Details doch ziemlich gemogelt: Es gab wohl definitiv keine Außenkabinen mit Fenstern und die Gesellschaftsräume waren wesentlich kleiner. Und der Flügel bei RTL war aus reinem Aluminium, ohne Lederbespannung. Aber immerhin war er gestern an Bord.
 
 

Top Bottom