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Begründete Tempowahl Bach und Konsorten

Dieses Thema im Forum "Orgel-Forum" wurde erstellt von St. Francois de Paola, 12. Mai 2020.

  1. Lübeck
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    Lübeck

    Beiträge:
    336
    Das habe ich mich auch schon gefragt. Ich glaube aber, dass man das deuten kann, wie man möchte. Man sollte wohl da aber auch Choralvorspiele und Choralbearbeitungen unterscheiden.
     
  2. mick
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    mick

    Beiträge:
    11.199
    Es wird viel geschrieben, wenn der Tag lang ist. Z.B. auch das:
    Oder:
     
  3. St. Francois de Paola
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    St. Francois de Paola

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    421
    Ohne Quellen nennen zu können, ich glaube kaum. Aber wenn man zu sich selbst ehrlich ist, würde man die meisten Choralorspiele - zumindest ich - auch eher in zumindest niedrigem Singtempo spielen, also so, wie eine eher langsame Gemeinde es singen würde.
     
  4. Pedall
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    Pedall

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    Das ist heute so, hat aber mit der Praxis des Barock wenig bis gar nichts zu tun.


    "An einigen Orten singt man sehr langsam; an andern allzugeschwind. Ich liebe das Mittel. Wer singt und zugleich die Orgel zu spielen hat, dem ist es leicht die Gemeinde zum einen oder zu dem andern zu gewöhnen, zumal wenn in der Schule ein gute Ordnung gehalten wird."

    Was heißt "Wer singt und zugleich die Orgel zu spielen hat"?
    Damit ist gemeint, daß Kantor und Organist ein und dieselbe Person sind.
    Das war aber nicht die Regel.

    Für den Gemeindegesang war nicht der Organist zuständig, sondern der Kantor = Vorsänger. Seine selbständige Rolle wird noch in Schriften des 19. Jahrhunderts ausführlich gewürdigt, z. B. "Ueber den Gesang in den Kirchen der Protestanten" (Bernhard Christoph Ludwig Natorp, 1817):
    https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10591076_00005.html

    Bis weit ins 17. Jahrhundert wurde die Gemeinde nicht einmal durch Orgelspiel begleitet. Der Organist führte Choralvorspiele und Versetten aus, die Gemeinde sang unbegleitet - unter Anleitung des Kantors. Das heißt, der Organist konnte sein Tempo frei wählen, das Singtempo der Gemeinde war dann Sache des Kantors.

    In manchen Gemeinden war es (bis ins 19. Jahrhundert) üblich, daß nur jede zweite Strophe von der Gemeinde begleitet wurde, in manchen Gemeinden war es üblich, daß die Gemeinde jede Strophe unbegleitet zu singen begann und die Orgelbegleitung erst einige Takte später einsetzte.

    Siehe: Daniel Gottlob Türk, Vn den wichtigsten Pflichten eines Organisten (1789)
    https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10591807_00001.html
     
    MartinH gefällt das.
  5. altermann
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    altermann

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    ... aus diesem Grund sind Organist und Kantor in der Regel nicht befreundet.

    Gauf! :017:
     
  6. St. Francois de Paola
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    St. Francois de Paola

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    Ich würde sogar behaupten, häufig noch deutlich länger, bis dahin war es nur komplett unüblich. Aber ich habe meine Zweifel, dass Orgeln Anfang bis Mitte des 18. Jahrhunderts flächendeckend auch in jeder Dorfkirche verfügbar waren.
     
  7. Pedall
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    Pedall

    Beiträge:
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    Auch da, wo orgelbegleiteter Gemeindegesang üblich war, wurden bestimmte Choräle grundsätzlich unbegleitet gesungen. Vielerorts wurde auch in der Advents- und Passionszeit und an Bußtagen ohne Begleitung gesungen.