Beethoven Waldsteinsonate 3.Satz

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Romantikfreak98

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Hallo Klavierfreunde,

mir geht es um den letzten Satz der Waldstein-Sonate von Beethoven. Klar, jeder kann im Internet (oder auch mal in einem Buch) Deutungen und formale Analysen über diese Sonate nachlesen, dass der Satz mit einem der schönsten Themen, die Beethoven geschrieben hat, beginnt, dass Beethoven dieses Thema im weiteren Verlauf aber nicht wirklich verarbeitet (wie sonst), sondern sozusagen heißlaufen lässt (mit den nervigen Trillern und den rasenden Tonleitern in der linken Hand), und das Thema schließlich geradezu zerhackt mit Abspulen von Kadenzen und einfachen Motiven.

Was mir beim Anhören und auch Selber-Spielen des Satzes Probleme bereitet, ist das Thema ab Takt 86/87. Ich finde es – rund herausgesagt – entsetzlich albern. Was hat Beethoven sich dabei gedacht? Ich meine, wir alle haben bestimmt großen Respekt vor Beethoven und vermuten bestimmt stets die höchsten künstlerischsten Absichten in jedem Takt seiner Kompositionen. Doch beim Thema an der besagten Stelle geht mir das Verständnis ab. Es stört mich jedes Mal, wenn ich den Satz höre oder selbst spiele. Wie geht Ihr mit dieser Stelle um? Was haltet Ihr davon?

Gruß Tom
 
LMG

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Hallo Tom,

ganz kurz:

m.E. genügt es nicht, die Sache "AB" T. 86 / 87 zu betrachten. Denn T. 86 / 87 ist seinerseits in ein Dialog-Geflecht eingeordnet, das bei Takt 70 beginnt, dann ab Takt 82 durch die HERVORHEBUNG von f-e-d-c ( T. 84 ) die "Frage" stellt, die dann ab T 86 , 2. Hälfte, "beantwortet" wird. ( oder man kann es evtl. auch als "abgeändertes Echo" ( Ergänzung: von Takt 84 / 85 linke Hand "d-d-|| e-e-e-e-( 86: a )" betrachten.

( Anm.: im Folgenden, also T. 88, stellt oben in der Rechten, die rechte Hand die "Frage", ab T. 90 wieder die "Harte" Antwort. )

Soweit erstmal, ich bleib "dran", LG von: Olli
 
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Romantikfreak98

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Hallo Tom,

ganz kurz:

m.E. genügt es nicht, die Sache "AB" T. 86 / 87 zu betrachten. Denn T. 86 / 87 ist seinerseits in ein Dialog-Geflecht eingeordnet, das bei Takt 70 beginnt, dann ab Takt 82 durch die HERVORHEBUNG von f-e-d-c ( T. 84 ) die "Frage" stellt, die dann ab T 86 , 2. Hälfte, "beantwortet" wird. ( oder man kann es evtl. auch als "abgeändertes Echo" ( Ergänzung: von Takt 84 / 85 linke Hand "d-d-|| e-e-e-e-( 86: a )" betrachten.

( Anm.: im Folgenden, also T. 88, stellt oben in der Rechten, die rechte Hand die "Frage", ab T. 90 wieder die "Harte" Antwort. )

Soweit erstmal, ich bleib "dran", LG von: Olli
Hat sonst noch keiner geantwortet außer Dir, LMG, Schade.

also: Melodien nach dem "Frage-Antwort" Muster einzuteilen, halte ich für sehr sinnvoll, schließlich sind ja viele Themen sehr "sprechend". Auch Deine Einteilung kann ich nachvollziehen. Trotzdem ist mir das Thema ab 86/87 unbegreiflich. Ist es vielleicht ironisch gemeint? oder trotzig? Nach dem Motto: ich habe gerade eine so schöne Melodie komponiert (Anfang des 3. Satzes), jetzt fällt mir nichts mehr ein, also kommt eine simple "Kindermelodie". - ist nur ein Deutungsversuch.

Gruß Tom
 
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rolf

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Doch beim Thema an der besagten Stelle geht mir das Verständnis ab.
ist es so schwer zu verstehen, dass das, was dir nicht behagt, eine thematische Variante vom stampfenden Schluß des zweiten Themas ist (z.B. T. 80/81 vorbereitet wird)?
trotzig würde ich das zweite Thema (a-Moll) nicht nennen, eher grimmig, bärbeißig - und da passt am Ende davon das insistieren auf den stacc. Oktaven.
 
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LMG

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Was mir einfällt noch, wo ich grad Eure Kommentare, @rolf , und @Romantikfreak98 - Tom, lese:

Das mit "grimmig, bärbeißig" ist m.E. eine gute Beschreibung. Vielleicht könnte man noch, im Sinne Toms dann auch, "primitiv", ( im Sinne von: ungeschlacht!!! roh!!! ) , oder gar in gewissem Sinne "verneinend", "negativ" bis hin zum fast "bösartig" anberaumen:

"Beauty & the Beast", nur dass das "Beast" hier wirklich knurrig ist und "ablehnt". Es "verneint" die zarten Fragen nach "Befreiung", das schöne Mädchen muss weiter gefangen bleiben!

Oder:

Zyklopisches. Das kommt mir oft in den Kopf beim 3. Satz. Etwas abgeändert dann: Odysseus fragt lieb, ob sie gehen dürfen, aber der Polyphem ranzt sie an: "NEIN NEIN NEIN !! AUF KEINEN FALL!!"

Oder eine Dame wird im Orient von Harems-Männern entführt: Auch diese lassen sie trotz Bittelns und Bettelns nicht frei, sie antworten derbe, dass sie dem finsteren Sultan bis ans Ende aller Tage dienen muss!

Oder: Szenerie etwas psychologisch: Man hat OFT ETWAS versucht, man versucht es wieder aufs neue: Doch es klappt immer noch nicht: Der Sache will einfach nicht gelingen! "Warum wird das denn bloß nichts!" - dabei habe ich es mir so schön geplant und zart ausgedacht!

( Insgesamt, bei der Sonate, siegt aber trotzdem das "Gute", aber es muss dazu ALLES AUFBIETEN, was geht!! ALLE Register ziehen! Das gelingt. Das Böse kommt nicht mehr zu Wort im Endteil. Im langen Triller im Finale ist in der r.H. ( Melodie ) dann etwas "Moll-Wehmut" noch nachzuspüren. Vielleicht war ja so ein "grober Klotz" doch auch irgendwie spannend, fragt sich vielleicht die Dame ? Aber der Gedanke wird vom Positiven, Schönen dann trotzdem fortgeweht, auf den letzten Metern der Sonate.

LG, Olli
 
 

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