Bach Sinfonia Nr. 5 es-Dur (BWV 791)

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Diese 3-stimmige Invention lebt durch ihre reichhaltigen Verzierungen. Wie man im Barock verziert, scheint mir eine Wissenschaft für sich zu sein. Ich übe das Stück gerade und stehe vor der Frage, wie ich die Verzierungen ausgestalte, welche ich spiele und welche ich weglasse.

Hier die ersten 9 Takte aus einer Ausgabe des Deutschen Verlag für Musik Leipzig (DVfM 8077) mit folgender Anmerkung:
Bach hat nicht nur seine eigene Reinschrift später ausgeziert, sondern auch die Kopie seines Schülers Gerber. Eine ähnliche Auszierung findet sich in P219
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Der Mordent auf Zählzeit 3 (Takte 1 und 2) wird oft weggelassen, und der Doppelschlag danach als 32-tel gespielt. Das hört man z.B. in der Aufnahme von Glenn Gould (leider in Deutschland nicht auf youtube anhörbar) oder von Evgeni Koroliov (Minute 32:30):

Die Länge der Vorschläge scheint mir unregelmäßig zu sein. Unter welchen Gesichtspunkten wird das gemacht und welche Freiheiten hat man hier als Interpret? Welche Dynamik wendet man bei Vorschlägen an?
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Dann gibt es wieder Interpretationen, die sich deutlich von den oben genannten unterscheiden, z.B.


Der User @koelnklavier hat auf seiner Seite eine ausgeschriebene Version des Stücks, die mir sehr nahe an der obigen Cembaloaufnahme zu sein scheint. Hier ebenfalls die ersten 9 Takte:

7647-4fc422422dbe323ad5046bdf0690271e.jpg

Der Mordent wird hier nicht weggelassen, und die Verzierungen sind alle als 64-tel gespielt und zahlreicher. Meine Vermutung ist, dass es Sinn macht, auf dem Cembalo mehr Verzierungen zu spielen, weil es nicht so lange klingt.

Nun würde mich einfach mal interessieren, wie ihr das spielen würdet, und welche Überlegungen da mit einfließen. Hier noch eine spontane Aufnahme der ersten 9 Takte, anhand der meine bislang relativ unüberlegte Ausführung gerne direkt kritisiert werden darf.

Ich freue mich sehr über Antworten.
LKS
 

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koelnklavier

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Die Sinfonia Es-Dur ist nicht das einzige Stück, zu dem Bach unterschiedliche Verzierungsvorschläge macht. Sie sind wahrscheinlich der spontanen Eingebung im Unterricht entsprungen. (Und sollte er wirklich noch im Kopf gehabt haben, was er einem anderen Schüler ein halbes Jahr vorher in den Notentext notierte?) Eigentlich ist das schon ein Indiz dafür, daß der Interpret wohl mehr Freiheiten hat, als die Klavierlehrer/-professoren und fundamentalistischen Vertreter einer "historisch orientierten Aufführungspraxis" ihm zubilligen wollen.

Wichtig ist nicht, welche Verzierungen, wo und wieviele. Wichtig ist allein, daß es Verzierungen sind - Zierrat halt, der nicht aufdringlich sein darf, sondern nur den Charakter der Musik unterstreichen soll. Wenn Verzierungen allerdings wie Tintenkleckse klingen, dann in der Tat trifft Adolf Loos' Verdikt zu: "Ornament ist Verbrechen!"
 
 

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