Aufnahme: Was unterscheidet eine Amateurversion von einer Profiversion?


Dimo
Dimo
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Hallo liebe Claviolaner,

gerade hatten wir uns (im 'kleinen Kreis') mal ein paar Gedanken gemacht, was eigentlich eine Klavier - Amateuraufnahme von einer Profiaufnahme unterscheidet .... :klavier:


Viele Hobbyspieler können eine (gute) Amateuraufnahme von einer Profiaufnahme unterscheiden, aber: weiß man denn, woran genau es liegt?

Was machen Profis 'besser'? Das Sammeln ist hiermit eröffnet: :cool:

1) Dynamikunterschiede viel mehr 'übertreiben'...:p
2) Rücknahme des Tempos an den 'richtigen' Stellen
3) Auf Phrasen spielen
4) Alles tun, damit es 'leicht und locker' klingt (technisch / mental)

....
 
P
pegatom
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Hallo Dimo,

ich glaube man könnte den großen Unterschied mit einem Wort benennen:
Der Aufwand macht den Unterschied.:(

Abgesehen vom technischen Aufwand den die Profis betreiben (Anmietung riesiger Konzertsäle wie z.B. Musikvereinsaal in Wien u.ä.), techn. Equipment, permanent anwesender Klaviertechniker etc., hat der Klavierprofi vermutlich auch einen anderen Vorbereitungsaufwand betrieben.

Läufe perlen nicht von selbst - der Profi spielt am Tag 10 Stunden und das über Jahre lang, bis er sich überhaupt eine Aufnahme wagt...
.... der gemeine Wohnzimmerklimperer klappt den Deckel hoch, "Record ein" und los gehts mit der Übungsaufnahme....

Aber sind wir doch froh, dass wir nicht mit dem gleichen Qualitätslevel (Equipment) wie die Profis arbeiten müssen - man hört ja doch wirklich jeden Schmarrn!

Schön ist für den "Gemeinen", wenn er sein Spiel damit anderen zum Austausch zugänglich machen kann, oder sich nette Erinnerungen vom Spiel mit Gleichgesinnten erhalten kann.
Soviel zu "eurem" Schwan! Macht doch immer Spaß wenn zwei (oder mehr) sich finden!:p

LG,
pegatom
 
.marcus.
.marcus.
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Was machen Profis 'besser'? Das Sammeln ist hiermit eröffnet: :cool:

1) Dynamikunterschiede viel mehr 'übertreiben'...:p
2) Rücknahme des Tempos an den 'richtigen' Stellen
3) Auf Phrasen spielen
4) Alles tun, damit es 'leicht und locker' klingt (technisch / mental)

....
5) Absolute Perfektion :)

Oder zumindest - und darauf kommt es an - klingt es perfekt. Da hakt nichts, keine plötzliche Unsicherheit. --> man hört irgendwie die "Souveränität" raus, finde ich.

Der allergrößte Unterschied zwischen Amateur und Profi ist für mich einfach die Souveränität. Ein Amateur kann einzelne Stücke unter Umständen ebenso gut meistern wie ein Profi. Nur ist sein Aufwand viel größer, und er wird mehr Aufnahmeanläufe brauchen (vermute ich mal). Außerdem "kennt" der Profi das Werk genauer, er weiß meistens viel mehr über Form, Harmonie und zeitgeschichtlicher Kontext, etc....

lg marcus
 
Stilblüte
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Die Frage ist doch, was das professionell gespielte Stück bzw. die Aufnahme, also das, was man tatsächlich hört, von einer Amateuraufnahme unterscheidet.
Man hört es ja recht schnell, urteilt dem Gesamteindruck nach, eine Profiaufnahme ist natürlich fehlerlos und ohne Wackler, in sich stimmig; aber da ist noch mehr.
Wenn ich meiner Lehrerin etwas (amateurhaft) vorspiele, kann sie mich täuschend echt nachahmen. Ich höre dann - da stimmt was nicht.
Aber was genau nicht stimmt, das zu hören ist überhaupt nicht einfach. Der Begriff "Hinhören" bekommt da auf einmal eine ganz andere Bedeutung.
Sie kann den Ausschnitt dann nochmal in ihrer Interpretation wiederholen, und ich höre sofort: Jetzt hört sich das gut an, so soll es klingen, es hat jetzt den "typischen" CD-Charakter der abgerundeten Perfektion.
Und was war da jetzt anders...?
Manchmal komme ich von selbst drauf, manchmal verrät sies mir, und jedesmal fällt es mir wie Schuppen von den Augen, denn die Antwort ist meistens so simpel (im musikalischen wie technischen Bereich), es muss einem nur jemand wörtlich sagen.

Der Teufel steckt wie immer im Detail (und trotzdem darf man nie den gesamten Bogen eines Stückes vergessen).
Total wichtig ist z.B. die Phrasierung. Töne zu Phrasen zusammenzufassen, damit die Musik nicht taktiert klingt, es voran geht, Schwung da ist. Einen Melodiebogen genau "analysieren" - welche Töne davon gehören nun wirklich lauter, welche leiser. Welche Funktion haben bestimmte Töne, Akkorde.
Und wie ich schon öfter schrieb - allerbester "Lehrer" hierfür ist die Stimme: Man singt sich einfach eine Phrase vor, es klingt richtig. Man atmet nie automatisch an einer falschen Stelle. Dieses gesungene, richtig klingende Gebilde am Klavier nachzuspielen ist sehr schwierig. Man muss extrem genau hinhören.
Und ein weiterer Punkt wäre der Gebrauch des Pedals. Man kann bzw. muss genau ausdifferenzieren, wann das Pedal getreten wird, wann nicht, auf dem Ton, vor dem Ton, nach dem Ton, um Töne zu formen oder zu halten (ein großer Unterschied!), und bloß nicht zu viel, damit das differenzierte Hören nicht verloren geht.

Ich denke, dass Amateure vieles unabsichtlich oder unbewusst dem Zufall überlassen (mich eingeschlossen). Wie Neuhaus schreibt - Es klingt eben so, wie es "herauskommt", nicht so, wie es klingen soll. Das ist aber nicht richtig. Jedes noch so kleine Detail sollte so gespielt werden können, wie man es haben möchte. Dazu muss man natürlich wissen, was man will...
Das ist vermutlich der Unterschied. Gute Pianisten wissen ganz genau, was sie tun, haben das Stück bis ins letzte Verstanden unter verinnerlicht und haben vollste Kontrolle über ihr Tun.

Man glaubt es vielleicht nicht gleich, aber das Klavierspielen ist keine Zauberei.
Es ist nur so, dass je weiter man kommen möchte es immer weniger Menschen gibt, die schon hinter das "Geheimnis" gekommen sind - und die bereit sind, für jemand anderen ihre Schatzkiste aufzumachen.
 
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