30-40 Jahre alte aufbereitete Klaviere kaufbar?

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Nepomuk21

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24.10.2014
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Hallo ihr Lieben,

ich habe mich vor 12 Jahren hier angemeldet, da ich einer Freundin beim Klavierkauf helfen sollte und wir auf diverse Meinungen zu Yamaha Klavieren gestoßen sind. Sie hat sich damals für ein B3 entschieden und ist auch damit zufrieden.
Es sind nun viele Jahre vergangen und es sieht so aus, als wenn ich auch endlich mal ernsthaft auf die Suche gehen kann. Ich denke, dass ich so zwischen 6000 und 8000 € ausgeben kann. Ich werde natürlich wie damals durch die Geschäfte ziehen und viele unterschiedliche Klaviere anspielen. Heute hatte ich mehr oder weniger zufällig die Möglichkeit einige gebrauchte in einem Geschäft in Winterswijk, in den Niederlanden anzuspielen. Dort stehen viele unterschiedliche Marken. Ältere Zimmermänner aus Seifhennersdorf, aber auch gebrauchte Sauter, Seiler und Bechstein. Umgehauen hat mich keins, ein Yamaha YUS 1 war das spontan für meinen Geschmack beste. Dies war aber ein Verleihinstrument ohne Preisauszeichnung. Die Klaviere dort waren für meinen Geschmack alle relativ „alt“, 1980, 1995, 2005. Ich weiß nicht, was mir noch alles begegnen wird auf meiner Suche, aber kann man ein überarbeitetes Markenklavier für 8000 € kaufen, wenn es schon 40 Jahre alt ist? Also klar es muss gefallen. Aber ist das ein realistischer Preis für ein solches Instrument? Gibt es eine pauschale Antwort, ab wann man von einem Klavier die Finger lassen soll? Beispiel Bechstein Opus 110 von 1995 für 10.690€.
Ich wäre dankbar für eine kurze Einschätzung eurerseits!

Beste Grüße vom Niederrhein und ein schönes Osterfest
 

Bei älteren Instrumenten kommt es einfach auf den Zustand an.

Wie zB der Verschleiß an Hämmern und Filzen, der Spannung im Klangboden oder gar Risse, Regulierung des Spielwerks, der Klang der Saiten insbesondere die umsponnenen im Bass, die Stimmhaltung, der Zustand der Tastenbeläge und der äußere Eindruck. Auch das Design hat etwas mit dem heutigen Preis zu tun.

Klar kann man ein Klavier, das zwar Jahrzehnte alt ist, aber noch gut spielt und klingt, kaufen. Den Verschleiß einigermaßen sicher beurteilen und eine Werteinschätzung abgeben können nur Menschen, die schon viel gesehen haben. Das sollte ein Klavierbauer sein. Nur ein Erfahrener kann sagen wie sich das Instrument schlägt, wieviel Substanz es noch hat und ob das in stimmiger Relation zum Preis steht.

Ein wenig Vertrauenssache bleibt es immer. Für ein Instrument dieser Preisklasse wird man auch eher keine Gutachten dreier unabhängiger Experten bestellen. — Sich selber ausgiebig umzusehen und die eigene Wahrnehmung zu schärfen, das kann kein Fehler sein, das machst du ja laut eigener Aussage. Einfach Zeit lassen, der Markt gebrauchter Klaviere ohne Silentsystem ist groß und unter Druck.

Wenn das Klavier sympathisch klingt, gestimmt ist, die Spielweise der Klaviatur gefällt und man am Klangboden und Stimmstock keine Risse findet, dann ist ja schon mal nichts verkehrt.

Klaviere sind auch gut reparierbare Instrumente, seit bald hundert Jahren werden die fast unverändert gebaut. Solange der Stimmstock nicht am Ende ist und der Gussrahmen nicht gebrochen kann man fast alles richten. Ob sich das lohnt ist eine andere Geschichte und muss auch nicht immer rational begründbar sein.


Mit einem Yamaha YUS1 bist du meines Erachtens ganz gut dabei, die YUS-Serie ist in meinen Ohren klanglich recht attraktiv, das Instrument von guter Qualität.

Nur würde ich keines im Alter von mehreren Jahrzehnten um 8.000 Euro gebraucht kaufen, sondern ein funkelnagelneues mit 10 Jahren Garantie um 12.000 Euro, auch wenn ich es finanzieren müsste.
 
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Vielen Dank für deine Einschätzung. Das hilft auf jeden Fall! Ich werde euch hier auf dem Laufenden halten und sicher in Zukunft nochmal die ein oder andere Frage haben.
 
Hallo Nepomuk,
Ich stand vor zwei Jahren an einem ähnlichen Punkt wie Du heute mit ähnlichem Budget. Ich war damals durchaus überrascht, wie hoch gebrauchte Instrumente oftmals angeboten wurden. Nach meiner Vermutung waren gar nicht so wenige Instrumente nominal bei 50 bis 80% des damaligen Neupreises gelegen, trotz 30 bis 40 Jahre Alter und oftmals auch kaum substantiell überarbeitet. Viele Angebote wiesen die aktuellen Neupreise aus, um den hohen VP doch eher günstiger erscheinen zu lassen.

Ob die Instrumente dann auch so verkauft wurden? Keine Ahnung.
Ich habe dann von privat ein Bösendorfer Klavier gekauft am unteren Ende meines Budgets, nicht überholt. Dafür mit einem guten Restbetrag in der Hinterhand um das zu tun, wenn die Zeit reif ist. Dann beauftrage ich selbst und weiss auch genau, was überholt worden ist.

Wünsche Dir gutes Gelingen und die nötige Geduld!
 
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Reaktionen: Nepomuk21 und Austro-Diesel
Viele Angebote wiesen die aktuellen Neupreise aus, um den hohen VP doch eher günstiger erscheinen zu lassen.
Das ist üblich und keine unlautere Absicht! Denn die einzige Alternative zu einem Gebrauchten ist das NEU-Instrument. Somit ist es vollkommen normal, den aktuellen NP gegenüberzustellen.

(Wäre es anders, würde man z.B. 100 Jahre alte Steinways für ein paar wenige Hundert € bekommen.)
 
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