Verschwörung um C.Schumann, Haydn und die Deutsche Nationalhymne

Seba

Seba

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Nun, jetzt bin ich auch hier im Forum.:)
Ich lese schon seit längerer Zeit stumm mit, aber jetzt bin ich auf etwas gestoßen, dass mich dazu gebracht hat, mich hier anzumelden.
Und zwar...

Kennt ihr Clara Schumanns Impromptu "Souvenir de Vienne" op. 9?
Aufnahmen davon sind im Internet sehr rar. Eine findet man als Demolied für eine Samplelibrary bei Soundsonline:
*klick mich* (rechts im Demofenster auf "PF Cl. Schumann" klicken)
Hmm... kennt man doch irgendwo her, oder? :D
Schon bei 0:23 denkt man sofort an die Deutsche Nationalhymne. Spätestens ab 1:02 hat man keine Zweifel mehr.
Ich bin echt verwirrt. Ich dachte immer, die Melodie käme von Haydn. Ist ja auch so. Wikipedia lügt nie. (oder selten)
und Haydn hat ja auch ein gutes Stück vor Clara Schumann gelebt.

Also: Was ist los?
Ist Clara Schumanns Impromptu sowas wie eine Hommage an Haydns Musik? Aber soll ein Impromptu nicht so wirken als wäre es improvisiert?
Oder hat sie unbeabsichtigt von ihm geklaut? :confused:

Da sich hier im Forum einige Experten zu tummeln scheinen, hoffe ich, dass ihr mir helfen könnt! :)
 
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Seba

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:shock: :shock: :shock:
Das ist ja mal was... war das früher so üblich?:shock:
 
A

Amfortas

Guest
Früher war es üblich (da gibts zig Beispiele-O Haupt voll Blut und Wunden von bach zum Beispiel) und heute auch (da gibts auch viele)

Oft absichtlich, mal unabsichtlich.
Wieso denn nicht? Wenn was gut klingt, dann kann man ja mehr drauf machen (heute GEMA-bedingt sicher nicht mehr ganz so gut möglich)


Liebe Grüße
oli
 
Haydnspaß

Haydnspaß

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Ich finds schon ganz schön frech von meinem Namensvetter :D

einfach ein vorhandenes Lied nehmen und den eigenen Namen drüberschreiben.

Daß ein Komponist seine Stücke mehrfach herausgibt (z.B. mit unterschiedlichem Text oder in unterschiedlichen Gruppierungen mit anderen Stücken geht ja noch. Aber was zu weit geht, geht zu weit :)
 
K

koelnklavier

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Tja, man lernt doch nie aus im Leben ...
 
Dimo

Dimo

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Haydn war ein ganz schlauer...

...auch das berühmte Thema aus der "Sinfonie mit dem Paukenschlag" ist aus einem Volkslied "geborgt":

http://de.wikipedia.org/wiki/94._Sinfonie_(Haydn)

Ich sehe darin nichts Verwerfliches.
Haydn war da auch nicht der Einzige.
Zum Beispiel verwendet Brahms in seiner "Akademischen Festouvertüre" als Themenmaterial bekannte Studentenlieder.
 
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Guendola

Guendola

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Und wo ist die Verschwörung? Oder war das nur eine Forenente àla "Mann beißt Hund"?
 
Haydnspaß

Haydnspaß

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...auch das berühmte Thema aus der "Sinfonie mit dem Paukenschlag" ist aus einem Volkslied "geborgt":

http://de.wikipedia.org/wiki/94._Sinfonie_(Haydn)

Ich sehe darin nichts Verwerfliches.
Haydn war da auch nicht der Einzige.
Zum Beispiel verwendet Brahms in seiner "Akademischen Festouvertüre" als Themenmaterial bekannte Studentenlieder.
Ich sehe darin auch nichts "Verwerfliches", wenn vorhandene Lieder kompositorisch verarbeitet. Bei der Kaiser-Hymne ist der Eigenanteil von Haydn aber verschwindend gering. Das gilt natürlich nur für das Lied als solches. In Haydns Kaiser-Quartett gibts ja einen Variationssatz über diese Hymne, und dort hat Haydn selbstverständlich etwas Eigenes geschaffen. Bei der Kaiser-Hymne selbst jedoch nicht. Außer er hätte den Text dazu selbst gedichtet.


Und wo ist die Verschwörung? Oder war das nur eine Forenente àla "Mann beißt Hund"?
Ist eben garnicht so einfach, einen gekonnten Skandal zu inszenieren. Vor allem nicht, wenn das Publikum nicht mitspielt :D
Ich hab mich jedenfalls redlich bemüht ^^
 
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Kathi

Kathi

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Also ich weiß nicht... ich finde ein Haydn hat es nicht nötig sich irgendein Lied zu stehlen. Wenn ICH mir irgendein unbekanntes Volkslied aus Turkmenistan (oder sonst wo) fladern würde und meinen Namen draufschreiben würde, und es zur österr. Nationalhymne machen würde, könnte man das noch verstehen, weil ich selbst nicht fähig bin ein eigenes Lied zu schreiben, aber ein Haydn kann das sehrwohl alleine!!!
 

Haydnspaß

Haydnspaß

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Wirklich? Nach Anhören des Links zum kroatischen Volkslied habe ich den Eindruck, dass Haydn nur die ersten vier Takte des Volksliedes verwendet. Der übrige Teil der Hymne ist original Haydn. Oder?
Okay, ich gebs zu :)

Und ich habe eben entdeckt, daß über Haydns Klavierfassung als Titel steht:

Volck's Lied
GOTT ERHALTE
 

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J

J. Gedan

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Variationen (der Satz aus Haydns "Kaiserquartett" ist ein Variationssatz) über fremde Themen sind nichts Ungewöhnliches, wohl jeder Komponist hat das gemacht. Die Originalität liegt dann eben nicht im Thema, sondern in den Variationen. Bach variierte bekannte Choralmelodien, Mozart variierte "Ah vous dirai-je...", Beethoven variierte ein Schweizerlied, Brahms variierte Händel, Reger variierte Mozart, Rachmaninoff variierte Chopin etc. etc. Das haben die nicht gemacht, weil sie's nötig gehabt hätten, und selbstverständlich hat auch Haydn nicht ein Volkslied genommen, weil er nicht in der Lage gewesen wäre, selber ein Thema zu schreiben.

Auch wenn das Volkslied gewisse Ähnlichkeiten hat und anzunehmen ist, daß es Haydn als Vorlage gedient hat, so ist der Anteil, den Haydn an der endgültigen Ausgestaltung des Themas hat, erheblich und zeigt, wie ein Komponist denkt und gestaltet. Hier kann man Einzelheiten nachlesen:
http://www.croatianhistory.net/etf/hadow3.html

Wer sonst noch wiederum über Haydns Melodie Variationen geschrieben hat, kann man hier nachlesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Österreichische_Kaiserhymnen#Die_Melodie_von_Joseph_Haydn
 
K

khana_banana

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Zu Haydn's Zeiten war das gang und gäbe, Motive zu 'klauen' und weiterzuverwenden. Das nannte man 'Parodie'. Bach war grosser Meister darin, er hat feste von Vivaldi und sich selbst geklaut.
Mozart's Hauptthema der Zauberflötenouvertüre stammt aus einer Clementisonate (der ihm das nie verziehen hat, der Neider). Selbst Beethoven hat abgekupfert, zum Beispiel das Eroica-Thema wiederum von Mozarts Bastien und Bastienne (http://dme.mozarteum.at/DME/nma/scan.php?vsep=35&l=1&p1=-9#3).

Wie schon Haydnspaß geschrieben hat, es kommt nicht nur darauf an einen schönen Einfall für eine Melodie zu haben, sondern was man kompositorisch draus macht.

Gruss,
Martin
 
 

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