Vergleichsweise leises Spiel - Ursachenforschung

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Hans Borjes

Hans Borjes

Clavio-Förderer
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In der Auswertung des Forumtreffens Mainz haben Nora und ich festgestellt, daß wir als Anfänger leiser spielen als viele andere auf dem Forumtreffen.

https://www.clavio.de/forum/118398-post32.html

Hallo Hacon,

Dein Temperament behälst Du auch, wenn Du älter als 40 wirst. Da kann ich Dir also Hoffnung machen. Allerdings kommt dann eine bessere Selbstkontrolle dazu. :cool:

Der Zusammenhang zwischen lauterem Spiel und Alter ist mir nicht aufgefallen in Mainz. Auch die Älteren haben definitiv lauter gespielt als ich. Hans und ich spielen beide - glaube ich - gut ein Jahr. Und waren damit in Mainz die absoluten Anfänger. Vielleicht gibt es da einen Zusammenhang.

Mal gucken, ob Hans einen Faden aufmacht. Er hat ja auch einen direkten Vergleich mit Stücken gehabt, die er spielt. Ich nicht.

lg
Nora

Vielleicht liegt es ja am nachlassenden Hörvermögen, wenn man schon länger spielt :D

Also Spaß beiseite. Woran kann es liegen? Vielleicht daran, daß das eigene Übungsinstrument einem laut vorkommt und man sich angewöhnt, verhalten zu spielen?

Oder ist es Unsicherheit, die einen verleitet, leise vor sich hin zu spielen?
 
violapiano

violapiano

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Hallo Hans,

ich reihe mich ebenfalls hier ein, spiele auch gerne und viel leise.
Bei mir liegts einerseits daran, dass ich im Mietshaus wohne, und meine Mitbewohner nicht übermäßig strapazieren will. Ich traue mich hier zuhause nicht, laut zu spielen, immerhin tue ich es manchmal. Das ist schon ein Fortschritt.
Meine neue KL hat gesagt, es ist egal, ob man laut oder leise spielt, man hört es eh.:cool: Das hat mir geholfen.:p

Dann kommt es drauf an, ob man gewöhnt ist, vor Publikum in einem großen Saal zu spielen oder zuhause.
Ein solistischer Ton ist immer ein anderer als ein kammermusikalischer.

Die Wahrnehmung dessen, was man spielt, ist sehr unterschiedlich, je nach dem, von wo gehört wird.
Du selbst hörst Dich vermutlich viel lauter, als ein anderer Dich wahrnimmt.
auf Entfernung entiwkelt sich jedes Instrument anders.

Das kenne ich insbesondere auch vom Streichinstrument. Da kann es vorkommen, dass Du am Ohr denkst: wow, das klingt aber toll, vom weiten hingegen klingt es wie eine Zigarrenschachtel. Oder eben auch umgekehrt. Zum Kauf eines guten Streichinsturments gehört für mich immer die Probe im großen Saal. Die Qulitäten eines guten Streichinstruments hört auf weite Entfernung am besten, denn dann kommt die Tragfähigkeit zur Geltung.

Der Ausbildungsstand ist sicher auch ein Punkt. Das laute Spielen muss auch gelernt werden. Letztendlich bringt den Effekt beim Musikzieren der Kontrast in dynamischer und qualitätver Hinsicht.

Dann ist es, glaub ich, eine Frage der Sensibilität. Nicht jeder hat ein Gespür für feine Töne und Tonqualitäten. Das hast Du aber, und das ehrt dich, also don't worry!:)

LG
violapiano
 
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lavendel

lavendel

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Ich tippe am ehesten auf die Unsicherheit, dass man (als Anfänger) im Hinterkopf hat, dass ein falscher Ton leise gespielt nicht so auffällt wie laut. Und dass man sich deshalb das Leisespielen als Ständig-Daneben-Greifer ganz schnell angewöhnt :?.

Mich hat mein Lehrer neulich explizit dazu aufgefordert, so laut ich kann zu spielen :shock:, und das war erstens furchtbar ungewohnt und zweitens brauchte ich dafür ungewohnte Kräfte, fand es also körperlich viel anstrengender als das Leisespielen. Er meinte, ich solle auch zuhause so laut üben wie ich kann, um die Unsicherheit zu verlieren. Bei Stücken, die ich schon ganz gut kann, mache ich das auch gerne, bei den holprigen mache ich das nicht.

Bei mir liegt es im Übrigen NICHT am Instrument. Vielleicht auch deshalb, weil ich regelmäßig vier bis fünf verschiedene Instrumente von Klavier bis Konzertflügel unter den Fingern habe. Das brüht scheinbar ab :cool:.

lavendel
 
Nora

Nora

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@mephisto

Bei mir liegt es, denke ich, nicht daran, dass ich an für mich neuen Instrumenten unsicherer spiele. Ich spiele zu Hause genauso leise.

@lavendel

Die Übung mit dem betont laut spielen finde ich interessant und erinnert mich an einen Tipp aus dem Forum, ab und zu einmal bewußt dynamisch das Gegenteil von dem was gefordert ist zu spielen. Dadurch, das habe ich festgestellt, fällt es tatsächlich anschließend leichter auch leise Abschnitte leiser und dabei doch klarer zu spielen.

Natürlich ist, um ein anderes Zitat zu verwenden, beim ungehemmten Reinhauen in die Tasten die Klangqualität doch immer sehr in Gefahr. Aber wenn ich das überlaute Spiel sporadisch übe, im Kontrast zum normalen Spiel, könnte es eventuell eine gute Übung sein, um von dem zu verhaltenen Spiel wegzukommen und das leise Spiel etwas kontrastreicher und klarer zu gestalten.

lg
Nora
 
Moderato

Moderato

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Hallo,
ich sage jetzt mal etwas als Zuhörer von Nora, Mephisto und Hans in Mainz.
Nora hat nach meinem Eindruck etwas zaghaft gespielt, das könnte tatsächlich an etwas Unsicherheit liegen. Das kam mir jedenfalls sowohl am Flügel als auch am Klavier so vor.
Mephisto hat an beiden Instrumenten kräftig und keinesfalls leise gespielt. Ihr Eindruck, daß sie am Schimmel lauter gespielt hat, kam wohl eher vom Klavier und der Akustik im Raum. Ich fand der Schimmel konnte einen regelrecht "anschreien". Den Eindruck, daß man am Flügel zu leise spielt, hatten ja auch andere. Im Saal war es dann ok.
Hans hatte auch Stücke gespielt, die leises Spiel verlangten. Dabei hatte er aber auch nicht zaghaft gespielt sondern sich um einen tragfähigen Ton bemüht. Ich habe ihn aber auch nur am Flügel gehört.

Mein Lehrer sagt auch mir immer wieder: Leise spielen, aber trotzdem mit Gewicht (Druck), vor allem die RH, wenn dort das Thema ist.

Gruss
Moderato
 
DonBos

DonBos

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Laut und leise spielen hängt ganz arg mit der Geschwindigkeit des Anschlags zusammen. Je schneller ich eine Taste nach unten drücke, desto lauter klingt der Ton auch. Je langsamer, desto leiser.

Ich vermute nun, dass man als erwachsener Anfänger sehr vorsichtig an das Klavierspiel herangeht. Man kennt das Instrument einfach noch nicht so richtig lange und eine gefühlvolle Interpretation fordert noch viel, viel mehr Kopfarbeit als bei einem langjährig erfahrenen Spieler. Jeder Ton soll schön klingen und will genau überlegt sein. (Bei erfahrenen Spielern sollte das natürlich auch so sein, aber durch die Erfahrung muss man da einfach nicht mehr über jede Fingerbewegung so lange nachdenken, wie als Anfänger). Dadurch wird das Spiel dann sehr vorsichtig und bedacht, und wenn man nun langsamer anschlägt, fühlt man die Taste und ihre Bewegung unter den Fingern länger, und kann so kontrollierter anschlagen, als wenn man die Taste schnell runterdrückt.

Dieser tendenziell beim Anfänger langsamere Anschlag bewirkt dann eben auch die geringere Lautstärke.

Bei Kindern, die anfangen ist es anders, glaube ich. Die achten noch nicht so sehr auf musikalischen Ausdruck, wie Nora und Hans_Borjes es tun, einfach weil das Ohr noch nicht so erfahren ist. Das Spiel ist dann eher ungestüm und unkontrolliert in der Anschlagsstärke - aber dadurch auch im Anschlag eines einzelnen Tons unvorsichtiger und schneller - und somit auch lauter. (Ich gehe mal hier von meiner Anfangszeit als 7jähriger aus - es gibt bestimmt auch genug Kinder, denen es anders geht, pauschalisieren lässt sich da nix).

Nur so eine Idee von mir... ich kann auch total daneben liegen mit dieser Vermutung.

(Fast Off-Topic, aber irgendwie doch passend: Euer leises Spiel auf dem Treffen hat mir übrigens sehr gefallen. So leise und dennoch ausdrucksstark spielen kann nicht jeder, und viele Klavierspieler wären froh, sie könnten so schön leise spielen anstatt nur laut draufloszudreschen. Gerade der Satie von Hans_Borjes kam in dieser Lautstärke wunderbar zur Geltung.)
 
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Nora

Nora

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Wow, ich hatte einen Zuhörer. :D Habe ich am Flügel gar nicht bemerkt. Also, ich habe mich bewußt in der Situation eigentlich nicht unsicher gefühlt. Aber vielleicht war ich es unbewußt. :cool:

Ich hoffe, dass auch beim leisen Spiel aufgrund von Unsicherheiten, der Tipp von lavendel effektiv ist. Hab's gerade mal ein wenig ausprobiert. Spontan würde ich sagen, es hat einen Effekt.

Auch die Überlegungen von DonBos können zutreffen. Sicher überlege ich während des Spiels kontinuierlich, wie einzelne Stellen zu spielen sind. Sehr wahrscheinlich ist, dass dies bei mir mehr Zeit in Anspruch nimmt als bei fortgeschrittenen Spielern.

lg
Nora
 
Guendola

Guendola

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Unsicherheit ist bestimmt ein wesentlicher Faktor, ich glaube aber auch, daß noch zwei weitere Dinge eine Rolle spielen, die eigentlich das gleiche bedeuten:

Der Bewegungsapparat ist bei Fortgeschrittenen besser geschult, man kann also kontrolliert lauter spielen.

Wenn man etwas nicht so gut kann, wird man gerne lauter und dann klingt es furchtbar, weil die Dynamik völlig aus dem Ruder läuft, am besten noch in Kombination mit unsauberem Pedal. Das versucht man natürlich zu vermeiden, also spielt man noch leiser als sonst - Überkompensation.
 
Haydnspaß

Haydnspaß

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Es ist doch ganz einfach: entweder man nähert sich der Ideal-Lautstärke von oben, oder man nähert sich von unten. :) Kommt im Endeffekt auf dasselbe heraus.

Aber manchmal ändert sich auch die Vorstellung von der Ideallautstärke. Wie hab ich früher auf dem Klavier rumgehackt im Vergleich zu heute. Und damals dachte ich, meine Finger seien immer noch zu schwach... :rolleyes:
 
Nora

Nora

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Siehst Du Hans, jetzt bekommen wir für das leise spielen sogar noch Komplimente (siehe DonBos). Der Faden hat sich doch schon gelohnt. :cool:

Die Ideallautstärke in einem kleinen Zimmer und in einem Saal ist wohl auch eine andere. Wir arbeiten auf jeden Fall weiter daran.

lg
Nora
 

 

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