Oh nein ! Was habe ich getan? Oberdämpfertechnik !?

S
Snitzy
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Ich habe ein Klavier gekauft, das Oberdämpfertechnik benutzt.
vgl.: https://www.clavio.de/forum/showthread.php?t=2815


Überall lese ich, das sei nicht gut.

In einem anderen Forum schreibt jemand:

"Oberdämpfertechnik: Das bedeutet, dass die Dämpfer (die dafür sorgen, dass der Ton nach dem Loslassen der Taste auch wieder verstummt) oberhalb des Anschlagspunktes der Hämmer auf der Saite sitzen. Diese brauchen ein recht hohes Andruckgewicht, um in irgend einer Weise eine akzeptabele Dämpfwirkung zu erzielen. Dies geschieht im Allgemeinen mittels eingepresster Bleinieten am hinteren Arm der Dämpfer, was eine recht zähe Spielart zur Folge hat."

Kann mir das jemand genau erklären? Ich verstehe das nicht.
Wie wirkt sich das auf das Spiel aus? Ist es schwerer dann zu spielen?
Klingt es nicht so gut? Ist es nicht für einen Anfänger geeignet?

Kann mir jemand helfen?!
Danke !
 
Peter
Peter
Bechsteinfan
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Mach Dir keinen Kopf. Erfreue Dich einfach dran und spiele.
 
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Dr. Lecter
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Du hast doch auch nur 300,- EURO ausgegeben, oder? Da mach Dich nicht verrückt... Wenn Du Noten gelernt hast und soweit passabel spielen kannst, steht Dir die Klavier-Welt doch immer noch offen! Dann kannst Du kaufen was immer Du willst... Oder Dein Klavier restaurieren lassen.

Im Übrigen ist nicht Alles was irgendwo geschrieben steht - und das gilt auch gerade auch für Foren - wahr, richtig, gewissenhaft, ehrlich und ernstgemeint...
 
Guendola
Guendola
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Mit Oberdämpfern kannst du genauso gut lernen wie mit anderen Dämpfern.
Wenn ich das richtig verstanden habe, braucht man theoretisch ein kleines bischen mehr Kraft für den Anschlag, das wird dir aber nicht schaden. Und "ein kleines bischen" ist ja nicht viel :)
 
Mindenblues
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Das mit der zäheren Spielart stimmt nicht, zumindest nicht bei meinem Oberdämpferklavier. Das Klavier ist sogar sehr leichtgängig, leichtgängiger als mein "amtlicher" Flügel mit ausgemessener Renner-Mechanik. Ich hatte auch schon Überlegungen angestellt, die Leichtgängigkeit zu reduzieren, damit ich mich nicht so umgewöhnen muß. Gar keine schlechte Idee mit dem Ausbleien der Dämpfer. Ich dachte eher an Reißzwecken seitlich in das Hammerkopfholz gedrückt, da die Hämmer ebenfalls sehr leicht sind, wie es vor 100 Jahren üblich war.

Man muß lediglich wissen, akzeptieren und schätzen lernen, dass Oberdämpferklaviere anders klingen als Klaviere mit "normaler" Dämpfermechanik. Es klingt nicht schlechter oder besser, sondern anders!

Einfacher gesagt, es dämpft eben schlechter. Das kann was sehr schönes sein, z.B. für romantische Musik, bei der man sowieso den Fuß so oft auf dem Dämpferpedal hat, was man hier reduzieren kann.

Hier mal als Beispiel der bekannte Song aus dem Film "Casablanca", As Time Goes By, was ich nach kurzem eigenem Stimmversuch (und vor Restaurierarbeiten durch einen Fachmann) auf meinem Oberdämpferklavier aufgenommen habe:
http://www.mindenblues.family-schmidt-minden.de/Piano/AsTimes.mp3
[mp3="http://www.mindenblues.family-schmidt-minden.de/Piano/AsTimes.mp3"]hgfdjkgdfhjkgdfk[/mp3]

Ist der Klang dieses Instruments von 1892 wirklich sehr schlecht? Für mich nicht!

Ist es als Anfängerklavier schlechter geeignet? Sehe ich nicht so. Wichtiger ist, dass du es regelmäßig stimmen lässt, und ich hoffe für dich, dass es die Stimmung ordentlich für ein halbes Jahr hält (ich lasse zumindest meinen Flügel 2x pro Jahr stimmen, im Frühjahr und Herbst jeweils beim Umschlag von Niedrig<->Hochluftfeuchtigkeit).
Magst du romantische Musik? Oder Ragtime? Dann ziehe ich das sogar einem heutigen Klavier vor, des Klanges wegen. Aber auch barocke Musik klingt nicht ganz so hart ohne Dämpferpedalspiel.

Also, mach' dich nicht verrückt wegen der anderen Dämpfermechanik. Wichtiger, weit, weit wichtiger wäre mir die Erkenntnis, wie fest oder lose die Stimmwirbel sitzen, ob der Rahmen (Gußeisen in deinem Fall?) intakt ist. Ein paar kleinere Risse im Resonanzboden sind unerheblich, weil sie den Klang nicht sehr verschlechtern. Hauptsache es rasselt nicht bei bestimmten Tönen, das ist oft schwierig zu lokalisieren und zu beheben.
 
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Peter
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Bechsteinfan
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Wunderschöne Einspielung! Und der Klang des Klavieres passt wirklich gut zu dem Stück.
 
Ibächlein
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Keine Panik!

Hallo Snitzy,
mach Dich nur nicht verrückt, bevor das Klavier überhaupt in Deiner Wohnung angekommen ist! Du hast berichtet, dass das Klavier dann auch direkt gestimmt wird. Es kommen also nicht nur die Möbelpacker, sondern auch jemand, der was von Klavieren versteht. Da kannst Du gleich ein paar Fragen stellen und Dir die Mechanik noch einmal live erklären und vorführen lassen.

Wie die anderen schon geschrieben haben, es ist einfach ein anderer Klang, der aber viel Charme hat. ;)

Ich selbst habe auch ein Oberdämpferklavier, das mehr als 100 Jahre alt ist.
Auf diesem Instrument habe ich als Kind Klavier spielen gelernt. Da hatte ich ganz sicher keine großen kräftigen Hände. (Die habe ich nämlich heute auch nicht. :D ) - Nach längerer Unterbrechung spiele ich jetzt wieder auf dem Klavier - mit großer Freude!
Im Workshop "Interpretation Bach Präludium BWV 999" gibt es eine Einspielung von mir, die auf diesem Klavier gespielt ist.

Ich habe auch keine Probleme, bei der Klavierstunde auf einem anderen Instrument zu spielen!

Also nochmal: Freu Dich jetzt einfach auf Donnerstag. Schau Dir dann alles genau an. Und wenn Du mit dem frisch gestimmten Instrument allein in Deiner Wohnung bist, dann duddel einfach ein bißchen rum auf den Tasten. Probier aus, wie sich das anfühlt, die Tasten runterzudrücken, versuch es mal ganz zart und dann kräftiger. Hör genau hin, wie sich der Ton verändert. Ich bin sicher, dass Deine Begeisterung ganz schnell wieder da sein wird.

Und alles andere wird Deine neue Klavierlehrerin Dir schon zeigen!

lg vom Ibächlein
 
Mindenblues
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Du hast berichtet, dass das Klavier dann auch direkt gestimmt wird. Es kommen also nicht nur die Möbelpacker, sondern auch jemand, der was von Klavieren versteht.

Es ist besser, das Klavier erstmal 2 Wochen oder so am Bestimmungsort stehen zu lassen, damit sich die Luftfeuchtigkeit angleicht, sonst hat man u.U. nicht lange was von der Klavierstimmung. Also besser nicht gleich stimmen lassen.

Alternative: bei totaler Verstimmung eine Vorstimmung und nach 2-3 Wochen eine Nachstimmung.
 
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Snitzy
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Ja, ich freu mich auch wieder ... schon übermorgen kommt es (es sei denn man sagt mir ab, Terminänderung).

Gibt es etwas worauf ich dennoch achten muss?
Risse? Ich habe gelesen Risse wäre ganz schlecht und wenn das
Klavier Risse hat, sollte man es um Himmels Willen nicht kaufen.
 
asmis
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Gibt es etwas worauf ich dennoch achten muss?
Risse? Ich habe gelesen Risse wäre ganz schlecht und wenn das
Klavier Risse hat, sollte man es um Himmels Willen nicht kaufen.

Naja, Risse sind schon nicht so optimal, aber auch das kann man beheben, durch Restaurierung zum Beispiel.
Ich würde erstmal abwarten, wie es kommt, in welchem Zustand es dann ist, wie es sich darauf spielt, etc.
Achte vielleicht nur auf die Temperatur - sollte nicht zu kalt, nicht zu warm sein, am besten wenig Temperaturschwankungen und vor allem keine übergroße Feuchtigkeit oder Trockenheit, sonst kann bei einem alten Instrument etwas springen/schimmeln, die Saiten verziehen sich, etc.

Aber wie gesagt - warte erstmal ab, dann kann man immer noch weitersehen. Manches wird auch einfach nur schwarzgeredet, von wegen, man solle dies und jenes unter keinen Umständen machen/kaufen/üben, WEIL... und in Wirklichkeit ist das alles nur dummes Gerede.

Ich habe ein Uralt-Cembalo von der Schule gekauft, war innen total kaputt, hatte keine Beine, Flügel gebrochen, etc., das habe ich mir an einem Nachmittag wieder zusammengebaut, neue Saiten aufgezogen, neues Furnier an einigen Stellen, neuen Filz innen, und jetzt ist das ein echt tolles Instrument, mit vollem Klang und schönem Äußeren; richtig klasse!
Vorher hätte man es glat verschrotten können, nach etwas Aufpolierung sieht dann alles gleich ganz anders aus.

Also: Nicht allzu viele Sorgen, freu dich drauf und erzähl uns dann, wie es ist, ja?
 
Mindenblues
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Risse? Ich habe gelesen Risse wäre ganz schlecht und wenn dasKlavier Risse hat, sollte man es um Himmels Willen nicht kaufen.

Erstmal die Frage, wo Risse. Ich würde unbedingt die Finger vom Klavier lassen, wenn Risse im Stimmstock sind, die dann oft über mehrere Stimmwirbel gehen. Weil dann keine Stimmhaltung mehr möglich ist, und ein Stimmstockersatz lohnt sich nicht für dein Klavier. Und natürlich genauso schlimm, wenn der Rahmen gebrochen ist.

Risse im Resonanzboden jedoch sind normal bei einem alten Instrument und vergleichsweise unerheblich. Siehe dazu den interessanten Artikel von Steinway:
http://www.steinway.com/technical/soundboard.shtml

Mein Oberdämpferklavier hat etwa 10 längere Risse im Resonanzboden, klingt trotzdem gut (finde ich). Und mein Flügel hatte auch einige Risse (da habe ich aber den Resonanzboden aufarbeiten lassen, was sich bei deinem und meinem Klavier mit Sicherheit nicht lohnt).

Äußere Risse sind ja dann "nur" optische Einschränkungen, keine akustischen.
 

C
chief
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Thema: Risse im Resonanzboden.
Aus meiner langjährigen Erfahrung, kann ich nur sagen: Risse im Resonanzboden sind gar nicht so schlimm zu bewerten, falls nicht irgendwas klirrt und scheppert.
Unsere Klavierstimmer sind da zwar anderer Meinung, wollen immer gleich eine Generalüberholung, solln se machen, da es hier TuneLab auch nicht mehr gibt.

Gruß Chief
 
C
chief
Guest
mindenblues.
ich hoffe, du gibst noch Antwort.
Normalerweise ist mir das egal, was andere spielen aber hier will ich mal eine Ausnahme machen.
Du bist ein Profi, und das bringt dich nicht weiter speziell beim As times goes by,
Ist perfekt gespielt,aber irgend was fehlt da?
Meine Einspielung gagegen hatt was, ich weiss nicht selber nicht was, aber ich denke die Amis verstehen das besser.

Gruß Chief
 
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