Mehrere gleich anspruchsvolle Stücke gleichzeitig bearbeiten

  • Ersteller des Themas Barratt
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Auch ein Strategiewechsel gehört in die Kategorie "Abwechslung"!
 
Durch die Welt zu reisen, klingt für mich nicht nach Langeweile. Das würde ich gern mal eine ganze Konzertsaison lang machen.
ich bin zwar kein reisender Musikant, aber ich glaube, das darf man sich nicht wie ein "Reise" vorstellen. Zumindest aus dem Pop-Bereich hört man öfters, daß die nicht mehr wissen, wo sie sind, wenn sie im Hotel aufwachen. Die sehen nur die Bühne und das Hotelzimmer oder den Tourbus. Weiß nicht, wie dicht gedrängt die Termine im Klassikbereich liegen.
 
Ich bin ja kein Popstar. Meine Konzertreisen habe ich immer sehr genossen. Aber es ist schon ein ziemlicher Aufwand, wegen eines einzigen Konzerts nach China und wieder zurück...
 
Zumindest aus dem Pop-Bereich hört man öfters, daß die nicht mehr wissen, wo sie sind, wenn sie im Hotel aufwachen.
Das erzählte auch D. Garrett, als er noch seine 200 Konzerte im Jahr machte. Auch wo sein Hotel war oder wo er spielen soll oder was er spielen soll... Einmal fand er den Konzertsaal, indem er den Taxifahrer auf ein Plakat von sich hinwies "da muss ich hin". Klingt nach "jaja, Anekdoten...." aber bei 200 Konzerten in einem Jahr und noch jede Menge Pressetermine in jeder Stadt klingt das recht plausibel.

Ich finde das immer krass, wenn man sich von manchen Künstlern den Tourneeplan durchliest.
 
Ich fände es cool, wenn noch Beiträge zum Thema kämen... :heilig:
 
ooops, sorry. Gar nicht auf das Thema geachtet. :schweigen:
Aber um ganz schnell den Bogen zu schlagen:
Garrett hat während seiner Crossover-Tournee gleichzeitig seine Crossoversachen und Brahms geübt.

Ich mache das ähnlich. :-D
 
Ich hatte früher im Unterricht immer 2-3 "normale" Stücke gleichzeitig, was von der Lehrerin aus so gegeben war und was ich nie hinterfragt habe - ich war zufrieden damit. Zusätzlich hatte ich zeitgleich auch immer noch 1-2 vierhändige Stücke, weil ich (bei der selben Lehrerin) ca. 10 Jahre lang auch vierhändigen Unterricht mit einem anderen ihrer Schüler hatte, der ungefähr auf gleichem Niveau wie ich gespielt hat.

Im Endeffekt hatte ich häufig zweimal die Woche Unterricht: Einmal regulär (wöchentlich 45 min), und einmal vierhändig (das war nicht strikt wöchentlich, dafür aber teilweise auch in den Schulferien, und in der Regel "open end").
 
Ich fände es cool, wenn noch Beiträge zum Thema kämen... :heilig:

Ganz am Anfang (= erste paar Wochen des Klavierunterrichts) hatte ich nur 30 Minuten Unterricht (was mir ganz schnell viel zu wenig war), und da hatte ich auch nur 1-2 (höchstens) Stücke in Bearbeitung.
Mittlerweile sind es 2-5. Am einen feile ich noch ein bisschen herum (und werde nicht besser ;-)), an einem weiteren Stück bin ich "so richtig dran", ein anderes ist eher in den Anfängen ...

Aktuell z.B.: eine dreistimmige Fuge von Bach (BWV 953, die wird mich noch lange beschäftigen), das erste und zweite Stück aus Honeggers "7 pièves brèves" (das erste läuft so einigermaßen, das zweite weniger), der 3.Satz aus Mozarts Facile hat Optimierungsbedarf und ab und an versuche ich mich an Saint-Saens' Romanze für Cello (eigentlich Horn) und Klavier.

Meine KL fragt dann einfach immer, woran ich in der Stunde mit ihr arbeiten möchte.

Es kann durchaus vorkommen, dass ich mir zu viel vornehme, dann kommt eben ein Stück mal auf die Ersatzbank.

Ich nehme bewusst in Kauf, dass ich dann mehr Zeit benötige, bis ich ein Stück einmal "ablegen" will (von "fertig" spreche ich lieber nicht), aber ich brauche Abwechslung, das war schon immer so und gilt bei mir für viele Lebensbereiche.
 

Allgemeingültiges kann ich nicht von mir geben, nur meine mittlerweile schon langjährige Vorgehensweise.

Das Programm für einen irgendwo zu spielenden Klavierabend lege ich im Vorhinein ungefähr fest und fange dann mit den einzelnen Stücken an. Meist kann oder kenne ich welche dieser Stücke schon, die habe ich dann schnell drin - oder sie müssen warten, weil sie eh "leicht zu kriegen sind". Dann wird drumherumgebaut.
Ich habe jetzt so viel Erfahrung, dass ich weiß, welche Stellen oder Abschnitte der neuen Sachen kritisch sind und den größten und längsten Aufwand erfordern. Diese Einzelabschnitte kommen zuerst dran und haben demnach die längste Übezeit vor sich. Je nachdem wie aufwendig diese Abschnitte sind, sind es mehr oder weniger Stücke, an denen ich parallel arbeite.

Ein Beispiel:
Ende des letzten Jahres habe ich mir endlich die Barcarolle Nr.5 von Anton Rubinstein gegönnt (ca.7 Min.) - und, da sie nicht als einziges Rubinsteinstück im Programm stehen sollte, habe ich mir zwei Stücke aus der Sammlung Kammenoi-Ostrow ausgesucht, die Nr. 11 (ca. 6 Min.) und die Nr. 22 (ca. 8-9 Min.), auch von Rubinstein.
Die Barcarolle war für mich sehr aufwendig und war fast einzel in Arbeit - neben der Pflege der anderen Stücke des Programms, die ich schon konnte. Die beiden anderen Rubinsteinstücke, die Nr.11 und die Nr.22 sind von ihrem Aufbau und von der Technik übersichtlicher als die Barcarolle, also habe ich die Einzelabschnitte aus den beiden Stücken parallel gelernt. Fast "nebenher" das Valse-Caprice dazu - die braucht aber noch Zeit um richtig auf Tempo und Sicherheit zu kommen.

Da es sich bei dem Programmteil um "Musikalische Grüße aus dem alten Russland" handeln soll, kommen zu den Rubinsteinsachen noch von Glinka das Notturno Es-Dur (auch für Harfe), von Tschaikowski Romance Op.5, Romance sans paroles und Dance russe aus Op.40 noch dazu. - Diese kürzeren Stücke (alle zusammen ca. 15 Min.) habe ich alle parallel gelernt.
Das Konzertprogramm enthält die Grobschmiedvariationen (Händel), eine Beethovensonate (Nr. 9) und "Tänzerische Klaviermusik" von Chopin. Es bietet also beim Üben einige Abwechslung.

Ich denke, die Abwechslung in den Spieltechniken und im Musikstil ist der große Vorteil beim gleichzeitigen Erarbeiten von neuen Stücken. Bei mir erhöht sich dadurch die Motivation ganz gewaltig.

Viel Erfolg wünscht

Walter
 
Zuletzt bearbeitet:
Interessant, herzlichen Dank für den umfangreichen Text!

Ich habe jetzt so viel Erfahrung, dass ich weiß, welche Stellen oder Abschnitte der neuen Sachen kritisch sind und den größten und längsten Aufwand erfordern. Diese Einzelabschnitte kommen zuerst dran und haben demnach die längste Übezeit vor sich.

Rein instinktiv handhabe ich das seit einiger Zeit auch in etwa so. :-) Wenn ich es mir recht überlege, führen mehrere Stücke nicht nur dazu, dass man rein quantitativ mehr übt, sondern automatisch auch irgendwie effektiver (konzentrierter, intensiver). :super:

Naja, mein Gefasel von wegen "Lerntyp" war jedenfalls Mumpitz. Was ein Glück, dass ich diese Haltung einer kritischen Revision unterzogen habe. :lol:

Auch Bach tut mir gut. Bach ist so ganz anders als "meine" Romantiker. Ich hatte eigentlich das Vorurteil, es sei mir mehr oder weniger unmöglich, das auswendig zu lernen. Geht aber! Ich habe ein paar Tage lang die Einzelstimmen herauspräpariert und die Ergebnisse der Obduktion frei kombiniert. Dadurch konnte ich sie "hören", ein Gefühl dafür entwickeln, wie Bach sie üblicherweise handhabt und deshalb auch merken.

Cool, irgendwie geht´s derzeit gut voran. :super:
 
Genauso wie übrigens so was wie 1x pro Woche 30 oder 45 Minuten Unterricht, was eigentlich absolut lachhaft ineffektiv ist, aber nur wegen der finanziellen Implikationen so gehandhabt wird.

Spannende Aussage, daher meine Frage: Macht es Sinn mehr als einmal pro Woche Klavierunterricht zu nehmen, wenn man mal die Kosten ausser Acht lässt?

Ich habe das Gefühl, das ich nach der einen Stunde pro Woche satt bin. Nach jeder Stunde mache ich erst einmal eine Stichpunktliste, was Sie alles korrigiert, verbessert und "vorgeschlagen" hat. Das ganze zu verinnerlichen braucht seine Zeit.

Bei mehr Unterricht befürchte ich, das Sie mir nur beim Stümpern zusieht.... naiv?

(Edit Schreibfehler)
 
Spannende Aussage, daher meine Frage: Macht es Sinn mehr als einmal pro Woche Klavierunterricht zu nehmen, wenn man mal die Kosten ausser Acht lässt?

Ich habe das Gefühl, das ich nach der einen Stunde pro Woche satt bin. Nach jeder Stunde mache ich erst einmal eine Stichpunktliste, was Sie alles korrigiert, verbessert und "vorgeschlagen" hat. Das ganze zu verinnerlichen braucht seine Zeit.

Bei mehr Unterricht befürchte ich, das Sie mir nur beim Stümpern zusieht.... naiv?
Sehe ich auch so. Was hat man als Schüler oder Berufstätiger mit ohnehin eher knapper Zeit zum Üben von folgendem Szenario?: Am Montag ist Unterricht, KL sagt was man an Stelle X besser machen sollte. Dann übt man am Montag vielleicht nicht mehr, Dienstag ein bisschen, dann ist Mittwoch wieder Unterricht und man hat es natürlich noch nicht ausreichend verbessert.
Was bringt dann die Stunde? "Ja, liebe KL, ich weiß was ich besser machen muss und arbeite daran, aber hatte noch keine Zeit, es umzusetzen." Super. Dann hat man wieder eine Stunde Unterricht und die Liste zu übender Stellen wird immer länger, ohne je Zeit zu haben, diese abzuarbeiten.
 
Vielleicht sollten ja Unterrichtszeit uz und Übezeit üz zwischen den U-Stunden korrelieren z.B. üz=10uz, wenn man viel Zeit zum üben hat, dann auch öfter Unterricht nehmen. Für mich wäre der Faktor 10...15 ideal, leider kann ichs finanziell nur mit ca. Faktor 30...40.
 

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