Klavierübersetzung für Cembalo-Stelle gesucht

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cw4ever

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Hallo,
ich bin bei YT auf ein Cembalostück von Purcell und/oder Croft gestoßen, das mich so fasziniert hat (die Geschmäcker sind halt verschieden), dass ich es jetzt auch auf dem Klavier probieren will. Leider gibt es eine regelmäßig wiederkehrenden Stelle (Datei angehängt), an der in der linken Hand ein Viertel-C angeschlagen wird und die Rechte ein Sechzehntel später genau das gleiche C für ein Sechzehntel braucht, was ja bei zwei Cembalo-Manualen so selbstverständlich geht wie bei ihr: http://www.youtube.com/watch?v=Tu8-y8JO77Y&feature=related

Wie lässt sich das am besten lösen, schließlich werden es ja auch Cembalo-Spieler an Instrumenten geschafft haben, die nur ein Manual haben.

Vielen Dank im voraus für alle Tipps
cw4ever
 

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Clavierfan

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Hi,

ich würde hier nicht viel übersetzen, sondern einfach beide c hintereinander anschlagen wie es in der Notation steht und dann das als 16tel notierte c nach dem Anschlag auf der Länge der Viertel halten. So würde man das auf einem einmanualigen Kielklavier auch tun. Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass die Stelle nicht zwangsläufig mit 2 Manualen rechnet. Gerade die englische Cembaloliteratur dieser Zeit rechnet doch in der Regel kaum mit den späten 2-manualigen Cembali mit 2 kontrastierenden Manualen, sondern eher mit Spinetten oder Virginalen. Und selbst bei den großen englischen Cembali des 18. Jh. ist das mehrmanualige Spiel immer mit einer deutlichen Lautstärkeabstufung verbunden, da der obere 8' mit seinen Normalspringern getreppt ist und somit solange auch auf dem 1. Manual mitklingt, bis die Normalspringerreihe des 2. Manuals ausgeschaltet wird und auf dem 2. Manual das Nasalregister eingeschaltet ist.
D.h.: Ein Spiel auf 2 Manualen eines englischen Cembalos des 18. Jh. würde die von Dir beschriebene Problematik nur dann lösen, wenn auf dem 1. Manual der normale 8', auf dem 2. Manual das Nasalregister registriert wäre. Das wäre aber eine sehr kontrastreiche Registrierung, klanglich wie auch dynamisch gesehen, die diese m. E. sehr lautenhaft gedachte Stelle kaum hergibt.

Evtl. kannst Du auf dem Klavier beide Linien dennoch klanglich etwas nuancieren. Über die beiden c würde ich mir jedoch keine weiteren Gedanken machen.

Gruß, Clavierfan
 
C

cw4ever

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Hallo und dankeschön!
Soviel Cembalo-Wissen bringt man als "Normalmensch" ;) natürlich nicht mit - und denkt sich außerdem, dass sich der Komponist schon was dabei gedacht hatte, wenn er das so hinschreibt. Haben die Ausführenden dann damals gewusst, dass es von der reinen Komposition her zwar so aussehen musste, sie aber ansonsten das beste draus zu machen hatten? Versuche ich jetzt also auch und widme mich ansonsten den ganzen Verzierungen...
Schönen Gruß, cw4ever
 
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Clavierfan

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Hi,

in der Tat: Gerade bis in Barockzeit findet man hin und wieder Stellen, die man genaugenommen so eigentlich nicht spielen kann. Von Bach gibt es beispielsweise ein Orgelwerk (Pièce d'orgue in G), welches im Mittelteil ein Kontra-H verlangt, das - auf den für Bach in Frage kommenden Instrumenten und auch heute - nicht verfügbar ist. Es gibt zwar bspw. im französischen Orgelbau hin und wieder Klaviaturen bis in die Kontra-Oktave, allerdings sind diese i.d.R. klanglich anders konzipiert, so dass man wieder ausschließen kann, Bach hätte an solch ein Instrument gedacht.

Ich denke, da spielen zwei Faktoren eine Rolle: Zum einen ist die Musiknotation dieser Zeit oftmals eher theoretisch gedacht, als gedankliche Skizze. Die konkrete Ausführung selbst obliegt dem Spieler nach seinem Gusto und seinem Instrument. Und letzteres war viel weniger festgelegt, als wir heute glauben wollen. Zum anderen sollte man hinterfragen, wie das Ganze im Original notiert ist: Wurde das Stück überhaupt in "moderner" Notenschrift festgehalten oder als Tabulatur? Im letzten Fall ist es auch eine Frage der Art der Übertragung.

Gruß, Clavierfan
 
Guendola

Guendola

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Bei Cembalo und Orgel steht im Gegensatz zum Klavier die Artikulation im Vordergrund. Die Lautstärke ist ja dort nicht durch den Anschlag variabel, daher "behilft" man sich mit kürzeren und längeren Tönen, was in gewissen Grenzen eine ähnliche Wirkung hat. Außerdem ist legato bei solcher Musik nicht selbstverständlich, es würde (obeflächlich gehört) auch nicht anders klingen, wenn man statt der Sechzehntel+Sechzehntel Pausen Achtel ohne Pausen notieren würde. So gesehen stören sich die beiden Cs überhaupt nicht.

PS: Was ich über Artikulation geschrieben habe, ist so nicht ganz richtig aber das ist für dieses Stück ziemlich egal. Wenn dich das Thema interessiert, findest du hier im Forum und auch anderswo im Internet bessere Informationen.
 
 

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