Klavierkauf, Besichtigung, Stimmwirbel

  • Ersteller des Themas Benjaming
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Benjaming

Guest
Hallo sehr geehrtes Forum

Obwohl ich schon eine Weile spiele, hab ich nicht viel Wissen/ Erfahrung mit Klavieren und hoffe hier Rat zu finden.
Ich bin dabei mir ein günstiges, gebrauchtes, kleines Legnica(Polen) Klavier von privat zu kaufen. Für meine Ansprüche vollkommen ausreichend.
Hab es bereits besichtigt und von oben bis unten geprüft: Mechanic in schuss, kein Rost, Resonanzbogen heil.
Nur verstimmt war es im mittleren Tasten Bereich sehr stark. Es sei seit 15 Jahren weder gespielt noch gestimmt worden.
Im nachhinein fällt mir ein, dass ich den Stimmwirbeln keine Beachtung geschenkt habe. Ich würde das Alter max auf 50 Jahre schätzen. Habe mal vom Problem lockerer Stimmwirbel gehört. Dass das zwar eher ein Problem bei 100 Jährigen Klavieren sei, dass aber auch durch dilettantisches Stimmen durch Pfuscher schon früher auftregen kann.Frage:
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Stimmwirbel ausgeleiert sind? Gibt überhaupt die Möglichkeit für Amateure das herauszufinden, wenn man nicht die Möglichkeit hat das Klavier über mehrere Tage- Wochen zu beobachten?
 
Henry

Henry

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Gibt überhaupt die Möglichkeit für Amateure das herauszufinden,
Eher nicht. Ich hatte einst einen Kunden welcher ein Klavier mit losen Wirbeln kaufte, und er meinte er hätt es überprüft und an jedem Wirbel versucht zu wackeln, die waren alle fest :dizzy:
Wenn einzelne Töne einen @Dreiklang bilden, kann das ein Indiz für lose Wirbel sein, muß aber nicht, wenn es über Jahre nicht gestimmt wurde. Ebenso können stark abfallende Oktaven ein Indiz sein, für einen finalen Plattenbruch, aber auch hier kann eine jahrzehnte lange Vernachlässigung des Instrumentes zu diesem Effekt führen.
Die Wirbelfestigkeit kann ansich nur ein geübter Stimmer feststellen und auch da gibt es Grenzwerte wo man sagt "es ist schon möglich daß es noch hält aber es kann auch sein daß es die Stimmung nicht mehr hält". Neben der Wirbelfestigkeit spielt auch immer noch die Mensur mit eine Rolle - ein alter Geradsaiter mit recht leichten Wirbelgang hält die Stimmung unter Umständen besser als ein wesentlich neuerer Vollpanzer mit gleichen oder sogar noch schwereren Wirbelgang.

LG
Henry
 
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Benjaming

Guest
Vielen Dank für die Antworten.
Ich bin das Wagnis, nach langer Überlegung dann doch eingegangen. Am Samstag wurde es geliefert. Ich hab hier noch einen Stimmhammer, den ich selten für das Nachstimmen einzelner Töne an meinem anderen Klavier (Geyer, Ddr) benutze. Hab einfach mal testweise das Mittel-C gestimmt - mit einer simplen Tuning-App fürs Smartphone. Bis jetzt hält es noch. Dennoch sind die Stimmwirbel schon deutlich leichtgängiger als bei meinem Geyer. Und der Abstand zwischen der aufgewickelten Saite und dem Rahmen ist auch geringer: 1 bis max. 2mm. Am Montag kommt der Stimmer.. bin gepannt was der dazu sagt.
Inzwischen ist noch ein anderes Problem aufgetreten: Beim entfernen der dicken Staubschicht innen und aussen ist mir ein Haarriss im Resonanzboden, der fast von ganz oben bis ganz unten reicht und sowohl von aussen als auch von innen zu sehen ist, aufgefallen. Bin dann nochmal alle Tasten mit kräftigem Anschlag durch gegangen und ja, leider hört man tatsächlich bei ca. 7 aufeinander folgenden Tönen im tiefen Bereich ein leichtes unsauberes Klirren.. Bin mir jedoch nicht sicher ob das nicht doch mit der Verstimmung zu tun hat und vlt vom Stimmer behoben werden kann.
Gibt es eine einfache Methode einen Haarriss selbst zu reparieren (vlt mit sekundenkleber oder so) -zu mal das Klavier ja eh ziemlich billig war, oder muss ein Intrument dafür zwingend in die Werkstatt?
 
B

Benjaming

Guest
Hi
Update:
Der Stimmer(Klavierbaumeister) meinte gleich, der Haarriss sehe harmlos aus und sollte sich nicht auf den Klang auswirken.
Hab mir gleich eine doppelte Stimmung(die Zweite direkt nach der Ersten) geleiste und tatsächlich, das Piano hat einen schönen Klang und es klirrt nichts.
Die Wirbelfestigkeit kann ansich nur ein geübter Stimmer feststellen
Der einzige Wirbel der zu ausgeleiert war, war einer am höchsten Ton. Ansonsten seien mehrere, etwas lockere Wirbel dabei, die aber die nächsten 5-10 Jahre noch halten sollten.

Ich hab dann noch das Knarzen der Pedale behoben indem ich alle Schrauben im unteren Bereich, an die ich ran kam, mit dem Schraubenzieher wieder festzog.
Epoxydharz, wenn es nicht so drauf ankommt.
Das Klirren könnte aber auch von losen Rippen kommen.
Danke für den Hinweis. Jetzt wo das Klavier frisch gestimmt ist, will ich es ungern nochmal verschieben, aber spätestens bevor es das nächste Mal umzieht, werd ich mich mal genauer mit Epoxylharz beschäftigen um zumidest das Aueinanderbrechen des Resonanzbogen zu verhindern.

Früher oder später werd ich mir wohl ein hochwertiges Piano von privat kaufen und dann, mit Sicherheit gleich eine Taschenlampe mitnehmen und das Instrument von oben bis unten, bis ins Detail anschauen.. und sollten dann noch Zweifel bestehen, besser die 50 Euro für eine Begutachtung aufwenden, als mir dann im Nachhinein wieder Sorgen zu machen..
Bin auf jeden Fall froh dieses Forum gefunden zu haben.
Viele Grüße
 
 

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