Jazz-Klavierschule von Rio Gebhardt

  • Ersteller des Themas Beginner Blues
  • Erstellungsdatum
B

Beginner Blues

Dabei seit
Nov. 2009
Beiträge
12
Reaktionen
0
Hallo zusammen,
ich bin zwar nicht neu, aber mich kennt noch keiner, weil ich bisher immer nur passiv dabei war. Ich gehöre zu den Mittvierzigern, die nach einem viertel Jahrhundert ohne Instrument vor einem halben Jahr beschlossen haben, mit dem Klavierspielen anzufangen. Früher habe ich mal leidlich Akkordeon gespielt. Klavier hat mich schon damals viel mehr interessiert, jetzt habe ich mir mit einem eigenen Einsteigerklavier (Yamaha P114) den Traum erfüllt. Eigentlich wollte ich mit meiner Tochter zusammen einsteigen, aber die hat schon wieder aufgesteckt. Hat zu viele andere Interessen. Ich nicht! Bin eifrig am Tim Richards üben und komme gut voran. Das nur so als Vorgeplänkel. Nun zu meinem eigentlichen Thema: Meine Mutter hat als Jugendliche auch Klavier gespielt und aus ihrer Zeit hat sie auch noch Noten. Unter anderem ein Heft, dass sich "Jazz-Klavier-Schule" nennt und von Rio Gebhardt ist. Nach dem Rio Gebhardt habe ich mal gegoogelt und auch entdeckt, das er ein interessanter Mensch gewesen und ein musikalisches Genie ist. Entsprechend empfinde ich die Noten teilweise als sehr schwer. Leider habe ich nirgendwo etwas gefunden, wo man Stücke von ihm mal h ö r e n kann. Das würde mir das Erarbeiten der Stücke sehr erleichtern. So traue ich mich jedenfalls überhaupt nicht dran. Klavierlehrer habe ich noch nicht. Ich komme momentan (noch) sehr gut ohne zurecht mit meinem Tim Richards und meinen Burgmüller-Übungen. Weil man mit CD eben immer überprüfen kann, ob man richtig liegt. Meine Frage an das Forum: Kennt jemand diese Jazz-Klavierschule von Rio Gebhardt? Hat sie vielleicht sogar jemand auf CD eingespielt oder weiß, wo man das herbekommen könnte? Die Noten müssten aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts sein.
Vielen Dank im Voraus.
Beginner Blues
 
D

Dotterbart

Dabei seit
Apr. 2010
Beiträge
88
Reaktionen
1
Wenn ich eine Passage in den Noten nicht kapiere oder mir unsicher bin, gebe ich sie ganz gern mal in das Notenprogramm ein und lass es mir vom Computer vorspielen.

Zum orientieren langt das.

Ich verwende als Programm das OpenSource-Projekt Musescore, dass allerdings noch jung ist und es erfordert schon etwas Toleranz gegen kleinere Bugs und Einarbeitungszeit. Aber da gibt es natürlich noch viele andere zur Auswahl.
 
hasenbein

hasenbein

Dabei seit
Mai 2010
Beiträge
8.408
Reaktionen
7.077
"Jazz-Klavierschule" ist etwas irreführend als Name.

Gebhardt hat das gemacht, was man im Deutschland der 30er Jahre halt so als "Jazz" ansah - das war aber ungefähr so viel Jazz wie Ravels "Blues" aus der Violinsonate Jazz ist oder Gershwins "Amerikaner in Paris".

Wirklich Jazz lernen kannst Du daraus nicht.

Ich empfehle Dir neben dem Tim-Richards-Buch (das wirklich ganz gut ist) das "Jazz Piano Buch" von Mark Levine. Auch bei den "Children's Songs" von Chick Corea sind einige einsteigerfreundliche dabei, es gibt auch eine CD (auf ECM veröffentlicht), auf der Corea sie selbst spielt. Außerdem hat Philipp Moehrke ein paar Hefte rausgebracht, in denen einige nette, nicht zu schwierige Stücke stehen.
Fürs höhere Niveau ist dann "The Contemporary Jazz Pianist" (4 Bände) von Bill Dobbins ein sehr umfassendes Werk, allerdings in den höheren Bänden mit schon sehr anspruchsvollen Stücken.

LG,
Hasenbein
 
Walter

Walter

Dabei seit
Jan. 2008
Beiträge
1.140
Reaktionen
680
Rio Gebhardt

Hallo Beginner Blues,

ich besitze diese

"jazz klavier schule" - auf den stand der gegenwart gebracht von alfred baresel, hans creutziger, wolfgang lauth.
Oben auf dem Heft steht noch "Schule Nr. 221".
Musikverlag Zimmermann, Frankfurt a.M.

(Ich habe da auch noch eine Akkordeonversion.)

Als (fast) reiner "Klassik-Spieler" habe ich mich überwiegend für die Vorspielstücke im Heft interessiert.

"Große Quartenetüde", "Blues pathetique", "Fox gymnastique", "Englischer Walzer", "Improvisation", "Oktavenetüde" halte ich für ziemlich schwer, es ist für mich die Frage, ob sich das lohnt zu lernen.

Das "Vortragsstück" (bei mit die Nr. 16 auf S. 21) finde ich gangbar, ebenso die Etüde mit der Nr. 13, bei mir auf S.17 oder das "Vortragsstück" mit der Nr.7 auf S. 11.

In einem anderen Heft "10 moderne Klaviersoli" gibt es noch ein schönes Stück "Erinnerung", es steht auf meiner potentiellen Zugabenliste. Dort gibt es noch andere Stücke von anderen Komponisten im ganz ähnlichen Stil.

Der Reiz dieser Stücke besteht in ihrer Weit- und Vollgriffigkeit samt einer manchmal gekünstelt und gezwungen wirkenden harmonischen und rhythmischen Reichhaltigkeit.

Für mich greifen sich diese Effekte mit der Zeit ab - ich könnte keinen halben Klavierabend in diesem Stil hören, das wird mir mit der Zeit langweilig. :confused:

Eine CD oder andere Aufnahmen dieser Stücke habe ich nicht, ich habe auch (noch) keine eingespielt.

Als Einstieg ins Klavierspielen halte ich dieses Heft für ungeeignet - die Griffe setzen schon mal viel Vorbildung voraus.

Viele Grüße

Walter
 
B

Beginner Blues

Dabei seit
Nov. 2009
Beiträge
12
Reaktionen
0
Danke allen für die Infos und Tipps,
so wie ich das sehe, lasse ich da mal die Finger im Moment noch davon und stürze mich auf die auf dem Markt ja reichlich vorhandenen aktuellen Noten für Blues-Einsteiger. Insbesondere Dank an Hasenbein. Von Levine habe ich schon gehört und Chick Corea ist ja auch nicht unbekannt.

Obwohl, die Zusammenfassung von Walter dieser Stücke merke ich mir mal, um vielleicht später doch noch mal daran anzuknüpfen. Irgendwie juckt es, wenn man da ein altes Heft auf dem Klavier liegen hat und nichts daraus spielen kann.

Der Tipp mit dem Notenprogramm war mir neu. Das ist wirklich mal ein Versuch wert.

LG
Beginner Blues
 
F

Fred

Guest
Hi Beginner Blues,

trotz Deines Namens und Deiner Anfrage werde ich nicht ganz schlau daraus, was Du eigentlich willst. Willst Du Jazz spielen lernen? Wenn ja, dann tust Du gut daran Dir die musikalischen Grundlagen dieser Musikrichtung zu erarbeiten und zwar Rhythmik, Melodik, Harmonik und Form.
Stücke nachzuspielen, solange sie nicht durch eigenes Heraushören erarbeitet wurden, bringt dafür recht wenig.
Man kann zwar auch Jazz durch Nachahmung/Imitation erlernen. Schneller und besser bedient ist man aber, indem man sich theoretisches Wissen über die oben genannten Teilgebiete aneignet.
Rio Gebhardt gab seine Jazzklavierschule 1932 heraus. Es ist wohl klar, dass in dieser Schule nur Sachen drin stehen, die zu diesem Zeitpunkt aktuell waren. Das war vor allem Ragtime, Blues und Dixie: Swing & Stride Piano waren noch in den Kinderschuhen. Be-Bop war noch nicht geboren.
Die Improvisation als Hauptmerkmal war noch lange nicht so weit, wie wir sie heute kennen. Dazu brauchte es noch ein paar Jährchen.
Die erste wirklich brauchbare Jazz-Kavierschule kam daher wesentlich später auf den Markt. Es war John Mehegan, der diese 1964 unter dem Titel "Jazz Improvisation" in 4 Bänden heraus brachte. Mit der habe z.B. ich angefangen. Aber heutzutage gibt es Umfangreicheres.
Ich würde Dir, ebenso wie Hasenbein, zum Levin raten - zum einen zu seinem Jazz Theorie Buch und zum anderen zu seinem Jazz-Piano Buch.
Allerdings gibt es auf dem deutschsprachigen Markt noch ein wesentlich umfangreicheres Buch über Jazz-Theorie und zwar von meinem Freund Frank Sikora. Dieses gewichtige Buch (587 Seiten + 2 CDs) ist allerdings nicht Instrument bezogen wie Levine's Jazz-Piano Buch.
Also, mit Nachspielen alleine wird das nix. Zum Jazz-Spielen musst Du schon ein bisschen in die Theorie eintauchen.
 
B

Beginner Blues

Dabei seit
Nov. 2009
Beiträge
12
Reaktionen
0
Hallo Fred,
ja, ich w i l l Jazz spielen lernen! Und ich pauke Theorie, Rhythmik, Melodik und Harmonielehre, das kannst du mir glauben. Mein armer Tim Richards ist schon ganz zerflettert vom vielen Hin- und Herblättern und der CD-Player auf dem Klavier ist schon heiß gelaufen. Das größte Kompliment meiner Familie ist, wenn sie sagen, dass sie nicht mehr hören, ob ich es bin, die spielt, oder die CD läuft. Insofern bin ich sowieso noch beim "Nachspielen", aber das ist ja auch eine Form des Lernens. Die Lernfortschritte in der Theorie gehen nur häppchenweise. Immer mal wieder kommt ein neuer "Aha-Effekt", meist verstehe ich erst 10 Seiten und 5 Stücke später, was der Tim Richards eigentlich gemeint hat. Dabei kenne ich es vom Akkordeon her, nur damals habe ich die richtige Begleitung immer durch "Probieren" herausgefunden. Es gab ja immer nur 3 Auswahlmöglichkeiten.
Was mich an dem Heft von Rio Gebhardt reizt, ist das "Geheimnisvolle". Da sind ganz viele Noten und keiner kann mir sagen, wie sich das wohl anhört. Ich kann es nur erahnen. Aber ich habe ja auch verstanden, dass ich mit den anderen Tipps aus dem Forum viel besser beraten bin. Den geschichtlichen Exkurs von dir finde ich auch sehr interessant. Vielleicht wünsche ich mir die 587 Seiten und 2 CDs zum Geburtstag. Der ist im Juni. :)
Vielen Dank für deine Tipps,
LG,
Silke
 
 

Top Bottom