Ist es euch auch schon mal schwer gefallen ene Gemeinde zu führen?

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orgler87

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Hallo Zusammen,

heute hab ich mir die Zähne ausgebissen... Normalerweise habe ich heute meinen freien Tag. Aber es kam noch eine private Buchung für eine Taufe rein...

Bin ich dahin gefahren... Kapelle, 2 manualige Orgel, 20 Register. Also schon nicht klein für die Kapelle.

Aber die Gemeinde hat sich angestellt, junge, junge... Immer zu spät eingesetzt. Ich musste teilweise Töne verbiegen und zisch tausend Kolraturen rein bringen um irgendwie mit denen gleich zu ziehen... Dabei ist die Akkustik wirklich gut. Da bin ich von meiner Kirche also meiner "richtigen" Stelle ganz anderes gewohnt, ein riesen Hall etc.
Aber soooo schwer wars noch nie...

Ich hab mich gefühlt wie ein Anfänger...

Es war aber auch verhext, egal was ich gemacht hab... Langsamer rein gehen, schneller rein gehen ein Krampf...

Der Pfarrer meinte hinterher ich wäre nicht der einzige dem das so geht...
Ein Kompliment war auch dabei, er meinte ich hab mich echt gut angestellt :D

Ich versuche gerade rauszukriegen, was das Problem ist... Meiner Meinung nach ist das Akkustik der Kapelle gut. Kaum Hall, die Töne breiten sich gut aus.

Was denkt ihr?

LG,
Ben
 
schuro1

schuro1

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...vielleicht sind die Vorfahren alle aus der Schweiz ;-)


*duck und weg -------> *
 
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PeterGiffon

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Mir ist aufgefallen, dass gerade in Kapellen oder solch kleinen Gemeinden geschleppt wird. Entweder es liegt an deren Tradition, am Alter der Gemeinde oder daran, dass die Leute sonst keine sicheren Sänger sind und die Lieder nicht kennen. Ich bleib in dem Punkt auch sturr und zieh mein Tempo durch. Hast du vielleicht der Gemeinde nicht genug Zeit zum Atmen gegeben?
 
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orgler87

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Ja aber stur sein Ding durchziehen kann es ja auch nicht sein... Dann singt ja irgendwann keiner mehr. Also sagen wir es so, jedem das seine. Meine Art und Weise ist das nicht. ;-)

Also Zeit zum atmen war sicher genug da, da ich innerhalb des Liedes um die Gemeinde etwas zu fangen den letzten Ton überdehnt habe und erst dann in den nächsten Absatz bzw. Strophe. Das hat dann irgendwann auch gekappt... Ab der Hälfte ca.

Aber bei jedem Lied das selbe...

Am Anfang dachte ich noch... Jut, neuer Organist, neue Gemeinde. Anfangsprobleme... Aber besser wurde es nicht.

LG,
Ben
 
Klimperer

Klimperer

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Hallo Ben,

Erstens: Vergiss nicht, dass bei einer Taufe oftmals "Zuogreiste" dabei sind, also Gäste, die entweder woanders oder gar nicht in die Kirche gehen. Bei Kasualien (Taufen, Beerdigungen, Trauungen) erlebe ich oft eine (besonders) schleppende Gemeinde.

Zweitens: ich versuche, wenn eine Gemeinde schleppt, möglichst konsequent (das Wort gefällt mir besser als "stur" ;) ) mein Tempo durchzuziehen. Dabei singe ich ganz bewusst aus voller Brust an der Orgel mit, um
a) das Tempo auf Sanglichkeit, Atempausen etc. zu prüfen, und
b) Gemeindeglieder, die mich zufällig hören können, "mitzuziehen".
Zudem verwende ich gerne Registrierungen, die nich unbedingt laut, aber deutlich hörbar sind, z.B. 8', 2' (ohne 4') oder 8', 4', 1' (ohne 2'). Solche "ausgesparten" Registrierungen heben nach meiner Erfahrung die Stimmen und Stimmführung deutlicher hervor als "durchgehende" Registrierungen wie 8', 4' oder 8', 4', 2'. (Sorry, wohne im Ausland und kenne die deutschen Fachbegriffe des Orgelspiels nicht alle...)

Übrigens: Dadurch, dass der Organist sich auf das schleppende Tempo der Gemeinde einlässt, wird nichts gerettet. Im Gegenteil! Und dass eine Gemeinde ganz mit dem Singen aufhört, weil ich mein Tempo durchziehe, habe ich in 25 Jahren noch nie erlebt. Ich glaube, da brauchst du dir keine Sorgen zu machen.

Also, nur zu! :)

Ciao,
Mark
 
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orgler87

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Du kennst ja manche Gemeinden nicht... Du wirst nicht glauben, was ich in 15 Jahren fast 16 Jahren Orgel spielen in diversen Gemeinden schon erlebt hab.
Damit kann man ganze Abende füllen. :)
Manche sind teilweise sooooo Tot georgelt, das die sich auf nix mehr einlassen. Eine Gemeinde davon habe ich jetzt innerhalb von knapp 1 Jahr wieder aufgebaut.
Habe das Gespräch mit denen gesucht. Was muss sich ändern etc.
Und jetzt gehts. Das ist einfach nur klasse... Nur frage ich mich, was manche Kollegen so machen.
 
Klimperer

Klimperer

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Ah, danke, Toni.

@ Ben:

Nur frage ich mich, was manche Kollegen so machen.
Immer eine gute Frage... Wir sind z.B. vier Organisten an einer Gemeinde, mit zwei Orgelsonntagen pro Monat. Also kommt jede(r) im Schnitt nur einmal alle zwei Monate dran. Und jede(r) hat eigene (Un)Gepflogenheiten... Wenn ich mal wegen Dienstplan-Tausch länger nicht in unserer Gemeinde gespielt habe, aber eine gewisse Kollegin unterdessen wiederholt dran war, die eher schleppend spielt (und sich auch immer vom Schleppen ausbremsen lässt!), dann merke ich, wie "zäh" die Gemeinde geworden ist.

Ciao,
Mark
der am 28.7. wieder dran ist, und zu Bachs Todestag BWV 668 spielen will
 
D

Debbie digitalis

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Hallo miteinander,

mein Kommentar zum Thema:

Wer orgelnd an der Orgel sitzt,
der nennt sich meistens Organist.

Das Spiel an Orgeln ist erhaben,
dran soll sich die Gemeinde laben.

Die Gemeinde doch hingegen
Sollt auch die Sangeskünste pflegen.

Gerät ihr Singen aus dem Takt
hat Orgi schnell die Wut gepackt.

Was soll er tun in seinen Nöten,
nicht Hinhörn auf die Sangeskröten,

die Orgel noch vokal vestärken,
damit’s jetzt auch die Letzten merken,

durchpreschen dieses finstre Tal,
- Sänger lahmen alle mal

Oder macht ers wie die Netten
will jede lahme Stimme retten,

dann muss er leider richtig schleppen
und macht sich damit leicht zum Deppen!
;):D

LG

Debbie digitalis
 
Axel

Axel

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Gelegentlich passiert das halt. Meistens, wenn der Hausorganist diesen alten katholischen Stiefel spielt und immer wartet. Aber auch, wenn die Gemeinde nicht geübt ist im Singen, was bei Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen öfters der Fall ist. Die Angehörigen sind ja nicht unbedingt Kirchgänger.

Einige Möglichkeiten um das Problem zu beheben:
- klare, nicht zu leise Registrierung
- c.f. auf einem deutlich hervortretenden Manual
- relativ sparsame Harmonien, Sätze a la Reger verführen nur noch mehr zum schleppen, evtl. nur auf Halbe harmonisieren
- deutliche non-legato Artikulation, evtl. in Abstufungen z.B. nur im Pedal
- entscheidend ist eigentlich immer, wie sehr Du die letzte Note vor der Atemzäsur kürzt. Wenn Du die Finger von der Taste nimmst, schnappen die Leute automatisch nach Luft und dann kann es pünktlich weitergehen.

Und dann gibt es die seltenen Fälle, wo nix hilft. Bei einer Familienfeier würde ich es nicht darauf anlegen, gewaltsam eine flottere Gangart hinzubekommen. Letztlich stört es dann mehr als es hilft. Anders liegt die Sache bei einer Gemeinde, die erziehbar ist.

Schöne Grüße
Axel
 

D

dussek

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Ja, gerade bei Kasualien kanns so was schon mal geben. Ich spiele selbst mehrmals wöchentlich bei Trauerfeiern und da singen besonders die Evangelen gerne mal das eine oder andere Lied. Obwohl die Trauergemeinde ja jedes Mal anders bunt zusammengewürfelt ist, folgen die Anwesenden fast immer erstaunlich gut der Orgel, besonders wenn auch der Pfarrer kräftig (und richtig) mitsingt.

Aber kürzlich hatte ich auch so nen Fall: Die Leute haben einfach vollkommen unrhythmisch gesungen. Da wurden willkürlich Notenwerte verlängert oder gekürzt, so dass fast jeder Takt eine andere Länge hatte. Da jetzt stur sein Ding durch zu ziehen bringt natürlich nix, denn wenn man erst mal nen Takt auseinander ist, ist nix mehr zu retten. So musste ich halt so gut es geht mich flexibel anpassen.
 
Barratt

Barratt

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In dörflichen Gemeinden oder bei Kasualien hat es sich m. E. bewährt, den eigenen künstlerischen Anspruch bei der Choralbegleitung hintanzustellen (austoben kann man sich ja vor Beginn des GD oder nach dem Segen ;) ). Nach dem Vorspiel zum Choral (bei dem der c.f. schon deutlich hörbar ist, damit die Leute erkennen was kommt - man darf nicht unterstellen, dass die alle Noten lesen können) einen Herzschlag lang innehalten und dann möglichst sonorer Registrierung mit gut hörbarem c.f. in gut singbarer Höhenlage mit dezent-angenehmer, nicht zu aufwändig ziselierter "Begleitung" loslegen.

Oft sind Choräle auch in einer Tonlage, die für viele Durchschnittssänger zu hoch ist. Man kommt dann der Gemeinde entgegen, wenn man den Choral einfach in einer komfortableren Tonart spielt.
 
 

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