Elfenbeinplättchen anleimen / Kanten unterfüttern?

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Eine Frage an die geschätzten Klavierbauer:

Die Elfenbeinplättchen sind bei meinem Flügel nach über 50 Jahren Benutzung ebenfalls in die Jahre gekommen. Dazu ein paar Fragen:

1) Ein Vorderplättchen ist lose. Ich habe es nach Anraten meines Klavierstimmers erstmal nur mit Spucke wieder angepappt - hält besser als man denkt, aber nun möchte ich es wieder ordentlich anbringen. Zumal eine Ecke vom Plättchen abgesprungen ist (ist aber erhalten, muss nur separat mit angeleimt werden). Ich suche nach einem Kleber, der reversibel ist, also bei Bedarf wieder lösbar ist. Welcher Kleber ist dafür geeignet, wie soll man das Plättchen oder Taste vorbereiten? Ich könnte nach dem Kleben die ganze Taste zart im Schraubstock mit Hölzern fixieren, damit der Kleber hält

2) Einige Vorderplättchen sind vorne "angefressen". Gibt es da was zum "Unterfüttern" und anschließend abschleifen?

3) Zusatzfrage: einige Tastenspalten sind nicht gleichmäßig. Wie kann man das beheben - die Tastenvorderstifte seitlich verbiegen, damit alles schön gleichmäßig ist?

Anmerkung: als ich den Flügel (Bj. 1935) vor über 50 Jahren bekam, war alles makellos - der Flügel war praktisch unbenutzt. Nun sieht man stark die Linien zwischen Vorder- und Hinterplättchen, die Tasten haben "Kuhlen" bekommen, wurden mehrfach angeleimt, der Lack ist ab... ist eben ein Gebrauchsinstrument :020:. Aber irgendwie stehe ich auch zu den Gebrauchsspuren - zigtausende Stunden hinterlassen eben Spuren (akustisch wurde der Flügel aber schonmal komplett von Grund auf restauriert).

Hier ein paar Fotos dazu:
IMG_20260306_100540138.jpgIMG_20260306_100605014.jpgIMG_20260306_100642086.jpg
 
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Zähne werden im Laufe der Jahrzehnte nicht schöner, da kann man außer eventuell bleichen-schleifen-polieren nicht großartig was machen.
 
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1: Fisch- oder Warmleim, denke ich.
2: Ich würde die vordere Kante (aller Tasten!) soweit beschleifen, bis das angefressene nicht mehr so auffällt; so ca. 1mm). Natürlich sollte genug Überstand bleiben. Alternativ Keramik (Acrylkey) oder Epoxidharz verwenden.

3: Ich kenne da auch nur Vorderstifte richten.
 
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Nimm die Tasten und geh zum Zahnarzt deines geringsten Misstrauens. Der ist Spezialist für Elfenbein!
 
1: Fisch- oder Warmleim, denke ich.
2: Ich würde die vordere Kante (aller Tasten!) soweit beschleifen, bis das angefressene nicht mehr so auffällt; so ca. 1mm). Natürlich sollte genug Überstand bleiben. Alternativ Keramik (Acrylkey) oder Epoxidharz verwenden.

3: Ich kenne da auch nur Vorderstifte richten.
Vielen Dank, Peter - das sind handfeste Hinweise, und ich werde sie wohl alle befolgen!

Nur bei 2): nein, nein - ich werde bei meiner alten Dame nicht alle Vorderkanten abschleifen, bloß wegen einer Handvoll ausgefranster Tasten. Wenn nötig, dann nur bei denen... - aber danke für den Hinweis auf Meyne, werde ich kontaktieren, so lange es diese Firma noch gibt - also schnell..
 
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Farblich passende Composit-Füllung mit UV-Aushärtung …
Das klingt zwar verlockend, aber zum einen muss man erstmal einen Zahnarzt finden, der sowas machen würde.

Zum anderen ist die Frage, ob Epoxydharz nicht noch bessere Haftung hätte, aber aus gesundheitlichen Gründen nicht im Gebiss verwendet werden kann.

Hast du so etwas schonmal gemacht, Composit-Füllung vom Zahnarzt zu nehmen und UV-aushärten lassen? Wie ist da deine Erfahrung bzgl. Reparatur von ausgefransten Vorderkanten?

Oder hat jemand Erfahrungen gemacht mit "AcryliKey II" oder dem CRAMER Reparatur-Set, wie von Peter vorgeschlagen?
 
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Erfahrungen kann ich nur aus meinem Gebiss mitteilen und ja, das funktioniert ganz gut!

Elfenbein ist Zahnbein, das ist ja das Fachgebiet des genannten Experten. KIar ist mein Vorschlag nicht ganz ernst gemeint, aber man könnte ja mal mit einem darüber verhandeln, vielleicht ist er selber neugierig? Meinen Zahnarzt kenne ich dank unzähliger Besuche so gut, dass ich das sofort wagen würde.

Auf jeden Fall besteht das Zeug — neben der die Abriebfestigkeit verleihenden Keramik — aus UV-lichthärtendem Methacrylat, laut Google immerhin ein entfernter Verwandter der Epoxidharze.

Meiner Erfahrung nach vergilben handelsübliche Epoxid- und Polyester-Harze über die Jahre recht unschön. Vielleicht gibt es bessere Qualitäten, die diesen Mangel nicht zeigen.
 
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  • #11
Erfahrungen kann ich nur aus meinem Gebiss mitteilen und ja, das funktioniert ganz gut!

Elfenbein ist Zahnbein, das ist ja das Fachgebiet des genannten Experten. KIar ist mein Vorschlag nicht ganz ernst gemeint, aber man könnte ja mal mit einem darüber verhandeln, vielleicht ist er selber neugierig? Meinen Zahnarzt kenne ich dank unzähliger Besuche so gut, dass ich das sofort wagen würde.

Auf jeden Fall besteht das Zeug — neben der die Abriebfestigkeit verleihenden Keramik — aus UV-lichthärtendem Methacrylat, laut Google immerhin ein entfernter Verwandter der Epoxidharze.

Meiner Erfahrung nach vergilben handelsübliche Epoxid- und Polyester-Harze über die Jahre recht unschön. Vielleicht gibt es bessere Qualitäten, die diesen Mangel nicht zeigen.
Es gibt auch Ersatzplättchen ...
 
  • #13
 
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  • #15
Die enthält eben auch eine gewisse Menge Bleich- sowie Schleif- bzw. Poliermittel und ist wahrscheinlich günstiger, als irgendeine spezielle "Klaviertastenpolierpaste" ... und sanfter als handelsübliche Scheuermilch.

Zum Glück ist mein Klavier Nichtraucher und trinkt auch keinen Kaffee ... die Verfärbung hält sich also in deutlich engeren Grenzen, als bei meinen Zähnen.
 
  • #16
Das Video wurde von einem absoluten Laien angefertigt. Deswegen habe ich es hier verlinkt: um zu zeigen, dass man das durchaus schaffen kann.
 
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  • #17
Die Frage ist bei mir nur, ob ich 150€ ausgeben will für AcryliKey II für in meinem Fall lediglich 5 Tasten, die ein bissl angefressen sind. Oder erstmal nur 20€ für das CRAMER Reparatur-Set, und dann mal an einer Taste ausprobieren, ob es das nicht auch tut.

Zum Polieren habe ich Zahnpasta auch schon mal erfolgreich genommen - funktioniert z.B. auch bei gefundenem Bernstein, wenn man den schön glänzend haben möchte. Bzgl. der Elfenbein-Tastenbeläge wurde leider in der Vergangenheit schon viel zu viel geschliffen und poliert, die sind insgesamt auch schon ziemlich dünn geworden durch mehrfache Schleifaktionen und es bilden sich seit neustem kleine "Adern" bei einigen Tasten. Werde es aber zum Schluss im Bereich der reparierten Stellen auch verwenden, wenn es fertig geschliffen wurde.

Ansonsten habe ich immer den Rat eines Klavierstimmers befolgt, die Tastenklappe stets offen zu lassen, weil das Elfenbein bei Licht nicht vergilbt (im Gegensatz zu Plastiktasten). Vergilbt ist da auch nix.

Was mich aber auch noch ärgert: alle Tastenbeläge, deren Vorderplättchen angeleimt wurden (im Laufe der Zeit ca. die Hälfte aller weißen Tasten) haben danach eine mehr oder weniger deutlich sichtbare Linie zwischen Vorder- und Hinterplättchen bekommen. Bei den verschonten originalen Tasten sieht man praktisch nix, man könnte denken, es sind durchgehende Tastenbeläge. Ich hoffe, es gelingt durch liebevolle Zuwendung bei dem einen losen Tastenplättchen, die Kanten so zu reinigen und zusammenzufügen, dass es eine vergleichsweise diskrete Linie wird und das Ergebnis nicht so ist wie bei anderen Tasten, die von verschiedenen Klavierstimmern "zusammengepappt" wurden mit entsprechendem Ergebnis (sieht man auf dem letzten Foto des Eingangsbeitrags).
 
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  • #19
hauptsächlich in der Mitte?
Das hat, wie ich vermute mit dem Handschweiß der Spieler zu tun und
oder mit dem verwendeten Leim und den Weißzusätzen etwa in der Zeit zwischen 1925 und 1940?
Der Flügel ist von 1935 und war praktisch unbenutzt bis 1975, sämtliche Tasten wie auch Schellack, alles war makellos. Bis ich kam.:020:

Es geht um die Vorderplättchen, die so von 1990 bis jetzt wieder angeleimt wurden. Da ist eine Trennlinie zu sehen wie dreckige Fingernägel über die ganze Tastenbreite - auf dem Bild ja zu sehen. Offenbar gibt es Schwierigkeiten, die Plättchen so anzuleimen, dass die Trennlinie unsichtbar bleibt. Oder es gibt Tricks, wie man das hinbekommt, die die bisherigen Klavierstimmer nicht kannten.

Die Tasten haben übrigens auch eine mehr oder weniger fühlbare Kuhle in der Mitte wie ein durchgesessenes Sofa. Da lagen dann lange Zeit die Plättchen hohl - man konnte das durch den Klang beim Drauftippen erhorchen, richtig ekelhaft beim Spielen - bis sie wieder fest angeleimt wurden. Hoffentlich mit reversiblem Kleber.

Bei den originalen Tasten im Spielbereich hat der Handschweiß offenbar nix ausrichten können - die sehen alle makellos aus. Da die Beläge von Steinway ja auch aufgeleimt werden mussten, muss also die entstandene Trennlinie der nachträglich geleimten Beläge von der Methode des Anleimens stammen.

Wichtig ist mir eigentlich nur, dass ich die Tasten und deren Beläge erhalten möchte, so lange es geht. Die Trennlinien sind zweitrangig. Es ist ein Gebrauchsinstrument mit Gebrauchsspuren wie eine abgeschabte Fender Stratocaster von Clapton oder Gallagher. Akustisch ist alles erstklassig. Aber die angeknabberten Tastenkanten zu reparieren, hilft vielleicht auch, das Tastenbelagsleben zu verlängern.
 
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  • #20
Die kleinste Fuge sammelt den Dreck.

Hier im Forum habe ich irgendwo gelesen: Man muss man die Stoßstelle schräg anschleifen, sodass sich ein nach unten erweiternder Spalt ergibt. Nur so bekommt man die Kontaktstelle perfekt hin.
 
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