Ein Lob den akustischen Kleinklavieren und der privaten Suche

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Schunkelmusiker
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Hallo zusammen,
hier mal ein Mutmacher für Anfänger auf der Suche nach einem Instrument:

Wie schonmal im Vorstellungsfaden berichtet, besitzen wir seit 2 Monaten ein Schimmel-Klavier, B100, (~1m hoch) Bj. 1978. Das Klavier hatte 1 Vorbesitzer, wo die Tochter einige Jahre darauf lernte. Die letzte Stimmung war unbekannt, seit Mitte der 90er, als die Tochter wohl auszog.

Außen und auch innen nahezu makellos, nichts abgenutzt, verrostet oder so. Natürlich verstimmt.

Weil es so klein und relativ leicht ist (ca. 150kg lt. Web) war der Transport in Eigenregie EG zu EG kein Problem. Nach nur 1 Stimmung war alles wieder i.O., laut Stimmer war es überraschend nur wenig abgesunken. Alle Stimmnägel saßen gut stramm, nur am Moderator mußte er etwas rumbiegen, den benutze ich aber eh nicht. Innen ausgesaugt hatte ich selber, mit Pinsel und Staubsauger.

Vorher hatte ich nur, und in einem anderem Zimmer immer noch, ein Yamaha P35 stehen. Und: das hat jetzt quasi Pause, außer mal ganz spät oder früh mit Kopfhörern. (vorher 3/4 über die eingebauten Lautsprecher und 1/4 über Kopfhörer). Das Teil kommt vom Klang und Herzgefühl bei weitem nicht an das winzige Schimmelchen heran.

Den Anschlag würde ich jetzt nichtmal so ganz verschieden einschätzen, das B100 ist mir manchmal fast ein wenig laut (!) (ich muß einfach lernen, ordentlich p zu spielen), jedoch kann ich am Schimmel viel mehr Einfluß nehmen auf die Tonentwicklung. Und es klingt wirklich wie ein „richtiges“ Klavier, während die meisten Digis ja irgendwelche Flügel nachstellen wollen (Samples).

Ich bin nach wie vor völlig begeistert und freue mich an dem kleinen Schimmel. Und wenn ich ehrlich bin, hatte ich zwar immer Verlangen nach einem richtigen Klavier, aber auch ein wenig Angst davor: hohe Anschaffungskosten, Transportkosten, Stimmer min 1xp.a., Problematik des Raumklimas usw., so eine Panik vor dem sich festlegen, des Klotzes am Bein bei Umzug.

Und nun: Nix davon muß sein !

Zuvor hatte ich einige Feuriche, Sauter, Seiler, Schimmel, Grotrians, Zimmermänner bei diversen ordentlichen Klavierhäusern angespielt, immer in deren Gebrauchtinstrumentekellern (wirklich!!!), wo die holzfarbigen 60er/70er-Jahre Teile standen. Und da gab es wirklich schöne Klaviere dabei.

Teilweise neu schwarz lackiert für ca. 4000EUR, gute 115-120er Höhe holzfarben für 2500EUR und äußerlich abgenudelte Preßspankorpusteile für 1000EUR.

Prüfstein war immer ein neues Yamaha B1 für ~3000EUR, oder entsprechendes Kawai -Pendant als Mindeststandard, was die natürlich immer da vor Ort hatten. Deren Klang gefiel aber eigentlich nicht.

Aber auch 3000 EUR sind Geld. Und dann war ich mutig/wagemutig/verrückt(?) und hab mehrere Klaviere für unter 1000EUR aus Ebay-Kleinanzeigen in 20km Umkreis angespielt, von privat. Bedingung; nur deutsche Fabrikate, nix vor 1950. Naja, und da gab es dann das Schimmelchen für 500 EUR als echten Schnapper.

(der Gedanke: alle diese Kisten dieser o.g. Preislage in den Händlerkellern haben die nämlich für vermutlich 200-1500 EUR in Zahlung genommen)

Einziger Kompromiß bei uns war jetzt: das Klavier steht im Eßzimmer, weil in der Wohnstube dank gut eingeheizten Kaminofens auch mal schnell 30°C /30% rH herrschen und im Eßzimmer ist das weit weit weniger schwankend.

Also liebe Klavierspieler: wer holzfarbene Klaviere aushalten kann und sich ein wenig mit der Materie befaßt, findet echte Schnäppchen im Gebrauchtsegment. Nach 3-4 Monaten Suche und dem 20. angespielten und angeschauten Klavier (inkl. Händlerbesuche) , merkt Ihr dann schon schnell, worauf es ankommt, und wo nähere Inaugenscheinnahme sich lohnt. Und dann findet ihr Euer Klavier auch von Privat zu einem guten Preis. Da gibt es noch Tausende davon in den Wohnzimmern der älteren Häuser. Bei maximal 20km Umkreis ist das auch nicht schlimm, wenn mal eine Niete dabei ist.

Und Ihr schafft das ggfs. auch selber mit dem Transport , wenn nur wenige Stufen.

Gerade als Anfänger müßt Ihr nichtmal gleich 3-5kEUR ausgeben, auch für weit weit darunter könnt Ihr mit etwas Glück tolle Instrumente bekommen, aber eben nur Privat.

PS: den Vorteil der günstigen Neuinstrumente oder überholten Gebrauchten vom guten Händler will ich nicht verschweigen: mehrere Instrumente an einem Ort zum direkten Vergleich, Garantie, Lieferung und 1. Stimmung Zuhause sind eigentlich immer dabei. Und ein guter Händler verkauft keinen Schrott mit Resorissen oder lockeren Wirbeln.

PS2. alle angespielten P675/685/CA58/78/98/N1(?)/CS11 waren zwar toll, aber nach meinem Gefühl mir eigentlich zu teuer für Ihren perfekten, aber doch immer irgendwie synthetischen Klang.

Viele Grüße

Der Schunkelmusiker Jörg
 
cwtoons
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Schön sehen sie ja nicht aus, diese kleinen Nussbaumschätzchen.

Aber wenn einen das Design nicht stört und der Klang akzeptabel ist - tja, dann.... Hauptsache, es kommt Musik 'raus.

Muss ja nicht bei dem Teil bleiben.

CW
 
bluesman
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Ein schönes Plädoyer, dem ich nur beipflichten kann, auch wenn ich beim Gebrauchtkauf etwas weiter oben und beim Händler ins Regal gegriffen habe. Aber dafür zugegebenermaßen auch deutlich teurer.

Viel Freude mit dem kleinen Schimmel!

Grüße
Bluesman
 
Gymnopedie
Gymnopedie
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Meins ist auch braun. Ein schwarzes würde auch gar nicht zu meiner Wohnung passen.
 
Gernot
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Ich hatte früher ein 107 cm hohes (braunes) Kawai. War also nicht viel größer als Deins, hat aber gute Dienste getan und tut es noch bei meiner Mutter, die es übernommen hat, als ich mir einen kleinen Flügel gekauft habe.

...nur am Moderator mußte er etwas rumbiegen, den benutze ich aber eh nicht.

Wenn man ganz drauf verzichtet, lässt sich die Mechanik weiter optimieren. Der selige @klaviermacher hat das seinerzeit gemacht und das Klavier war danach im Piano-Bereich spürbar besser kontrollierbar.

Viel Freude noch mit deinem kleinen Braunen!

LIebe Grüße
Gernot
 
TastenteddyBS
TastenteddyBS
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Ich kann dem absolut zustimmen. In der Liga bis 2000,- kann man bei den alten Kleinklavieren, speziell von Schimmel, aber auch Zeiter und Winkelmann wirklich echte Schnäppchen finden. Auch gelegentlich für unter 1000,-€. Konstruktiv sind die immer noch auf Höhe der Zeit und mit der amtlichen Rennermechanik macht man eh alles richtig.
Speziell die 108er Serie von Schimmel war ein absolut ausgereiftes Instrument, nicht ohne Grund der absolute Bestseller zu seiner Zeit. Allemal besser, langlebiger, wohlklingender und eh besser verarbeitet, als der aktuelle "China-Schrott!
Und ja, klar war die Optik eben so, wie sie eben war! Und das ist u.U. ja schon wieder angesagter Retro-Style:-)
 
Wiedereinaussteiger
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Die besten kleinen braunen Klaviere sind die, die gar nix kosteten. So eines war mein erstes, ein Euterpe - geschenkt bekommen von einem Schulkameraden, als er ein neues schickes schwarzes Hochklavier bekam.

Ich habe drauf gelernt, mein kleiner Bruder hat drauf gelernt, und als ich dann ein schönes großes schwarzes Hochklavier bekam (wieder geschenkt, von meinem Schwager), da hatte das kleine Braune seine Schuldigkeit getan.

Es wurde dann im Keller vom bastelfreudigen Opa entkernt und die Teile verwurstelt - zu üblen Bauereien für Geschenkkisten, die man mit einer Taste öffnen konnte. Innen drin eine Taste machte dann ganz laut "MUUUHH!", und sowas. Zum Schabernack eines großen Jungen...Und zur Freude berüchtigt gewordener Geburtstagsfeiereien, wo sie schon lauerten, mit welcher Schabernack-Geschenk-Kiste mein Papa wieder anrücken werde... Wochenlang fummelte er im Keller an sowas herum, und freute sich einen Ast. Da drücktest du eine Klaviertaste, und wurdest aus einem versteckten Röhrchen mit Wasser angepinkelt. Diese Kisten waren so berüchtigt, dass die damit Beschenkten sie zuletzt nur noch aus weitem Abstand bedienten, zuletzt eine Tante mit einem Besenstiel. Hat jedenfalls eine Menge Spass bereitet und sorgt noch heute für Gesprächsstoff in der buckligen Verwandtschaft.
 
Wiedereinaussteiger
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Hätten Cage & Co. das gekannt, wäre die mus. Avantgarde anders verlaufen! :-D:drink:
Nee nee, keine Sorge. Der Cage hätte wohl meinen Papa nicht bezahlen könnten... ;)

Mein Pa war ein Erfinder. Der hat nach Ende seines Berufs dann nur noch die Dinge getan, die ihm Spass gemacht hatten.

Vielleicht aber hätte er für den Cage für lau geschraubt, das hielte ich für möglich, so in der Rückschau. Papa war ein großer Sponsor der Kultur - jedes Jahr beim Pfarrfest die Lautsprecheranlagen aufgebaut!
:005:
 
 

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