Beethovens Trauermarschsonate op. 26

J

jannis

Dabei seit
27. Sep. 2008
Beiträge
479
Reaktionen
552
Es ist wahrscheinlich (?) ein Raetsel, welcher Held im Trauermarsch "marcia funebre sulla morte d'un eroe" in Beethovens Sonate op. 26 gemeint ist. Ich bilde mir ein, die Theorie gehoert zu haben, dasz dort irgendwo von Beethovens Hand "pour M." eingetragen steht, sich der Trauermarsch also auf Mozart beziehen koennte. Leider kann ich weder diese Literaturstelle wiederfinden noch finde ich in mir zugaenglichen Ausgaben einen entsprechenden Eintrag. Kann mir jemand helfen? Vielen Dank
Jannis
 
cwtoons

cwtoons

Dabei seit
28. Apr. 2011
Beiträge
8.746
Reaktionen
6.865
In meiner Henleausgabe steht nirgendwo "pour M.".

"Bei der Sonate handelt es sich um das erste Werk dieser Gattung, dessen Autograph vollständig erhalten ist. Dieses befindet sich derzeit im Besitz der Jagiellonischen Bibliothek Krakau." (Wiki)

Also muss man wohl da in Polen nachfragen, ob da irgendwo im Notentext "pour M." steht. Wenn das der Fall sein sollte, könnte es zudem ja auch "für Mama" bedeuten.

CW
 
Troubadix

Troubadix

Dorfpolizist
Dabei seit
3. Mai 2011
Beiträge
2.518
Reaktionen
2.502
Dass sich das auf Mozart beziehen soll, ist mir unbekannt. Die gängigste Theorie ist wohl, dass sich das M (steht nur auf den Skizzen) auf den Herausgeber Mollo bezieht, bei dem er op.23 und op.24 kurz vorher herausgegeben hat. Über dem Trauermarsch steht "auf den Tod eines Helden". Dass er Mozart bei aller Bewunderung als Held bezeichnet hätte, halte ich für unwahrscheinlich.

Viele Grüße!
 
mick

mick

Dabei seit
17. Juni 2013
Beiträge
11.561
Reaktionen
19.749
Ich glaube eher nicht, dass dieser Trauermarsch einer bestimmten Person zugedacht ist. Das kommt zum einen von der starken Programmatik des Satzes (vor allem des Trios mit den komponierten Trommelwirbeln und Gewehrschüssen) und zum anderen von der orchestralen Behandlung des Klaviersatzes. Der wirkt aus pianistischer Sicht wie der Klavierauszug eines Orchestersatzes. Wenn ich den Satz spiele oder höre, empfinde ich keine Trauer, sondern fühle mich viel mehr als distanzierter Betrachter einer Szene. Für mich ist das reinste Bühnenmusik, und offenbar hat das Beethoven selbst so empfunden - er hat diese Musik später in einer Bühnenmusik verwendet:

http://hz.imslp.info/files/imglnks/...hoven-trauermarsch-leonore-prohaska-score.pdf
 
J

jannis

Dabei seit
27. Sep. 2008
Beiträge
479
Reaktionen
552
Vielen Dank fuer alle Euere Antworten!
Ich empfinde den Trauermarsch genau wie @mick als sehr stilisiert und theatralisch. Ich empfinde auch keine persoenliche Trauer und sehe den Marsch eher als Buehnenmusik. Von der Bearbeitung Beethovens wuszte ich. Die Mozarttheorie haette nur auch deshalb einen interessanten Aspekt, da der erste Satz dieser Sonate op. 26 ein Variationssatz ist, wie bei Mozarts A-Dur-Sonate, man haette darin versteckte Verbindungen sehen koennen.
Allerdings empfinde ich auch den Trauermarsch mit seinen Trommelwirbeln und Kanonenschuessen fuer Mozart eigentlich unpassend. Es sei denn, man saehe Mozart mit seinen Opern als politischen Sozialrevolutionaer und Beethoven als versteckten Bewunderer gerade dieser politischen Seite Mozarts, der somit dem Wiener Adel eins haette auswischen wollen. Immerhin ist Leonore Prohaska wenigstens eine Freiheitskaempferin.
Allerdings erscheint mir die Theorie mit dem M. fuer seinen Verleger Mollo als wahrscheinlicher.
Ich wuszte auch, dasz sich das Manuskript in der Jagiellonischen Bibliothek befindet, aber das hilft mir als kleinem Klavierspieler natuerlich wenig.
Also kann man wahrscheinlich einfach von einem stilisierten Trauermarsch ohne weitere Hintergedanken Richtung Mozart ausgehen.
Danke und viele Gruesze
Jannis
 
 

Top Bottom